Schlagwort: Wirtschaftsstandort

Das Gemeindepaket für Oberösterreich mit 344 Millionen

Published on 11. August 2020

Im Land Oberösterreich rechnet man für das heurige Jahr mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag an Steuerausfällen. Bereits per Ende Juli haben die Steuerausfälle in Oberösterreich mit aktuell 186 Millionen Euro im laufenden Jahr die Verluste der Wirtschaftskrise für das ganze Jahr 2019 übertroffen.

Auch die Gemeinden und Städte sind natürlich massiv von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Das Land Oberösterreich hat daher – nach einem 580 Millionen Euro Oberösterreich-Paket für den Arbeits- und Wirtschaftsstandort – auch ein 344 Millionen Euro Gemeindepaket geschnürt, um die Liquidität zu sichern und Investitionen in den Kommunen zu ermöglichen. Denn um das Bundesland wieder „stark“ zu machen, braucht es auch starke Gemeinden, die weiterhin die Finanzkraft haben, um in wichtige Projekte investieren zu können. Der regionale Wirtschaftskreislauf muss mit Unterstützung der öffentlichen Hand in Schwung gehalten werden. Das Wiedererstarken des Arbeits- und Wirtschaftsstandortes Oberösterreich soll vor allem auch über Investitionen in den Gemeinden gelingen, denn Investitionen in den Kommunen schaffen und sichern Arbeitsplätze bzw. stärken die Wirtschaft direkt vor Ort. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern nimmt Oberösterreich mit dem Gemeindepaket viel „frisches“ Geld in die Hand. In den vergangenen Jahren hat das Land durch einen konsequenten „Chancen statt Schulden“-Kurs „finanzielle Muskeln“ aufgebaut. Seit 2017 wurde eine halbe Milliarde Euro an Schulden reduziert.

Als kleinste Gemeinde Oberösterreichs bekommt Rutzenham zusätzlich 12.000 Euro.

Anreize für Gemeindeprojekte

Das 344 Millionen Euro Gemeindepaket in Oberösterreich sieht einen Mix von verschiedenen Maßnahmen vor:

  • 50 Millionen Euro Sonderzuschüsse für Gemeinden und Städte: Alle Gemeinden und Städte werden von diesem zusätzlichen Geld profitieren. Aufgeteilt werden die 50 Millionen Euro nach der Einwohnerzahl und jeweiligen Finanzkraft der Gemeinden bzw. Städte. Möglich wird das durch eine Erhöhung der Bedarfszuweisungsmittel (BZ). So erhält etwa die kleinste Gemeinde Oberösterreichs Rutzenham (298 Einwohner) zusätzlich 12.000 Euro, die Landeshauptstadt Linz rund 3,4 Millionen Euro.
  • Anreize für neue Gemeindeprojekte schaffen: Erhöhung der Bedarfszuweisungsmittel um weitere 25 Millionen Euro. Oberösterreichs Gemeinden und Städte erhalten von der Gemeindemilliarde des Bundes für laufende und neue Projekte 162 Millionen Euro. Das BZ-Ressort wird um weitere 25 Millionen Euro aufgestockt, damit die Gemeinden diese Bundesmittel auch „abholen“ können. Den Gemeinden wird für neue Projekte vom Land ein Zuschlag in der Höhe von 20 Prozent zu den Mitteln des Bundes gewährt.
  • Das Land Oberösterreich erlässt Darlehen in der Höhe von 25 Millionen Euro zur Gänze. Somit stehen weitere 25 Millionen Euro an Bedarfszuweisungsmitteln für Gemeindeprojekte zur Verfügung, um die regionale Wirtschaft zu stärken.
  • 15 Millionen Euro Budgetreserven im BZ-Ressort wurden freigegeben und werden den Gemeinden für ihre Projekte zur Verfügung gestellt.
  • Erhöhung des Landesanteils am Strukturfonds um rund vier Millionen Euro. Der Strukturfonds sichert den finanzschwachen Gemeinden eine gewisse Mindestausstattung an finanziellen Mitteln. Der Landesanteil am Strukturfonds wird vom Land Oberösterreich von 5,75 auf 10 Mio. Euro erhöht. Mit dieser Steigerung beträgt der Strukturfonds damit in Summe 70 Millionen Euro. Der Strukturfonds wird vorwiegend aus BZ-Mitteln gespeist.
Die Landeshauptstadt Linz erhält rund 3,4 Millionen Euro.

