Schlagwort: Produktion

2020 kann Österreichs Klima kurz durchatmen

Published on 3. November 2020

Wie Simulationen des Umweltbundesamtes zeigen, erfordert die Klimaneutralität einen weitreichenden Umbau der Wirtschaftssektoren. Darüber hinaus werden die Menschen vor allem ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig verändern müssen. „In diesem Zusammenhang gibt das geplante europäische Klimagesetz, das die Green Deal-Ziele rechtsverbindlich verankern soll, Anlass zum Optimismus. Allerdings ist es bisher nur ein Vorschlag der Kommission, der von den Mitgliedern noch angenommen werden muss“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf in einer Analyse der UniCredit Bank Austria zum Thema Klimaschutz in Österreich.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die internationale Energieagentur weltweit mit einem Minus von fast acht Prozent. „Trotz des Rekordrückgangs an klimaschädlichen Emissionen zeigt die Entwicklung 2020 auch klar, dass die Klimakrise keinesfalls nur mit der eingeschränkten Nutzung von Flugzeugen und Autos und einem geringeren Energieverbrauch in der Produktion gelöst werden kann“, sagt Wolf. „Dagegen sprechen nicht nur die massiven sozioökonomischen Verwerfungen der Wirtschaftskrise, die sich schon jetzt erkennen lassen. Zudem wächst die Energienachfrage mit der Lockerung der Maßnahmen und der Wirtschaftserholung wieder praktisch ohne Verzögerung.“

Unverändert Handlungsbedarf

In Österreich werden die Treibhausgasemissionen 2020, laut einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes, um etwa 10 Prozent auf rund 73 Millionen Tonnen sinken, den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Damit das Land aber bis 2040 klimaneutral wird, wie im Regierungsprogramm festgehalten, muss das Emissionsvolumen auch in den nächsten zwanzig Jahren im Durchschnitt zumindest um 10 Prozent pro Jahr reduziert werden (auch wenn Einsparungen in diesem Ausmaß erreicht werden, werden 2040 noch immer ca. 9 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, die in Kohlenstoffsenken aufgenommen werden müssen).

Die Klimaneutralität erfordert nicht nur den fast vollständigen Verzicht auf fossile Energien. Der Rest an fossilen Brennstoffen, der beispielsweise zum kurzfristigen Lastausgleich in der Stromversorgung gebraucht wird, muss mit Importen erneuerbarer Energien kompensiert werden. Zudem muss der Teil an nicht vermeidbaren Treibhausgasen, der nicht in natürlichen Kohlenstoffsenken gespeichert wird, in geologische Strukturen eingebunden werden. Derzeit werden nur etwa 5 Millionen Tonnen Kohlendioxid Großteiles von Österreichs Wäldern aufgenommen.

Eine besondere Herausforderung im Verkehr

Auf Sektor ebene sind die größten Treibhausgasemittenten in Österreich die Industrie und der Verkehr, mit einem Anteil an den Gesamtemissionen von rund 34 respektive 30 Prozent. Darüber hinaus tragen die Energieversorger etwa 14 Prozent zum Emissionsvolumen bei und die Landwirtschaft und der Gebäudesektor, dabei vor allem Heizungsanlagen privater Haushalte, jeweils rund zehn Prozent. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Menge an Treibhausgasen, die in Österreich emittiert wurden, kaum verändert. Die höchsten Emissionseinsparungen wurden aufgrund effizienterer Heizanlagen und energiesparender Bauweisen im Gebäudesektor (–39 Prozent seit 1990) und mit dem Einsatz erneuerbarer Energien bei den Energieversorgern (–26 Prozent) erzielt. Die Landwirtschaft hat ihr Treibhausgasvolumen um 14 Prozent reduziert. Gleichzeitig sind die klimaschädlichen Emissionen in der Industrie um 13 Prozent und im Verkehr sogar um 73 Prozent gestiegen.

„Angesichts der wachsenden Gütertransportleistung, des hohen Mobilitätsbedürfnisses der Menschen und der Dominanz fossiler Fahrzeugantriebe stellt ein möglichst emissionsfreier Verkehrssektor wahrscheinlich die größte Herausforderung für den Klimaschutz dar“, sagt Wolf. Langfristig ist eine relevante Marktdurchdringung mit E-Fahrzeugen sicher möglich, da die Kfz-Hersteller vor dem Hintergrund der drohenden Strafzahlungen schon jetzt das Segment deutlich forcieren. Allerdings wird die weitgehende Umstellung des Fuhrparks auf emissionsfreie Antriebe noch Jahrzehnte brauchen, gemessen am Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-In-Hybriden am österreichischen Pkw-Bestand von 0,8 Prozent 2019.

Mit der Elektrifizierung des Fuhrparks und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur wächst der Bedarf an „grünem“ Strom. Im sogenannten „Transition-Szenario“ hat das Umweltbundesamt die Maßnahmen skizziert, die zur Erreichung der Klimaneutralität des Landes bis 2050 notwendig sind. Demnach sollte der Gesamtenergieverbrauch des Verkehrssektors um 70 Prozent auf 38 Terawattstunden sinken, wobei vor allem fossile Treibstoffe eingespart werden. Allerdings wird sich der Strombedarf des Sektors in den nächsten dreißig Jahren in etwa versechsfachten, von rund 4 auf 24 Terawattstunden. Der Verkehr verbraucht dann etwa 30 Prozent der gesamten elektrischen Energie in Österreich (derzeit sind es rund 5 Prozent). Auch wenn die benötigte Strommenge bereitgestellt werden kann, wird der Antriebswechsel zum Elektromotor sicher nicht ausreichen, um den Verkehr möglichst emissionsfrei zu bekommen. Das dürfte nur mit einer weitreichenden Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs zum öffentlichen Verkehr möglich sein.

Kostenintensiv, aber realisierbar

Von den rund 27 Millionen Tonnen an Treibhausgasen, die pro Jahr von der Industrie in Österreich emittiert werden, stammen fast die Hälfte von der Stahlindustrie, weitere 20 Prozent von den Bauzulieferbranchen, vor allem der Zementindustrie, und jeweils rund 10 Prozent von der Öl- und Chemieindustrie.

Das größte Treibhausgas-Einsparungspotenzial in der Industrie bietet die weitgehende Umstellung der Stahlproduktion auf die sogenannte Wasserstoffplasmaschmelzreduktion. Allerdings ist die Großindustrielle Anwendung des Verfahrens erst in Entwicklung und der Einsatz des Verfahrens ist klimapolitisch nur sinnvoll, wenn Wasserstoff mit Hilfe von erneuerbarem Strom gewonnen wird. In der Zementherstellung können die energiebedingten Treibhausgasemissionen, das ist rund die Hälfte der Gesamtemissionen der Branche, durch den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen und energieeffizienteren Produktionsmethoden verringert werden. Um aber die prozessbedingten Emissionen einzudämmen, braucht es in der Branche zum Teil noch im Forschungsstadium befindliche Verfahren.

