Schlagwort: Klimawandel

2020 kann Österreichs Klima kurz durchatmen

Published on 3. November 2020

Wie Simulationen des Umweltbundesamtes zeigen, erfordert die Klimaneutralität einen weitreichenden Umbau der Wirtschaftssektoren. Darüber hinaus werden die Menschen vor allem ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig verändern müssen. „In diesem Zusammenhang gibt das geplante europäische Klimagesetz, das die Green Deal-Ziele rechtsverbindlich verankern soll, Anlass zum Optimismus. Allerdings ist es bisher nur ein Vorschlag der Kommission, der von den Mitgliedern noch angenommen werden muss“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf in einer Analyse der UniCredit Bank Austria zum Thema Klimaschutz in Österreich.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die internationale Energieagentur weltweit mit einem Minus von fast acht Prozent. „Trotz des Rekordrückgangs an klimaschädlichen Emissionen zeigt die Entwicklung 2020 auch klar, dass die Klimakrise keinesfalls nur mit der eingeschränkten Nutzung von Flugzeugen und Autos und einem geringeren Energieverbrauch in der Produktion gelöst werden kann“, sagt Wolf. „Dagegen sprechen nicht nur die massiven sozioökonomischen Verwerfungen der Wirtschaftskrise, die sich schon jetzt erkennen lassen. Zudem wächst die Energienachfrage mit der Lockerung der Maßnahmen und der Wirtschaftserholung wieder praktisch ohne Verzögerung.“

Unverändert Handlungsbedarf

In Österreich werden die Treibhausgasemissionen 2020, laut einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes, um etwa 10 Prozent auf rund 73 Millionen Tonnen sinken, den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Damit das Land aber bis 2040 klimaneutral wird, wie im Regierungsprogramm festgehalten, muss das Emissionsvolumen auch in den nächsten zwanzig Jahren im Durchschnitt zumindest um 10 Prozent pro Jahr reduziert werden (auch wenn Einsparungen in diesem Ausmaß erreicht werden, werden 2040 noch immer ca. 9 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, die in Kohlenstoffsenken aufgenommen werden müssen).

Die Klimaneutralität erfordert nicht nur den fast vollständigen Verzicht auf fossile Energien. Der Rest an fossilen Brennstoffen, der beispielsweise zum kurzfristigen Lastausgleich in der Stromversorgung gebraucht wird, muss mit Importen erneuerbarer Energien kompensiert werden. Zudem muss der Teil an nicht vermeidbaren Treibhausgasen, der nicht in natürlichen Kohlenstoffsenken gespeichert wird, in geologische Strukturen eingebunden werden. Derzeit werden nur etwa 5 Millionen Tonnen Kohlendioxid Großteiles von Österreichs Wäldern aufgenommen.

Eine besondere Herausforderung im Verkehr

Auf Sektor ebene sind die größten Treibhausgasemittenten in Österreich die Industrie und der Verkehr, mit einem Anteil an den Gesamtemissionen von rund 34 respektive 30 Prozent. Darüber hinaus tragen die Energieversorger etwa 14 Prozent zum Emissionsvolumen bei und die Landwirtschaft und der Gebäudesektor, dabei vor allem Heizungsanlagen privater Haushalte, jeweils rund zehn Prozent. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Menge an Treibhausgasen, die in Österreich emittiert wurden, kaum verändert. Die höchsten Emissionseinsparungen wurden aufgrund effizienterer Heizanlagen und energiesparender Bauweisen im Gebäudesektor (–39 Prozent seit 1990) und mit dem Einsatz erneuerbarer Energien bei den Energieversorgern (–26 Prozent) erzielt. Die Landwirtschaft hat ihr Treibhausgasvolumen um 14 Prozent reduziert. Gleichzeitig sind die klimaschädlichen Emissionen in der Industrie um 13 Prozent und im Verkehr sogar um 73 Prozent gestiegen.

„Angesichts der wachsenden Gütertransportleistung, des hohen Mobilitätsbedürfnisses der Menschen und der Dominanz fossiler Fahrzeugantriebe stellt ein möglichst emissionsfreier Verkehrssektor wahrscheinlich die größte Herausforderung für den Klimaschutz dar“, sagt Wolf. Langfristig ist eine relevante Marktdurchdringung mit E-Fahrzeugen sicher möglich, da die Kfz-Hersteller vor dem Hintergrund der drohenden Strafzahlungen schon jetzt das Segment deutlich forcieren. Allerdings wird die weitgehende Umstellung des Fuhrparks auf emissionsfreie Antriebe noch Jahrzehnte brauchen, gemessen am Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-In-Hybriden am österreichischen Pkw-Bestand von 0,8 Prozent 2019.

Mit der Elektrifizierung des Fuhrparks und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur wächst der Bedarf an „grünem“ Strom. Im sogenannten „Transition-Szenario“ hat das Umweltbundesamt die Maßnahmen skizziert, die zur Erreichung der Klimaneutralität des Landes bis 2050 notwendig sind. Demnach sollte der Gesamtenergieverbrauch des Verkehrssektors um 70 Prozent auf 38 Terawattstunden sinken, wobei vor allem fossile Treibstoffe eingespart werden. Allerdings wird sich der Strombedarf des Sektors in den nächsten dreißig Jahren in etwa versechsfachten, von rund 4 auf 24 Terawattstunden. Der Verkehr verbraucht dann etwa 30 Prozent der gesamten elektrischen Energie in Österreich (derzeit sind es rund 5 Prozent). Auch wenn die benötigte Strommenge bereitgestellt werden kann, wird der Antriebswechsel zum Elektromotor sicher nicht ausreichen, um den Verkehr möglichst emissionsfrei zu bekommen. Das dürfte nur mit einer weitreichenden Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs zum öffentlichen Verkehr möglich sein.

