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Vor den Vorhang, Wiener Neustadt!

Published on 20. Oktober 2020

Im Zentrum von Wiener Neustadt – unmittelbar angrenzend an den Stadtpark – entsteht in den kommenden Jahren ein lebendiges und nachhaltiges neues Stadtquartier mit einem diversifizierten Mischnutzungskonzept. Klemens Hallmann, Gründer und Alleineigentümer der HALLMANN HOLDING, hat gemeinsam mit seiner 100%igen Tochtergesellschaft SÜBA AG sowie mit dem renommierten Architekturbüro Moser Architects einen intensiven Planungs- und Evaluierungsprozess gestartet und sich ein hohes Ziel gesetzt: Eine innovative Quartiersentwicklung mit höchsten Standards für Qualität und Nachhaltigkeit, die Bedürfnisse der Menschen in Wiener Neustadt erfüllen soll.

Das Gelände an der Lederergasse 31 war vom 16. Jahrhundert bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts vor allem eines: ein Ort des sozialen Miteinanders. Während der städtische Brauhof mit seinem weitläufigen Garten und mehreren Sälen viel Platz zum Verweilen bot, war auch der Stadtpark seit jeher ein besonderer Erholungsraum für die Menschen vor Ort. Nachdem ab 1969 nur mehr große Handelsunternehmen auf dem Gelände ansässig waren, bekommen die Wiener Neustädter das Areal nun wieder zurück.

„Wir lassen die ursprüngliche, soziale Bedeutung des Areals wiederaufleben und geben den Wiener Neustädtern einen Teil ihrer Stadt zurück. Durch einen diversifizierten Nutzungsmix mit modernem Wohnraum, großzügigen öffentlichen Plätzen und attraktiven Einkaufs- sowie Gastronomie-Möglichkeiten wollen wir starke nachhaltige Akzente im Herzen der Stadt setzen und ein einzigartiges architektonisches Landmark-Projekt gestalten. Damit ermöglichen wir einen Mehrwert für die Stadt selbst und für ihre Bevölkerung. Überdies setzen wir für das Land Niederösterreich richtungsweisende Impulse bei der Stadtentwicklung“, erklärt Hallmann. Er hat das Potenzial des zentral gelegenen urbanen Areals erkannt und war federführend bei der gesamten Projektentwicklung.

Nach abgeschlossenem Widmungsverfahren wird das Projekt ehestmöglich eingereicht. Nach Vorliegen des Baubewilligungsbescheids wird unverzüglich mit dem Bau begonnen. Vom Startschuss der Bauarbeiten weg wird die Fertigstellung des gesamten Stadtquartiers rund drei Jahre benötigen. Das Projektvolumen umfasst ca. 200 Mio. Euro.

Klaus Schneeberger (Bürgermeister Wiener Neustadt), Marius Moser (CEO Moser Architects) Heinz Fletzberger (Vorstand SÜBA AG).

Starker Impuls für die zukünftige Stadtentwicklung

„Das Wohnen per se hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert“, meint Hallmann. „Mittlerweile verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit, Wohnen und Freizeit und es bedarf ganzheitlicher Konzepte, die diesen veränderten Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen. Diese Erkenntnisse lassen wir selbstverständlich auch in unsere Planungen hier in Wiener Neustadt einfließen.“

Im Rahmen der innovativen Quartiersentwicklung wird eine Nettonutzfläche von 55.000 m2 auf einer Grundfläche von 23.000 m2 neugestaltet. Neben einem diversifizierten Wohnungsmix bildet ein vielfältiges Bildungsangebot ein wesentliches Key-Asset des Projekts. Ein musischer Bildungscampus, bestehend aus einem Kindergarten, einer Volksschule, einer Neuen Mittelschule sowie einem auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Konzertsaal, macht das Projekt vor allem auch für junge Familien interessant. Abgerundet wird das neue Stadtquartier durch attraktive Einkaufsmöglichkeiten, ein umfassendes Ärztezentrum, kleinformatige Gastronomie-Flächen, einladende Fitnessbereiche sowie moderne Büroflächen sowohl im Erdgeschoss als auch auf den Dächern. Die öffentlich nutzbaren Angebote nehmen 44% der Gebäudefläche ein. Durch die vielseitige und zukunftsträchtige Mischnutzung wird das Prestige-Projekt nicht nur einen großen Beitrag für die Menschen in Wiener Neustadt leisten, sondern darüber hinaus die zukünftige Stadtentwicklung aktiv mitgestalten.

Cleverer Wohnungsmix für alle Generationen

Insgesamt werden rund 600 Wohneinheiten realisiert – inklusive Balkons, Terrassen oder Privatgärten. Der Wohnungsbereich wird 56% der Gebäudeflächen umfassen. Der durchdachte Wohnungsmix richtet sich dabei sowohl an junge als auch an ältere Menschen und reicht von Micro-Apartments bis hin zu betreutem Wohnen. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 25 und 85 m2. Besondere Bedeutung hat auch die Leistbarkeit für die Verantwortlichen: „Die Grundrisse werden bei dem Projekt entsprechend flexibel geplant, wodurch wir den Menschen für jede Lebensphase den richtigen Wohnungstyp anbieten können. Dabei werden sie in Abhängigkeit zum Preis und der Kaufkraft gestellt, um so vor allem auch leistbar zu bleiben. Es werden Mietwohnungen ebenso wie Eigentumswohnungen angeboten“, erklärt Heinz Fletzberger, Vorstand der SÜBA AG.