„Die Frage, wie die notwendigen technologischen Umrüstungen für einen möglichst emissionsfreien Betrieb in vielen Industriebranchen umgesetzt werden können, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschädigt wird, ist noch unbeantwortet“, weiß Wolf. „Auf jeden Fall werden die Klimaschutzmaßnahmen in nächster Zukunft nicht nur die Stahl- und die Zementindustrie mit hohen Kosten belasten. Zudem bleibt die Frage offen, wie die erforderliche Strommenge aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt und den Unternehmen vor Ort zur Verfügung gestellt werden kann.“

Energiesektor mit wichtigen Klimaschutzfunktionen

Der Energiesektor ist in Österreich aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energiequellen zwar nur für 15 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allerdings kommt dem Sektor im Klimaschutz eine entscheidende Rolle zu, vor allem aufgrund des steigenden Strombedarfs, der sich mit der zunehmenden Elektrifizierung der Wirtschaft und des Verkehrs ergibt. Die Wirtschaftskrise hilft dabei, die Ziele des Energieeffizienzgesetzes für 2020 ohne zusätzliche Maßnahmen zu erreichen, beispielsweise den Anteil an erneuerbarer Energie am Endenergieverbrauch von 34 Prozent. Damit Österreich klimaneutral wird, brauchtes aber noch erhebliche Anstrengungen, nicht nur im Ausbau erneuerbarer Energiequellen. Im Wesentlichen sind das höhere Energiepreise, die Verschiebung des Personen- und Güterverkehrs in Richtung umweltfreundlicher Verkehrsträger und eine umfassende thermisch-energetische Sanierung von Gebäuden.

Im „Transition-Szenario“ wurden vom Umweltbundesamt für einige Bereiche im Energiesektor konkrete Ziele formuliert. Bis 2050 sind das vor allem der Ausbau der Wasserkraftwerke auf eine jährliche Produktionsleistung von 47 Terawattstunden (2018: 38 Terawattstunden), der Windkraft auf 28 Terawattstunden (2018: 6), der Photovoltaik auf 26 Terawattstunden (2018: 1,4) und der Biomasse- und Biogasanlagen auf 8 Terawattstunden (2018: 5). Im Bereich der Wasserkraft rückt das Ausbauziel bereits 2030 näher, wenn alle Kraftwerke fertiggestellt werden, die laut E-Control bereits 2018 in Bau beziehungsweise eingereicht oder geplant waren. Da schon jetzt etwa 70 Prozent des technisch-wirtschaftlichen Wasserkraft-Potenzials an Österreichs Fließgewässern ausgenutzt werden, bleibt der weitere Ausbau beschränkt.

Schwieriger wird der Ausbau anderer erneuerbarer Energiequellen. Auch wenn in den nächsten Jahren mit verbesserten Rahmenbedingungen in dem Bereich gerechnet werden kann, ist es unwahrscheinlich, dass damit beispielsweise die Vorbehalte gegenüber Windkraftanlagen ausgeräumt werden. Um die Leistung der Windkraftanlagen von 6 auf 28 Terawattstunden zu erhöhen, braucht es zusätzlich zu den aktuell installierten 1.340 Windrädern noch wenigstens 2.000 neue Anlagen (unter der Annahme, dass die Leistungsfähigkeit der Anlagen zunimmt). In diesem Zusammenhang könnte das Ergebnis einer Studie der BOKU Wien vom Juni 2020 die Diskussion zumindest voranbringen: abhängig vom CO2-Preis fallen Opportunitätskosten von ca. 1,4 Millionen Euro pro Windkraftanlage an, die durch eine Photovoltaikanlage mit derselben Leistung ersetzt wird. Diese Kosten eines „ungestörten Landschaftsbildes“ könnten als Kompensationszahlungen für Anrainer von Windparks verwendet werden.

Photovoltaik und Biomasse

Im Bereich der Photovoltaik können die langfristigen Energieziele erreicht werden. Derzeit liefern die Anlagen nur rund 2 Prozent beziehungsweise 1,4 Terawattstunden an elektrischer Energie, die in Österreich erzeugt wird. Auf den vorhandenen Dachflächen könnten noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12,3 Terawattstunden installiert werden. Die Leistung lässt sich weiter verdoppeln, wenn zudem geeignete Fassadenflächen genutzt und einige größere Anlagen und zusätzliche Speicherkapazitäten errichtet werden. Mit der wachsenden Nachfrage sollten auch die Kosten der Stromerzeugung mittels Photovoltaik sinken.

Auch der zusätzliche Strombedarf aus Biomasse, der langfristig gebraucht wird, kann gedeckt werden. Der Anteil biogener Brennstoffe an der Stromerzeugung in Österreich soll im „Transition-Szenario“ von knapp 5 auf rund 8 Terawattstunden 2050 steigen. Laut dem Biomasseverband ist es möglich, bis 2030 in Österreich zusätzlich Biomassekapazitäten mit einer Gesamtenergieleistung von rund 30 Terawattstunden nutzbar zu machen (derzeit sind es 63 Terawattstunden). Das wäre sowohl für die Strom- als auch für die Wärmeerzeugung mehr als ausreichend, um den zusätzlichen Bedarf langfristig zu decken. Nicht zuletzt, weil der Verbrauch an Biomasse für die Wärmeerzeugung in Gebäuden aufgrund der geplanten Energiesparmaßnahmen nach 2030 stark sinken wird.

Investitionsbedarf wenigstens 2,6 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030

Die Ziele aus dem „Transition-Szenario“ wurden in ähnlicher Form im neuen Regierungsprogramm übernommen, mit dem wesentlichen Unterschied, dass bereits 2030 eine vollständige Umstellung der Stromerzeugung auf Ökostrom erreicht werden soll (derzeit sind es 73 Prozent). Entsprechend rasch wird der Investitionsbedarf nicht nur im Energiesektor wachsen. Grundsätzlich bieten Investitionen in eine klimaneutrale Infrastruktur starke Wachstumsimpulse in unterschiedlichsten Branchen, sie schaffen Arbeitsplätze und sind damit ein wirksames Mittel, um die negativen Wirkungen der Corona bedingten Wirtschaftskrise abzufedern.

Eine Studie der TU Wien aus dem Jahr 2019 zeigt, dass ein Anteil von 100 Prozent grünem Strom am Stromverbrauch in Österreich 2030, vor allem aufgrund des stark steigenden Strombedarfs im Verkehr, zumindest 30 Terawattstunden zusätzlicher Leistung aus erneuerbaren Quellen braucht. Die dafür notwendigen Produktionskapazitäten erfordern etwa 2,6 Milliarden Euro an Investitionen pro Jahr in erneuerbare Energietechnologien. Dazu müssen noch etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr an Förderungen für den Strom aus erneuerbaren Quellen ausgegeben werden (wobei die Fördersumme von der allgemeinen Strompreisentwicklung abhängt und bei niedrigen Strompreisen noch höher liegt).

„In Summe sind die Klimaschutzziele äußerst ambitioniert, aber umsetzbar, unter der Voraussetzung, dass die politischen Weichenstellungen dafür rasch erfolgen“, rät Wolf. „Die Investitionssummen sind auch im Energiesektor ungleich höher, wenn schon 2040 ein klimaneutrales Österreich erreicht werden soll.“

Hoffen und Bangen in der Industrie

Published on 21. Oktober 2020

Wie der aktuelle Branchenüberblick der UniCredit Bank Austria zeigt, haben sich bis September die Produktionserwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate in immerhin zwei größeren Industriebranchen, nämlich in der Chemie und der Herstellung von Informations- und Kommunikationstechnik (kurz: Elektronik), am Bau und in einigen wirtschaftsnahen Diensten per Saldo verbessert oder sind positiv geblieben.

Die Chemie wird ihr Produktionsplus von 1,2 Prozent vom ersten Halbjahr bis Jahresende wahrscheinlich etwas ausbauen können. Hingegen wird das Produktionsminus in der Elektronik von knapp neun Prozent vom ersten Halbjahr nicht ganz ausgeglichen werden.

