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Wir kümmern uns viel zu wenig um unsere Natur!

Published on 31. Oktober 2020

Auf Basis offizieller Berichte der Mitgliedsstaaten bewertet die Europäische Umweltagentur alle fünf Jahre den Zustand von Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume im Ländervergleich. Eine Analyse der Ranking-Daten durch die Naturschutzorganisation WWF Österreich zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage heimischer Ökosysteme: 83 Prozent der bewerteten Arten weisen einen „mangelhaften“ bis „schlechten Zustand“ auf, womit Österreich nur auf dem vorletzten Platz von 28 untersuchten Ländern liegt. Zudem befinden sich 79 Prozent der bewerteten Lebensräume in keinem „guten Zustand“ – auch hier landet Österreich mit Platz 18 nur im hinteren Mittelfeld.

„Österreichs oft strapazierte Rolle als Umweltmusterland ist ein reiner Mythos“, kritisiert WWF-Naturschutzexperte Arno Aschauer. „Im Europavergleich sind wir nur noch Nachzügler, weil wir Natur im großen Stil verbauen, verschmutzen und übernutzen. Die Antwort auf dieses Armutszeugnis muss ein ambitionierter Aktionsplan zum Schutz der biologischen Vielfalt und eine Reduktion des viel zu hohen Bodenverbrauchs sein!“ Zehn bedrohte Tierarten hierzulande sind beispielsweise Luchs, Wolf, Seeadler und das Große Mausohr (eine Fledermausart), aber auch Schwarzspecht (der größte Specht Europas), Bachforelle, Feldhamster, Feldlerche, der Große Eichenbock (unser größter Käfer) und – es muss immer wieder betont werden – die Wildbienen mit etwa 700 Arten.

Wir bauen viel zu viel

Hauptsächliche Belastungsfaktoren für Arten und Lebensräume in Österreich sind die Übernutzung und Verschmutzung der Natur – etwa durch intensive Land-, Forst- und Wasserwirtschaft – sowie die viel zu starke Verbauung des Landes. Der WWF Österreich sieht daher die Bundesregierung und die Bundesländer in der Pflicht, einen konkreten Aktionsplan vorzulegen. „Die neue Biodiversitätsstrategie muss verpflichtende Ziele, Vorgaben und Zuständigkeiten enthalten, damit sie nicht wieder zu einem zahnlosen Papiertiger verkommt“, fordert Aschauer. „Dafür braucht es auch eine ausreichende Finanzierung und ein deutlich besseres Monitoring geschützter Lebensräume und Arten – derzeit gibt es hier massive Defizite!“

Besonders dringend ist die Reduzierung des Bodenverbrauchs: Der Flächenfraß hat längst jedes naturverträgliche Maß überschritten! Tagtäglich verlieren wir rund 13 ha Grünflächen, was maßgeblich zum schlechten Zustand vieler Arten und ihrer Lebensräume beiträgt. „Letztlich leidet auch unsere Gesundheit und Ernährungssicherheit darunter, wenn Österreich weiter rücksichtslos zubetoniert wird“, warnt Aschauer. Eine WWF-Petition gegen den Flächenfraß unter dem Motto „Natur statt Beton“ hat binnen weniger Wochen bereits über 9.000 Unterschriften gesammelt. Darin wird ein Bodenschutz-Vertrag gefordert, den die Bundesregierung mit Ländern und Gemeinden vereinbart, um den Bodenverbrauch auf maximal einen Hektar pro Tag zu reduzieren.

Auch das WWF-Jugendnetzwerk Generation Earth fordert die Politik zum raschen Handeln auf. „Sauberes Wasser, saubere Luft und gute Lebensmittel hängen unmittelbar vom strengen Schutz der Natur ab“, erklärt Magdalena Prieler, Sprecherin von Generation Earth. „Gesunde Lebensräume und eine hohe Artenvielfalt sind die unverzichtbare Lebensgrundlage für uns Menschen. Die Politik darf unsere Zukunft nicht aufs Spiel setzen und muss dem Schutz der Biodiversität viel mehr Gewicht geben!“

Die Petition „Natur statt Beton. Stoppt die Verbauung Österreichs!“ kann online unterzeichnet werden:
www.natur-statt-beton.at/petition

Das sündige Drittel

Published on 3. Oktober 2020

Während die Natur rund um den Globus in beispielloser Geschwindigkeit verlorengeht, beweist die Menschheit an anderer Stelle extreme Ineffizienz: Ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel wird gar nicht gegessen. Das ist eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen, die einem jährlichen Verlust in Höhe von 850 Milliarden Euro für die Wirtschaft und insgesamt acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen entspricht. Auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher gehen genießbare, nährstoffreiche Lebensmittel verloren – oder wir entscheiden uns sogar, sie wegzuwerfen.

