Schlagwort: Energie

2020 kann Österreichs Klima kurz durchatmen

Published on 3. November 2020

Wie Simulationen des Umweltbundesamtes zeigen, erfordert die Klimaneutralität einen weitreichenden Umbau der Wirtschaftssektoren. Darüber hinaus werden die Menschen vor allem ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig verändern müssen. „In diesem Zusammenhang gibt das geplante europäische Klimagesetz, das die Green Deal-Ziele rechtsverbindlich verankern soll, Anlass zum Optimismus. Allerdings ist es bisher nur ein Vorschlag der Kommission, der von den Mitgliedern noch angenommen werden muss“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf in einer Analyse der UniCredit Bank Austria zum Thema Klimaschutz in Österreich.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die internationale Energieagentur weltweit mit einem Minus von fast acht Prozent. „Trotz des Rekordrückgangs an klimaschädlichen Emissionen zeigt die Entwicklung 2020 auch klar, dass die Klimakrise keinesfalls nur mit der eingeschränkten Nutzung von Flugzeugen und Autos und einem geringeren Energieverbrauch in der Produktion gelöst werden kann“, sagt Wolf. „Dagegen sprechen nicht nur die massiven sozioökonomischen Verwerfungen der Wirtschaftskrise, die sich schon jetzt erkennen lassen. Zudem wächst die Energienachfrage mit der Lockerung der Maßnahmen und der Wirtschaftserholung wieder praktisch ohne Verzögerung.“

Unverändert Handlungsbedarf

In Österreich werden die Treibhausgasemissionen 2020, laut einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes, um etwa 10 Prozent auf rund 73 Millionen Tonnen sinken, den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Damit das Land aber bis 2040 klimaneutral wird, wie im Regierungsprogramm festgehalten, muss das Emissionsvolumen auch in den nächsten zwanzig Jahren im Durchschnitt zumindest um 10 Prozent pro Jahr reduziert werden (auch wenn Einsparungen in diesem Ausmaß erreicht werden, werden 2040 noch immer ca. 9 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, die in Kohlenstoffsenken aufgenommen werden müssen).

Die Klimaneutralität erfordert nicht nur den fast vollständigen Verzicht auf fossile Energien. Der Rest an fossilen Brennstoffen, der beispielsweise zum kurzfristigen Lastausgleich in der Stromversorgung gebraucht wird, muss mit Importen erneuerbarer Energien kompensiert werden. Zudem muss der Teil an nicht vermeidbaren Treibhausgasen, der nicht in natürlichen Kohlenstoffsenken gespeichert wird, in geologische Strukturen eingebunden werden. Derzeit werden nur etwa 5 Millionen Tonnen Kohlendioxid Großteiles von Österreichs Wäldern aufgenommen.

Eine besondere Herausforderung im Verkehr

Auf Sektor ebene sind die größten Treibhausgasemittenten in Österreich die Industrie und der Verkehr, mit einem Anteil an den Gesamtemissionen von rund 34 respektive 30 Prozent. Darüber hinaus tragen die Energieversorger etwa 14 Prozent zum Emissionsvolumen bei und die Landwirtschaft und der Gebäudesektor, dabei vor allem Heizungsanlagen privater Haushalte, jeweils rund zehn Prozent. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Menge an Treibhausgasen, die in Österreich emittiert wurden, kaum verändert. Die höchsten Emissionseinsparungen wurden aufgrund effizienterer Heizanlagen und energiesparender Bauweisen im Gebäudesektor (–39 Prozent seit 1990) und mit dem Einsatz erneuerbarer Energien bei den Energieversorgern (–26 Prozent) erzielt. Die Landwirtschaft hat ihr Treibhausgasvolumen um 14 Prozent reduziert. Gleichzeitig sind die klimaschädlichen Emissionen in der Industrie um 13 Prozent und im Verkehr sogar um 73 Prozent gestiegen.

„Angesichts der wachsenden Gütertransportleistung, des hohen Mobilitätsbedürfnisses der Menschen und der Dominanz fossiler Fahrzeugantriebe stellt ein möglichst emissionsfreier Verkehrssektor wahrscheinlich die größte Herausforderung für den Klimaschutz dar“, sagt Wolf. Langfristig ist eine relevante Marktdurchdringung mit E-Fahrzeugen sicher möglich, da die Kfz-Hersteller vor dem Hintergrund der drohenden Strafzahlungen schon jetzt das Segment deutlich forcieren. Allerdings wird die weitgehende Umstellung des Fuhrparks auf emissionsfreie Antriebe noch Jahrzehnte brauchen, gemessen am Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-In-Hybriden am österreichischen Pkw-Bestand von 0,8 Prozent 2019.