Insgesamt soll sich die Industriekonjunktur im zweiten Halbjahr erholen – allerdings kann das Produktionsminus von zwölf Prozent aus der ersten Jahreshälfte wohl nur zu einem geringen Teil ausgeglichen werden.

Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG sowie Vorstandsvorsitzender der Porsche SE.

Die schwierige Aufholjagd

In anderen Industrie­branchen sind die Produktionserwartungen für die nächsten Monate und damit auch das Branchenklima im September per Saldo negativ geblieben, wie in der Stahlindustrie und der Elektrotechnik, oder haben sich wieder verschlechtert, wie in der Metallverarbeitung und im Maschinenbau; diese Branchen werden bis Jahresende nur einen kleinen Teil ihrer Produktionseinbußen vom ersten Halbjahr aufholen.

Im Produktionssektor hinterlässt die Krise bei den Investitionsgüterbranchen, die den Großteil ihrer Produkte im Export absetzen, tiefe Spuren. Dazu zählen vor allem die Fahrzeugerzeugung, die zudem technologisch bedingte Restrukturierungsmaßnahmen belasten, der Maschinenbau und zum Teil die Metallerzeugung- und -verarbeitung. In diesen Branchen ist die Produktion bis Juni 2020 um 15 bis mehr als 30% in der Kfz-Indus­trie gesunken.

Von überdurchschnittlich hohen Einbußen berichten auch kleinere, konsumnahe Indus­triebranchen, die Gebrauchsartikel wie Bekleidung und Schuhe oder Druckereiwaren erzeugen.

„Zwar sind auch die Unternehmen der Kfz-Industrie in ihren Produktionserwartungen im September wieder etwas vorsichtiger geworden. Allerdings waren die Erwartungen bereits in den Vormonaten per Saldo mehrheitlich positiv. Zudem ist die Kapazitätsauslastung der Branche im dritten Quartal wieder gestiegen; dementsprechend dürfte die Kfz-Industrie im weiteren Jahresverlauf 2020 noch an Fahrt gewinnen“, sagt dazu Günter Wolf, Ökonom der UniCredit Bank Austria.

Für die in Oberösterreich beheimatete Miba Gruppe ist Deutschland weltweit der mit Abstand wichtigste Markt.

Für offene Märkte

Die Corona-Pandemie belaste die deutsche und österreichische Wirtschaft zwar in einem „nie dagewesenen Ausmaß“, sagt Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG sowie Vorstandsvorsitzender der Porsche SE, doch es helfe nicht weiter, die Entwicklung in Schockstarre zu verfolgen.

Generell gelte es, weiterhin für offene Märkte zu sorgen. Protektionismus und Renationalisierung der Produktion seien keine Lösung für die aktuellen Probleme. „Das Zusammenbrechen von globalen Lieferketten während des Lockdowns sollte uns nicht zu dem falschen Schluss führen, dass Protektionismus und Renationalisierung Antworten liefern können“, betont F. Peter Mitterbauer, Vorstandsvorsitzender des Industrie- und Technologieunternehmens Miba und Vizepräsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Gerade für ein kleines Land wie Österreich sei es essenziell, dass die Unternehmen ungehindert weltweit aktiv sein können: Für die in Oberösterreich beheimatete Miba Gruppe ist Deutschland weltweit der mit Abstand wichtigste Markt, gefolgt von den USA und China. Mit einem Umsatzanteil von 47 Prozent im vorigen Geschäftsjahr ist Automotive der größte Geschäftsbereich der Miba.

Industrie profitiert von der Kurzarbeit

Dank Kurzarbeit konnten 2020 in der Industrie bisher stärkere Beschäftigungseinbußen vermieden werden. Obwohl die Kapazitätsauslastung der Industrie in Q2 auf 74% und damit tiefer als im Krisenjahr 2009 gefallen ist, ist die Zahl der Arbeitsplätze bis August 2020 lediglich um 1,4 Prozent gesunken – 2009 um insgesamt 5,4 Prozent.

Es ist zwar zu befürchten, dass 2020/21 noch mehr Industrie­beschäftigte, die jetzt noch in Kurz­arbeit sind, ihre Arbeit verlieren. Allerdings bleiben Ausmaß und wohl auch Dauer der Beschäfti­gungskrise im Vergleich zu 2009 moderat, als die Industrie­beschäf­tigung erst nach neun Jahren ihr Vor­krisenniveau wieder erreichte.

Die Bauindustrie läuft noch gut, der Ausblick ist allerdings sehr verhalten.

Optimismus im Osten

Die in die Zukunft gerichteten Indikatoren der jüngsten Konjunkturumfrage der IV Burgenland und der Sparte Industrie für das zweite Quartal lassen darauf hoffen, dass der Tiefpunkt der Coronakrise durchschritten ist – vorausgesetzt, es kommt zu keiner größeren zweiten Welle.

Allerdings hat sich die Geschäftslage bei den burgenländischen Industriebetrieben im zweiten Quartal insgesamt nochmals verschärft. Dabei gibt es teilweise deutliche Unterschiede in den einzelnen Industriebranchen. So sind die Einschätzungen aus der Pharma-, Medizintechnik- und Lebensmittelbranche optimistischer.

Die Bauindustrie läuft noch gut, der Ausblick ist allerdings sehr verhalten. Sehr schwierig ist die Situation für Unternehmen, die der Automotivindustrie zuliefern; auch die Gesamtauftragsbestände sind im aktuellen Beobachtungszeitraum stark eingebrochen.

Völlig unklar bleibt weiterhin, wie stark und wie schnell die Erholung auf den globalen Märkten stattfindet. Unternehmen reagieren darauf mit Investitionszurückhaltung. Fahren auf Sicht ist derzeit die Devise. Die aktuellen Konjunkturdaten spiegeln damit die allgemeine Unsicherheit wider.

Investitionen vonnöten

Dennoch zeigt der Ausblick auf die nächsten Monate auch wieder leichten Optimismus. So wird die Geschäftslage in sechs Monaten wieder etwas positiver eingeschätzt. Die auf den Shutdown folgenden Lockerungsmaßnahmen, gefolgt von Konjunkturpaketen, haben die Situation deutlich entschärft. Leicht verbessert hat sich auch der Indikator für den Beschäftigungsstand in drei Monaten.

„Ein nachhaltiger Weg aus der Krise kann nur über investitions­getriebenes Wachstum führen“, betont Ingrid Puschautz-Meidl, Geschäftsführerin der IV Burgenland. Es braucht daher rasch eine optimistische Stimmung und die entsprechenden Rahmenbedingungen wie konjunkturstärkende Maßnahmen, um dem Standort wieder den nötigen Aufschwung zu verleihen. „Hier sind vor allem gezielte Förderungen von Investitionen sowie die Senkung der Körperschaftssteuer gefragt. Retro-Belastungsideen wie neue Steuern oder gar Arbeitszeitverkürzung sind Arbeitsplatz-Vernichter und somit völlig kontraproduktiv“, so Puschautz-Meidl.

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Die Industrie erholt sich!

Published on 5. Oktober 2020

Die mit Beginn des dritten Quartals 2020 eingesetzte leichte Erholung der Industriekonjunktur in Österreich setzt sich fort und hat sich im September sogar etwas beschleunigt. „Der Einkaufs-Manager-Index übertraf mit 51,7 Punkten im September mittlerweile den dritten Monat in Folge die Wachstumsschwelle von 50 Punkten und konnte auch gegenüber dem Vormonat um immerhin 0,7 Punkte zulegen“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Die Aufwärtsentwicklung in der österreichischen Industrie steht im Einklang mit dem europäischen Trend. Ausgehend von einer deutlichen Verbesserung in Deutschland ist der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Verarbeitende Industrie im Euroraum sogar auf 53,7 Punkte gestiegen.“

Mit mehr Rückenwind aus dem Ausland hat sich die Auftragslage verbessert, die Produktion wurde erneut ausgeweitet und der Beschäftigungsabbau verlor zumindest an Tempo. „Zudem weisen die geringeren Preisrückgänge und die aktuellen Lagertrends auf die Fortsetzung der schrittweisen Erholung hin“, nennt Bruckbauer die wichtigsten Details der monatlichen Umfrage unter heimischen Einkaufsmanagern.