Kostenintensiv, aber realisierbar

Von den rund 27 Millionen Tonnen an Treibhausgasen, die pro Jahr von der Industrie in Österreich emittiert werden, stammen fast die Hälfte von der Stahlindustrie, weitere 20 Prozent von den Bauzulieferbranchen, vor allem der Zementindustrie, und jeweils rund 10 Prozent von der Öl- und Chemieindustrie.

Das größte Treibhausgas-Einsparungspotenzial in der Industrie bietet die weitgehende Umstellung der Stahlproduktion auf die sogenannte Wasserstoffplasmaschmelzreduktion. Allerdings ist die Großindustrielle Anwendung des Verfahrens erst in Entwicklung und der Einsatz des Verfahrens ist klimapolitisch nur sinnvoll, wenn Wasserstoff mit Hilfe von erneuerbarem Strom gewonnen wird. In der Zementherstellung können die energiebedingten Treibhausgasemissionen, das ist rund die Hälfte der Gesamtemissionen der Branche, durch den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen und energieeffizienteren Produktionsmethoden verringert werden. Um aber die prozessbedingten Emissionen einzudämmen, braucht es in der Branche zum Teil noch im Forschungsstadium befindliche Verfahren.

„Die Frage, wie die notwendigen technologischen Umrüstungen für einen möglichst emissionsfreien Betrieb in vielen Industriebranchen umgesetzt werden können, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschädigt wird, ist noch unbeantwortet“, weiß Wolf. „Auf jeden Fall werden die Klimaschutzmaßnahmen in nächster Zukunft nicht nur die Stahl- und die Zementindustrie mit hohen Kosten belasten. Zudem bleibt die Frage offen, wie die erforderliche Strommenge aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt und den Unternehmen vor Ort zur Verfügung gestellt werden kann.“

Energiesektor mit wichtigen Klimaschutzfunktionen

Der Energiesektor ist in Österreich aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energiequellen zwar nur für 15 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allerdings kommt dem Sektor im Klimaschutz eine entscheidende Rolle zu, vor allem aufgrund des steigenden Strombedarfs, der sich mit der zunehmenden Elektrifizierung der Wirtschaft und des Verkehrs ergibt. Die Wirtschaftskrise hilft dabei, die Ziele des Energieeffizienzgesetzes für 2020 ohne zusätzliche Maßnahmen zu erreichen, beispielsweise den Anteil an erneuerbarer Energie am Endenergieverbrauch von 34 Prozent. Damit Österreich klimaneutral wird, brauchtes aber noch erhebliche Anstrengungen, nicht nur im Ausbau erneuerbarer Energiequellen. Im Wesentlichen sind das höhere Energiepreise, die Verschiebung des Personen- und Güterverkehrs in Richtung umweltfreundlicher Verkehrsträger und eine umfassende thermisch-energetische Sanierung von Gebäuden.

Im „Transition-Szenario“ wurden vom Umweltbundesamt für einige Bereiche im Energiesektor konkrete Ziele formuliert. Bis 2050 sind das vor allem der Ausbau der Wasserkraftwerke auf eine jährliche Produktionsleistung von 47 Terawattstunden (2018: 38 Terawattstunden), der Windkraft auf 28 Terawattstunden (2018: 6), der Photovoltaik auf 26 Terawattstunden (2018: 1,4) und der Biomasse- und Biogasanlagen auf 8 Terawattstunden (2018: 5). Im Bereich der Wasserkraft rückt das Ausbauziel bereits 2030 näher, wenn alle Kraftwerke fertiggestellt werden, die laut E-Control bereits 2018 in Bau beziehungsweise eingereicht oder geplant waren. Da schon jetzt etwa 70 Prozent des technisch-wirtschaftlichen Wasserkraft-Potenzials an Österreichs Fließgewässern ausgenutzt werden, bleibt der weitere Ausbau beschränkt.

Schwieriger wird der Ausbau anderer erneuerbarer Energiequellen. Auch wenn in den nächsten Jahren mit verbesserten Rahmenbedingungen in dem Bereich gerechnet werden kann, ist es unwahrscheinlich, dass damit beispielsweise die Vorbehalte gegenüber Windkraftanlagen ausgeräumt werden. Um die Leistung der Windkraftanlagen von 6 auf 28 Terawattstunden zu erhöhen, braucht es zusätzlich zu den aktuell installierten 1.340 Windrädern noch wenigstens 2.000 neue Anlagen (unter der Annahme, dass die Leistungsfähigkeit der Anlagen zunimmt). In diesem Zusammenhang könnte das Ergebnis einer Studie der BOKU Wien vom Juni 2020 die Diskussion zumindest voranbringen: abhängig vom CO2-Preis fallen Opportunitätskosten von ca. 1,4 Millionen Euro pro Windkraftanlage an, die durch eine Photovoltaikanlage mit derselben Leistung ersetzt wird. Diese Kosten eines „ungestörten Landschaftsbildes“ könnten als Kompensationszahlungen für Anrainer von Windparks verwendet werden.

Photovoltaik und Biomasse

Im Bereich der Photovoltaik können die langfristigen Energieziele erreicht werden. Derzeit liefern die Anlagen nur rund 2 Prozent beziehungsweise 1,4 Terawattstunden an elektrischer Energie, die in Österreich erzeugt wird. Auf den vorhandenen Dachflächen könnten noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12,3 Terawattstunden installiert werden. Die Leistung lässt sich weiter verdoppeln, wenn zudem geeignete Fassadenflächen genutzt und einige größere Anlagen und zusätzliche Speicherkapazitäten errichtet werden. Mit der wachsenden Nachfrage sollten auch die Kosten der Stromerzeugung mittels Photovoltaik sinken.