Details enthüllen der WWF und die Nachhaltigkeits-NGO WRAP in einem aktuellen Bericht. Es werden an buchstäblich JEDEM Punkt entlang der Lieferkette erhebliche Mengen an Lebensmitteln verschwendet. In Entwicklungsregionen sind Verluste bei der Produktion höher, während in entwickelten Regionen die Verschwendung beim Verbraucher überwiegt. Das weltweite Nahrungsmittelsystem verursacht rund 25 Prozent aller Treibhausgasemissionen, verbraucht 70 Prozent der Süßwasserressourcen und zerstört Lebensräume, sodass tausende Arten in aller Welt vom Aussterben bedroht sind. Die Klimakrise wiederum ruft Extremwetter hervor, das die Lebensmittelproduktion kurz- und langfristig erschwert. Für die Erzeugung der Lebensmittel, die Jahr für Jahr in der Tonne landen, wird eine Fläche so groß wie China benötigt. Wären die Lebensmittelabfälle ein Land, lägen sie bei den Treibhausgasemissionen auf dem dritten Platz hinter China und den USA.

Allein in der EU gehen jedes Jahr rund 88 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren bzw. werden verschwendet – das entspricht 20 Prozent der insgesamt produzierten Nahrungsmittel oder 173 Kilogramm pro Person. Fast die Hälfte der Verschwendung entsteht in Haushalten, weil zu große Mengen gekauft werden oder die Lagerung nicht passt. Auch in der Produktion gehen Lebensmittel verloren: Weil sie gar nicht erst geerntet werden, weil genießbare Produkte wegen ihrer Optik vernichtet werden oder weil sie während Transport oder Lagerung verderben.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent).

Ein Blick auf Österreich

Bei uns landet jährlich rund eine Million Tonnen Lebensmittel im Müll, die Hälfte davon fällt in Haushalten an. Jeder Haushalt wirft pro Jahr durchschnittlich 133 kg an genussfähigen Lebensmitteln weg, was einem Wert zwischen 250 und 800 Euro entspricht.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent). Dahinter folgen Milchprodukte und Eier (zwölf Prozent) sowie Fleisch und Fisch (elf Prozent).

Das muss sich ändern!

Generell wird der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung als Chance zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen weltweit vernachlässigt. Zwar haben sich Regierungen, die die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren, ausdrücklich ein nationales Ziel gesetzt, das dem Ziel der Vereinten Nationen zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 entspricht. Dennoch messen nur die Regierungen von zwölf Prozent der Weltbevölkerung, wie viele Lebensmittel verschwendet werden. Darüber hinaus setzen nur Länder mit 15 % der Weltbevölkerung weitreichende Maßnahmen zum Abbau der Lebensmittelverschwendung um.

Immerhin setzen sich zwei Drittel der 50 größten Lebensmittelunternehmen Ziele, fast die Hälfte misst ihre Lebensmittelabfälle, und ein Drittel führt Maßnahmen durch, um die Abfälle im eigenen Betrieb zu reduzieren. Aber natürlich müssen sich auch die Unternehmen viel mehr darum bemühen, ihre Lieferanten einzubeziehen und die Daten zu ihren Lebensmittelabfällen in stärkerem Maße veröffentlichen. Außerdem müssen mehr Unternehmen der Verringerung von Lebensmittelabfällen Priorität einräumen.

Wir sollten dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

Was für eine große Chance!

Es gilt, den Abbau der Lebensmittelverschwendung als entscheidende Möglichkeit zur Senkung der Treibhausgasemissionen zu nutzen und mit dem Nahrungsmittelsystem den Weg in eine nachhaltigere Zukunft einzuschlagen. So würden wir auch dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

In Europa und auf der ganzen Welt können Regierungen, die bei diesem Vorhaben vorangehen, für die Bürger ihres Landes und auch für die Wirtschaft Vorteile bewirken. Und vor allem können wir alle schon heute einen Beitrag leisten – einfach, indem wir das kaufen, was wir brauchen, und das essen, was wir kaufen!