Neugeschäft nahm stärker zu

Die österreichischen Industriebetriebe haben im September mehr neue Aufträge einbuchen können. Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland hat zur Belebung des Neugeschäfts beigetragen. Der Index für die Exportaufträge, der im Vormonat erstmals seit Jahresbeginn die Wachstumsschwelle von 50 Punkten überschritten hat, erhöhte sich auf 52,7 Punkte, den besten Wert seit dem Frühjahr 2018.

„Die heimischen Industriebetriebe haben im September die Ausweitung der Produktionsleistung im Vergleich zum Vormonat etwas zurückgenommen“, erklärt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. „Der Produktionsindex sank auf 53,6 Punkte. Aufgrund der Beschleunigung der Nachfrage nach ‚Made in Austria‘ haben sich dadurch Auftragsrückstände aufgebaut.“ Mit den bestehenden Produktionskapazitäten konnten die Auftragszuwächse im September nicht voll erfüllt werden. Das zeigt sich auch an den verlängerten Lieferzeiten.

Die Anpassung der Personalkapazitäten an die geringere Auslastung verlangsamt sich deutlich.

Der Job Abbau hat an Tempo verloren

Trotz der im Juli eingesetzten Erholung setzte sich der Beschäftigungsabbau in der heimischen Industrie den siebenten Monat in Folge fort, jedoch mit der niedrigsten Rate dieses Zeitraums. Der Beschäftigungsindex stieg immerhin auf 49,1 Punkte.

„Die Anpassung der Personalkapazitäten an die geringere Auslastung verlangsamte sich deutlich“, meint Pudschedl. „Allerdings liegt die Kapazitätsauslastung der heimischen Industrie aktuell um fast 10 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt, während der Beschäftigtenstand dank der Kurzarbeitsregelungen in der Krise bisher nur um etwa 1,5 Prozent gesunken ist. Zumindest in einigen Branchen ist in den kommenden Monaten trotz der eingesetzten Erholung daher noch mit einem fortgesetzten Job Abbau zu rechnen.“

Die Erholung im Industriesektor wird sich vorerst fortsetzen, worauf das Indexverhältnis zwischen Neuaufträgen und Absatzlager hinweist.

Gestiegene Nachfrage

Aufgrund des Anstiegs des Neugeschäfts haben die Industriebetriebe die Einkaufsmenge im September nach dem Rückgang im Vormonat wieder erhöht. Die Lagerbestände an Vormaterialien und Rohstoffen sanken dennoch so stark wie noch nie im laufenden Jahr. Gleichzeitig haben sich auch die Bestände in den Verkaufslagern erneut deutlich verringert. Die verbesserte Nachfragesituation beginnt sich in der Entwicklung der Lagerbestände niederzuschlagen. Allerdings darf die Stärke des Abbaus der Lager nicht überbewertet werden. Die heimischen Betriebe agieren noch sehr vorsichtig, daher ist der Materialeinkauf derzeit noch niedriger als der Materialeinsatz in der Produktion und die Verkaufslager sind nach dem Shutdown überdurchschnittlich stark gefüllt.

Auch bei der Entwicklung der Preise macht sich mittlerweile die Erholung der Industrie bemerkbar. Sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise sanken im September erneut gegenüber dem Vormonat. Die Preisrückgänge haben sich angesichts der verbesserten Nachfrage allerdings deutlich verlangsamt. „In beiden Fällen waren die Preisrückgänge die geringsten seit Mitte 2019“, sagt Pudschedl. Die Verkaufspreise nahmen im September mit etwa gleich hoher Rate wie die Einkaufspreise ab, wodurch sich im Durchschnitt wie schon im Vormonat keine Veränderung der Ertragssituation für die heimischen Unternehmen ergab.

Die heimischen Betriebe agieren noch sehr vorsichtig.

Schrittweise zu alter Stärke

Nach der Rückkehr auf einen Wachstumspfad im Sommer setzt die heimische Industrie den Expansionskurs im September fort. Zudem hat sich das Tempo der Erholung sogar etwas gesteigert. Der UniCredit Bank Austria Einkaufs-Manager-Index konnte das Niveau des Vormonats übertreffen und lag über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Wesentlichen Anteil daran hatte die Verbesserung des Exportumfelds, das vom Aufwind in der deutschen Industrie profitierte, was sich im stärksten Anstieg der Auslandsaufträge seit 2,5 Jahren niederschlug. Angesichts der jüngsten Entwicklung der Pandemie mit wieder steigenden Infektionszahlen sind für die kommenden Monate weltweit zumindest lokale wirtschaftliche Beschränkungen zu erwarten, die das Erholungstempo der stark exportorientierten heimischen Industrie voraussichtlich dämpfen werden.

Die Erholung im Sektor wird sich vorerst jedenfalls fortsetzen, worauf das Indexverhältnis zwischen Neuaufträgen und Absatzlager hinweist. Mit den vorhandenen Lagerbeständen können die eingelangten Aufträge nicht ohne eine stärkere Produktionssteigerung als im September erfüllt werden. „Die heimische Industrie hat die Rezession mittlerweile klar überwunden“, resümiert Bruckbauer. „Die Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke wird angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen zwar längere Zeit in Anspruch nehmen, doch zumindest mittelfristig sind die österreichischen Betriebe zuversichtlich. Der Index der Produktionserwartungen innerhalb der kommenden 12 Monate ist auf 59,5 Punkte gestiegen. Das ist der höchste Wert seit mehr als zwei Jahren!”

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Zweistelllige Millioneninvestition in Neulengbach

Published on 29. Juni 2020

In Neulengbach wurde am 26. Juni der Spatenstich eines niederösterreichweiten Vorzeigeprojektes gesetzt. Der Düngemittelproduzent Karner erweitert seinen Betrieb und wird dafür um 10,8 Millionen Euro ein neues Firmenareal errichten.

Entgegen der allgemeinen Tendenz, Investments aufzuschieben, entschied sich die Firmenleitung bewusst dazu, mit dem Baustart nicht zu warten. „Die Coronakrise wird uns zwar noch länger begleiten, nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche weitere Zukunftsfragen, die dringend Lösungen erfordern“, erklärt Robert Karner, Geschäftsführer der Karner Düngerproduktion GmbH. „Speziell die Entwicklungen in Bezug auf die Klimaveränderung und die damit einhergehenden Probleme in der Landwirtschaft erfordern ein Handeln ohne weiteren Aufschub. Mit dem Ausbau unseres niederösterreichischen Standortes sind wir voll einsatzfähig, sobald die klimatischen und ökologischen Herausforderungen wieder in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins rücken.“

Die Karner Düngerproduktion GmbH in Neulengbach errichtet um 10,8 Millionen Euro eine moderne Firmenzentrale mit angeschlossener Fertigung.

Produktionsausbau im Kampf gegen Schädlinge, Trockenheit & Co.