Gemeindeförderungen bleiben

  • 75 Millionen Euro: Das Land Oberösterreich hält trotz massiver Steuerausfälle an allen geplanten Gemeindeförderungen fest. Die Landesförderungen werden trotz historischer Steuerausfälle für das Bundesland an die Gemeinden ausgezahlt.
  • Das Land Oberösterreich unterstützt Kinderbetreuungseinrichtungen mit 45 Millionen Euro. Die Beiträge für Kinderbetreuungseinrichtungen wurden bzw. werden durch das Bundesland trotz Schließung unverändert weitergeleistet.
  • Sofortige Auszahlung der zweiten Rate aus dem „Sondertopf des Landes für ein gutes Leben in den Gemeinden“. Die zweite Rate in Höhe von fünf Millionen Euro aus dem 2019 eingerichteten Sondertopf für Direktzuschüsse zu Gemeindeinvestitionen wird umgehend den Gemeinden ausbezahlt.
  • Das BZ-Ressort und die Gemeinden werden ermächtigt, weitere 100 Millionen Euro an Fremdmitteln aufzunehmen, um Gemeindeprojekte finanzieren zu können.

Zweistelllige Millioneninvestition in Neulengbach

Published on 29. Juni 2020

In Neulengbach wurde am 26. Juni der Spatenstich eines niederösterreichweiten Vorzeigeprojektes gesetzt. Der Düngemittelproduzent Karner erweitert seinen Betrieb und wird dafür um 10,8 Millionen Euro ein neues Firmenareal errichten.

Entgegen der allgemeinen Tendenz, Investments aufzuschieben, entschied sich die Firmenleitung bewusst dazu, mit dem Baustart nicht zu warten. „Die Coronakrise wird uns zwar noch länger begleiten, nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche weitere Zukunftsfragen, die dringend Lösungen erfordern“, erklärt Robert Karner, Geschäftsführer der Karner Düngerproduktion GmbH. „Speziell die Entwicklungen in Bezug auf die Klimaveränderung und die damit einhergehenden Probleme in der Landwirtschaft erfordern ein Handeln ohne weiteren Aufschub. Mit dem Ausbau unseres niederösterreichischen Standortes sind wir voll einsatzfähig, sobald die klimatischen und ökologischen Herausforderungen wieder in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins rücken.“

Die Karner Düngerproduktion GmbH in Neulengbach errichtet um 10,8 Millionen Euro eine moderne Firmenzentrale mit angeschlossener Fertigung.

Produktionsausbau im Kampf gegen Schädlinge, Trockenheit & Co.

Karner produziert seit mehr als einem Vierteljahrhundert Düngemittel für die Landwirtschaft und ist über Österreichs Grenzen hinaus erfolgreich. Alle Produkte eignen sich sowohl für die Nutzung in der konventionellen als auch in der ökologischen Landwirtschaft und setzen in ihrer Zusammensetzung auf die Wiederherstellung des natürlich-biologischen Gleichgewichts, das den Böden durch exzessive Nutzung und geoklimatische Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend verloren gegangen ist.

„Egal ob Engerlinge, Rübenrüssler oder Trockenheit: Hinter jedem vermeintlichen Problem liegt ein biologisch nachweisbarer Grund, dem man mit dem Einsatz des jeweils richtigen Düngers erfolgreich begegnen kann. Unter diesem Aspekt ließen sich trotz zunehmender Schädlinge und Trockenheit bessere Erträge erwirtschaften. Hier ist noch viel Luft nach oben“, ist Karner überzeugt.

Was das niederösterreichische Erfolgsunternehmen auszeichnet, ist die wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Begleitung. Sowohl die Produkte selbst als auch die Einsatzgebiete werden von einem externen Partner laufend untersucht und evaluiert. „Am neuen Standort können wir die Produktion mit modernster Technologie und einer verbesserten Infrastruktur auf neue Beine stellen – etwa durch eine deutlich erweiterte Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie eine moderne Fermentationsanlage. Damit können wir die Düngemittel zielsicher auf die landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zukunft weiterentwickeln, um zur Versorgungssicherheit im Land beizutragen“, so Karner. Die Produktionskapazität wird nach Ende der 14-monatigen Bauzeit bei fünf Millionen Hektar liegen – das entspricht einer Steigerung von 500 Prozent.