Mit der Elektrifizierung des Fuhrparks und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur wächst der Bedarf an „grünem“ Strom. Im sogenannten „Transition-Szenario“ hat das Umweltbundesamt die Maßnahmen skizziert, die zur Erreichung der Klimaneutralität des Landes bis 2050 notwendig sind. Demnach sollte der Gesamtenergieverbrauch des Verkehrssektors um 70 Prozent auf 38 Terawattstunden sinken, wobei vor allem fossile Treibstoffe eingespart werden. Allerdings wird sich der Strombedarf des Sektors in den nächsten dreißig Jahren in etwa versechsfachten, von rund 4 auf 24 Terawattstunden. Der Verkehr verbraucht dann etwa 30 Prozent der gesamten elektrischen Energie in Österreich (derzeit sind es rund 5 Prozent). Auch wenn die benötigte Strommenge bereitgestellt werden kann, wird der Antriebswechsel zum Elektromotor sicher nicht ausreichen, um den Verkehr möglichst emissionsfrei zu bekommen. Das dürfte nur mit einer weitreichenden Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs zum öffentlichen Verkehr möglich sein.

Kostenintensiv, aber realisierbar

Von den rund 27 Millionen Tonnen an Treibhausgasen, die pro Jahr von der Industrie in Österreich emittiert werden, stammen fast die Hälfte von der Stahlindustrie, weitere 20 Prozent von den Bauzulieferbranchen, vor allem der Zementindustrie, und jeweils rund 10 Prozent von der Öl- und Chemieindustrie.

Das größte Treibhausgas-Einsparungspotenzial in der Industrie bietet die weitgehende Umstellung der Stahlproduktion auf die sogenannte Wasserstoffplasmaschmelzreduktion. Allerdings ist die Großindustrielle Anwendung des Verfahrens erst in Entwicklung und der Einsatz des Verfahrens ist klimapolitisch nur sinnvoll, wenn Wasserstoff mit Hilfe von erneuerbarem Strom gewonnen wird. In der Zementherstellung können die energiebedingten Treibhausgasemissionen, das ist rund die Hälfte der Gesamtemissionen der Branche, durch den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen und energieeffizienteren Produktionsmethoden verringert werden. Um aber die prozessbedingten Emissionen einzudämmen, braucht es in der Branche zum Teil noch im Forschungsstadium befindliche Verfahren.

„Die Frage, wie die notwendigen technologischen Umrüstungen für einen möglichst emissionsfreien Betrieb in vielen Industriebranchen umgesetzt werden können, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschädigt wird, ist noch unbeantwortet“, weiß Wolf. „Auf jeden Fall werden die Klimaschutzmaßnahmen in nächster Zukunft nicht nur die Stahl- und die Zementindustrie mit hohen Kosten belasten. Zudem bleibt die Frage offen, wie die erforderliche Strommenge aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt und den Unternehmen vor Ort zur Verfügung gestellt werden kann.“

Energiesektor mit wichtigen Klimaschutzfunktionen

Der Energiesektor ist in Österreich aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energiequellen zwar nur für 15 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allerdings kommt dem Sektor im Klimaschutz eine entscheidende Rolle zu, vor allem aufgrund des steigenden Strombedarfs, der sich mit der zunehmenden Elektrifizierung der Wirtschaft und des Verkehrs ergibt. Die Wirtschaftskrise hilft dabei, die Ziele des Energieeffizienzgesetzes für 2020 ohne zusätzliche Maßnahmen zu erreichen, beispielsweise den Anteil an erneuerbarer Energie am Endenergieverbrauch von 34 Prozent. Damit Österreich klimaneutral wird, brauchtes aber noch erhebliche Anstrengungen, nicht nur im Ausbau erneuerbarer Energiequellen. Im Wesentlichen sind das höhere Energiepreise, die Verschiebung des Personen- und Güterverkehrs in Richtung umweltfreundlicher Verkehrsträger und eine umfassende thermisch-energetische Sanierung von Gebäuden.

Im „Transition-Szenario“ wurden vom Umweltbundesamt für einige Bereiche im Energiesektor konkrete Ziele formuliert. Bis 2050 sind das vor allem der Ausbau der Wasserkraftwerke auf eine jährliche Produktionsleistung von 47 Terawattstunden (2018: 38 Terawattstunden), der Windkraft auf 28 Terawattstunden (2018: 6), der Photovoltaik auf 26 Terawattstunden (2018: 1,4) und der Biomasse- und Biogasanlagen auf 8 Terawattstunden (2018: 5). Im Bereich der Wasserkraft rückt das Ausbauziel bereits 2030 näher, wenn alle Kraftwerke fertiggestellt werden, die laut E-Control bereits 2018 in Bau beziehungsweise eingereicht oder geplant waren. Da schon jetzt etwa 70 Prozent des technisch-wirtschaftlichen Wasserkraft-Potenzials an Österreichs Fließgewässern ausgenutzt werden, bleibt der weitere Ausbau beschränkt.

Schwieriger wird der Ausbau anderer erneuerbarer Energiequellen. Auch wenn in den nächsten Jahren mit verbesserten Rahmenbedingungen in dem Bereich gerechnet werden kann, ist es unwahrscheinlich, dass damit beispielsweise die Vorbehalte gegenüber Windkraftanlagen ausgeräumt werden. Um die Leistung der Windkraftanlagen von 6 auf 28 Terawattstunden zu erhöhen, braucht es zusätzlich zu den aktuell installierten 1.340 Windrädern noch wenigstens 2.000 neue Anlagen (unter der Annahme, dass die Leistungsfähigkeit der Anlagen zunimmt). In diesem Zusammenhang könnte das Ergebnis einer Studie der BOKU Wien vom Juni 2020 die Diskussion zumindest voranbringen: abhängig vom CO2-Preis fallen Opportunitätskosten von ca. 1,4 Millionen Euro pro Windkraftanlage an, die durch eine Photovoltaikanlage mit derselben Leistung ersetzt wird. Diese Kosten eines „ungestörten Landschaftsbildes“ könnten als Kompensationszahlungen für Anrainer von Windparks verwendet werden.