„Das vorliegende Projekt ist für die Stadt Wiener Neustadt gleich aus mehreren Gründen von immenser Bedeutung“, bestätigt Bürgermeister Klaus Schneeberger. „Erstens zeigt es, wie innovative Stadtentwicklung in Zukunft ablaufen wird: Wir verdichten bereits versiegelte Flächen im Stadtkern und können dadurch Grünräume erhalten. Zweitens schaffen wir mit dem Quartier neuen Wohnraum in der Innenstadt und sorgen damit für erhöhte Frequenz, was wiederum direkt dem Handel zugutekommt. Und drittens können wir mit dem Kindergarten, der Volks- und Mittelschule, sowie der Musikschule Platz für wichtige öffentliche Einrichtungen schaffen, wodurch wir auch die Qualität der Aus- und Weiterbildung vor allem unserer Kinder massiv erhöhen. Im Rahmen der nun folgenden Ausstellung können sich die Bürger noch vor der Realisierung aktiv einbringen und selbst auch Vorschläge machen.“

Heinz Fletzberger (Vorstand SÜBA AG) und Klemens Hallmann (Gründer und Alleineigentümer der Hallmann Holding.

CO2-Reduktion durch Einsatz innovativer Technologien

Auch die Nachhaltigkeit wird im Rahmen des smarten Mischnutzungskonzepts bei dem Landmark-Projekt großgeschrieben. Durch den Einsatz innovativer Technologien wie beispielsweise der Betonkernaktivierung, bei der über das Grundwasser, Erdwärmesonden und Wärmepumpsysteme die Gebäudedecken als Wärme- und Kältespeicher eingesetzt werden, wird der CO2-Fußabdruck maßgeblich reduziert.

In Kombination mit dem Einsatz von Photovoltaikanlagen und Grünstrom sowie den angestrebten klimaaktiv- und Greenpass-Zertifizierungen untermauern die Projektentwickler rund um Klemens Hallmann eindrucksvoll die ökologische Verantwortung, der sie bei diesem Projekt nachkommen. Die grüne Handschrift zeigt sich außerdem auch in puncto Bodenschutzstrategie: Die Liegenschaft ist derzeit zu 100% versiegelt und wird im Zuge der Neuentwicklung des Areals und im Sinne einer zukunftsfähigen Raumordnung zu entsiegeltem, urbanem Raum umgewandelt.

Darüber hinaus spielt die Begrünung des Areals eine zentrale Rolle in der Quartiersentwicklung. Neben dem unmittelbar angrenzenden Stadtpark sorgen großzügige Grünflächen mit beschatteten Sitzgelegenheiten, vertikale Gärten und begrünte Dächer für eine willkommene Erholungsmöglichkeit im urbanen Raum. Ergänzt wird dieses Green Building-Konzept durch eine klimaschonende autofreie Zone. Hierfür wird eine unterirdische, ein- und zweigeschossige Tiefgarage mit ca. 900 Parkplätzen, E-Ladestationen, Fahrradstellplätzen sowie Carsharing-Angeboten geplant. Zusätzlich wird das bestehende, infrastrukturelle Angebot der Umgebung um eine Bushaltestelle im Bildungscampusbereich erweitert. Der Einsatz innovativer, energieeffizienter Technologien wird überdies bei den neuen Wohnungen für im Vergleich deutlich günstigere Betriebskosten sorgen.

Neuinterpretation bestehender architektonischer Merkmale

Bei der Gestaltung des Stadtquartiers gehen die Projektentwickler bewusst auf die vorhandenen architektonischen Gestaltungsmerkmale ein, um das Areal nahtlos in die Umgebung einzubetten. Dabei sind neben der traditionellen österreichischen Dachform mit kleinteiliger Deckung vor allem Erker als prägnante Ausbuchtung der Fassade und schattenspendende sowie witterungsgeschützte Arkaden von Bedeutung und werden im Zeitgeist von Morgen neu interpretiert.

„Bei einem Projekt dieser Dimension ist es unabdingbar, auf die vorhandenen Strukturen einzugehen und auch das große Ganze – also das bestehende Ortsbild – im Blick zu haben. Durch die Neuinterpretation der traditionellen Elemente brechen wir das mögliche Volumen auf, um qualitative Aufenthaltsbereiche im Innen- und Außenraum entwickeln und Durchblicke, Einblicke und inszenierte Räume kreieren zu können. Durch die Höhenstaffelung der einzelnen Baukörper in Kombination mit viel Grün in Form von Rasenflächen und schattenspendenden Bäumen haben Klemens Hallmann und ich gemeinsam ein stimmiges Gebäudeensemble geschaffen, das die öffentlichen Plätze perfekt akzentuiert und einen identitätsstiftenden Mehrwert für alle Bewohner bietet“, so Marius Moser, CEO der Moser Architects, über die gestalterische Identität des Projekts.

