Schlagwort: Facharbeiter

Die investitionslustvollen Regions-Präger

Published on 5. September 2020

„Wir prägen die Region durch unsere Niederlassung hier“, sagt Geschäftsführer Timo Snoeren im Exklusivinterview mit TOP LEADERS. Zudem habe die Studie gezeigt, dass durch Worthington weit über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus die Wirtschaft aktiviert und diese damit in Krisenzeiten auch geschützt wird.

Herr Snoeren, Worthington Kienberg hat vor kurzem sehr viel Geld in die Hand genommen …

Es wurden zehn Millionen Euro in den Bau einer 1.700 m² großen neuen Produktionshalle investiert. Damit erweitert sich ab Herbst die Worthington-Produktpalette von Stahl-Hochdruckbehältern auf Hochdruck-Composite-Behälter. Diese bestehen je nach Typ aus einem Kunststoff- oder Aluminiummantel und werden mit gehärteten Kohlefasern vollumwickelt. Diese Composite-Druckbehälter halten noch höheren Drücken stand und werden daher für Wasserstoff und Erdgas als Tank in Autos, Bussen, LKWs, Zügen und Schiffen verwendet.

Warum setzen Sie so stark auf Wasserstoff?

Umfassende Marktstudien zeigten uns schnell: Der Zeitpunkt und der Ort sind günstig für unsere Investition. Wir sind überzeugt davon, dass Wasserstoff die Antriebstechnologie der Zukunft ist und das für fast alle Fahrzeuge – von Bussen, über LKWs und PKWs bis hin zu Müllabfuhr-Autos und Gabelstaplern! Unser Anspruch war es, in Österreich Pionier auf diesem Gebiet zu werden. Wir hoffen selbstverständlich, dass die österreichische Bundesregierung der Ankündigung ihrer Wasserstoffstrategie Taten folgen lässt.

Stichwort Facharbeitermangel: Können sie genug qualifiziertes Personal finden?

Trotz der Tatsache, dass unser Firmenstandort zwar idyllisch im Erlauftal gelegen ist, aber doch etwas weg vom Schuss, können wir uns ob der Bewerberzahlen glücklich schätzen. Die Auszeichnung „Bester Arbeitgeber Österreich“ hilft uns dabei, dass sich zahlreiche vielumworbene Fachkräfte für Worthington entscheiden. Natürlich kann die Auswahl nie groß genug sein, also ist bei uns selbstverständlich jede Initiativbewerbung an at-personalbuero@worthingtonindustries.com herzlich willkommen!

Worthington hat auch das große Glück, mit Dr. Christian Rasche einen der weltweit anerkanntesten Experten aus dem Composite-Bereich seit langer Zeit mit an Bord zu haben. In seiner mehr als 30-jährigen Karriere hat er schon mehrfach verschiedene Typen von Composite-Druckbehältern konzipiert, produziert und auf den Markt gebracht. Es sind sein umfassendes Wissen sowie sein weltweites Netzwerk, die uns zuversichtlich in die Wasserstoffzukunft blicken lassen.

Wie gehen Sie denn generell mit der Corona-Krise um?

Worthington Kienberg hat beide Seiten der Medaille erlebt – je nach Produkt: Wir spürten beispielsweise im Umsatz unserer Erdgastanks die europaweiten vorübergehenden Werksschließungen in der Automobilindustrie. Auf der anderen Seite aber ist der Bedarf an medizinischen Sauerstoffflaschen für Krankenhäuser in ganz Europa bedeutend gestiegen, was sich auf uns positiv auswirkte.

Trotz allem hat auch Worthington Kienberg Kurzarbeit angemeldet. Ziel ist es, mit dieser Unterstützung nach der Krise wieder rasch und zu 100 Prozent durchstarten zu können. Da wir kurz vor dem Produktionsstart in der zusätzlichen Halle stehen, blicken wir mit diesem zusätzlichen Produktzweig positiv in die Zukunft.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Da möchte ich an erster Stelle unseren langjährigen Betriebsleiter Günther Ehrgott nennen und ihm zugleich danken: Es war sein rasches und effizientes Handeln, das es uns erlaubt hat, die Produktion trotz des landesweiten Lockdowns ununterbrochen weiterzuführen. Ehrgott wird seine über 40-jährige Erfahrung im Stahlflaschenbereich mit der Herstellung der Composite-Flaschen in enger Zusammenarbeit mit Dr. Christian Rasche erweitern.