Von der neuen Betriebsstätte profitiert nicht nur die Karner Düngerproduktion – auch die gesamte Region wird beflügelt.

Wirtschaftslandesrat: „Arbeitsplätze sichern“

Durch den Bau der neuen millionenschweren Firmenzentrale wird die Karner Düngerproduktion GmbH nicht nur die niederösterreichische Bauwirtschaft beleben, sondern auch regionale Arbeitsplätze schaffen, betonte Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger am 26. Juni beim Spatenstich in Neulengbach. „Damit die Wirtschaft in Niederösterreich wieder in Schwung kommt, ist es wichtig, dass unsere Betriebe wieder in den Standort investieren.  Von der neuen Betriebsstätte in Neulengbach wird nicht nur das Unternehmen selbst profitieren, sondern die gesamte Region beflügelt. Herzlichen Dank an Robert Karner, dass er mit seinem Betrieb Niederösterreich die Treue hält und kräftig investiert. Damit wird ein Signal gesetzt und ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Unternehmen seinem Beispiel folgen. Der Wirtschaftsstandort Niederösterreich hat für jedes Unternehmen das passende Angebot!“

Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, verwies darüber hinaus auf das Innovationspotenzial, das in niederösterreichischen Firmen steckt. „Niederösterreichs Unternehmen sind sehr divers aufgestellt. Das ermöglicht selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten innovative Großprojekte wie hier in Neulengbach. Es verdeutlicht, dass es Branchen gibt, die nach wie vor steigende Auftragslagen haben. Auf diese Bereiche gilt es jetzt bewusst zu setzen.“

Karner erzeugt biologische Düngemittel, die in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden.

Hinter den Kulissen

Die Karner Düngerproduktion GmbH mit Firmensitz in Neulengbach (Bezirk St. Pölten Land) produziert und vertreibt biologische Düngemittel für den Einsatz in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft. Während die meisten Dünger in erster Linie auf Stickstoff, Phosphor und Kalium setzen, bestehen die Dünger der Karner Düngerproduktion GmbH aus mindestens 25 Nährstoffen. Das Unternehmen ist europaweit tätig, der Exportanteil ins europäische Ausland liegt bei 85 Prozent.

Das Ziel aller Produkte ist der nachhaltige und ökologische Einsatz von Dünger, der die Nähstoffzusammensetzung des Bodens wieder in seinen natürlichen Ursprung zurückführt. Sobald die Bodenbalance wiederhergestellt ist, steigen nicht nur die landwirtschaftlichen Erträge nachweislich. Gesenkt wird damit auch die Nitratbelastung des Grundwassers sowie der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln (z.B. Fungizide und Pestizide). Zudem wurde nachgewiesen, dass sich die Wasserspeicherkapazität des Bodens durch speziell abgestimmte AKRA Düngemischungen um den Faktor 20 erhöhen lässt, damit passiver Hochwasserschutz betrieben wird und darüber hinaus wieder die Fähigkeit zurückerlangt, vermehrt klimaschädliches CO2 zu binden.

Die Karner Düngerproduktion GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, die Landwirtschaft in eine neue und verantwortungsvolle Ära zu begleiten. Die Notwendigkeit dazu führen die mittlerweile unübersehbaren Folgen der Klimaerwärmung eindrücklich vor Augen. Für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung der AKRA Düngemittel zeichnet das bodenökologische Analytikunternehmen Unterfrauner verantwortlich. Seine Expertise wird auch nach der Erweiterung der internen Forschung durch den Neubau ab Sommer 2021 beibehalten, um eine fundierte externe Überprüfung zu garantieren.

Der neue Firmensitz befindet sich in unmittelbarer Nähe des aktuellen Produktionsortes in Neulengbach und umfasst eine Größe von ca. 25.000 Quadratmetern. Durch den geplanten Neubau werden etwa 9300 Quadratmeter Produktions-, Forschungs- und Verwaltungsflächen geschaffen. Die Fertigstellung ist im Sommer 2021 geplant. In der ersten Phase nach Inbetriebnahme der neuen Stätte wird der Mitarbeiterstand von derzeit 17 auf 30 bis 35 Vollzeitäquivalente verdoppelt. Die Investitionssumme beläuft sich auf 10,8 Millionen Euro.