Integration der Stadtbevölkerung als Erfolgs Momentum

Nicht nur bei der ganzheitlichen Planung des Projekts gehen die Projektentwickler auf die Bedürfnisse der Wiener Neustädter ein, sondern auch bei der Namensfindung. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs mit den Schulen und Bildungsstätten Wiener Neustadts wird die Stadtbevölkerung aktiv miteinbezogen und zur Namensgebung animiert. Dabei werden die besten Namensvorschläge mit hochwertigen Preisen, die den jeweiligen Klassen direkt zugutekommen, prämiert.

„Bei der Planung und Entwicklung dieses Landmark-Projekts in Wiener Neustadt stehen die Anliegen und Bedürfnisse der Bewohner an oberster Stelle“, verspricht Klemens Hallmann. „Mit der Quartiersentwicklung wollen wir aus dem Areal, das in den vergangenen Jahren primär als Wirkungsstätte großer Handelskonzerne gedient hat, wieder einen nachhaltigen, zukunftsorientierten, pulsierenden und modern gestalteten Lebensraum machen, in dem sich die Menschen über Generationen hinweg wohl fühlen können.“

Hinter den Kulissen

Klemens Hallmann ist ein österreichischer Unternehmer und Investor. Die von ihm gegründete HALLMANN Corporate Group ist eine der großen österreichischen Unternehmensgruppen mit Schwerpunkt auf Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Klemens Hallmann ist Alleineigentümer und Aufsichtstrat der SÜBA AG, einem seit über 39 Jahren erfolgreichen Bauträger. Zudem ist Hallmann Kernaktionär und Aufsichtsrat bei MagForce AG, einem auf dem Gebiet der nanotechnologisch unterstützten Krebstherapie führenden Unternehmen, sowie Kernaktionär der auf digitale Finanzberatung spezialisierten JDC Group.

Neben den oben genannten Beteiligungen ist Klemens Hallmann Aufsichtsrat und Großaktionär der PANTAFLIX AG sowie der Film House Germany AG und deren Tochtergesellschaften Summerstorm Entertainment und Egoli Tossell Film New GmbH sowie Executive Producer mehrerer internationaler Kinofilme.

Die HALLMANN HOLDING ist seit über 20 Jahren in der Entwicklung und Adaptierung qualitativ hochwertiger Immobilien-Projekte in Österreich, Europa und weltweit sowie als Investor tätig. Einen der Schwerpunkte bilden der Erwerb von Luxusimmobilien, Zinshäusern und die Revitalisierung von Liegenschaften. In Österreich zählt sie mittlerweile zu einem der großen unabhängigen Akteure auf diesem Gebiet.

Wasser im Mittelpunkt

Published on 6. September 2020

Bereits seit 18 Jahren ist die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus mit einer eigenen Break Out Session bei den Alpbacher Technologiegesprächen vertreten. Im Pandemie-Jahr 2020 lautet das übergeordnete Thema „Fundamentales“. „Dementsprechend haben wir eines der höchsten Güter der Menschheit in den Mittelpunkt gestellt“, sagte am Wochenende der nö. Technologielandesrat Jochen Danninger. Dabei beleuchtete eine hochkarätige Runde die verschiedensten Perspektiven des Themas – als Ökosystem und Lebensraum ebenso, wie als Energielieferant, Wirtschaftsfaktor und aus gesundheitlicher Sicht.

In Österreich sind wir es gewohnt, jederzeit Trinkwasser in hervorragender Qualität zur Verfügung zu haben. Aus globaler Sicht ist das allerdings keine Selbstverständlichkeit und daher ist Forschung im Bereich Wasser auch von so großer Bedeutung. Danninger: „In Niederösterreich haben wir mit dem Wassercluster Lunz sozusagen ein großes ‚Naturlabor‘, in dem drei Universitäten zusammenarbeiten und – europaweit einzigartig – Grundlagenforschung zum Ökosystem Wasser betreiben.“

Artenvielfalt und Nährstoffangebot

Im Rahmen der virtuellen, interaktiven ecoplus Break Out Session wurde einerseits die aktuelle Situation betrachtet und andererseits analysiert, welche Entwicklungen im Zuge der Klimaveränderung und der Globalisierung beim Thema Wasser zu erwarten sind. Martin Kainz erforscht am Wassercluster Lunz die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und Nährstoffangebot in Gewässern. Schadstoffe stören die natürliche Balance und können auch schwerwiegende Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Forschergruppe konzentriert sich dabei vor allem auf Lipide und welche Auswirkungen eine Mangelversorgung auf die Gehirnentwicklung von Fischen hat. Daraus könnten sich Hinweise ergeben, dass auch beim Menschen eine falsche Ernährung neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen könnte.

Beim Zusammenhang von Wasser und Gesundheit kommt dem Sicherheitsmanagement von Wasserressourcen höchste Priorität zu. Andreas Farnleitner leitet den Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit an der Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften. Er informierte über den aktuellen Forschungsstand in der Mikrobiologie. Modernste Technologien können nicht nur die Spuren von Krankheitserregern verfolgen, sondern diese Methoden können auch zunehmend automatisiert werden. Damit steht eine große Informationsmenge zur Verfügung, um weltweit die Grundlagen für eine sichere Wasserversorgung zu schaffen.