Auch der zusätzliche Strombedarf aus Biomasse, der langfristig gebraucht wird, kann gedeckt werden. Der Anteil biogener Brennstoffe an der Stromerzeugung in Österreich soll im „Transition-Szenario“ von knapp 5 auf rund 8 Terawattstunden 2050 steigen. Laut dem Biomasseverband ist es möglich, bis 2030 in Österreich zusätzlich Biomassekapazitäten mit einer Gesamtenergieleistung von rund 30 Terawattstunden nutzbar zu machen (derzeit sind es 63 Terawattstunden). Das wäre sowohl für die Strom- als auch für die Wärmeerzeugung mehr als ausreichend, um den zusätzlichen Bedarf langfristig zu decken. Nicht zuletzt, weil der Verbrauch an Biomasse für die Wärmeerzeugung in Gebäuden aufgrund der geplanten Energiesparmaßnahmen nach 2030 stark sinken wird.

Investitionsbedarf wenigstens 2,6 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030

Die Ziele aus dem „Transition-Szenario“ wurden in ähnlicher Form im neuen Regierungsprogramm übernommen, mit dem wesentlichen Unterschied, dass bereits 2030 eine vollständige Umstellung der Stromerzeugung auf Ökostrom erreicht werden soll (derzeit sind es 73 Prozent). Entsprechend rasch wird der Investitionsbedarf nicht nur im Energiesektor wachsen. Grundsätzlich bieten Investitionen in eine klimaneutrale Infrastruktur starke Wachstumsimpulse in unterschiedlichsten Branchen, sie schaffen Arbeitsplätze und sind damit ein wirksames Mittel, um die negativen Wirkungen der Corona bedingten Wirtschaftskrise abzufedern.

Eine Studie der TU Wien aus dem Jahr 2019 zeigt, dass ein Anteil von 100 Prozent grünem Strom am Stromverbrauch in Österreich 2030, vor allem aufgrund des stark steigenden Strombedarfs im Verkehr, zumindest 30 Terawattstunden zusätzlicher Leistung aus erneuerbaren Quellen braucht. Die dafür notwendigen Produktionskapazitäten erfordern etwa 2,6 Milliarden Euro an Investitionen pro Jahr in erneuerbare Energietechnologien. Dazu müssen noch etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr an Förderungen für den Strom aus erneuerbaren Quellen ausgegeben werden (wobei die Fördersumme von der allgemeinen Strompreisentwicklung abhängt und bei niedrigen Strompreisen noch höher liegt).

„In Summe sind die Klimaschutzziele äußerst ambitioniert, aber umsetzbar, unter der Voraussetzung, dass die politischen Weichenstellungen dafür rasch erfolgen“, rät Wolf. „Die Investitionssummen sind auch im Energiesektor ungleich höher, wenn schon 2040 ein klimaneutrales Österreich erreicht werden soll.“

Das sündige Drittel

Published on 3. Oktober 2020

Während die Natur rund um den Globus in beispielloser Geschwindigkeit verlorengeht, beweist die Menschheit an anderer Stelle extreme Ineffizienz: Ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel wird gar nicht gegessen. Das ist eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen, die einem jährlichen Verlust in Höhe von 850 Milliarden Euro für die Wirtschaft und insgesamt acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen entspricht. Auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher gehen genießbare, nährstoffreiche Lebensmittel verloren – oder wir entscheiden uns sogar, sie wegzuwerfen.

Details enthüllen der WWF und die Nachhaltigkeits-NGO WRAP in einem aktuellen Bericht. Es werden an buchstäblich JEDEM Punkt entlang der Lieferkette erhebliche Mengen an Lebensmitteln verschwendet. In Entwicklungsregionen sind Verluste bei der Produktion höher, während in entwickelten Regionen die Verschwendung beim Verbraucher überwiegt. Das weltweite Nahrungsmittelsystem verursacht rund 25 Prozent aller Treibhausgasemissionen, verbraucht 70 Prozent der Süßwasserressourcen und zerstört Lebensräume, sodass tausende Arten in aller Welt vom Aussterben bedroht sind. Die Klimakrise wiederum ruft Extremwetter hervor, das die Lebensmittelproduktion kurz- und langfristig erschwert. Für die Erzeugung der Lebensmittel, die Jahr für Jahr in der Tonne landen, wird eine Fläche so groß wie China benötigt. Wären die Lebensmittelabfälle ein Land, lägen sie bei den Treibhausgasemissionen auf dem dritten Platz hinter China und den USA.

Allein in der EU gehen jedes Jahr rund 88 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren bzw. werden verschwendet – das entspricht 20 Prozent der insgesamt produzierten Nahrungsmittel oder 173 Kilogramm pro Person. Fast die Hälfte der Verschwendung entsteht in Haushalten, weil zu große Mengen gekauft werden oder die Lagerung nicht passt. Auch in der Produktion gehen Lebensmittel verloren: Weil sie gar nicht erst geerntet werden, weil genießbare Produkte wegen ihrer Optik vernichtet werden oder weil sie während Transport oder Lagerung verderben.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent).

Ein Blick auf Österreich

Bei uns landet jährlich rund eine Million Tonnen Lebensmittel im Müll, die Hälfte davon fällt in Haushalten an. Jeder Haushalt wirft pro Jahr durchschnittlich 133 kg an genussfähigen Lebensmitteln weg, was einem Wert zwischen 250 und 800 Euro entspricht.