Zur Lage der (industriellen) Nation

Published on 29. Juni 2020

„Ich freue mich, als neuer IV-Präsident gemeinsam mit einem Team hier zu stehen, das sich mit Sabine Herlitschka und Philipp von Lattorff aus Persönlichkeiten zusammensetzt, die fest in der Industrie verankert sind – national wie international.“ So begrüßte der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, bei der „Antrittspressekonferenz“ am 19.6. mit der IV-Vizepräsidentin und Vorstandsvorsitzenden der Infineon Technologies Austria AG, Sabine Herlitschka, und dem IV-Vizepräsidenten und Geschäftsführer der Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Philipp von Lattorff, anlässlich der Vorstellung des neu gewählten IV-Präsidiums. „Alleine diese beiden Unternehmen stehen für 2,6 Mrd. Euro an Investitionen in Österreich.“

Der neue IV-Präsident betonte zudem den positiven Demokratisierungsschub, den der aktuelle Wahlprozess organisationsintern ausgelöst habe: „Dieser Diskurs ist wichtig. Aber die IV war und ist stets eine geeinte, geschlossene Organisation gewesen und wird daher nun auch die Gestaltung der Zukunft geeint und geschlossen angehen.“ Der Stellenwert der heimischen Industrie könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, „denn sie ist der Garant für Stabilität, ist der Treiber für Innovation und Fortschritt. Sie steht im engeren Sinn für 22 Prozent der nationalen Wertschöpfung und rund eine Mio. Arbeitsplätze, sie steht für Beschäftigung und Wohlstand – dafür setzen wir uns weiter ein.“ Derzeit jedoch stehe Österreich vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung der Zweiten Republik. „Wir erwarten heuer einen Wirtschaftsrückgang von rund acht Prozent. Daher brauchen wir jetzt ein starkes, wirkungsvolles Krisenmanagement. Erste Maßnahmen wurden bereits gesetzt, weitere müssen im zweiten Halbjahr folgen – national wie international“, stellte Knill klar.

Der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill.

Auf nationaler Ebene gelte es dabei , den Wirtschaftsstandort bestmöglich abzusichern. „Wir müssen rasch die richtigen Schritte setzen, um den Konsum zu stärken, Kosten zu senken und Kapital zu sichern.“ Konkret bedeute das u.a. neue Maßnahmen bei der Kurzarbeit, Entlastungen bei den Lohnnebenkosten und die Senkung der Körperschaftsteuer auf 21% sowie eine Stärkung des Eigenkapitals von Betrieben.

Beim Thema Digitalisierung habe Corona zwar „einen Schub“ bewirkt, aber Österreich müsse hier „vom Mittelmaß ins Spitzenfeld vorstoßen“. „Wachstum und Effizienz sind die Stellschrauben für den Weg aus der Krise. Wir müssen daher Input und Output in ein besseres Verhältnis bringen – sei es in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitsbereich, in der Bildung oder im Pensionssystem. Nur so kommen wir – gemeinsam mit einer starken Industrie – aus der Krise. Als exportorientierte Volkswirtschaft brauchen wir wieder ungehinderten Zugang zu unseren Märkten, wir brauchen wieder Reisefreiheit – in Europa wie auch international. Wir brauchen ein starkes Europa für ein erfolgreiches Österreich.“

Mit den Besten messen

IV-Vizepräsident Philipp von Lattorff betonte ebenfalls den hohen Stellenwert von ­Forschung und Innovation: „Das sichert Österreichs Wohlstand, Arbeitsplätze und damit den sozialen Frieden. Die Industrie trägt maßgeblich dazu bei. Immerhin leistet sie rund die Hälfte aller Investitionen in diesem für die heimische Wettbewerbsfähigkeit so entscheidenden Bereich.“

Österreichs Ziel müsse es aber sein, ins Spitzenfeld zu kommen. „Unsere Forschungsquote sollte bis 2030 auf mindestens vier Prozent des BIP steigen – derzeit liegen wir bei nur 3,19 Prozent“, forderte von Lattorff. „Wir brauchen eine Top 3-Platzierung im Digital Economy and Society Index (DESI) der EU-Kommission. Derzeit liegt Österreich nur auf Platz 11. Und wir müssen bis 2022 die Weichen für mehr Technikgraduierte stellen, denn wir brauchen Mitarbeiter mit den bestmöglichen Qualifikationen.