Photovoltaik und Biomasse

Im Bereich der Photovoltaik können die langfristigen Energieziele erreicht werden. Derzeit liefern die Anlagen nur rund 2 Prozent beziehungsweise 1,4 Terawattstunden an elektrischer Energie, die in Österreich erzeugt wird. Auf den vorhandenen Dachflächen könnten noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von 12,3 Terawattstunden installiert werden. Die Leistung lässt sich weiter verdoppeln, wenn zudem geeignete Fassadenflächen genutzt und einige größere Anlagen und zusätzliche Speicherkapazitäten errichtet werden. Mit der wachsenden Nachfrage sollten auch die Kosten der Stromerzeugung mittels Photovoltaik sinken.

Auch der zusätzliche Strombedarf aus Biomasse, der langfristig gebraucht wird, kann gedeckt werden. Der Anteil biogener Brennstoffe an der Stromerzeugung in Österreich soll im „Transition-Szenario“ von knapp 5 auf rund 8 Terawattstunden 2050 steigen. Laut dem Biomasseverband ist es möglich, bis 2030 in Österreich zusätzlich Biomassekapazitäten mit einer Gesamtenergieleistung von rund 30 Terawattstunden nutzbar zu machen (derzeit sind es 63 Terawattstunden). Das wäre sowohl für die Strom- als auch für die Wärmeerzeugung mehr als ausreichend, um den zusätzlichen Bedarf langfristig zu decken. Nicht zuletzt, weil der Verbrauch an Biomasse für die Wärmeerzeugung in Gebäuden aufgrund der geplanten Energiesparmaßnahmen nach 2030 stark sinken wird.

Investitionsbedarf wenigstens 2,6 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030

Die Ziele aus dem „Transition-Szenario“ wurden in ähnlicher Form im neuen Regierungsprogramm übernommen, mit dem wesentlichen Unterschied, dass bereits 2030 eine vollständige Umstellung der Stromerzeugung auf Ökostrom erreicht werden soll (derzeit sind es 73 Prozent). Entsprechend rasch wird der Investitionsbedarf nicht nur im Energiesektor wachsen. Grundsätzlich bieten Investitionen in eine klimaneutrale Infrastruktur starke Wachstumsimpulse in unterschiedlichsten Branchen, sie schaffen Arbeitsplätze und sind damit ein wirksames Mittel, um die negativen Wirkungen der Corona bedingten Wirtschaftskrise abzufedern.

Eine Studie der TU Wien aus dem Jahr 2019 zeigt, dass ein Anteil von 100 Prozent grünem Strom am Stromverbrauch in Österreich 2030, vor allem aufgrund des stark steigenden Strombedarfs im Verkehr, zumindest 30 Terawattstunden zusätzlicher Leistung aus erneuerbaren Quellen braucht. Die dafür notwendigen Produktionskapazitäten erfordern etwa 2,6 Milliarden Euro an Investitionen pro Jahr in erneuerbare Energietechnologien. Dazu müssen noch etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr an Förderungen für den Strom aus erneuerbaren Quellen ausgegeben werden (wobei die Fördersumme von der allgemeinen Strompreisentwicklung abhängt und bei niedrigen Strompreisen noch höher liegt).

„In Summe sind die Klimaschutzziele äußerst ambitioniert, aber umsetzbar, unter der Voraussetzung, dass die politischen Weichenstellungen dafür rasch erfolgen“, rät Wolf. „Die Investitionssummen sind auch im Energiesektor ungleich höher, wenn schon 2040 ein klimaneutrales Österreich erreicht werden soll.“

Kärnten und die Steiermark sollen zum Green Tech Valley werden

Published on 2. November 2020

Die Bereiche Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft bieten angesichts des europäischen Green Deals enorme Wachstumschancen in der grünen Transformation. In Kärnten können 70 bis 100 Betriebe diesem Zukunftssektor zugerechnet werden. In der Steiermark sind es 220 Unternehmen, die Mitglied des steirischen Green Tech Cluster sind. Dank einer neuen bundesländerübergreifenden Kooperation steht diese Plattform nun auch Kärntner Unternehmen offen. Mit der Stadt Villach wird zudem eine Kärntner Kommune Cluster-Partner.

„Wir etablieren damit den Süden Österreichs als Green Tech Valley und erhöhen mit der Zusammenarbeit unsere internationale Sichtbarkeit und Strahlkraft“, sagt der Kärntner Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig.