Besonders oft im Müll landen noch genussfähiges Brot und Gebäck (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse (27 Prozent). Dahinter folgen Milchprodukte und Eier (zwölf Prozent) sowie Fleisch und Fisch (elf Prozent).

Das muss sich ändern!

Generell wird der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung als Chance zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen weltweit vernachlässigt. Zwar haben sich Regierungen, die die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren, ausdrücklich ein nationales Ziel gesetzt, das dem Ziel der Vereinten Nationen zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 entspricht. Dennoch messen nur die Regierungen von zwölf Prozent der Weltbevölkerung, wie viele Lebensmittel verschwendet werden. Darüber hinaus setzen nur Länder mit 15 % der Weltbevölkerung weitreichende Maßnahmen zum Abbau der Lebensmittelverschwendung um.

Immerhin setzen sich zwei Drittel der 50 größten Lebensmittelunternehmen Ziele, fast die Hälfte misst ihre Lebensmittelabfälle, und ein Drittel führt Maßnahmen durch, um die Abfälle im eigenen Betrieb zu reduzieren. Aber natürlich müssen sich auch die Unternehmen viel mehr darum bemühen, ihre Lieferanten einzubeziehen und die Daten zu ihren Lebensmittelabfällen in stärkerem Maße veröffentlichen. Außerdem müssen mehr Unternehmen der Verringerung von Lebensmittelabfällen Priorität einräumen.

Wir sollten dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

Was für eine große Chance!

Es gilt, den Abbau der Lebensmittelverschwendung als entscheidende Möglichkeit zur Senkung der Treibhausgasemissionen zu nutzen und mit dem Nahrungsmittelsystem den Weg in eine nachhaltigere Zukunft einzuschlagen. So würden wir auch dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu stärken, den Wasserverbrauch zu senken, Geld zu sparen und die Belastung wertvoller Lebensräume zu mindern.

In Europa und auf der ganzen Welt können Regierungen, die bei diesem Vorhaben vorangehen, für die Bürger ihres Landes und auch für die Wirtschaft Vorteile bewirken. Und vor allem können wir alle schon heute einen Beitrag leisten – einfach, indem wir das kaufen, was wir brauchen, und das essen, was wir kaufen!

Wasser im Mittelpunkt

Published on 6. September 2020

Bereits seit 18 Jahren ist die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus mit einer eigenen Break Out Session bei den Alpbacher Technologiegesprächen vertreten. Im Pandemie-Jahr 2020 lautet das übergeordnete Thema „Fundamentales“. „Dementsprechend haben wir eines der höchsten Güter der Menschheit in den Mittelpunkt gestellt“, sagte am Wochenende der nö. Technologielandesrat Jochen Danninger. Dabei beleuchtete eine hochkarätige Runde die verschiedensten Perspektiven des Themas – als Ökosystem und Lebensraum ebenso, wie als Energielieferant, Wirtschaftsfaktor und aus gesundheitlicher Sicht.

In Österreich sind wir es gewohnt, jederzeit Trinkwasser in hervorragender Qualität zur Verfügung zu haben. Aus globaler Sicht ist das allerdings keine Selbstverständlichkeit und daher ist Forschung im Bereich Wasser auch von so großer Bedeutung. Danninger: „In Niederösterreich haben wir mit dem Wassercluster Lunz sozusagen ein großes ‚Naturlabor‘, in dem drei Universitäten zusammenarbeiten und – europaweit einzigartig – Grundlagenforschung zum Ökosystem Wasser betreiben.“

Artenvielfalt und Nährstoffangebot

Im Rahmen der virtuellen, interaktiven ecoplus Break Out Session wurde einerseits die aktuelle Situation betrachtet und andererseits analysiert, welche Entwicklungen im Zuge der Klimaveränderung und der Globalisierung beim Thema Wasser zu erwarten sind. Martin Kainz erforscht am Wassercluster Lunz die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und Nährstoffangebot in Gewässern. Schadstoffe stören die natürliche Balance und können auch schwerwiegende Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Forschergruppe konzentriert sich dabei vor allem auf Lipide und welche Auswirkungen eine Mangelversorgung auf die Gehirnentwicklung von Fischen hat. Daraus könnten sich Hinweise ergeben, dass auch beim Menschen eine falsche Ernährung neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen könnte.

Beim Zusammenhang von Wasser und Gesundheit kommt dem Sicherheitsmanagement von Wasserressourcen höchste Priorität zu. Andreas Farnleitner leitet den Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit an der Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften. Er informierte über den aktuellen Forschungsstand in der Mikrobiologie. Modernste Technologien können nicht nur die Spuren von Krankheitserregern verfolgen, sondern diese Methoden können auch zunehmend automatisiert werden. Damit steht eine große Informationsmenge zur Verfügung, um weltweit die Grundlagen für eine sichere Wasserversorgung zu schaffen.

Ausgleich und öffentliche Versorgung

Wasserhygiene steht auch im Zentrum der Arbeit von Regina Sommer, die die Abteilung Wasserhygiene an der Medizinischen Universität Wien leitet. Ihre Aufgabe ist es, Menschen vor Infektionen, die durch Wasser hervorgerufen werden, zu schützen. Eine wirksame Methode ist die UV-Desinfektion von Wasser und hier ist heimisches Know-how weltweit federführend. Das gilt auch für zukunftsweisende Sensorsysteme, wie sie von Martin Brandl und seinem Team am Zentrum für Wasser- und Umwelt Sensorik der Donau-Universität Krems entwickelt werden. Mit sogenannten „Smart Sensors“ können viele Parameter gleichzeitig überwacht werden, die für eine qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung wichtig sind.