Industrie-Abschwung verlangsamt sich erneut deutlich

Die schrittweise Entspannung der Industriekonjunktur in Österreich nach dem abrupten Einbruch durch den Lockdown im März setzt sich per Ende Juni fort. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Juni auf 46,5 Punkte. Damit erreicht der Indikator den höchsten Wert seit dem Beginn der Corona-Krise. Allerdings wird die Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird, vorerst weiter unterschritten“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Unsere Industrie befindet sich demnach erkennbar auf dem Wege der Besserung, hat allerdings aus dem Lockdown noch nicht auf einen Wachstumspfad zurückgefunden. Der stark exportorientierten heimischen Industrie fehlt insbesondere die Nachfrageunterstützung aus dem Ausland.

Die schrittweise Entspannung der heimischen Industriekonjunktur setzt sich weiter fort.

„Der Anstieg des vorläufigen Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie in der Eurozone auf 46,9 Punkte im Juni zeigt, dass sich das Exportumfeld für Österreich etwas entspannt hat. Jedoch sinkt –  wenn auch langsamer als in den Vormonaten – die Industrieproduktion der wichtigsten Handelspartner Österreichs erneut. Insbesondere die deutsche Industrie präsentiert sich trotz des Anstiegs des Einkaufsmangerindex auf 44,6 Punkte noch schwach. Dagegen versprüht das erstmalige Überschreiten der Wachstumsschwelle des französischen Indikators seit Jänner Optimismus“, so Bruckbauer.

Geringster Produktionsrückgang seit Februar

Während einerseits der schwierige Start der deutschen Industrie aus dem Lockdown den österreichischen Produktionssektor belastet, besteht andererseits aufgrund der etwas früheren Öffnung der heimischen Wirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern ein kleiner Startvorteil. Diese Diskrepanz schlägt sich in der unterschiedlichen Entwicklung der Auftragseingänge aus dem In- bzw. Ausland nieder. „Der Produktionsindex stieg im Juni auf 45,9 Punkte. Die Produktionsrückgänge fielen somit in Österreich deutlich niedriger als in den vorangegangenen drei Monaten aus, da auch die Auftragseingänge spürbar geringer abnahmen als davor. Das inländische Neugeschäft zeigt sich dabei mittlerweile den zweiten Monat in Folge deutlich robuster als die Nachfrage aus dem Ausland“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Der Exportauftragsindex blieb trotz eines Anstiegs auf 37,0 Punkte im Juni klar hinter dem Index für die gesamten Neuaufträge von 43,2 Punkten zurück. Angesichts der weiterhin schwachen Nachfrage nahmen die Auftragspolster der heimischen Betriebe trotz der Produktionsrücknahme ab, wenn auch mit deutlich geringerem Tempo als in den vergangenen drei Monaten. Die Anzahl der Neuaufträge war im Juni aber somit erneut geringer als die Anzahl der ausgeführten Aufträge.

Die heimischen Betriebe haben im Juni in Anpassung an die geringeren Produktionserfordernisse den Stellenabbau fortgesetzt. Der Beschäftigungsindex hat sich jedoch das zweite Mal in Folge verbessert und erreicht mit 44,1 Punkten mittlerweile den höchsten Wert seit Februar. Das Tempo des Beschäftigtenrückgangs gegenüber dem Vormonat hat sich somit erneut verlangsamt. „Seit dem Beginn der Corona-Krise sind in der österreichischen Industrie viele Jobs verloren gegangen. Durch die starke Ausnutzung der Kurzarbeitsregelung zeigt sich der Arbeitsmarkt der Industrie im Vergleich zur Gesamtwirtschaft jedoch deutlich robuster. Während die Beschäftigung im ersten Halbjahr 2020 in der Gesamtwirtschaft um durchschnittlich 2,6 Prozent im Jahresvergleich abgenommen hat, sank die Anzahl der Arbeitsstellen in der Sachgüterindustrie nur um etwas mehr als 1 Prozent“, so Pudschedl.