Ausgleich und öffentliche Versorgung

Wasserhygiene steht auch im Zentrum der Arbeit von Regina Sommer, die die Abteilung Wasserhygiene an der Medizinischen Universität Wien leitet. Ihre Aufgabe ist es, Menschen vor Infektionen, die durch Wasser hervorgerufen werden, zu schützen. Eine wirksame Methode ist die UV-Desinfektion von Wasser und hier ist heimisches Know-how weltweit federführend. Das gilt auch für zukunftsweisende Sensorsysteme, wie sie von Martin Brandl und seinem Team am Zentrum für Wasser- und Umwelt Sensorik der Donau-Universität Krems entwickelt werden. Mit sogenannten „Smart Sensors“ können viele Parameter gleichzeitig überwacht werden, die für eine qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung wichtig sind.

Genützt werden diese modernen Technologien unter anderem auch vom Wasserversorger EVN Wasser, der mit seiner Infrastruktur die Versorgungssicherheit für ganz Niederösterreich gewährleistet. „Dabei stellen uns Klimawandel und Urbanisierung vor neue Herausforderungen“, so Geschäftsführer Franz Dinhobl. Wasser ist in Österreich zwar ausreichend vorhanden, aber nicht gleich verteilt. Hier muss ein Ausgleich durch die öffentliche Versorgung erfolgen. Immerhin zeigen diverse Studien – zuletzt per März 2020 im Auftrag der ÖVGW durch das Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Wiener Uni für Bodenkultur –, dass wir trotz Hitzewellen prinzipiell keine Wasserknappheit befürchten müssen.

„Es gibt aber Regionen, die stark von zunehmender Trockenheit betroffen sind“, konstatiert Studienautor Roman Neunteufel. Und man kann und soll sehr wohl als Einzelner etwas tun. Neunteufel: „Wirklich sparen kann man beim Wasser, das wir mit unseren täglichen Gütern verbrauchen. Das sind rund 5000 Liter Wasser am Tag – das sogenannte virtuelle Wasser.“ Für die Wasserversorger sind dabei vor allem die Verbrauchsspitzen, die im Frühjahr beim Befüllen der Swimmingpools und im Sommer beim Wässern des Gartens entstehen, ein Problem. „Gerade in Trockenperioden sollten sich die Verbraucher fragen, ob es wirklich notwendig ist, den ganzen Garten zu wässern“, sagt Neunteufel. „An solchen Tagen sind die Anlagen der Versorger ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze.“

Die durchgehende, ungestörte und sichere Wasserversorgung hierzulande ist die Hauptaufgabe der in der ÖVGW zusammengeschlossenen Mitgliedsunternehmen. Aktuell zählen dazu mehr als 260 Wasserversorgungsunternehmen und über Kooperation mit Landesverbänden weitere 1.500 Wasserversorger, die rund 80 Prozent der heimischen Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen. „Alle Trinkwasserversorger, also auch die kleinsten Betriebe, sind in Österreich in ein System eingebunden, das Ausbildung und Überwachung umfasst“, erklärt ÖVGW-Präsident Franz Dinhobl. „Dadurch und über das 80.000 km lange Leitungsnetz ist sichergestellt, dass alle Wasserversorger in Österreich rund um die Uhr ausgezeichnetes Trinkwasser liefern.“

In der neuesten Wasserversorgungsstudie über Klimaszenarien und Versorgungssicherheit berichten Neunteufel und sein Team, dass es 2019 echte Versorgungseinschränkungen nur in einem Fall gab. In einem zweiten Fall haben Sparaufrufe genügt, um eine Versorgungseinschränkung zu verhindern. Insgesamt gab es 2019 eine weniger angespannte Ressourcensituation als 2018 – als außergewöhnliche Vorkommnisse wurden dennoch wiederholt Rückgänge der Ressourcenverfügbarkeit (außergewöhnliche Absenkung der Brunnenwasserspiegel) und Verbrauchsspitzen genannt. Belegt ist aber jedenfalls ein außergewöhnlich niedriger Grundwasserspiegel infolge von regional oder saisonal geringem Niederschlag sowie zum Teil auch gleichzeitigem Auftreten erhöhter Entnahmemengen.

Was getan wird

Auf Bundesebene steht der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) im Vordergrund, für den derzeit das Projekt „Wasserschatz Österreichs“ (Laufzeit bis Ende 2020) realisiert wird. Im Bereich der Bundesländer hat NÖ kürzlich sein Strategiekonzept überarbeitet und unter dem Namen „Wasserzukunft Niederösterreich 2050“ veröffentlicht. Darin wird u.a. empfohlen, dass kommunal bzw. privatrechtlich organisierte Wasserversorgungsanlagen durch zentral organisierte Beratungskapazitäten unterstützt, lokale Gewinnungsstellen auch bei Anschluss an regionale oder überregionale Verbünde erhalten und Erneuerungen im langfristig nötigen Umfang und die Finanzierbarkeit der Wasserversorgungsysteme sichergestellt werden. In Vorarlberg gibt es flächendeckende Trinkwasservorsorgekonzepte (VTWK) mit Planungsetappen bis 2025 und 2040. Die Sicherung der Bedarfsdeckung ist derzeit laut Landesregierung NICHT (Hervorhebung durch den Verfasser) in allen „Ländle“-Gemeinden (z.B. des Bregenzerwaldes) gegeben.