Genützt werden diese modernen Technologien unter anderem auch vom Wasserversorger EVN Wasser, der mit seiner Infrastruktur die Versorgungssicherheit für ganz Niederösterreich gewährleistet. „Dabei stellen uns Klimawandel und Urbanisierung vor neue Herausforderungen“, so Geschäftsführer Franz Dinhobl. Wasser ist in Österreich zwar ausreichend vorhanden, aber nicht gleich verteilt. Hier muss ein Ausgleich durch die öffentliche Versorgung erfolgen. Immerhin zeigen diverse Studien – zuletzt per März 2020 im Auftrag der ÖVGW durch das Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Wiener Uni für Bodenkultur –, dass wir trotz Hitzewellen prinzipiell keine Wasserknappheit befürchten müssen.

„Es gibt aber Regionen, die stark von zunehmender Trockenheit betroffen sind“, konstatiert Studienautor Roman Neunteufel. Und man kann und soll sehr wohl als Einzelner etwas tun. Neunteufel: „Wirklich sparen kann man beim Wasser, das wir mit unseren täglichen Gütern verbrauchen. Das sind rund 5000 Liter Wasser am Tag – das sogenannte virtuelle Wasser.“ Für die Wasserversorger sind dabei vor allem die Verbrauchsspitzen, die im Frühjahr beim Befüllen der Swimmingpools und im Sommer beim Wässern des Gartens entstehen, ein Problem. „Gerade in Trockenperioden sollten sich die Verbraucher fragen, ob es wirklich notwendig ist, den ganzen Garten zu wässern“, sagt Neunteufel. „An solchen Tagen sind die Anlagen der Versorger ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze.“

Die durchgehende, ungestörte und sichere Wasserversorgung hierzulande ist die Hauptaufgabe der in der ÖVGW zusammengeschlossenen Mitgliedsunternehmen. Aktuell zählen dazu mehr als 260 Wasserversorgungsunternehmen und über Kooperation mit Landesverbänden weitere 1.500 Wasserversorger, die rund 80 Prozent der heimischen Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen. „Alle Trinkwasserversorger, also auch die kleinsten Betriebe, sind in Österreich in ein System eingebunden, das Ausbildung und Überwachung umfasst“, erklärt ÖVGW-Präsident Franz Dinhobl. „Dadurch und über das 80.000 km lange Leitungsnetz ist sichergestellt, dass alle Wasserversorger in Österreich rund um die Uhr ausgezeichnetes Trinkwasser liefern.“

In der neuesten Wasserversorgungsstudie über Klimaszenarien und Versorgungssicherheit berichten Neunteufel und sein Team, dass es 2019 echte Versorgungseinschränkungen nur in einem Fall gab. In einem zweiten Fall haben Sparaufrufe genügt, um eine Versorgungseinschränkung zu verhindern. Insgesamt gab es 2019 eine weniger angespannte Ressourcensituation als 2018 – als außergewöhnliche Vorkommnisse wurden dennoch wiederholt Rückgänge der Ressourcenverfügbarkeit (außergewöhnliche Absenkung der Brunnenwasserspiegel) und Verbrauchsspitzen genannt. Belegt ist aber jedenfalls ein außergewöhnlich niedriger Grundwasserspiegel infolge von regional oder saisonal geringem Niederschlag sowie zum Teil auch gleichzeitigem Auftreten erhöhter Entnahmemengen.

Was getan wird

Auf Bundesebene steht der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) im Vordergrund, für den derzeit das Projekt „Wasserschatz Österreichs“ (Laufzeit bis Ende 2020) realisiert wird. Im Bereich der Bundesländer hat NÖ kürzlich sein Strategiekonzept überarbeitet und unter dem Namen „Wasserzukunft Niederösterreich 2050“ veröffentlicht. Darin wird u.a. empfohlen, dass kommunal bzw. privatrechtlich organisierte Wasserversorgungsanlagen durch zentral organisierte Beratungskapazitäten unterstützt, lokale Gewinnungsstellen auch bei Anschluss an regionale oder überregionale Verbünde erhalten und Erneuerungen im langfristig nötigen Umfang und die Finanzierbarkeit der Wasserversorgungsysteme sichergestellt werden. In Vorarlberg gibt es flächendeckende Trinkwasservorsorgekonzepte (VTWK) mit Planungsetappen bis 2025 und 2040. Die Sicherung der Bedarfsdeckung ist derzeit laut Landesregierung NICHT (Hervorhebung durch den Verfasser) in allen „Ländle“-Gemeinden (z.B. des Bregenzerwaldes) gegeben.

In der oberösterreichischen Landesstrategie „Zukunft Trinkwasser“ sind strategische Positionen zu den drei „Säulen“ Grundwasserschutz, Verteilstruktur und Organisationsform festgehalten. Zusätzlich sind darin Strategien zu Einzelwasserversorgung, Krisenvorsorge und Notwasserversorgung sowie Vermarktung festgelegt. Zum verbesserten Grundwasserschutz soll flächendeckende, grundwasserschonende landwirtschaftliche Bodennutzung gestärkt und besonders relevante Grundwasserbereiche vor in Konkurrenz stehenden Flächennutzungen geschützt werden. Weiters sollen Schutz- und Schongebiete vorsorgend bewirtschaftet werden und zielgerichtete flächendeckende Sanierungsmaßnahmen in belasteten Grundwasserkörpern erfolgen. Und: „Bestrebungen zur Liberalisierung des Wassersektors werden mit Nachdruck abgelehnt.“

So empfinden das auch die Kärntner, wenn sie die Trinkwasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auf dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit und nicht als „Handelsware“ sehen. Die langfristige Strategie des Trinkwasserversorgungskonzepts Kärnten beinhaltet die Verbindung des Zentralraums durch Ringschluss und die Ergänzung der Bedarfsdeckung im Ring um das Zentrum – die Verbindung der Städte Klagenfurt, Villach, Feldkirchen, St. Veit – mit Trinkwasser von außen. Oberkärnten (höher bzw. alpin) werde mit höheren Niederschlagsmengen gegenwärtig und auch in Zukunft im Vergleich zu Unterkärnten (zudem dichter besiedelt) geringere Probleme in der Trinkwasserversorgung aufweisen. In der überregionalen Wasserzuteilung liegt der Schwerpunkt im Wörtherseeraum und dem Bereich Klagenfurt.