Obwohl die Industrie einen Beschäftigtenanteil an der Gesamtwirtschaft von rund 17 Prozent hält, waren nur 7 Prozent der zusätzlichen Arbeitslosen vorher in der Industrie beschäftigt. Die Arbeitslosenquote in der österreichischen Industrie ist im ersten Halbjahr 2020 zwar von 3,7 Prozent im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf durchschnittlich 5 Prozent gestiegen, in der Gesamtwirtschaft nahm die Arbeitslosenquote im gleichen Zeitraum jedoch von 7,6 Prozent auf sogar 10,6 Prozent zu.

Während sich die Beschäftigtenlage in der Industrie während der Corona-Krise dank der Kurzarbeitsregelung spürbar günstiger darstellt als in der Gesamtwirtschaft, wird der Weg aus der Krise für die Industrie bezogen auf die Beschäftigung voraussichtlich von geringeren Fortschritten gekennzeichnet sein. Im Dienstleistungssektor ist nach den ersten Lockerungsmaßnahmen der Arbeitsmarkt bereits in Bewegung gekommen. Die Erholung der Beschäftigung in der Industrie dürfte sich bedingt auch durch die hohe Exportabhängigkeit des Sektors zäher gestalten.

Anhaltende Talfahrt der Preise

Angesichts der schwachen Nachfrage haben die heimischen Betriebe versucht die Umsätze durch eine Reduktion der Verkaufs- bzw. Angebotspreise anzukurbeln. Im Juni sanken die Verkaufspreise den zwölften Monat in Folge und der entsprechende Index ging sogar auf 42,8 Punkte zurück, den niedrigsten Wert seit dem Frühjahr 2009. Trotz der Rabattierungen gelang es nur unzureichend die Nachfrage zu stärken, zumindest nahmen die Bestände in den Verkaufslagern erneut zu, obwohl die Produktion weiter zurückgefahren worden war.

Die Bestände in den Vormateriallagern gingen dagegen erstmals seit drei Monaten geringfügig zurück, obwohl die Einkaufspreise ihre Talfahrt beschleunigt fortsetzten. „Der Rückgang der Einkaufs- und Verkaufspreise in der heimischen Industrie hat sich im Juni nochmals beschleunigt. Seit genau einem Jahr befinden sich die Preise mittlerweile auf Talfahrt. Durch den Einbruch des Ölpreises hat die Kostendynamik stärker nach unten gezeigt als die Angebotspreise. Die Ertragssituation der heimischen Betriebe hat sich aufgrund der sinkenden Umsätze in diesem Zeitraum im Durchschnitt dennoch nicht verbessert“, meint Pudschedl.

Ende der Rezession in Sicht

Infolge der Aufhebung weiterer Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hat sich die Talfahrt der österreichischen Industriekonjunktur im Juni den zweiten Monat in Folge deutlich verlangsamt. Der Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex wurde vor allem von der starken Abschwächung der Schrumpfungsraten von Output, Neugeschäft und Beschäftigung getragen. Die anhaltenden Preisrückgänge im Ein– und Verkauf und der starke Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern weisen allerdings deutlich auf die schwierige Nachfragesituation hin. Mit einem durchschnittlichen Wert im zweiten Quartal 2020 von unter40 Punkten zeigt der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex die schwerste Rezession der heimischen Industrie seit der Finanzkrise an. Damit hat die Industrie zum voraussichtlich stärksten Rückgang der österreichischen Wirtschaft von rund 15 Prozent zum Vorquartal im zweiten Quartal 2020 beigetragen.

Die Lockerungsmaßnahmen und die Aussicht auf eine weitere Normalisierung des Wirtschaftslebens trugen dazu bei, dass die Geschäftsaussichten der heimischen Industrie binnen Jahresfrist auf 45,6 Punkte geklettert sind und damit im Juni den höchsten Stand seit Februar erreicht haben. „Der Aufwärtstrend des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex und der Produktionserwartungen der Betriebe unterstützen unsere Erwartungen, dass die Rezession in der Industrie und in der Gesamtwirtschaft im Sommer endet und in der zweiten Jahreshälfte eine spürbare Erholung einsetzt. Mit einem BIP-Rückgang um rund 8 Prozent im Jahr 2020 und einem Wirtschaftswachstum um rund 7 Prozent 2021 gehen wir unverändert von einem etwas verzögerten V-förmigen Konjunkturverlauf aus. Ende 2021 wird die österreichische Wirtschaftsleistung voraussichtlich um rund ein Prozent das Vorkrisenniveau verfehlen“, meint Bruckbauer.