Karner produziert seit mehr als einem Vierteljahrhundert Düngemittel für die Landwirtschaft und ist über Österreichs Grenzen hinaus erfolgreich. Alle Produkte eignen sich sowohl für die Nutzung in der konventionellen als auch in der ökologischen Landwirtschaft und setzen in ihrer Zusammensetzung auf die Wiederherstellung des natürlich-biologischen Gleichgewichts, das den Böden durch exzessive Nutzung und geoklimatische Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend verloren gegangen ist.

„Egal ob Engerlinge, Rübenrüssler oder Trockenheit: Hinter jedem vermeintlichen Problem liegt ein biologisch nachweisbarer Grund, dem man mit dem Einsatz des jeweils richtigen Düngers erfolgreich begegnen kann. Unter diesem Aspekt ließen sich trotz zunehmender Schädlinge und Trockenheit bessere Erträge erwirtschaften. Hier ist noch viel Luft nach oben“, ist Karner überzeugt.

Was das niederösterreichische Erfolgsunternehmen auszeichnet, ist die wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Begleitung. Sowohl die Produkte selbst als auch die Einsatzgebiete werden von einem externen Partner laufend untersucht und evaluiert. „Am neuen Standort können wir die Produktion mit modernster Technologie und einer verbesserten Infrastruktur auf neue Beine stellen – etwa durch eine deutlich erweiterte Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie eine moderne Fermentationsanlage. Damit können wir die Düngemittel zielsicher auf die landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zukunft weiterentwickeln, um zur Versorgungssicherheit im Land beizutragen“, so Karner. Die Produktionskapazität wird nach Ende der 14-monatigen Bauzeit bei fünf Millionen Hektar liegen – das entspricht einer Steigerung von 500 Prozent.

Von der neuen Betriebsstätte profitiert nicht nur die Karner Düngerproduktion – auch die gesamte Region wird beflügelt.

Wirtschaftslandesrat: „Arbeitsplätze sichern“

Durch den Bau der neuen millionenschweren Firmenzentrale wird die Karner Düngerproduktion GmbH nicht nur die niederösterreichische Bauwirtschaft beleben, sondern auch regionale Arbeitsplätze schaffen, betonte Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger am 26. Juni beim Spatenstich in Neulengbach. „Damit die Wirtschaft in Niederösterreich wieder in Schwung kommt, ist es wichtig, dass unsere Betriebe wieder in den Standort investieren.  Von der neuen Betriebsstätte in Neulengbach wird nicht nur das Unternehmen selbst profitieren, sondern die gesamte Region beflügelt. Herzlichen Dank an Robert Karner, dass er mit seinem Betrieb Niederösterreich die Treue hält und kräftig investiert. Damit wird ein Signal gesetzt und ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Unternehmen seinem Beispiel folgen. Der Wirtschaftsstandort Niederösterreich hat für jedes Unternehmen das passende Angebot!“

Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, verwies darüber hinaus auf das Innovationspotenzial, das in niederösterreichischen Firmen steckt. „Niederösterreichs Unternehmen sind sehr divers aufgestellt. Das ermöglicht selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten innovative Großprojekte wie hier in Neulengbach. Es verdeutlicht, dass es Branchen gibt, die nach wie vor steigende Auftragslagen haben. Auf diese Bereiche gilt es jetzt bewusst zu setzen.“

Karner erzeugt biologische Düngemittel, die in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden.

Hinter den Kulissen

Die Karner Düngerproduktion GmbH mit Firmensitz in Neulengbach (Bezirk St. Pölten Land) produziert und vertreibt biologische Düngemittel für den Einsatz in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft. Während die meisten Dünger in erster Linie auf Stickstoff, Phosphor und Kalium setzen, bestehen die Dünger der Karner Düngerproduktion GmbH aus mindestens 25 Nährstoffen. Das Unternehmen ist europaweit tätig, der Exportanteil ins europäische Ausland liegt bei 85 Prozent.

Das Ziel aller Produkte ist der nachhaltige und ökologische Einsatz von Dünger, der die Nähstoffzusammensetzung des Bodens wieder in seinen natürlichen Ursprung zurückführt. Sobald die Bodenbalance wiederhergestellt ist, steigen nicht nur die landwirtschaftlichen Erträge nachweislich. Gesenkt wird damit auch die Nitratbelastung des Grundwassers sowie der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln (z.B. Fungizide und Pestizide). Zudem wurde nachgewiesen, dass sich die Wasserspeicherkapazität des Bodens durch speziell abgestimmte AKRA Düngemischungen um den Faktor 20 erhöhen lässt, damit passiver Hochwasserschutz betrieben wird und darüber hinaus wieder die Fähigkeit zurückerlangt, vermehrt klimaschädliches CO2 zu binden.

Die Karner Düngerproduktion GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, die Landwirtschaft in eine neue und verantwortungsvolle Ära zu begleiten. Die Notwendigkeit dazu führen die mittlerweile unübersehbaren Folgen der Klimaerwärmung eindrücklich vor Augen. Für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung der AKRA Düngemittel zeichnet das bodenökologische Analytikunternehmen Unterfrauner verantwortlich. Seine Expertise wird auch nach der Erweiterung der internen Forschung durch den Neubau ab Sommer 2021 beibehalten, um eine fundierte externe Überprüfung zu garantieren.

Der neue Firmensitz befindet sich in unmittelbarer Nähe des aktuellen Produktionsortes in Neulengbach und umfasst eine Größe von ca. 25.000 Quadratmetern. Durch den geplanten Neubau werden etwa 9300 Quadratmeter Produktions-, Forschungs- und Verwaltungsflächen geschaffen. Die Fertigstellung ist im Sommer 2021 geplant. In der ersten Phase nach Inbetriebnahme der neuen Stätte wird der Mitarbeiterstand von derzeit 17 auf 30 bis 35 Vollzeitäquivalente verdoppelt. Die Investitionssumme beläuft sich auf 10,8 Millionen Euro.

Zur Lage der (industriellen) Nation

Published on 29. Juni 2020

„Ich freue mich, als neuer IV-Präsident gemeinsam mit einem Team hier zu stehen, das sich mit Sabine Herlitschka und Philipp von Lattorff aus Persönlichkeiten zusammensetzt, die fest in der Industrie verankert sind – national wie international.“ So begrüßte der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill, bei der „Antrittspressekonferenz“ am 19.6. mit der IV-Vizepräsidentin und Vorstandsvorsitzenden der Infineon Technologies Austria AG, Sabine Herlitschka, und dem IV-Vizepräsidenten und Geschäftsführer der Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, Philipp von Lattorff, anlässlich der Vorstellung des neu gewählten IV-Präsidiums. „Alleine diese beiden Unternehmen stehen für 2,6 Mrd. Euro an Investitionen in Österreich.“

Der neue IV-Präsident betonte zudem den positiven Demokratisierungsschub, den der aktuelle Wahlprozess organisationsintern ausgelöst habe: „Dieser Diskurs ist wichtig. Aber die IV war und ist stets eine geeinte, geschlossene Organisation gewesen und wird daher nun auch die Gestaltung der Zukunft geeint und geschlossen angehen.“ Der Stellenwert der heimischen Industrie könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, „denn sie ist der Garant für Stabilität, ist der Treiber für Innovation und Fortschritt. Sie steht im engeren Sinn für 22 Prozent der nationalen Wertschöpfung und rund eine Mio. Arbeitsplätze, sie steht für Beschäftigung und Wohlstand – dafür setzen wir uns weiter ein.“ Derzeit jedoch stehe Österreich vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung der Zweiten Republik. „Wir erwarten heuer einen Wirtschaftsrückgang von rund acht Prozent. Daher brauchen wir jetzt ein starkes, wirkungsvolles Krisenmanagement. Erste Maßnahmen wurden bereits gesetzt, weitere müssen im zweiten Halbjahr folgen – national wie international“, stellte Knill klar.

