Schlagwort: Lebensmittel

Das sündige Drittel

Published on 3. Oktober 2020

Während die Natur rund um den Globus in beispielloser Geschwindigkeit verlorengeht, beweist die Menschheit an anderer Stelle extreme Ineffizienz: Ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel wird gar nicht gegessen. Das ist eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen, die einem jährlichen Verlust in Höhe von 850 Milliarden Euro für die Wirtschaft und insgesamt acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen entspricht. Auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher gehen genießbare, nährstoffreiche Lebensmittel verloren – oder wir entscheiden uns sogar, sie wegzuwerfen.

Details enthüllen der WWF und die Nachhaltigkeits-NGO WRAP in einem aktuellen Bericht. Es werden an buchstäblich JEDEM Punkt entlang der Lieferkette erhebliche Mengen an Lebensmitteln verschwendet. In Entwicklungsregionen sind Verluste bei der Produktion höher, während in entwickelten Regionen die Verschwendung beim Verbraucher überwiegt. Das weltweite Nahrungsmittelsystem verursacht rund 25 Prozent aller Treibhausgasemissionen, verbraucht 70 Prozent der Süßwasserressourcen und zerstört Lebensräume, sodass tausende Arten in aller Welt vom Aussterben bedroht sind. Die Klimakrise wiederum ruft Extremwetter hervor, das die Lebensmittelproduktion kurz- und langfristig erschwert. Für die Erzeugung der Lebensmittel, die Jahr für Jahr in der Tonne landen, wird eine Fläche so groß wie China benötigt. Wären die Lebensmittelabfälle ein Land, lägen sie bei den Treibhausgasemissionen auf dem dritten Platz hinter China und den USA.

Allein in der EU gehen jedes Jahr rund 88 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren bzw. werden verschwendet – das entspricht 20 Prozent der insgesamt produzierten Nahrungsmittel oder 173 Kilogramm pro Person. Fast die Hälfte der Verschwendung entsteht in Haushalten, weil zu große Mengen gekauft werden oder die Lagerung nicht passt. Auch in der Produktion gehen Lebensmittel verloren: Weil sie gar nicht erst geerntet werden, weil genießbare Produkte wegen ihrer Optik vernichtet werden oder weil sie während Transport oder Lagerung verderben.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent).

Ein Blick auf Österreich

Bei uns landet jährlich rund eine Million Tonnen Lebensmittel im Müll, die Hälfte davon fällt in Haushalten an. Jeder Haushalt wirft pro Jahr durchschnittlich 133 kg an genussfähigen Lebensmitteln weg, was einem Wert zwischen 250 und 800 Euro entspricht.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent). Dahinter folgen Milchprodukte und Eier (zwölf Prozent) sowie Fleisch und Fisch (elf Prozent).

Das muss sich ändern!

Generell wird der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung als Chance zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen weltweit vernachlässigt. Zwar haben sich Regierungen, die die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren, ausdrücklich ein nationales Ziel gesetzt, das dem Ziel der Vereinten Nationen zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 entspricht. Dennoch messen nur die Regierungen von zwölf Prozent der Weltbevölkerung, wie viele Lebensmittel verschwendet werden. Darüber hinaus setzen nur Länder mit 15 % der Weltbevölkerung weitreichende Maßnahmen zum Abbau der Lebensmittelverschwendung um.

Immerhin setzen sich zwei Drittel der 50 größten Lebensmittelunternehmen Ziele, fast die Hälfte misst ihre Lebensmittelabfälle, und ein Drittel führt Maßnahmen durch, um die Abfälle im eigenen Betrieb zu reduzieren. Aber natürlich müssen sich auch die Unternehmen viel mehr darum bemühen, ihre Lieferanten einzubeziehen und die Daten zu ihren Lebensmittelabfällen in stärkerem Maße veröffentlichen. Außerdem müssen mehr Unternehmen der Verringerung von Lebensmittelabfällen Priorität einräumen.

Wir sollten dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

Was für eine große Chance!