Viola aus Österreich mahnt „Recycle deine Elektroaltgeräte!“

Ein wichtiges Netzwerk

„Der Green Tech Cluster ist ein international top bewertetes Netzwerk, das Unternehmen beim Wachstum mit grünen Innovationen stärkt“, erklärt die Kärntner Technologiereferentin LHStv.in Gaby Schaunig. „Durch die nunmehrige Zusammenarbeit von Kärnten und Steiermark im Cluster werden Synergien gehoben und die kritische Masse in diesem Bereich ausgebaut. Grüne Technologien gehören zu den wichtigsten Zukunftsthemen – so wie der Silicon Alps Cluster in der Sparte der elektronikbasierten Systeme soll der Green Tech Cluster Kärntner Betrieben aus den Bereichen Solar, Biomasse, Wind, Wasserkraft oder Recycling internationale Sichtbarkeit, gemeinsame Innovationsmöglichkeiten und ein wertvolles Netzwerk bieten.

Ein erster gemeinsamer Themenschwerpunkt beider Bundesländer ist die nachhaltige Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff als Treiber der Energie- und Mobilitätswende. Dazu erscheint Ende November das Green Tech Radar, das die Technologie- und Marktentwicklung der kommenden Jahre aufzeigt. Um Covid-bedingt nun den Export dieser Technologien weiter zu stärken, werden im Cluster gemeinsame Aktivitäten umgesetzt. Mit der Kampagne „Don’t waste // invest“ wird das Know-how von Unternehmen wie Lindner Recycling international kommuniziert. Gemeinsame Einkäufertage sowie eine neue Vertriebsplattform werden nachhaltige Lösungen internationalen Kunden zugänglich machen.

Green Tech bietet für Kärnten und die Steiermark die nächste große Zukunftschance.

Die Süd-Achse wird weiter gestärkt

Die Steiermark und Kärnten haben in den vergangenen Jahren sehr erfolgreiche Kooperationen aufgebaut – etwa mit der Forschungsgesellschaft JOANNEUM RESEARCH, dem gemeinsamen Mikroelektronik-Cluster Silicon Alps und dem Forschungszentrum Silicon Austria Labs. „Ich freue mich daher, dass wir nun auch im Bereich der grünen Technologien verstärkt zusammenarbeiten und damit die Süd-Achse weiter stärken“, meint die steirische Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl. „Der Sektor ist seit vielen Jahren ein wesentliches wirtschaftliches Stärkefeld der Steiermark. Ich bin davon überzeugt, dass wir wechselseitig voneinander profitieren können und künftig gemeinsam einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten werden.“

Green Tech bietet für Kärnten und die Steiermark die nächste große Zukunftschance, die bestehende Achse bei der Entwicklung und Anwendung von Wasserstoff-Technologien künftig noch weiter zu stärken. Mit der HyCENTA Forschungsgesellschaft der TU Graz wurde bereits ein relevanter wissenschaftlicher Partner gewonnen. Die Green Tech Kooperation bietet nun dem Wirtschaftsstandort Kärnten weiteres Potential, die Riesenchancen von Wasserstoff zu nutzen: in der Industrie, im Verkehrsbereich, in der Wirtschaft und für Green Jobs.

Villach macht mit

Ihren Beitritt zum Cluster bereits beschlossen hat diese Woche die Stadt Villach. Energiereferentin Vizebürgermeisterin Irene Hochstetter-Lackner: „Wir räumen den Themen Energieeffizienz, E-Mobilität, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert ein und haben für unser Engagement schon internationale Preise erhalten. Spätestens seit der Milliarden-Investition bei Infineon ist Energieeffizienz nun auch ein industrieller Schwerpunkt in unserer Stadt. Als Partner des Green Tech Clusters kann Villach als Brückenkopf für regionale Unternehmen fungieren und den Konnex zu relevanten Playern herstellen.“

Breitgefächertes Wissen wird gebündelt und multipliziert sich mit der Anzahl der Partner. 2018 hat der Cluster 37 Innovationprojekte mitinitiiert, über 1.500 Ideen bei Unternehmen generiert und rund 1.200 B2B-Kontakte erfolgreich hergestellt. „Der KWF bringt 100.000 EUR jährlich für vorerst zweieinhalb Jahre als Anschubfinanzierung in dem Cluster ein und gestaltet den Jahresplan und die Aktivitäten mit“, berichtet KWF-Vorstand Erhard Juritsch. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich in Österreich Kooperation als überlegener Modus in der Forschung etabliert und die Forschungsachse Süd wächst mit der Koralmbahn ab 2025 noch enger zusammen.

Grüne Technologien sind mit attraktiven Konditionen förderbar und werden es auch auf lange Sicht bleiben. Die Unternehmen im Cluster zahlen je nach Unternehmensgröße Jahresbeiträge von zwischen 750 und 5.900 EUR. Die Unternehmen lernen voneinander, entwickeln gemeinsam F&E-Projekte, nutzen das Netzwerk und direkte Marktzugänge. Das Wachstum Kärntner Unternehmen im Green Tech-Segment in Bezug auf Umsatz und Beschäftigung ist prozentuell größer als das regionale BIP-Wachstum Kärntens.

Klimaschutz schafft Wachstum

Die 220 Unternehmen im Green Tech Cluster haben binnen eines Jahrzehnts diesem Bereich die Arbeitsplätze auf über 25.000 verdoppelt und die Umsätze auf mehr als fünf Milliarden Euro verdreifacht. Mit ihren Technologien leisten die Unternehmen einen globalen Beitrag zum Klimaschutz und der Kreislaufwirtschaft.