Last but not least empfiehlt der Wasserversorgungsplan in der „Grünen Mark“ u.a. einheitliche Standards für die Datenweitergabe der unterschiedlichen Monitoringsysteme, eine optimierte behördliche Kontrolle von Bewirtschaftungsvorgaben sowie einen Geothermie Kataster und Grundlagen zur Optimierung des Ressourcenschutzes und der Grundwasserbewirtschaftung. Weitere steirische Maßnahmen für eine sichere Trinkwasserversorgung sind die Evaluierung des Wasserbedarfsprognosemodells in 10-Jahres-Abständen, die Sicherung der Transportleitungskapazitäten sowie Erfassung und Analyse bereits verfügbarer Trinkwasserverkommen für den Wasserausgleich innerhalb des Bundeslandes. Insbesondere werden dabei mögliche Störfälle und potenzielle Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels berücksichtigt (z. B.: Prüfung einer zweiten steirischen Transportleitung aus der Obersteiermark in den Süden bzw. Osten der Steiermark) und eine generelle Studie über die Nutzungs- und Verteilungsmöglichkeiten von Tiefengrundwasser in Katastrophenfällen erstellt.

Europa in der Welt

Published on 11. August 2020

Gebannt starrt die Welt auf die Auswirkungen der Pandemie. Zurzeit sind deren Folgen in wirtschaftlicher, sozialer und psychologischer Hinsicht kaum abschätzbar. Die vorhandene Unsicherheit über die weitere Entwicklung dieser Pandemie lähmt zunehmend wichtige Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft.

Europa hat zuletzt ein dringend notwendiges Lebenszeichen gegeben. Die Einigung der Staats- und Regierungschefs auf ein Recovery-Programm und den Finanzhaushalt der kommenden Jahre ist eine beachtliche Leistung. Nicht, dass damit alles in Ordnung wäre, aber die Tatsache der Einigung und damit der Beendigung der Streitereien ist für sich genommen durchaus ermutigend, liegt doch Europa in der Prognose der wirtschaftlichen Auswirkungen unter allen Kontinenten mit Abstand am schlechtesten. Die chinesische Wirtschaft erwartet im heurigen Jahr ein Plus von zwei bis drei Prozent Wachstum, die europäische Wirtschaft ein Minus von neun bis zehn Prozent.

Was für ein Unterschied! Wieder hat sich gezeigt, dass das rasche Regieren autokratischer Systeme zwar von den Grundwerten, die wir vertreten, nicht wünschenswert ist, aber doch den Herausforderungen der Zeit entgegenkommt. Sollte der Auslöser der Pandemie zugleich der Gewinner derselben sein? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie es in Europa weitergeht.

Zwei Punkte möchte ich dabei herausstreichen:

Der institutionelle Aspekt

In allen liberalen Demokratien der Welt ist es üblich, dass das Parlament als gewählte Vertretung des Volkes das letzte und entscheidende Wort hat. Das Europäische Parlament hat in Zusammenarbeit mit der europäischen Exekutive, der Kommission, Vorschläge gemacht, denen die Versammlung der Mitgliedsländer (der Europäische Rat) nur nach langen Streitereien und mit Abstrichen gefolgt ist.

Dazu kommt, dass nunmehr das Europäische Parlament Nachverhandlungen fordert und weiters alle 27 nationalen Parlamente noch zustimmen müssen. Das ist wertvolle Zeit, die verrinnt, bevor die angedachten Maßnahmen wirksam werden können. Eine solche Zeitverschwendung wird sich eine demokratische Staatsform in Zeiten rasanter Veränderungen und notwendiger rascher Antworten darauf in Zukunft immer weniger leisten können.

Der inhaltliche Aspekt

Ja, es stimmt: Die Mittel für Forschung und Entwicklung werden mehr, allerdings nicht so viel, wie es die Kommission und das Parlament für erforderlich erachten, um die wesentlichen Zukunftsaufgaben in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Klimawandel, Digitalisierung, Migration und Sicherheit erfüllen zu können. Hier wurden schmerzhafte Abstriche gemacht.

Noch gar nicht behandelt wurde eine zentrale Forderung der europäischen Wirtschaftskammer: Eine notwendige Stärkung des Binnenmarktes vorzunehmen, insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Dienstleistungen und der Schaffung eines effizienten Kapitalmarkts. Die USA haben einen funktionierenden Kapitalmarkt, die Chinesen einen funktionierenden Staatskapitalismus, Europa muss zuschauen, wie sich Wachstumsunternehmen an die eine oder andere Seite wenden müssen, um ihre Vorhaben finanzieren zu können. Sehen wir das nicht? Ist es uns egal? Wir leben in akuter Lebensgefahr, scheinen aber zu wenig Kraft zu haben, diese Dinge mit der notwendigen Energie und Entschlossenheit anzugehen.