Für Worthington hat die Gesundheit aller Mitarbeiter oberste Priorität. Dementsprechend haben wir die Produktion für zwei Tage (16. und 17. 3. 2020) eingestellt, um in dieser Zeit einen soliden Covid-19-Aktionsplan zu entwickeln. Unsere Schutzmaßnahmen umfassten u.a. Home-Office für alle Mitarbeiter, bei denen dies möglich ist. Eine sichere Produktionsumgebung zu gewährleisten, ist ungemein komplizierter, aber dennoch haben wir es geschafft. Dazu gehörten versetzte Schichtbeginn-Zeiten, um ein Aufeinandertreffen beim Umkleiden zu vermeiden, zahlreiche Plexiglas-Scheiben, keine Fahrgemeinschaften zur Arbeit, MNS-Masken für alle Mitarbeiter sowie Desinfektionsspender, Verlegung von Besprechungen auf Video- oder Telefonkonferenzen, Entfernung der Hälfte der Bestuhlung in Besprechungszimmern etc.

Apropos Mitarbeiterbetreuung: Worthington kam heuer zum vierten Mal in Folge auf den 1. Platz bei den „Besten Arbeitgebern Österreichs“ – wie kam diese Positionierung zustande?

Unsere Mitarbeiter haben durch ihre Bewertungen der Firma Worthington ein ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt. Das ist ein sehr gutes Zeichen für unsere Firmenkultur und unseren respektvollen und wertschätzenden Umgang. Wir sind sehr transparent. Die Mitarbeiter wissen quartalsweise durch sogenannte Infomeetings, wie es finanziell um die Firma steht. Jeder kann mit jedem über alles sprechen. Fairness und Konsequenz spielen da eine wichtige Rolle. Vor allem neue Mitarbeiter spüren diesen Unterschied sehr schnell. Es ist genau diese tolle Kultur des Miteinander, die uns zuversichtlich macht, dass wir auch den erforderlichen Kulturwandel hin zu einem digitalisierten und innovativen Unternehmen schaffen werden.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung für Worthington in Österreich in den kommenden Monaten bzw. Jahren?

Gut! Das Wasserstoffwerk macht uns ganz klar zukunftsfit, denn es erweitert unsere Produktpalette immens: Wir können nun nicht nur Industriegase-Kunden mit Hochdruckbehältern aus Stahl versorgen, sondern auch Auto-, Züge- Schiffs- und LKW-Hersteller mit Hochdruck-Tankbehältern aus Composite-Materialien. Wo die Reise hingehen soll, wird sich zeigen. Jetzt machen wir erst einmal Nägel mit Köpfen und starten im Herbst mit der Produktion im neuen Wasserstoffwerk.

Herr Snoeren, verraten Sie unseren Lesern auch Persönliches?

Vor mehr als 24 Jahren habe ich meine Frau, die Österreicherin ist, in England während des Studiums kennengelernt. Schnell war klar, dass wir uns – mit meinem internationalen Diplom und meinen für einen Holländer überdurchschnittlichen Deutschkenntnissen – im Mostviertel, der Heimat meiner Frau, niederlassen würden. Und ich habe die Entscheidung nie bereut (lächelt). Am 5. Mai 1999 habe ich dann als Verkäufer bei Worthington in Kienberg angefangen, wo man gerade auf der Suche nach internationalen Talenten war. Mit meinen niederländischen Wurzeln war mein Zuständigkeitsgebiet schnell klar: die BeNeLux-Länder. In den darauffolgenden Jahren hatte ich unterschiedliche Funktionen im Verkauf und habe das Unternehmen weltweit gut kennengelernt. 2015 bekam ich die Möglichkeit, bei einem unseren Joint Ventures (WAVE = Worthington-Armstrong Venture) als Vice President für das EMEA-Geschäft tätig zu werden. WAVE ist führender Hersteller für abgehängte akustische Deckenelemente. Es war eine harte, aber sehr lehrreiche Zeit. Als mir dann 2018 angeboten wurde, für Worthington als General Manager für das Hochdruckbehälter-Geschäft in Europa zurückzukehren, habe ich keine Sekunde überlegt!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das TOP-Forschungsprojekt „Fit im Job“

Published on 27. Juli 2020

Der Fachkräftebedarf in Österreich besteht auch in Zeiten einer Corona-bedingten höheren Arbeitslosigkeit weiter und wird mit zunehmender Erholung der Wirtschaft noch weiter zunehmen. Es gibt hier mehrere Punkte, um gegenzusteuern. Einer davon besteht darin, ältere Menschen länger in Beschäftigung zu halten, um auch ihr Know-how und ihre Erfahrung für die Unternehmen möglichst lange nutzen können. Eine zukunftsweisende Möglichkeit dazu ist der Einsatz von hochtechnisierten Hilfsmitteln wie Exoskeletten. Davon profitieren Mitarbeiter und Wirtschaft gleichermaßen, weil diese Hilfsmittel zum Erhalt und zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen beitragen.