Der Cluster unterstützt mit F&E-Projektentwicklung, Technologietrends, Marktchancen sowie globalen Kontakten. Der Cluster wurde wiederholt zum weltbesten Umwelttechnik-Cluster gerankt (VDI/VDE, Global Cleantech Directory sowie Regiostars Award der EU).

14,3 Prozent

Published on 5. Oktober 2020

EIN DRITTEL

Der heimische Tourismus hat rund ein Drittel eingebüßt.

11,5 Millionen „Erneuerbare Energie“-Arbeitsplätze weltweit

Die Welt ist aktuell Zeuge eines vielversprechenden Beschäftigungswachstums im Sektor der erneuerbaren Energien, wo es immer mehr Jobs gibt.
Spitzenreiter ist die Photovoltaik mit rund 3,8 Millionen vor dem Bereich der Biokraftstoffe mit 2,5 Millionen Arbeitsplätzen.

50 Milliarden Euro

So viel ist das Hilfspaket für die heimische Wirtschaft „schwer“.
Dazu kommen Stundungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen etc.

405.575 Arbeitslose

So viele Menschen sind derzeit (Stand: 29.9.) ohne Job beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet.
Das sind rund 74.000 mehr als vor einem Jahr.
In Kurzarbeit befinden sich 290.696 Personen.

Rund 20 Prozent

Immerhin etwa jedes fünfte österreichische Unternehmen will aktuell das Weiterbildungsbudget erhöhen.
69 Prozent der Firmen wollen trotz Covid-19 an ihren Weiterbildungsbudgets festhalten.

8 von 30

So viele „Wohlstandsindikatoren“ bewertet die Arbeiterkammer derzeit positiv: die sehr hohe Arbeitsproduktivität und hohe real verfügbare Einkommen in Österreich, hohe Lebenszufriedenheit und physische Sicherheit, geringe Armutsgefährdung, hohe Forschungsausgaben und Erwerbsquoten, einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr, entwickelte Mitbestimmung, vergleichsweise niedrige Feinstaubbelastung und ökonomische Stabilität.

Quellen: Arbeiterkammer, IRENA (Internationale Agentur für Erneuerbare Energien), Makam Research, Statistik Austria, eigene Recherchen

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Wie Kommunen ihre Klima- und Energiepläne finanzieren können

Published on 17. September 2020

Bis zum 2. Oktober 2020 können alle Behörden, Vertreter und Mitarbeiter in Städten und Gemeinden in Österreich finanzielle Unterstützung und damit verbundene Dienstleistungen erhalten, die bei der Umsetzung der in Klima- und Energieaktionsplänen festgelegten Maßnahmen helfen. Mit dem Ziel, mehr als 320 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Investitionen freizusetzen, ist die EUCF auch für alle lokalen Akteure und Institutionen interessant, die sich mit Investitionen in nachhaltige Klima- und  Energieprojekte befassen.

Dafür unterstützt die EUCF Kommunen und Behörden bei der Entwicklung von Investitionskonzepten, mit denen die in lokalen Klima- und Energieaktionsplänen festgelegten Maßnahmen finanziert und umgesetzt werden sollen.

Wirklich nachhaltige Investitionen

Die EUCF wird Städten und Gemeinden mit einem Festzuschuss von 60.000 Euro pro Antrag Aktivitäten und Dienstleistungen finanzieren, die sowohl intern als auch extern für die Entwicklung eines Investitionskonzepts benötigt werden.

Die zweite Zahlung des Zuschusses (30 Prozent des 60.000 Euro Zuschusses) wird erst nach der Validierung des Investitionskonzepts ausgezahlt. Erfolgreiche Bewerber erhalten den Pauschalbetrag zur Entwicklung ihrer Investitionskonzepte, was einen ersten Schritt zu einem vollwertigen Geschäfts- und Finanzplan darstellt. Ziel ist ein entwickeltes Investitionskonzept, das Investoren und Finanzinstitutionen mit den zur Beurteilung eines Investitionsprojekts notwendigen Informationen versorgt. Das übergeordnete Ziel ist der Aufbau einer umfangreichen Pipeline von nachhaltigen Energie-Investitionsprojekten in europäischen Gemeinden.

Lokale Behörden und ihnen untergeordnete Einrichtungen sind große Verpflichtungen eingegangen, um ihren Energieverbrauch und ihre Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. Bei dem Versuch, ihre ehrgeizigen Klima- und Energieaktionspläne umzusetzen, sehen sie sich jedoch häufig mit finanziellen Zwängen sowie einem Mangel an Kapazitäten für den Zugang zur richtigen Finanzierung konfrontiert. Ziel der EUCF ist es, die Klima- und Energieaktionspläne der Städte in reale Investitionen umzuwandeln. Dafür werden glaubwürdige, robuste und ausgereifte Investitionskonzepte entwickelt. Diese Konzepte sind eine Voraussetzung für den Zugang zu verschiedenen Finanzierungsquellen und sollten die Identifizierung potenzieller Projektpipelines, rechtliche Analysen, Analysen der Regierungsführung, grundlegende Finanzierungsstrategien und Fahrpläne für die Umsetzung umfassen.

Die Online-Bewerbung besteht nur aus einigen kurzen Schritten. Ein Helpdesk ist über die Website verfügbar.