Der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Knill.

Auf nationaler Ebene gelte es dabei , den Wirtschaftsstandort bestmöglich abzusichern. „Wir müssen rasch die richtigen Schritte setzen, um den Konsum zu stärken, Kosten zu senken und Kapital zu sichern.“ Konkret bedeute das u.a. neue Maßnahmen bei der Kurzarbeit, Entlastungen bei den Lohnnebenkosten und die Senkung der Körperschaftsteuer auf 21% sowie eine Stärkung des Eigenkapitals von Betrieben.

Beim Thema Digitalisierung habe Corona zwar „einen Schub“ bewirkt, aber Österreich müsse hier „vom Mittelmaß ins Spitzenfeld vorstoßen“. „Wachstum und Effizienz sind die Stellschrauben für den Weg aus der Krise. Wir müssen daher Input und Output in ein besseres Verhältnis bringen – sei es in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitsbereich, in der Bildung oder im Pensionssystem. Nur so kommen wir – gemeinsam mit einer starken Industrie – aus der Krise. Als exportorientierte Volkswirtschaft brauchen wir wieder ungehinderten Zugang zu unseren Märkten, wir brauchen wieder Reisefreiheit – in Europa wie auch international. Wir brauchen ein starkes Europa für ein erfolgreiches Österreich.“

Mit den Besten messen

IV-Vizepräsident Philipp von Lattorff betonte ebenfalls den hohen Stellenwert von ­Forschung und Innovation: „Das sichert Österreichs Wohlstand, Arbeitsplätze und damit den sozialen Frieden. Die Industrie trägt maßgeblich dazu bei. Immerhin leistet sie rund die Hälfte aller Investitionen in diesem für die heimische Wettbewerbsfähigkeit so entscheidenden Bereich.“

Österreichs Ziel müsse es aber sein, ins Spitzenfeld zu kommen. „Unsere Forschungsquote sollte bis 2030 auf mindestens vier Prozent des BIP steigen – derzeit liegen wir bei nur 3,19 Prozent“, forderte von Lattorff. „Wir brauchen eine Top 3-Platzierung im Digital Economy and Society Index (DESI) der EU-Kommission. Derzeit liegt Österreich nur auf Platz 11. Und wir müssen bis 2022 die Weichen für mehr Technikgraduierte stellen, denn wir brauchen Mitarbeiter mit den bestmöglichen Qualifikationen.

Industrie-Abschwung verlangsamt sich erneut deutlich

Die schrittweise Entspannung der Industriekonjunktur in Österreich nach dem abrupten Einbruch durch den Lockdown im März setzt sich per Ende Juni fort. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Juni auf 46,5 Punkte. Damit erreicht der Indikator den höchsten Wert seit dem Beginn der Corona-Krise. Allerdings wird die Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird, vorerst weiter unterschritten“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Unsere Industrie befindet sich demnach erkennbar auf dem Wege der Besserung, hat allerdings aus dem Lockdown noch nicht auf einen Wachstumspfad zurückgefunden. Der stark exportorientierten heimischen Industrie fehlt insbesondere die Nachfrageunterstützung aus dem Ausland.

Die schrittweise Entspannung der heimischen Industriekonjunktur setzt sich weiter fort.

„Der Anstieg des vorläufigen Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie in der Eurozone auf 46,9 Punkte im Juni zeigt, dass sich das Exportumfeld für Österreich etwas entspannt hat. Jedoch sinkt –  wenn auch langsamer als in den Vormonaten – die Industrieproduktion der wichtigsten Handelspartner Österreichs erneut. Insbesondere die deutsche Industrie präsentiert sich trotz des Anstiegs des Einkaufsmangerindex auf 44,6 Punkte noch schwach. Dagegen versprüht das erstmalige Überschreiten der Wachstumsschwelle des französischen Indikators seit Jänner Optimismus“, so Bruckbauer.

Geringster Produktionsrückgang seit Februar

Während einerseits der schwierige Start der deutschen Industrie aus dem Lockdown den österreichischen Produktionssektor belastet, besteht andererseits aufgrund der etwas früheren Öffnung der heimischen Wirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern ein kleiner Startvorteil. Diese Diskrepanz schlägt sich in der unterschiedlichen Entwicklung der Auftragseingänge aus dem In- bzw. Ausland nieder. „Der Produktionsindex stieg im Juni auf 45,9 Punkte. Die Produktionsrückgänge fielen somit in Österreich deutlich niedriger als in den vorangegangenen drei Monaten aus, da auch die Auftragseingänge spürbar geringer abnahmen als davor. Das inländische Neugeschäft zeigt sich dabei mittlerweile den zweiten Monat in Folge deutlich robuster als die Nachfrage aus dem Ausland“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Der Exportauftragsindex blieb trotz eines Anstiegs auf 37,0 Punkte im Juni klar hinter dem Index für die gesamten Neuaufträge von 43,2 Punkten zurück. Angesichts der weiterhin schwachen Nachfrage nahmen die Auftragspolster der heimischen Betriebe trotz der Produktionsrücknahme ab, wenn auch mit deutlich geringerem Tempo als in den vergangenen drei Monaten. Die Anzahl der Neuaufträge war im Juni aber somit erneut geringer als die Anzahl der ausgeführten Aufträge.

Die heimischen Betriebe haben im Juni in Anpassung an die geringeren Produktionserfordernisse den Stellenabbau fortgesetzt. Der Beschäftigungsindex hat sich jedoch das zweite Mal in Folge verbessert und erreicht mit 44,1 Punkten mittlerweile den höchsten Wert seit Februar. Das Tempo des Beschäftigtenrückgangs gegenüber dem Vormonat hat sich somit erneut verlangsamt. „Seit dem Beginn der Corona-Krise sind in der österreichischen Industrie viele Jobs verloren gegangen. Durch die starke Ausnutzung der Kurzarbeitsregelung zeigt sich der Arbeitsmarkt der Industrie im Vergleich zur Gesamtwirtschaft jedoch deutlich robuster. Während die Beschäftigung im ersten Halbjahr 2020 in der Gesamtwirtschaft um durchschnittlich 2,6 Prozent im Jahresvergleich abgenommen hat, sank die Anzahl der Arbeitsstellen in der Sachgüterindustrie nur um etwas mehr als 1 Prozent“, so Pudschedl.

Obwohl die Industrie einen Beschäftigtenanteil an der Gesamtwirtschaft von rund 17 Prozent hält, waren nur 7 Prozent der zusätzlichen Arbeitslosen vorher in der Industrie beschäftigt. Die Arbeitslosenquote in der österreichischen Industrie ist im ersten Halbjahr 2020 zwar von 3,7 Prozent im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf durchschnittlich 5 Prozent gestiegen, in der Gesamtwirtschaft nahm die Arbeitslosenquote im gleichen Zeitraum jedoch von 7,6 Prozent auf sogar 10,6 Prozent zu.

Während sich die Beschäftigtenlage in der Industrie während der Corona-Krise dank der Kurzarbeitsregelung spürbar günstiger darstellt als in der Gesamtwirtschaft, wird der Weg aus der Krise für die Industrie bezogen auf die Beschäftigung voraussichtlich von geringeren Fortschritten gekennzeichnet sein. Im Dienstleistungssektor ist nach den ersten Lockerungsmaßnahmen der Arbeitsmarkt bereits in Bewegung gekommen. Die Erholung der Beschäftigung in der Industrie dürfte sich bedingt auch durch die hohe Exportabhängigkeit des Sektors zäher gestalten.