Exoskelette kamen bisher als hochtechnisierte Hilfsmittel für Querschnittsgelähmte, in der Raumfahrt oder im Behindertensport zum Einsatz. Jetzt sollen sie auch Menschen in der Arbeitswelt helfen, gesund zu bleiben. Dass Exoskelette eine geeignete Technologie darstellen können, zeigt das vom Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) an der Johannes Kepler Universität Linz initiierte Forschungsprojekt „EnableMe 50+“, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Arbeitsplätze in Hinblick auf ihre Altersgerechtigkeit bewertet und unter Einbezug der Faktoren Mensch, Technologie und Organisation konkret ausgestaltet werden können. Das Projekt liefert Hinweise darauf, wie altersgerecht einzelne Arbeitsplätze gestaltet sind. Mitarbeiter der Handelsfirma REWE (BILLA und MERKUR) und des Feuerwehrausstatters Rosenbauer haben Exoskelette im Praxiseinsatz erprobt – mit unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der praktischen Anwendbarkeit. „Im Forschungsprojekt arbeiteten bis Ende Juni das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik der JKU Linz, das Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz und die beiden Konzerne zusammen. Ziel war es, eine praktikable Option für altersgerechte Arbeitsgestaltung zu entwickeln, für die physische Assistenzsysteme eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Tanja Spennlingwimmer, Geschäftsführerin des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA).

Bei der „Fit-im-Job“-PK: (v.l.n.r) Tanja Spennlingwimmer, Markus Achleitner, Daniel Tomaschko, Veronika Rabl.

Es konnte gezeigt werden, dass bei harter manueller Arbeit körperliche Beschwerden und Muskel-Skelett Erkrankungen – trotz Einhaltung ergonomischer Standards – im Altersverlauf auf das etwa Zehnfache ansteigen. Basierend auf der in der Studie festgestellten Entlastungswirkungen lässt sich abschätzen, dass durch den Einsatz passender Exoskelette das ergonomische Risiko zur Entwicklung von Muskel-Skelett-Erkrankungen für 62 Prozent der Arbeitsplätze auf ergonomisch unbedenkliche Werte reduziert werden kann. „Die Ergebnisse liefern erste Hinweise für die zielgerichtete Implementierung von Exoskeletten zur Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze, es braucht aber noch weitere Forschung und Langzeitstudien, um belastbare Aussagen zur nachhaltigen Entlastungswirkung treffen zu können“, betont Spennlingwimmer.

„Bei einer flächendeckenden Umsetzung von Exoskeletten in der österreichischen Industrie besteht die Chance, rund zwei Millionen Krankenstandstage durch Muskel-Skeletterkrankungen präventiv zu vermeiden und damit Kosten für Unternehmen und Staat von etwa einer Milliarde Euro zu reduzieren“, sagt Univ.-Prof. Christian Ramsauer, Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz. Die Bereitstellung unterschiedlicher Exoskelette erfolgte im Projekt durch die Firmen awb Schraubtechnik- und Industriebedarf GmbH und Exomys Augmented Humanity GmbH. Vor allem die von awb zur Verfügung gestellten Exoskelette wiesen dabei eine hohe Praxistauglichkeit auf.

Nachhaltige, altersgerechte Arbeitsplätze

Exoskelette sind bereits in einigen Branchen erfolgreich im Einsatz. Diese technischen Stützapparate stellen ein gutes Werkzeug dar, um körperliche Arbeit komfortabler und vor allem gesundheitsschonender verrichten zu können. Das Muskel-Skelett-System wird entlastet und Folgekrankheiten vorgebeugt. Bei Rosenbauer kamen sie nun erstmals im Rahmen des Forschungsprojektes EnableMe 50+ zum Testeinsatz. „Wir sind aus Tradition neugierig und probieren gerne Neues aus. Die Chance, Exoskelette direkt in unseren Produktionswerken zu testen, haben wir gerne wahrgenommen“, sagt Daniel Tomaschko, Technikvorstand der Rosenbauer International AG.