In der oberösterreichischen Landesstrategie „Zukunft Trinkwasser“ sind strategische Positionen zu den drei „Säulen“ Grundwasserschutz, Verteilstruktur und Organisationsform festgehalten. Zusätzlich sind darin Strategien zu Einzelwasserversorgung, Krisenvorsorge und Notwasserversorgung sowie Vermarktung festgelegt. Zum verbesserten Grundwasserschutz soll flächendeckende, grundwasserschonende landwirtschaftliche Bodennutzung gestärkt und besonders relevante Grundwasserbereiche vor in Konkurrenz stehenden Flächennutzungen geschützt werden. Weiters sollen Schutz- und Schongebiete vorsorgend bewirtschaftet werden und zielgerichtete flächendeckende Sanierungsmaßnahmen in belasteten Grundwasserkörpern erfolgen. Und: „Bestrebungen zur Liberalisierung des Wassersektors werden mit Nachdruck abgelehnt.“

So empfinden das auch die Kärntner, wenn sie die Trinkwasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auf dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit und nicht als „Handelsware“ sehen. Die langfristige Strategie des Trinkwasserversorgungskonzepts Kärnten beinhaltet die Verbindung des Zentralraums durch Ringschluss und die Ergänzung der Bedarfsdeckung im Ring um das Zentrum – die Verbindung der Städte Klagenfurt, Villach, Feldkirchen, St. Veit – mit Trinkwasser von außen. Oberkärnten (höher bzw. alpin) werde mit höheren Niederschlagsmengen gegenwärtig und auch in Zukunft im Vergleich zu Unterkärnten (zudem dichter besiedelt) geringere Probleme in der Trinkwasserversorgung aufweisen. In der überregionalen Wasserzuteilung liegt der Schwerpunkt im Wörtherseeraum und dem Bereich Klagenfurt.

Last but not least empfiehlt der Wasserversorgungsplan in der „Grünen Mark“ u.a. einheitliche Standards für die Datenweitergabe der unterschiedlichen Monitoringsysteme, eine optimierte behördliche Kontrolle von Bewirtschaftungsvorgaben sowie einen Geothermie Kataster und Grundlagen zur Optimierung des Ressourcenschutzes und der Grundwasserbewirtschaftung. Weitere steirische Maßnahmen für eine sichere Trinkwasserversorgung sind die Evaluierung des Wasserbedarfsprognosemodells in 10-Jahres-Abständen, die Sicherung der Transportleitungskapazitäten sowie Erfassung und Analyse bereits verfügbarer Trinkwasserverkommen für den Wasserausgleich innerhalb des Bundeslandes. Insbesondere werden dabei mögliche Störfälle und potenzielle Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels berücksichtigt (z. B.: Prüfung einer zweiten steirischen Transportleitung aus der Obersteiermark in den Süden bzw. Osten der Steiermark) und eine generelle Studie über die Nutzungs- und Verteilungsmöglichkeiten von Tiefengrundwasser in Katastrophenfällen erstellt.

Alles hängt am Wind

Published on 6. September 2020

Österreich möchte bis 2030 – also innerhalb des nächsten Jahrzehnts – 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in der Vergangenheit bereits wichtige Schritte in Form von Ausbau und Erneuerung (Repowering) von Windparks gesetzt. Eines dieser Repowering-Projekte befindet sich im Burgenland in den Gemeinden Gols und Mönchhof.

Die Bauarbeiten hierzu haben im Herbst 2019 begonnen und werden voraussichtlich Ende 2021 abgeschlossen sein. Der gesamte Windpark wird über eine Leistung von 143 Megawatt verfügen und rund 90.000 Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgen. Mit 26 Turbinen gehört das Projekt zu einem der größten Windparks in Österreich. Betrieben werden die Anlagen vom burgenländischen Familienunternehmen Püspök Group.

Vorreiter Burgenland

Das Gesamtvolumen an Fremd- und Eigenkapital der geplanten Investitionen in den Windpark beläuft sich auf beachtliche 143 Millionen Euro. Die Europäische Investitionsbank stellt im Rahmen des Fremdkapitals von insgesamt 107,4 Millionen Euro ein Direktdarlehen in Höhe von 71,6 Millionen sowie einen über die UniCredit Bank Austria durchgeleiteten Kredit in Höhe von 35,8 Millionen Euro bereit. Das Direktdarlehen der EIB ist durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) besichert, das Kernstück der Investitionsoffensive für Europa. Dabei arbeiten die EIB und die Europäische Kommission als strategische Partner zusammen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu steigern.

