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„Wir machen nicht dicht“

Auch die beste Strategie kann die Krise nicht wegzaubern – aber sie ermöglicht doch eine bestmögliche Fortführung des Unternehmens.

Lesezeit: ca. 2 min

© Sabine Klimpt

Monica Rintersbacher, CEO Leitbetriebe Austria

„Die Überwindung der Seuche ist die wichtigste und akuteste Aufgabe, aber nicht die einzige“, sagt Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin der Leitbetriebe Austria. „Gerade jetzt können und müssen die österreichischen Leitbetriebe unter Beweis stellen, dass sie den Standort Österreich am Laufen halten: Indem sie auch unter schwierigen Umständen Produktionen fortführen, dafür sorgen, dass die ‚kritische Infrastruktur‘ reibungslos funktioniert, andere Unternehmen weiter beliefern und damit deren Existenz sichern und nicht zuletzt auch, indem sie den Neustart für die Zeit nach der Krise vorbereiten – jeder Tag früher, den Österreichs Wirtschaft wieder normal funktioniert, wird Tausende Arbeitslose wieder in Beschäftigung bringen, die Existenzsorgen der privaten Haushalte verringern und die Verschuldung des Staats begrenzen.“

Neue Exportchancen

Aus dem intensiven Austausch mit den Leitbetrieben kommt Rintersbacher zu der Erkenntnis, dass Mut und Zuversicht gerade in Krisenzeiten wichtige „Rohstoffe“ für jedes Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich sind. „Leitbetriebe spielen dafür die absolute Schlüsselrolle.“

Manche Branchen sind von der Krise weniger hart betroffen, zumindest in Teilbereichen eröffnen sich sogar neue Chancen, wie etwa Markus Tadler, Marketingleiter des vor 175 Jahren gegründeten Familienunternehmens Schmid Schrauben, berichtet. „Bis jetzt ist es weniger schlimm gekommen als befürchtet. So laufen einige Exportmärkte wie z.B. Skandinavien überdurchschnittlich gut, weil wir Aufträge von Kunden bekommen, die sonst in ­Asien kaufen und derzeit von dort nicht beliefert werden.“ Im Inland sei die Nachfrage seitens der Baumärkte überraschenderweise nicht gar so stark eingebrochen, weil diese mit Zustellservices und kontaktlosen Abholmöglichkeiten weiterhin ein gewisses Verkaufsvolumen halten und die Menschen zudem ausreichend Zeit für Arbeiten zu Hause haben. „Der Absatz bei Industrie und Bauunternehmen leidet natürlich sehr, aber insgesamt können wir sagen, dass die Lage zwar alles andere als gut ist, aber auch nicht katas­trophal.“

Schutzvisiere für Standard-Bauhelme.

© Kurt Wallner Kunststoffverarbeitungs GmbH

Krisen fördern Kreativität

Neue Situationen erfordern es, neu zu denken und neue unternehmerische Wege zu beschreiten. Schwimmbäderproduzent Wallner Kunststoffverarbeitung hat kurzerhand die Produktion von Polyesterpools um Produkte zur Seuchenprävention ergänzt. So fertigt der Leitbetrieb jetzt Hauch- und Niesschutzaufsteller aus Plexiglas sowie Schutzvisiere, mit denen Standard-Bauhelme nachgerüstet werden können.

„Wenn Sie in einem Supermarkt, einer Bank oder einer Apotheke eine Plastik-Schutzscheibe sehen, besteht eine gute Chance, dass diese Produkte bei uns erzeugt wurden“, berichtet Unternehmer Andreas Wallner. „Wir sind schon stolz darauf, dass auch wir als Schwimmbadbauer einen ernsthaften Beitrag zur Bekämpfung von Corona leisten können. Unser eigentliches Geschäft leidet derzeit darunter, dass jetzt die Montagesaison startet und die Baufirmen vielfach nicht in vollem Umfang arbeiten können.“ Aber mittel- und langfristig rechnet Wallner mit positiven Effekten, denn nach der Krise werden viele Hauseigentümer in ihr Eigenheim investieren. Und da die öffentlichen Bäder auch noch im Sommer geschlossen sein könnten, denken vielleicht manche schon recht bald über einen eigenen Pool nach.

Molto Luce

© Andrew Phelps

Wachstum nach dem Virus

Vor einer speziellen Herausforderung stehen Unternehmen, die wie der Designerleuchtenhersteller Molto Luce Produktion, Eigenvertrieb und Großhandel verbinden. „Unser Vertrieb kann derzeit keine Termine machen, aber in der Produktion halten wir vorerst noch die volle Kapazität aufrecht“, sagt Geschäftsführer Friedrich Eiber. „Das ist vor allem deswegen möglich, weil wir in Normalzeiten mit einem sehr dicken Auftragspolster arbeiten. Wenn die Beschränkungen nicht übermäßig lange dauern, werden wir diese abarbeiten und müssen unsere Produktion nicht zurückfahren.“

Eiber ist auch zuversichtlich, dass nicht noch ein dickes Ende nachkommt und die Aufträge, die im April und vielleicht auch noch im Mai fehlen werden, anschließend mit etwas Verzögerung doch einlangen werden. „Alle Branchen werden dann wieder investieren und dazu gehören eben auch moderne, hochwertige Beleuchtungssysteme.“ Somit wird auf Wachstum und nicht Stillstand nach der Coronakrise gesetzt.

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