Jetzt bewerben!

Der erste Aufruf zur Einreichung von Bewerbungen läuft derzeit und endet am 2. 10. um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Informationen und die Möglichkeit zur Online-Bewerbung findet man unter: https://eucityfacility.eu

Die Online-Bewerbung besteht nur aus einigen kurzen Schritten. Ein Helpdesk ist über die Website verfügbar. In Österreich kann man auch den Länderexperten direkt kontaktieren, für Österreich ist dies ce.austria@eucityfacility.eu

Dieser verfügt über Informationen zum Bewerbungsablauf und unterstützt bei den Antragsverfahren (z.B. Klärung des Investitions- und Fachkräftebedarfs der Städte, ggf. Projektaggregation/-pooling, Qualitäts-/Englischprüfung des Antrags). Die Anträge werden nach einer Reihe von Kriterien bewertet, wonach die Anträge mit der besten Bewertung die Zuschussvereinbarung erhalten.

Für Kommunen ist es wichtig, sich zu registrieren und mit dem Antragsverfahren zu beginnen, auch wenn der Antrag nicht abgeschlossen werden kann. Dadurch stellt eine Kommune sicher, dass sie einen Feedback-Bericht erhält, der ihr bei der Bewerbung für nachfolgende Ausschreibungen hilft. Bis zum Sommer 2023 wird es noch drei weitere Ausschreibungszeiträume geben.

Gemeinden und Behörden förderfähig

Die EUCF steht Gemeinden und Kommunalbehörden aller Größenordnungen und ihren Gruppierungen aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten und dem Vereinigten Königreich offen. Bewerber benötigen einen politisch genehmigten Klima- und nachhaltigen Energieplan. Dazu gehören SEAPs (Sustainable Energy Action Plan) /SECAPs (Sustainable Energy and Climate Action Plan), die im Rahmen des Konvents der Bürgermeister entwickelt wurden, oder ähnlich ehrgeizige Pläne mit Klima- und Energiezielen mindestens für das Jahr 2020. https://www.eucityfacility.eu/apply-for-eucf-support/application-process.html

EUCF empfiehlt Behörden sowie Gemeinden, ihre Kräfte und Ressourcen zu bündeln und gemeinsame Anträge einzureichen, um ehrgeizigere Projekte zu entwickeln und ihre Erfolgschancen so zu erhöhen. Private Einrichtungen sind ausgeschlossen. Die EUCF finanziert sämtliche Aktivitäten, die für die Erstellung eines Investitionskonzeptes erforderlich sind. Dazu zählen unter anderem (technische) Machbarkeitsstudien, Marktanalysen, Stakeholder-Analysen, rechtliche, wirtschaftliche und finanzielle Analysen, Risikoanalysen.  Diese Aktivitäten können von internen Mitarbeitern oder von externen Experten durchgeführt werden, die als Subunternehmer beauftragt werden.  Der Zuschuss finanziert die eigentlichen Investitionen nicht direkt, deckt aber die Kosten für die Mobilisierung von Ressourcen und den Zugang zu Dienstleistungen zur Entwicklung eines Investitionskonzepts ab.

Weitere Informationen:

eucityfacility.eu

Wasser im Mittelpunkt

Published on 6. September 2020

Bereits seit 18 Jahren ist die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus mit einer eigenen Break Out Session bei den Alpbacher Technologiegesprächen vertreten. Im Pandemie-Jahr 2020 lautet das übergeordnete Thema „Fundamentales“. „Dementsprechend haben wir eines der höchsten Güter der Menschheit in den Mittelpunkt gestellt“, sagte am Wochenende der nö. Technologielandesrat Jochen Danninger. Dabei beleuchtete eine hochkarätige Runde die verschiedensten Perspektiven des Themas – als Ökosystem und Lebensraum ebenso, wie als Energielieferant, Wirtschaftsfaktor und aus gesundheitlicher Sicht.

In Österreich sind wir es gewohnt, jederzeit Trinkwasser in hervorragender Qualität zur Verfügung zu haben. Aus globaler Sicht ist das allerdings keine Selbstverständlichkeit und daher ist Forschung im Bereich Wasser auch von so großer Bedeutung. Danninger: „In Niederösterreich haben wir mit dem Wassercluster Lunz sozusagen ein großes ‚Naturlabor‘, in dem drei Universitäten zusammenarbeiten und – europaweit einzigartig – Grundlagenforschung zum Ökosystem Wasser betreiben.“

Artenvielfalt und Nährstoffangebot

Im Rahmen der virtuellen, interaktiven ecoplus Break Out Session wurde einerseits die aktuelle Situation betrachtet und andererseits analysiert, welche Entwicklungen im Zuge der Klimaveränderung und der Globalisierung beim Thema Wasser zu erwarten sind. Martin Kainz erforscht am Wassercluster Lunz die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und Nährstoffangebot in Gewässern. Schadstoffe stören die natürliche Balance und können auch schwerwiegende Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Forschergruppe konzentriert sich dabei vor allem auf Lipide und welche Auswirkungen eine Mangelversorgung auf die Gehirnentwicklung von Fischen hat. Daraus könnten sich Hinweise ergeben, dass auch beim Menschen eine falsche Ernährung neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen könnte.