Anhaltende Talfahrt der Preise

Angesichts der schwachen Nachfrage haben die heimischen Betriebe versucht die Umsätze durch eine Reduktion der Verkaufs- bzw. Angebotspreise anzukurbeln. Im Juni sanken die Verkaufspreise den zwölften Monat in Folge und der entsprechende Index ging sogar auf 42,8 Punkte zurück, den niedrigsten Wert seit dem Frühjahr 2009. Trotz der Rabattierungen gelang es nur unzureichend die Nachfrage zu stärken, zumindest nahmen die Bestände in den Verkaufslagern erneut zu, obwohl die Produktion weiter zurückgefahren worden war.

Die Bestände in den Vormateriallagern gingen dagegen erstmals seit drei Monaten geringfügig zurück, obwohl die Einkaufspreise ihre Talfahrt beschleunigt fortsetzten. „Der Rückgang der Einkaufs- und Verkaufspreise in der heimischen Industrie hat sich im Juni nochmals beschleunigt. Seit genau einem Jahr befinden sich die Preise mittlerweile auf Talfahrt. Durch den Einbruch des Ölpreises hat die Kostendynamik stärker nach unten gezeigt als die Angebotspreise. Die Ertragssituation der heimischen Betriebe hat sich aufgrund der sinkenden Umsätze in diesem Zeitraum im Durchschnitt dennoch nicht verbessert“, meint Pudschedl.

Ende der Rezession in Sicht

Infolge der Aufhebung weiterer Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hat sich die Talfahrt der österreichischen Industriekonjunktur im Juni den zweiten Monat in Folge deutlich verlangsamt. Der Anstieg des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex wurde vor allem von der starken Abschwächung der Schrumpfungsraten von Output, Neugeschäft und Beschäftigung getragen. Die anhaltenden Preisrückgänge im Ein– und Verkauf und der starke Anstieg der Bestände in den Fertigwarenlagern weisen allerdings deutlich auf die schwierige Nachfragesituation hin. Mit einem durchschnittlichen Wert im zweiten Quartal 2020 von unter40 Punkten zeigt der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex die schwerste Rezession der heimischen Industrie seit der Finanzkrise an. Damit hat die Industrie zum voraussichtlich stärksten Rückgang der österreichischen Wirtschaft von rund 15 Prozent zum Vorquartal im zweiten Quartal 2020 beigetragen.

Die Lockerungsmaßnahmen und die Aussicht auf eine weitere Normalisierung des Wirtschaftslebens trugen dazu bei, dass die Geschäftsaussichten der heimischen Industrie binnen Jahresfrist auf 45,6 Punkte geklettert sind und damit im Juni den höchsten Stand seit Februar erreicht haben. „Der Aufwärtstrend des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex und der Produktionserwartungen der Betriebe unterstützen unsere Erwartungen, dass die Rezession in der Industrie und in der Gesamtwirtschaft im Sommer endet und in der zweiten Jahreshälfte eine spürbare Erholung einsetzt. Mit einem BIP-Rückgang um rund 8 Prozent im Jahr 2020 und einem Wirtschaftswachstum um rund 7 Prozent 2021 gehen wir unverändert von einem etwas verzögerten V-förmigen Konjunkturverlauf aus. Ende 2021 wird die österreichische Wirtschaftsleistung voraussichtlich um rund ein Prozent das Vorkrisenniveau verfehlen“, meint Bruckbauer.

So fährt die Industrie hoch

Published on 18. Mai 2020

Am Beispiel der Fertigungsindustrie ist bestens erkennbar, wo die Chancen und Stolpersteine in den Bereichen Lieferketten, Produktion, Logistik und Absatzmärkte liegen. Beim Aufsetzen der passenden Strategie lohnt sich ein Blick nach Fernost, raten die Strategen der globalen Unternehmensberatung Kearney. Da sich dort die Industrie schon vor Wochen auf die Produktion in Post-Corona-Zeiten umstellen musste, verfügt sie über einen großen Erfahrungsschatz, den es zu nützen gilt. Ein eigener War Room koordiniert dabei vier wichtige Maßnahmen Schritt für Schritt: 

Lieferketten kürzen, Bullwhip (Peitscheneffekt) vermeiden

In einer Welt der multilokalen Märkte lohnt sich eine Prüfung, wie die Lieferkette kürzer gehalten werden kann. Doch für all diese Maßnahmen braucht es vor allem eines: die völlige Transparenz über die eigene Supply Chain, auch um dort frühzeitig Insolvenzen, Warenüberkapazitäten und -engpässe zu erkennen und z.B. zu erwartenden Bullwhip-Effekten entgegensteuern zu können. Wer noch immer nicht in täglichem Austausch mit seinen wichtigsten Lieferanten steht oder sie nicht als integrierten Bestandteil seines Erfolgs betrachtet, sollte spätestens jetzt damit beginnen. Die Ende-zu-Ende-Optimierung ist hier das Zauberwort. Sie bietet analytische Entscheidungsunterstützung auf strategischer, taktischer und operativer Ebene.

Robert Kromoser, Partner und Experte von Kearney für Einkauf, Digitalisierung und Risikomanagement: „Das Ende-zu-Ende-Konzept integriert die gesamte Wertschöpfungskette in ein mathematisches Modell und gleicht Freiheitsgrade in der Planung mit den Anforderungen des Unternehmens ab. So können Kosten eingespart, Planungssicherheit erreicht und Nachhaltigkeitsziele eingehalten werden. Einsparungen von 5 bis 15 Prozent, sowie eine robustere Wertschöpfungskette sind damit möglich.“

Die Fertigungsindustrie wappnet sich gegen eine „Zweite Welle“.

KI und Digital Twin als Schutzschild vor der „zweiten Welle“

Die sinkenden Infektionszahlen sind trügerisch. Virologen warnen bereits vor einer „zweiten Welle“ im Herbst. Vieles lässt sich via „Remote Work“ bewerkstelligen. Doch was ist mit Bereichen, die normalerweise die Anwesenheit vor Ort voraussetzen? Wie kann sichergestellt werden, dass Maschinen und Co. ohne Probleme weiterlaufen? Dass Lieferketten und Produktionsprozesse nicht unterbrochen werden – und zwar remote gesteuert? Die Industrie 4.0 hat da einige Antworten parat, denn sowohl die Überwachung als auch die Steuerung müssen nicht mehr zwingend vor Ort erledigt werden. So können Anlagenfahrer Maschinen via Tablet vom gesamten Werksgelände aus bedienen und müssen dank Künstlicher Intelligenz (KI) weniger Zeit im Kontrollraum verbringen, um die Anlage manuell zu steuern.

„Die KI optimiert automatisch – in Zeiten von Social Distancing wohl einer der besten Kollegen“, erklärt Kromoser. „Erkrankt ein Mitarbeiter, können durch Cloud-Lösungen sogar Kollegen aus anderen Standorten die Vertretung übernehmen. Durch ein einheitliches Steuerungskonzept können diese Lösungen helfen, Arbeitszeiten zu flexibilisieren.“ Eine weitere Errungenschaft der Industrie 4.0, die in der Corona-Krise produzierende Unternehmen unterstützt, ist der sogenannte „Digital Twin“. Dieses digitale Abbild der Anlage erlaubt es, diese virtuell zu bedienen. Das kann genutzt werden, um neue Mitarbeiter zu trainieren, auch wenn eine Anlage stillsteht – vergleichbar mit einem Flugsimulator für Piloten. Ein Digital Twin bietet sich auch dafür an, verschiedene Szenarien zu testen. Wie läuft es ab, wenn ich meine Anlage stilllege? Wie fahre ich meine Anlage, die vielleicht coronabedingt heruntergefahren war, wieder an? „In einem Digital Twin lassen sich ein Ausfall von Anlagen und die Wahrscheinlichkeiten hierzu simulieren. So können auch Reparaturen besser geplant und reduziert werden und zukünftige Pandemien verlieren etwas von ihren Schrecken“, so Kromoser.