Das zu tun ist jedoch nicht nur Aufgabe der Politik. Wir als Vertreter der Zivilgesellschaft, in der Wirtschaft, im Sozialbereich, im ökologischen Bereich, in der Kultur, müssen unsere Stimme erheben und dies massiv einfordern. Es geht um unsere Zukunft, vor allem um die Zukunft der nächsten Generationen. Das ist eine Verantwortung, welche die Top Leader in ganz Europa jetzt, gerade jetzt, wahrnehmen müssen!

Der größte Hebel gegen den Klimawandel ist das Geld

Published on 15. September 2019

Die größten 100 Unternehmen verantworten zusammen etwa zwei Drittel der globalen Treibhausgas-Emissionen. Gelingt es nicht, diese 100 Unternehmen zu einem (strategischen) Umdenken zu bewegen, rückt das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu reduzieren, in weite Ferne.

Globale Risiken verlangen globale Antworten

Das gilt vor allem für die Klimarisiken: Schon seit 2011 gehören extreme Wetterereignisse, steigende Treibhausgasemissionen und Naturkatastrophen zu den Top 5 der Risiken, die laut World Economic Forum mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden. 2019 kam auf Platz 2 die fehlende Fähigkeit der Menschheit, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen sowie die in direktem Zusammenhang stehende globale Wasserkrise hinzu.

Gerold Permoser, Erste Asset Management

Aus Österreich hat sich die Erste Asset Management dieser internationalen „Climate Action 100+“-Initiative angeschlossen. „Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erfüllen, genügen einzelne kleine Schritte zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen nicht mehr. Es bedarf konzertierter, globaler Anstrengungen, um ein potenzielles Klimachaos noch zu vermeiden“, betont Gerold Permoser, Chief Investment Officer in der Erste Asset Management.

Denn die Menschheit ist dabei, das in Paris beschlossene Ziel von 1,5 Prozent weniger CO2-Emissionen abermals zu versäumen. Derzeit sind nur eine Handvoll Länder auf dem Weg, ihre Vorgaben für Treibhausgasemissionen zu erreichen. „Einerseits erkennt man ein Problem als gravierend, andererseits tut man nichts, um es zu lösen. Und dass, obwohl man an den Schalthebeln der Macht dafür verantwortlich ist. Wir wollen unseren Beitrag als nachhaltiger Asset Manager leisten und tun, was möglich ist“, sagt Permoser.

Während der nächsten vier Jahre tritt Climate Action 100+ jeweils unter der Führung eines lokalen Investors in einen kontinuierlichen Dialog mit den betroffenen Unternehmen ein. Dies erfolgt sowohl durch informelles Engagement als auch gezielt auf den Hauptversammlungen. Darüber hinaus werden eigene Aktionärsanträge zur Abstimmung durch die Aktionäre von einzelnen Partnern vorbereitet.

Als größte österreichische Kapitalanlagegesellschaft hat die Erste Asset Management die Führung für das gemeinsame Engagement der Climate Action 100+ Partner mit dem Erdöl- und Gas-Produzenten OMV AG übernommen, die mit über 20.000 Mitarbeitern und einem Konzernumsatz von über 20 Mrd. € eines der größten an der Wiener Börse notierten Industrieunternehmen in Österreich ist.

Im Rahmen dieses Dialogs thematisiert die Erste AM in regelmäßigen Treffen mit dem Management die Risiken, denen die OMV als Erdöl- und Gas-Produzenten gegenübersteht. Um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen, ist die Erste AM bereits auf der Hauptversammlung 2018 für mehr Transparenz in Bezug auf die Auswirkung des Pariser Klimaabkommens auf die Werthaltigkeit der Öl- und Gas-Reserven des Unternehmens sowie eine stärkere Einbeziehung des sich aus dem Abkommen ergebenden nötigen Wandels in der Unternehmensstrategie eingetreten.

„Die Anstrengungen der Climate Action 100+ Initiative werden über die nächsten Monate und Jahre noch weiter verstärkt, um gemeinsam mit unseren Partnern den Grundstein für eine signifikante Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen zu legen“, verspricht Permoser.

Thomas Salzer, IV NÖ

Ein Bekenntnis zum Standort Österreich

„Wer für Klimaschutz ist, muss auch für die heimische Industrie sein!“ Beim Thema Klimaschutz seien viele Maßnahmen eher ein umweltpolitischer Populismus und eigentlich kontraproduktiv, meint der Präsident der NÖ Industriellenvereinigung (IV-NÖ), Thomas Salzer. So sorge die Elektro-Mobilität zwar für deutlich weniger Emissionen im Betrieb, „berücksichtigt man aber in einer Lebenszyklus-Analyse auch die Produktion der Batterien, die auch lokale Probleme beim Abbau der Rohstoffe schafft, dann ist das Batterie-E-Auto nicht die Lösung“, erklärt Salzer.

Wie schwierig die Beurteilung und „Dingfestmachung“ von Emissionen ist, zeige auch das Beispiel des Videostreamens. „Da werden in derselben Zeit fünf- bis zehnmal so viele Emissionen verursacht wie beim Lesen eines Buchs – natürlich inklusive der Herstellung“, rechnet der IV-NÖ-Präsident vor. Vom kulturellen Wert eines Buchs einmal abgesehen, klinge es einfach, durch eine CO2-Steuer mehr Anreize zum CO2-Sparen zu geben, jedoch: „Die lokale Produktion ist leicht zu fassen, wie aber fassen wir die global verteilten Emissionen digitaler Medien?“, fragt Salzer.

Bis es so weit kommt, dass sich weltweit alle an die gleichen Regeln und Standards halten, sei es noch ein weiter Weg. „Daher sollten wir uns für das Hier und Jetzt vor allem folgendem Gedanken widmen: Wer für Klimaschutz und Umweltschutz ist, der muss auch dafür sein, dass der Produktionsstandort Österreich erhalten bleibt“, betont Salzer. Denn die Verlagerung von Produktionen in andere Regionen der Welt könnte auf unserem Planeten noch mehr Schaden anrichten.