Es gilt, den Abbau der Lebensmittelverschwendung als entscheidende Möglichkeit zur Senkung der Treibhausgasemissionen zu nutzen und mit dem Nahrungsmittelsystem den Weg in eine nachhaltigere Zukunft einzuschlagen. So würden wir auch dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

In Europa und auf der ganzen Welt können Regierungen, die bei diesem Vorhaben vorangehen, für die Bürger ihres Landes und auch für die Wirtschaft Vorteile bewirken. Und vor allem können wir alle schon heute einen Beitrag leisten – einfach, indem wir das kaufen, was wir brauchen, und das essen, was wir kaufen!

Desinfektionsmittel statt Fruchtsaft

Published on 20. April 2020

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist das am Agrana-Standort Pischelsdorf (Bezirk Tulln) produzierte Bioethanol seit kurzem auch für die Herstellung von Desinfektionsmitteln zugelassen worden. Neben der Lieferung des hochprozentigen Alkohols an Großabnehmer der weiterverarbeitenden Desinfektionsmittelindustrie hat das börsennotierte Unternehmen nun selbst die Herstellung von Flächen- und Handdesinfektionsmitteln begonnen. Mit einem Teil der Produktion versorgt das Unternehmen kostenlos Pflege- und Sozialorganisationen in Nieder-, Oberösterreich und Steiermark.

Konkret kommen die Desinfektionsmittel-Spenden, die durch die jeweiligen Werksleiter verteilt werden, Einrichtungen in den umliegenden Regionen der Agrana-Fabriken in Aschach/Donau (OÖ), Gmünd, Kröllendorf, Leopoldsdorf, Pischelsdorf und Tulln (alle NÖ) sowie in Gleisdorf (Stmk.) zugute. Die erste Übergabe durch den Werksleiter in Kröllendorf an die Lebenshilfe-Niederösterreich (Werkstätte Hiesbach) ist bereits erfolgt. „Wir freuen uns, dass wir in der Corona-Krise zur Schließung dringender Versorgungslücken bei Desinfektionsmitteln beitragen können“, sagt Agrana-CEO Johann Marihart. „Mein Dank gilt auch den zuständigen Behörden, die schnell und unbürokratisch die Bewilligung zur Sonderverwendung des Alkohols und eine Steuerbefreiung für das hergestellte Desinfektionsmittel erteilt haben.“

Bis zu 40.000 l wöchentlich

Die Herstellung und Abfüllung der Hand- und Flächendesinfektionsmittel erfolgt bei der Agrana/Raiffeisen Ware-Tochter Austria Juice in Kröllendorf. Das dortige Fruchtsaftkonzentratwerk hat kurzfristig eine Abfüllstation eingerichtet und füllt die Desinfektionsmittel in 25-Liter Kanister ab. Austria Juice kann pro Woche bis zu 40.000 Liter Desinfektionsmittel herstellen.

Der hochprozentige Alkohol als Grundstoff stammt aus der Bioethanolanlage in Pischelsdorf, wo Agrana täglich insgesamt rund 600.000 Liter Bioethanol produziert. Voraussetzung für die Produktion von Desinfektionsmitteln aus Ethanol war eine im März erlassene Ausnahmegenehmigung des Umweltministeriums zur Biozid-Verordnung. Die Desinfektionsmittel können auch direkt bei Austria Juice erworben werden.

Weltmarktführer im Einsatz für den guten Zweck

Grundsätzlich veredelt Agrana landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Lebensmitteln und einer Vielzahl von industriellen Vorprodukten. Rund 9.600 Mitarbeiter erwirtschaften an weltweit 57 Produktionsstandorten einen jährlichen Konzernumsatz von rund 2,4 Mrd. €.

Das Unternehmen wurde 1988 gegründet, ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie bedeutendster Produzent von Fruchtsaftkonzentraten in Europa und im Segment Stärke ein bedeutender Produzent von kundenspezifischen Stärkeprodukten und Bioethanol. Agrana ist außerdem heute das führende Zuckerunternehmen in Zentral- und Osteuropa.