Rosenbauer ist Weltmarktführer bei Feuerwehrtechnik sowie -ausrüstung und zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Wirtschaftsregion Oberösterreich. In Österreich beschäftigt das Unternehmen knapp 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeder Vierte davon ist über 50 Jahre, Tendenz steigend. Zwei Drittel des Rosenbauer-Teams arbeiten in Produktion und Logistik. Gerade in diesen Unternehmensbereichen findet man die meisten alterskritischen Arbeitsplätze, denn hier werden viele Beuge- und Hebearbeiten durchgeführt. Daniel Tomaschko sieht die Aufgabe des Unternehmens ganz klar: „Als verantwortungsvoller Arbeitgeber haben wir den Anspruch, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neben einer ausgewogenen Work-Life-Balance auch eine moderne und sichere Arbeitsumgebung zu bieten. Dabei legen wir großen Wert darauf, ein altersgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen, das Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig bewahrt.“

Bei der Erhaltung der Mitarbeitergesundheit setzt Rosenbauer stark auf präventive Maßnahmen. Innerbetriebliche Lösungen, wie etwa das Bereitstellen alternativer Arbeitsplätze im Krankheitsfall und das Angebot entsprechender Weiterqualifizierungen gehören zwar zum Standardrepertoire der Mitarbeiterfürsorge, sind aber zu wenig weit gegriffen. Die Beteiligung am dreijährigen Forschungsprojekt EnableMe 50+ hat gute Impulse geliefert. 45 Mitarbeiter in Produktion und Logistik wurden mit unterschiedlichen Exoskelett-Typen ausgestattet und im Zeitraum von insgesamt 37 Stunden in ihrer Arbeit unterstützt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz dieser Stützapparate, vor allem in diesen Arbeitsbereichen ideal ist, um Mitarbeiter bei Beuge- und Hebearbeiten im unteren Rücken zu entlasten. Das persönliche Belastungsempfinden wurde um fast ein Drittel reduziert und über die Hälfte der Testpersonen bestätigt, dass die Exoskelette gut zu ihrem Arbeitsplatz passen. „Die hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern motiviert uns, weitere Tests durchzuführen. Den jetzigen Probelauf sehen wir als Standortbestimmung. In weiterer Folge wird es darum gehen, den Komfort und die praktische Anwendung in weiteren, potenziellen Einsatzbereichen des Unternehmens auszutesten“, so Tomaschko. Für Rosenbauer ist es jedenfalls ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigen, altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung für das Team.

(v.l.n.r) Rosenbauer-Technikvorstand Daniel Tomaschko, Tanja Spennlingwimmer, GF Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA), Rosenbauer-Mitarbeiter Elias Rashid, Veronika Rabl, Leiterin Human Resources REWE Group Österreich, IAA-Präsident und Landesrat Markus Achleitner.

Mitarbeiter als wichtigster Erfolgsfaktor

Als einer der größten Arbeitgeber und größter Lehrlingsausbildner Österreichs steht die REWE International AG auch in der Verantwortung, durch gesellschaftliches Engagement und nachhaltiges Handeln Arbeitszufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Produktivität aktiv zu fördern und zu erhalten.

„So bereitwillig wir alle durch immer neue Assistenzsysteme in unseren Autos oder unseren Mobiltelefonen eine Mensch-Maschine-Interaktion eingehen, so selbstverständlich wird man möglicherweise schon in einigen Jahren Exoskelette für körperlich anstrengende Arbeiten verwenden, um präventiv vorzeitiger Überlastung entgegenzuwirken“, meint Veronika Rabl, Leiterin Human Resources bei der REWE Group Österreich. „Die Chance, diese Unterstützungsapparate direkt im Einsatz zu sehen, haben wir sehr gerne wahrgenommen. Wir hoffen, so auch Forschung und Weiterentwicklung im Bereich Exoskelette zu unterstützen. Wir sehen dieses Projekt als eine zukunftsträchtige Initiative zur Gesundheitsprävention. Denn Gesundheit ist unser wichtigstes Gut, trägt wesentlich zur Lebensqualität bei und ist nicht zuletzt entscheidend für ein glückliches Berufsleben.“