Hohes Einsparungspotenzial durch Gebäudesanierung

Ein heimlicher Star, quasi ein Hidden Champion des Energieeffizienz-Potenzials: der Einsatz innovativer Gebäudetechnologien. Dieser leistet einen wesentlichen Beitrag zum effizienten Energiemanagement und zur CO2-Reduktion. In der Klimaschutz-Diskussion wird diesem Umstand noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Angesichts des stetig steigenden Energieverbrauchs können wir die Klimaschutzziele und die CO2-Reduktionsziele nur erreichen, wenn die Energieeffizienz speziell bei der Gebäudesanierung weiter erhöht wird. „Die technologische Entwicklung und die Digitalisierung eröffnen uns hier neue Möglichkeiten. Es gilt nun, den Übergang zu diesen Technologien proaktiv zu gestalten“, sagt Manfred Müllner, Geschäftsführer-Stellvertreter des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie. „Das heißt, die bautechnische Sanierung und die Digitalisierung des Gebäudes müssen das Ziel sein.“

Rudolf Pfarrwaller, Fachausschuss-Vorsitzender Elektrogroßhandel des Bundesgremiums Elektro-und Einrichtungsfachhandel

„Klimaschutz scheitert heute an den zögerlichen Investitionen und der noch viel zu niedrigen Renovierungsrate“, erklärt Robert Pfarrwaller, Fachausschuss-Vorsitzender Elektrogroßhandel des Bundesgremiums Elektro- und Einrichtungsfachhandel. „Die zentralen Fragen sind: Wie können wir CO2-neutralen Strom erzeugen, speichern und dessen Verwendung in Gebäuden erhöhen? Und wie können wir mithilfe der Digitalisierung und Automatisierung sowohl die Energieeffizienz als auch den Komfort weiter erhöhen? Dazu sind bereits viele Technologien verfügbar, und die ersten Best Practice-Beispiele zeigen das große Potenzial energieeffizienter Gebäudesanierungen auf. Das Wissen rund um diese neuen Technologien ist aber noch nicht ausreichend vorhanden.“

Neben einer bewusstseinsbildenden Offensive fordert Pfarrwaller Investitionsanreize, um energieeffiziente Sanierungen attraktiver zu machen: „Wir schlagen in unserem Modell die Einführung eines Abschreibungsmodells vor, das die steuerliche Entlastung für Gebäude-Investitionen mit nachweislichen Energie- und CO2-Einsparungen vorsieht. Die Höhe der Entlastung richtet sich nach der Höhe der belegbaren Einsparungen.“ Die Analysen und Nachweise sind durch Marktteilnehmer erstellbar, die bereits heute zur Ausstellung von Gebäude-Energieausweisen berechtigt sind.

Um Planungssicherheit zu geben und um einen messbaren Impuls zu entfalten, muss diese Maßnahme für mindestens eine Legislaturperiode umgesetzt werden. Pfarrwaller: „Auch der Entfall der Eigenstromsteuer ist zu diskutieren. Durch sie wird die Stromproduktion für den Eigenbedarf der Gewerbebetriebe derzeit verhindert.“ Mithilfe dieser finanziellen Anreize soll die Anhebung der derzeitigen Renovierungsrate von unter ein Prozent auf die in der #mission2030 geforderten zwei Prozent bis 2030 gelingen.

Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker in der WKÖ, weist auf den Umstand hin, dass bei elektrotechnischen Sanierungen die Elektrotechniker vor Ort ein umfangreiches Lösungs-Know-how anbieten und eine kompetente Umsetzung gewährleisten, die für die Objektsicherheit und die der Nutzer entscheidend ist. Wirth plädiert weiters für eine technologieneutrale und ganzheitliche Sichtweise: „Punktuelle Maßnahmen bringen nichts, da auf jedes Gebäude individuell eingegangen werden muss. Ziel in der Beratung des gewerblichen Kunden und der Endkonsumenten ist es, die geeignetsten Effizienzmaßnahmen mit dem höchsten Einsparpotenzial zu ergreifen.“

Von der Entwicklung einer intelligenten Energie-Infrastruktur profitiere, so Wirth, auch die regionale Wertschöpfung und die heimische Innovationskraft werde gestärkt. Gesamtheitlich entwickelte Energiekonzepte unterstützen zudem Regionen und Gemeinden, um die negativen Folgen des Klimawandels zu bewältigen, und machen sie nachhaltig fit für die digitale Zukunft.

Österreich braucht jetzt einen massiven Investitionsschub, sind sich die drei Experten einig. „Ohne Investitionen in klimaschonende Technologien wird Österreich die Klimaziele verfehlen. Die energieeffizienten Technologien sind bereits am Markt, jetzt geht es darum, dieses Potenzial zu nutzen“, fordert Manfred Müllner.

Einfach zum Nachdenken – mehrfach zum Nachdenken

Der Weltklimarat hat in seinem aktuellen Bericht darauf aufmerksam gemacht, dass die Lebensmittelverschwendung mit rund acht Prozent zur CO2-Bilanz und damit zur Erderwärmung beiträgt.

Weltweit werden jedes Jahr rund 30% aller produzierten Lebensmittel weggeworfen, der Großteil von den Verbrauchern selbst – das sind über 40% mehr als noch im Jahr 1970. Und auch die Kosten explodieren: Der jährliche Verlust durch verschwendete Lebensmittel beläuft sich aktuell auf die unvorstellbar große Summe von fast 890 Mrd. €.

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