Beim Zusammenhang von Wasser und Gesundheit kommt dem Sicherheitsmanagement von Wasserressourcen höchste Priorität zu. Andreas Farnleitner leitet den Fachbereich Wasserqualität und Gesundheit an der Karl Landsteiner Universität für Gesundheitswissenschaften. Er informierte über den aktuellen Forschungsstand in der Mikrobiologie. Modernste Technologien können nicht nur die Spuren von Krankheitserregern verfolgen, sondern diese Methoden können auch zunehmend automatisiert werden. Damit steht eine große Informationsmenge zur Verfügung, um weltweit die Grundlagen für eine sichere Wasserversorgung zu schaffen.

Ausgleich und öffentliche Versorgung

Wasserhygiene steht auch im Zentrum der Arbeit von Regina Sommer, die die Abteilung Wasserhygiene an der Medizinischen Universität Wien leitet. Ihre Aufgabe ist es, Menschen vor Infektionen, die durch Wasser hervorgerufen werden, zu schützen. Eine wirksame Methode ist die UV-Desinfektion von Wasser und hier ist heimisches Know-how weltweit federführend. Das gilt auch für zukunftsweisende Sensorsysteme, wie sie von Martin Brandl und seinem Team am Zentrum für Wasser- und Umwelt Sensorik der Donau-Universität Krems entwickelt werden. Mit sogenannten „Smart Sensors“ können viele Parameter gleichzeitig überwacht werden, die für eine qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung wichtig sind.

Genützt werden diese modernen Technologien unter anderem auch vom Wasserversorger EVN Wasser, der mit seiner Infrastruktur die Versorgungssicherheit für ganz Niederösterreich gewährleistet. „Dabei stellen uns Klimawandel und Urbanisierung vor neue Herausforderungen“, so Geschäftsführer Franz Dinhobl. Wasser ist in Österreich zwar ausreichend vorhanden, aber nicht gleich verteilt. Hier muss ein Ausgleich durch die öffentliche Versorgung erfolgen. Immerhin zeigen diverse Studien – zuletzt per März 2020 im Auftrag der ÖVGW durch das Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Wiener Uni für Bodenkultur –, dass wir trotz Hitzewellen prinzipiell keine Wasserknappheit befürchten müssen.

„Es gibt aber Regionen, die stark von zunehmender Trockenheit betroffen sind“, konstatiert Studienautor Roman Neunteufel. Und man kann und soll sehr wohl als Einzelner etwas tun. Neunteufel: „Wirklich sparen kann man beim Wasser, das wir mit unseren täglichen Gütern verbrauchen. Das sind rund 5000 Liter Wasser am Tag – das sogenannte virtuelle Wasser.“ Für die Wasserversorger sind dabei vor allem die Verbrauchsspitzen, die im Frühjahr beim Befüllen der Swimmingpools und im Sommer beim Wässern des Gartens entstehen, ein Problem. „Gerade in Trockenperioden sollten sich die Verbraucher fragen, ob es wirklich notwendig ist, den ganzen Garten zu wässern“, sagt Neunteufel. „An solchen Tagen sind die Anlagen der Versorger ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze.“

Die durchgehende, ungestörte und sichere Wasserversorgung hierzulande ist die Hauptaufgabe der in der ÖVGW zusammengeschlossenen Mitgliedsunternehmen. Aktuell zählen dazu mehr als 260 Wasserversorgungsunternehmen und über Kooperation mit Landesverbänden weitere 1.500 Wasserversorger, die rund 80 Prozent der heimischen Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen. „Alle Trinkwasserversorger, also auch die kleinsten Betriebe, sind in Österreich in ein System eingebunden, das Ausbildung und Überwachung umfasst“, erklärt ÖVGW-Präsident Franz Dinhobl. „Dadurch und über das 80.000 km lange Leitungsnetz ist sichergestellt, dass alle Wasserversorger in Österreich rund um die Uhr ausgezeichnetes Trinkwasser liefern.“

In der neuesten Wasserversorgungsstudie über Klimaszenarien und Versorgungssicherheit berichten Neunteufel und sein Team, dass es 2019 echte Versorgungseinschränkungen nur in einem Fall gab. In einem zweiten Fall haben Sparaufrufe genügt, um eine Versorgungseinschränkung zu verhindern. Insgesamt gab es 2019 eine weniger angespannte Ressourcensituation als 2018 – als außergewöhnliche Vorkommnisse wurden dennoch wiederholt Rückgänge der Ressourcenverfügbarkeit (außergewöhnliche Absenkung der Brunnenwasserspiegel) und Verbrauchsspitzen genannt. Belegt ist aber jedenfalls ein außergewöhnlich niedriger Grundwasserspiegel infolge von regional oder saisonal geringem Niederschlag sowie zum Teil auch gleichzeitigem Auftreten erhöhter Entnahmemengen.