„Österreich verfolgt mit Nachdruck den Wechsel zu einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und sicheren Energieversorgung“, sagt der für das Geschäft der EIB hierzulande zuständige Vize-Präsident Andrew McDowell. „Dem Ausbau der Windkraft kommt bei dieser Energiewende eine wichtige Rolle zu. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Püspök Gruppe und den Bau eines neuen Windparks im Burgenland, das unter den Bundesländern in der Windkraft eine Vorreiterrolle innehat. Der Wechsel hin zu erneuerbaren Energieträgern zählt für uns als EU-Klimabank zu unseren absoluten politischen Kernzielen und ist ein vorrangiger Finanzierungsbereich.“

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

„Die Europäische Union bestätigt mit der Transaktion erneut ihr Engagement zur Förderung erneuerbarer Energien in Österreich sowie ihre Unterstützung zur Erreichung der Dekarbonisierungsziele des Landes“, meint der für Wirtschaft zuständige EU-Kommissar Paolo Gentiloni. „Mit Projekten wie diesem werden wir die Ziele des Europäischen Green Deal umsetzen und bis 2050 Klimaneutralität erreichen.“

Summa summarum zeigt das aktuelle Repowering-Projekt durch die Verdreifachung der Stromproduktion auf der gleichen Fläche, welche technologischen und wirtschaftlichen Fortschritte die letzten zwei Jahrzehnte in der Windkraftnutzung gebracht haben. „Es stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Erreichung der österreichischen Klimaziele dar“, meint Geschäftsführer Lukas Püspök. „Für die Bewältigung der Klimakrise braucht es auch weiterhin große Anstrengungen. Langfristig positive Rahmenbedingungen für den Ausbau der ‚Erneuerbaren‘ müssen endlich Realität werden.“

Hinter den Kulissen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten der EU. Sie vergibt langfristige Mittel für solide Projekte, die den Zielen der EU entsprechen. Die Investitionsoffensive für Europa ist eine der wichtigsten Maßnahmen der EU zur Stärkung der Investitionen für mehr Wachstum und Beschäftigung. Dazu werden neue und vorhandene Finanzierungsmittel intelligenter genutzt. Die EIB-Gruppe spielt eine zentrale Rolle in der Investitionsoffensive. Dank Garantien aus dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) sind die EIB und der Europäische Investitionsfonds in der Lage, einen größeren Teil des Projektrisikos zu übernehmen. Das erleichtert es privaten Geldgebern, sich ebenfalls an den Projekten zu beteiligen. Ziel der EIB-Gruppe war es, bis Ende 2020 zusätzliche Investitionen von 500 Milliarden Euro anzustoßen. Dieses Ziel hat sie bereits im Juli erreicht und übertroffen (!) Die im Rahmen des EFSI bisher genehmigten Projekte und Vereinbarungen dürften Investitionen von rund 524 Milliarden Euro mobilisieren und rund 1,4 Millionen kleinen und mittelständischen Unternehmen in der gesamten Europäischen Union zugutekommen.

Die Püspök Gruppe beschäftigt sich seit 1997 mit der Entwicklung, der Errichtung und dem Betrieb von Windparks. Nach Umsetzung des aktuellen Ausbaus betreibt das familiengeführte Unternehmen Windkraftanlagen mit einer Leistung von in Summe rd. 400 Megawatt. Damit werden rund 260.000 österreichische Haushalte mit sauberem Strom versorgt. Die aktuellen Repowering Projekte (die Erneuerung von Kraftwerken), der WindparkPannonia-Gols sowie der Windpark Mönchhof, bei denen in Summe 25 Altanlagen zur Gänze abgebaut wurden und 30 Neuanlagen aufgebaut werden, liegen in den nordburgenländischen Gemeinden Gols und Mönchhof und sollen bis Ende 2021 fertiggestellt sein.

Für die Beratung der kompletten Finanzierung, Due Diligence und die Finanzdokumentation zeichnet Wolf Theiss verantwortlich. „Nachhaltige Energieversorgung, digitale und soziale Infrastruktur sowie Umwelttechnologien sind Standortfaktoren, die für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Region unerlässlich sind“, fordert der federführende Wolf Theiss Partner Andreas Schmid.

Ein Blick übers Land

Selbstverständlich weht der Wind nicht nur im Burgenland. So hat beispielsweise die Windkraft Simonsfeld in Ernstbrunn im niederösterreichischen Weinviertel mit einer Öko-Stromproduktion von 577 Gigawattstunden für rund 144.000 Haushalte 2019 ihre bisher größte Elektrizitätsmenge erzeugt – mehr als in jedem anderen Jahr ihrer Firmengeschichte seit 1996. Zurückzuführen ist das Rekordergebnis zum einen auf das außergewöhnlich gute Wind Jahr 2019, zum anderen auf den Vollbetrieb von 13 im Jahr 2018 neu errichteten Windkraftwerken. Diese Propeller haben erstmals ein volles Betriebsjahr zur Gesamtproduktion an elektrischer Energie beigesteuert.

Nach der Energie Burgenland Windkraft und der EVN Naturkraft ist die Windkraft Simonsfeld der drittgrößte Windenergieerzeuger in Österreich. Die Firma, die 1996 als GmbH gegründet worden war und 2009 in eine AG umgewandelt wurde, betreibt im Inland 84 Windkraftanlagen und zwei weitere in Bulgarien. Im Geschäftsjahr 2019 hat die Windkraft Simonsfeld einen Umsatz von 42,9 Millionen Euro erwirtschaftet – ein Anstieg um 22 Prozent gegenüber 2018 und der bisher höchste Erlös der Firmengeschichte. Das Privatunternehmen steht im Eigentum von mehr als 2.000 Aktionären, viele von ihnen kommen aus dem Weinviertel.