Roter Alarm!

Published on 18. September 2020

Man kann es gar nicht eindringlich genug formulieren: Laut dem neuen Living Planet Report der Naturschutzorganisation WWF wurden die weltweit untersuchten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen im Schnitt um über zwei Drittel reduziert. In den am stärksten betroffenen Süßwasser-Lebensräumen haben die untersuchten Bestände sogar einen Verlust von im Schnitt 84 Prozent erlitten. Insgesamt fällt das Barometer des Living-Planet-Berichts in seiner 13. Auflage auf einen neuen Tiefstand.

 „Unsere Natur wird rücksichtslos ausgebeutet und zerstört, obwohl sie absolut systemrelevant ist“, warnt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich. „Das schadet nicht nur unzähligen Tieren, sondern auch unseren eigenen Lebensgrundlagen. Denn die Ernährungssicherheit und Gesundheit von Milliarden Menschen hängt direkt von intakten Ökosystemen ab. Werden sie weiter vernichtet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit künftiger Pandemien!“

Zu den wesentlichen Treibern des Negativtrends zählen laut WWF-Report die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen, die Entwaldung, der illegale Wildtierhandel und die Wilderei. Dazu kommen die negativen Folgen der menschgemachten Erderhitzung. Der WWF fordert daher einen grundlegenden Systemwechsel, um den systematischen Raubbau zu stoppen und innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften. „Wäre der Living-Planet-Index an der Börse, würde die größte Panik aller Zeiten ausbrechen“, bringt es Scattolin auf den Punkt. „Sofort-Hilfe-Pakete der Politik wären die Folge. Genau das brauchen wir auch zum Schutz der biologischen Vielfalt!“

Flächenfraß zerstört Lebensräume in Österreich

Die Wildtierbestände gehen nicht „nur“ in Regenwäldern und Meeren zurück, sondern auch vor unseren eigenen vier Wänden, wo es im Langzeit-Vergleich sogar besonders massive Einbrüche gibt. Neben der Übernutzung durch intensive Landwirtschaft ist vor allem der hohe Bodenverbrauch ein wachsendes Problem. Von fossilen Großprojekten im Straßenbau über Skigebietsverbauungen bis zu immer neuen Supermärkten am Ortsrand verliert Österreich tagtäglich im Schnitt 13 Hektar Boden. „Österreich ist schon lange kein Umweltmusterland mehr“, kritisiert WWF-Bodenschutz-Sprecherin Maria Schachinger. „Der Flächenfraß zerschneidet und zerstört wertvolle Lebensräume für Wildtiere und beraubt sie damit ihrer Lebensgrundlage.“

Besonders schlecht ist es um die Flüsse bestellt, die vor allem durch den extremen Ausbau der Wasserkraft immer stärker belastet werden. Nur noch 15 Prozent der Flüsse sind ökologisch intakt. Laut einer BOKU-Studie gelten rund 60 Prozent der heimischen Fischarten als gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. „Wir haben beim Bodenverbrauch jedes naturverträgliche Maß überschnitten – daher braucht es auch hier einen Systemwechsel“, fordert Schachinger.

Ernährungswende muss her!

 „Einerseits gehören Arten und ihre Lebensräume überall besser geschützt, andererseits müssen wir an den Wurzeln der Probleme ansetzen und eine Ernährungswende einleiten“, fordert Georg Scattolin. „Das heißt: Lebensmittel sehr viel umweltfreundlicher erzeugen und konsumieren. Parallel dazu muss der extrem hohe Bodenverbrauch gestoppt werden.“ Vor allem der Amazonas wird rücksichtslos abgeholzt, um neue Flächen für die Agrarindustrie und die Produktion von Futtermitteln zu gewinnen, die wiederum für die Tierhaltung nach Europa exportiert werden. Auch deswegen sind die untersuchten Wildtier-Bestände in Süd- und Zentralamerika noch stärker geschrumpft als anderswo.

Gewässer und Feuchtgebiete sind am stärksten betroffen, weil diese Lebensräume massiv unter übermäßiger Wasser-Verschmutzung, Wasser-Entnahme und Verbauung leiden. Darüber hinaus zeigen Beobachtungen und Langzeitstudien in Westeuropa und Nordamerika einen Rückgang der Insektenzahlen und ihrer Biomasse. In zwei Worten: Roter Alarm!