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen befreien Unternehmen aus dem behördlich verordneten Dornröschenschlaf.

Betriebsmodell: Safety First

Wenn es in Fabriken heißt „Sicherheit geht vor!“, dann ist damit heute etwas völlig anderes gemeint als noch vor drei Monaten. Innerhalb kürzester Zeit müssen Hygienemaßnahmen gesteigert werden, Abstandsregeln in die Prozesse eingeplant und wiederverwertbarer Mundschutz aus Nachhaltigkeits- und Kostengründen organsiert werden. Oftmals werden hier pragmatische Lösungen vor Ort angestrebt, indem regionale Unternehmen der Textilindustrie angesprochen werden, um die Lieferkette möglichst kurz zu halten und die Qualität sicherzustellen. Immer öfter wird auch mit Fiebermessungen „on the fly“ die Gesundheit der Mitarbeiter überprüft. Klimaanlagen werden einem regelmäßigen Check unterzogen, isolierte Büroeinheiten geschaffen und Homeoffice angeordnet, wo immer dies möglich ist. Social Distancing wird nicht nur für die Produktionsweise zur Regel, sondern wirkt sich auch auf Pausen- und Kantinenkultur aus, Kantinenbesuche werden für die Mitarbeiter auf ein Minimum reduziert.

Stattdessen wird Essen an die Arbeitsplätze geliefert oder durch zusätzliche Zelte mehr Platz geschaffen, um die Abstandsregeln auch in den Pausen einzuhalten. Dazu zählen auch Änderungen im Schichtsystem und Übergaben finden vermehrt virtuell statt oder gar als Podcast. Dabei gilt es durch versetzte Schichtzeiten größere Menschenmengen zu verhindern, und zwar auf dem Weg zu und vom Arbeitsplatz, im Unternehmen und auch in den sozialen Einrichtungen wie den Umkleideräumen oder den bereits erwähnten Kantinen. Werksbegehungen sind entweder ausgesetzt oder werden durch Virtual-Reality-Lösungen ersetzt.

Wettbewerbsumfeld analysieren, Portfolio bereinigen, Kundengruppen differenzieren

In Zeiten von Corona scheint nichts „in Stein gemeißelt“. Wer gestärkt aus der Krise kommen will, muss zuerst das eigene Produkt-Portfolio hinsichtlich seines Kosten-Nutzen auf den Prüfstein legen. Das Gleiche gilt auch für den Kundenstamm. Mit Hilfe des „Customer Value Mapping“ kann zwischen werterzeugenden und verlustbringenden Kundengruppen differenziert werden. Letztendlich wird das gesamte Geschäftsfeld auf strategische und finanzielle Relevanz bewertet.

Auf eine neue Ebene kann auch die Beziehung zu den Lieferanten gestellt werden. Viele Unternehmen unterstützen diese durch Verlängerung der Zahlungsbedingungen und Unterstützungsprogramme. Dieses Entgegenkommen vertieft die Geschäftsbeziehungen, sorgt für Versorgungssicherheit und kräftigt die Lieferkette. Allerdings werden nicht alle Lieferanten COVID-19 überleben, viele stehen vor massiven Herausforderungen. Das können Unternehmen auch für Übernahmen nützen. Für Unternehmen bietet das die Gelegenheit ihre vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette zu erhöhen und damit eine bessere Kontrolle über wichtige Glieder in der Lieferkette zu erlangen. Darüber hinaus lohnt sich auch eine Analyse der horizontalen Integrationen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Service: Den Leitfaden „Post COVID 19 – Back to the Future” gibt’s als kostenlosen Download auf www.de.Kearney.com

Desinfektionsmittel statt Fruchtsaft

Published on 20. April 2020

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist das am Agrana-Standort Pischelsdorf (Bezirk Tulln) produzierte Bioethanol seit kurzem auch für die Herstellung von Desinfektionsmitteln zugelassen worden. Neben der Lieferung des hochprozentigen Alkohols an Großabnehmer der weiterverarbeitenden Desinfektionsmittelindustrie hat das börsennotierte Unternehmen nun selbst die Herstellung von Flächen- und Handdesinfektionsmitteln begonnen. Mit einem Teil der Produktion versorgt das Unternehmen kostenlos Pflege- und Sozialorganisationen in Nieder-, Oberösterreich und Steiermark.

Konkret kommen die Desinfektionsmittel-Spenden, die durch die jeweiligen Werksleiter verteilt werden, Einrichtungen in den umliegenden Regionen der Agrana-Fabriken in Aschach/Donau (OÖ), Gmünd, Kröllendorf, Leopoldsdorf, Pischelsdorf und Tulln (alle NÖ) sowie in Gleisdorf (Stmk.) zugute. Die erste Übergabe durch den Werksleiter in Kröllendorf an die Lebenshilfe-Niederösterreich (Werkstätte Hiesbach) ist bereits erfolgt. „Wir freuen uns, dass wir in der Corona-Krise zur Schließung dringender Versorgungslücken bei Desinfektionsmitteln beitragen können“, sagt Agrana-CEO Johann Marihart. „Mein Dank gilt auch den zuständigen Behörden, die schnell und unbürokratisch die Bewilligung zur Sonderverwendung des Alkohols und eine Steuerbefreiung für das hergestellte Desinfektionsmittel erteilt haben.“

Bis zu 40.000 l wöchentlich

Die Herstellung und Abfüllung der Hand- und Flächendesinfektionsmittel erfolgt bei der Agrana/Raiffeisen Ware-Tochter Austria Juice in Kröllendorf. Das dortige Fruchtsaftkonzentratwerk hat kurzfristig eine Abfüllstation eingerichtet und füllt die Desinfektionsmittel in 25-Liter Kanister ab. Austria Juice kann pro Woche bis zu 40.000 Liter Desinfektionsmittel herstellen.

Der hochprozentige Alkohol als Grundstoff stammt aus der Bioethanolanlage in Pischelsdorf, wo Agrana täglich insgesamt rund 600.000 Liter Bioethanol produziert. Voraussetzung für die Produktion von Desinfektionsmitteln aus Ethanol war eine im März erlassene Ausnahmegenehmigung des Umweltministeriums zur Biozid-Verordnung. Die Desinfektionsmittel können auch direkt bei Austria Juice erworben werden.

Weltmarktführer im Einsatz für den guten Zweck

Grundsätzlich veredelt Agrana landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Lebensmitteln und einer Vielzahl von industriellen Vorprodukten. Rund 9.600 Mitarbeiter erwirtschaften an weltweit 57 Produktionsstandorten einen jährlichen Konzernumsatz von rund 2,4 Mrd. €.

Das Unternehmen wurde 1988 gegründet, ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie bedeutendster Produzent von Fruchtsaftkonzentraten in Europa und im Segment Stärke ein bedeutender Produzent von kundenspezifischen Stärkeprodukten und Bioethanol. Agrana ist außerdem heute das führende Zuckerunternehmen in Zentral- und Osteuropa.