Relevant ist das „himmlische Kind“ u.a. auch für die börsennotierte Vienna Insurance Group (VIG), die seit 2007 ununterbrochen im internationalen Nachhaltigkeitsindex FTSE4Good gelistet ist. Der FTSE4Good wurde vom globalen Indexanbieter FTSE Russell ins Leben gerufen, um die Leistung von Unternehmen zu messen, die starke Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken (ESG) aufweisen. Die FTSE4Good-Indizes werden von einer Vielzahl von Marktteilnehmern verwendet, um verantwortungsvolle Investmentfonds und andere Produkte zu schaffen und zu bewerten. „Als börsennotiertes Unternehmen eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, bildet eine wichtige Bewertungsbasis, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im FTSE4Good-Index kontinuierlich vertreten zu sein, der zu den größten und bedeutsamsten Nachhaltigkeitsindizes weltweit zählt, ist für uns sehr wertvoll. Wir intensivieren bewusst unsere Maßnahmen im ESG-Bereich“, erklärt Elisabeth Stadler, Generaldirektorin der Vienna Insurance Group.

Im Umweltbereich sieht beispielsweise die von der VIG im Vorjahr veröffentlichte Klimawandelstrategie einen schrittweisen Rückzug aus Investitionen im Kohlesektor und den sofortigen Stopp von neuen Versicherungsverträgen für Kohlekraftwerke bzw. -minen vor. Die VIG hat zudem beschlossen, den Anteil an umweltfreundlichen Investitionen zu erhöhen. „Allein 2019 haben wir deutlich mehr als 150 Mio. Euro in Green Bonds investiert und das Volumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Damit unterstützen wir gezielt Projekte wie Windparks“, so Stadler.

TOP LEADER nimmt das Gemeindepaket unter die Lupe

Published on 15. Juni 2020

„Wir wollen Ländern und Gemeinden die nötigen Mittel zur Verfügung stellen, um volkswirtschaftliche Anreize zu setzen“, lautete Ende Mai die Vorgabe von Finanzminister Gernot Blümel. „Daher haben wir dieses Gemeindepaket auf den Weg gebracht. Es hat das Volumen von einer Milliarde Euro und wir unterstützen damit bereits laufende aber auch zukünftige Investitionen.“, Das Gemeindepaket in Höhe von einer Milliarde Euro fördert Investitionen bis zu 50 Prozent und umfasst u.a. die Errichtung und Sanierung von Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und Sportstätten sowie Investitionen in den öffentlichen Verkehr, Maßnahmen der Energieeinsparung, Errichtung erneuerbaren Energieerzeugnisanlagen und den Ausbau des Breitbandnetzes. Zudem sind auch Sanierungen, etwa in Kirchen oder Museen umfasst. Mindestens 20 Prozent der Mittel sollen für ökologische Maßnahmen verwendet werden. Der Zeitraum läuft bis zum 31. Dezember 2021. Für die Zuteilung der Mittel wird eine Mischung aus dem abgestuften Bevölkerungsschlüssel und der Einwohnerzahl herangezogen. So kann beispielsweise die Gemeinde Sillian mit circa 2000 Einwohnern rund 200.000 Euro erhalten und die Stadt Graz zusätzliche Mittel von bis zu 40,5 Millionen.

Investitionen auf kommunaler Ebene werden mit bis zu 50 Prozent Förderquote unterstützt.

Aufgrund der aktuellen Situation ist mit einem großen Einnahmenentfall und in weiterer Folge dem Aussetzen bzw. Verschieben von Investitionsprojekten zu rechnen. Berechnungen des WIFO zeigen, dass die Länder bei den Ertragsanteilen ein Minus von etwa 7,3 Prozent und die Gemeinden für heuer –6,8 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung kalkulieren müssen. Zusammen mit den Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr von 300 Millionen Euro und in die Gewässerökologie von 200 Millionen Euro ergeben sich sogar 1,5 Milliarden Euro, die der Bund in die Regionen investiert.

Bis 31.12.2021 gibt es Geld u.a. auch für Sanierungen (z.B. in Museen).

Ein Blick aufs „Weite Land“

Kritik kommt beispielsweise vom Bürgermeister von Trumau (NÖ.), Andreas Kollross. „Es gibt keine Richtlinien, wie Gemeinden die Hälfte ihrer Investitionen lukrieren können und welche Projekt tatsächlich gefördert werden. Wenn den Kommunen tatsächlich geholfen werden soll, dann ist eine vollständige Abgeltung der entgangenen Kommunalsteuerabgaben und Ertragsanteile des Bundes notwendig. Alles andere ist eine Verteilung von Almosen, wie schon bei den Härtefonds für Familien und Unternehmen.“ Nicht „das Rathaus, die ‚paar‘ Gemeindebediensteten oder Bürgermeister seien in Turbulenzen“. Kollross: „Wir alle nehmen tagtäglich Leistungen in Anspruch, ohne genau zu wissen, dass diese ausschließlich auf der Finanzkraft der Gemeinden und Städte basieren.“ Zu diesen Leistungen zählen Rettung, Feuerwehr, Kindergärten, der Bau und Erhalt von Schulen und Spitälern und die Freizeiteinrichtungen wie Sportplätze, Schwimmbäder oder Büchereien.

Die Regierung habe einen wichtigen Aspekt außer Acht gelassen, sagt die Bürgermeisterin von Schwechat, Karin Baier: „Es wurde die ökonomische Lage der Kommunen nicht berücksichtigt: Viele Gemeinden sind gar nicht in der Lage, ihren Finanzierungsanteil an geplanten Projekten aufzubringen, um die Förderung überhaupt abrufen zu können.“ Sie weist darauf hin, dass in vielen Gemeinden mit dem Entgang der Kommunalsteuerabgaben eine wichtige Einnahmequelle wegbreche. Baier spricht von „veritablen Einbußen“ für ihre Stadt: „Das ist dramatisch, weil wir die vergangenen fünf Jahre Millionen gespart haben, um jetzt investieren zu können.“ Doch auch in Schwechat stehen jetzt der Umbau des Sportplatzes und die Vergrößerung der neuen Mittelschule auf der Kippe.

In Schwechat bestehen 90.000 Arbeitsplätze durch den Wirtschaftsfaktor Flughafen, am Flughafen selbst arbeiten 25.000 Arbeitnehmer pro Tag. „Hier ist es wichtig, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern, um die Einnahmen der Gemeinden zu stabilisieren“, erklärt Baier. „Jeder weiß, dass den Gemeinden in diesem Jahr in Summe österreichweit zwei Milliarden Euro fehlen, um Investitionen zu tätigen, Unternehmen Aufträge zu erteilen und damit Arbeitsplätze in den Regionen zu schaffen.“

„Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wirken sich direkt auf die Kommunalsteuer aus“, sagt Peter Frühberger, Bürgermeister in Seefeld-Kadolz im Weinviertel. Noch härter trifft es Gemeinden in strukturschwachen Regionen wie etwa im Wald- oder Weinviertel, die sehr stark von Ertragsanteilen abhängig sind, „weil es dort nur eine Handvoll Arbeitsplätze gibt“. Während die Einnahmen wegbrechen, sinken die Ausgaben nicht. Kinderbetreuerinnen müssen weiter voll bezahlt werden, während viele Gemeinden keine Elternbeiträge mehr einheben. Auch die Kosten der Gemeinden für Sozial- und Krankenanstalten werden durch die Krise eher ansteigen.

Ein Blick in den Süden

Aufgrund der Erfahrungsberichte der Bürgermeister leiden die Kärntner Gemeinden – biblisch ausgedrückt – unter zehn Plagen: dem Entgang von Einnahmen, Sinken der Kommunalsteuer, der Belastung durch Umlagen, Hürden der Aufsichtsbehörde, monatelangen Genehmigungsprozessen, dem Kompetenz-Wirrwarr, Einschränkung der freiwilligen Leistungen, außerordentlichen Belastungen in den Einrichtungen, hohem Haftungsrisiko und der Umstellung von Kameralistik auf Doppik.

Dabei sind allein für Kärnten – mit rund 561.000 Einwohnern – im Gemeindepaket fast 63 Millionen Euro vorgesehen (rechnerisch 62,74 Mio.). Aber: „Es bringt nichts, wenn ich einer Gemeinde, die nicht weiß, wie sie in den nächsten Monaten die laufenden Kosten für Kindergärten, Müllabfuhr und Abwasserreinigung begleichen soll, sage, investiert bitte zusätzlich ein paar Millionen von dem Geld, das ihr nicht habt, in Infrastruktur“, sagt die Kärntner Nationalratsabgeordnete Petra Oberrauner. „Und wenn ihr dann den Antrag richtig einreicht, bekommt ihr maximal die Hälfte des Geldes vom Bund zurück. Diese Form der Hilfe werden sich viele Gemeinden zurzeit nicht leisten können!“

Grundsätzlich sei es richtig und zu begrüßen, wenn die Regierung die Städte und Gemeinden mit einem Investitionspaket unterstützen wolle, erklärte die Abgeordnete weiter. Das funktioniere aber erst als zweiter Schritt. Zunächst müssten viele Städte und Gemeinden mit ausreichend Geld versorgt werden, um die laufenden Kosten für viele systemrelevante Dienstleistungen begleichen zu können, so Oberrauner. „Neben einem Investitionspaket muss der Bund daher auch einen Ausgleich für diese massiven Einnahmeausfälle anbieten – und zwar schnell und unbürokratisch – damit die Gemeinden wieder Planungssicherheit erhalten!“ Einen entsprechenden Antrag, der eine pauschale Abgeltung für die Covid-19 bedingten Einnahmenausfälle von 250 Euro pro hauptgemeldetem Einwohner vorsieht, hat Oberrauner mit weiteren Abgeordneten im Nationalrat eingebracht. „Wird unser Antrag angenommen, kann das Geld bereits im Sommer fließen und die Liquidität der Gemeinden und Städte stabilisieren. Das wäre eine rasche und unbürokratische Hilfe für die Kommunen, um wichtige Sozial- und Gesundheitsdienste finanziell abzusichern und die Konjunktur anzukurbeln.“