Was getan wird

Auf Bundesebene steht der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) im Vordergrund, für den derzeit das Projekt „Wasserschatz Österreichs“ (Laufzeit bis Ende 2020) realisiert wird. Im Bereich der Bundesländer hat NÖ kürzlich sein Strategiekonzept überarbeitet und unter dem Namen „Wasserzukunft Niederösterreich 2050“ veröffentlicht. Darin wird u.a. empfohlen, dass kommunal bzw. privatrechtlich organisierte Wasserversorgungsanlagen durch zentral organisierte Beratungskapazitäten unterstützt, lokale Gewinnungsstellen auch bei Anschluss an regionale oder überregionale Verbünde erhalten und Erneuerungen im langfristig nötigen Umfang und die Finanzierbarkeit der Wasserversorgungsysteme sichergestellt werden. In Vorarlberg gibt es flächendeckende Trinkwasservorsorgekonzepte (VTWK) mit Planungsetappen bis 2025 und 2040. Die Sicherung der Bedarfsdeckung ist derzeit laut Landesregierung NICHT (Hervorhebung durch den Verfasser) in allen „Ländle“-Gemeinden (z.B. des Bregenzerwaldes) gegeben.

In der oberösterreichischen Landesstrategie „Zukunft Trinkwasser“ sind strategische Positionen zu den drei „Säulen“ Grundwasserschutz, Verteilstruktur und Organisationsform festgehalten. Zusätzlich sind darin Strategien zu Einzelwasserversorgung, Krisenvorsorge und Notwasserversorgung sowie Vermarktung festgelegt. Zum verbesserten Grundwasserschutz soll flächendeckende, grundwasserschonende landwirtschaftliche Bodennutzung gestärkt und besonders relevante Grundwasserbereiche vor in Konkurrenz stehenden Flächennutzungen geschützt werden. Weiters sollen Schutz- und Schongebiete vorsorgend bewirtschaftet werden und zielgerichtete flächendeckende Sanierungsmaßnahmen in belasteten Grundwasserkörpern erfolgen. Und: „Bestrebungen zur Liberalisierung des Wassersektors werden mit Nachdruck abgelehnt.“

So empfinden das auch die Kärntner, wenn sie die Trinkwasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auf dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit und nicht als „Handelsware“ sehen. Die langfristige Strategie des Trinkwasserversorgungskonzepts Kärnten beinhaltet die Verbindung des Zentralraums durch Ringschluss und die Ergänzung der Bedarfsdeckung im Ring um das Zentrum – die Verbindung der Städte Klagenfurt, Villach, Feldkirchen, St. Veit – mit Trinkwasser von außen. Oberkärnten (höher bzw. alpin) werde mit höheren Niederschlagsmengen gegenwärtig und auch in Zukunft im Vergleich zu Unterkärnten (zudem dichter besiedelt) geringere Probleme in der Trinkwasserversorgung aufweisen. In der überregionalen Wasserzuteilung liegt der Schwerpunkt im Wörtherseeraum und dem Bereich Klagenfurt.

Last but not least empfiehlt der Wasserversorgungsplan in der „Grünen Mark“ u.a. einheitliche Standards für die Datenweitergabe der unterschiedlichen Monitoringsysteme, eine optimierte behördliche Kontrolle von Bewirtschaftungsvorgaben sowie einen Geothermie Kataster und Grundlagen zur Optimierung des Ressourcenschutzes und der Grundwasserbewirtschaftung. Weitere steirische Maßnahmen für eine sichere Trinkwasserversorgung sind die Evaluierung des Wasserbedarfsprognosemodells in 10-Jahres-Abständen, die Sicherung der Transportleitungskapazitäten sowie Erfassung und Analyse bereits verfügbarer Trinkwasserverkommen für den Wasserausgleich innerhalb des Bundeslandes. Insbesondere werden dabei mögliche Störfälle und potenzielle Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels berücksichtigt (z. B.: Prüfung einer zweiten steirischen Transportleitung aus der Obersteiermark in den Süden bzw. Osten der Steiermark) und eine generelle Studie über die Nutzungs- und Verteilungsmöglichkeiten von Tiefengrundwasser in Katastrophenfällen erstellt.

Alles hängt am Wind

Published on 6. September 2020

Österreich möchte bis 2030 – also innerhalb des nächsten Jahrzehnts – 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in der Vergangenheit bereits wichtige Schritte in Form von Ausbau und Erneuerung (Repowering) von Windparks gesetzt. Eines dieser Repowering-Projekte befindet sich im Burgenland in den Gemeinden Gols und Mönchhof.

Die Bauarbeiten hierzu haben im Herbst 2019 begonnen und werden voraussichtlich Ende 2021 abgeschlossen sein. Der gesamte Windpark wird über eine Leistung von 143 Megawatt verfügen und rund 90.000 Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgen. Mit 26 Turbinen gehört das Projekt zu einem der größten Windparks in Österreich. Betrieben werden die Anlagen vom burgenländischen Familienunternehmen Püspök Group.

Vorreiter Burgenland

Das Gesamtvolumen an Fremd- und Eigenkapital der geplanten Investitionen in den Windpark beläuft sich auf beachtliche 143 Millionen Euro. Die Europäische Investitionsbank stellt im Rahmen des Fremdkapitals von insgesamt 107,4 Millionen Euro ein Direktdarlehen in Höhe von 71,6 Millionen sowie einen über die UniCredit Bank Austria durchgeleiteten Kredit in Höhe von 35,8 Millionen Euro bereit. Das Direktdarlehen der EIB ist durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) besichert, das Kernstück der Investitionsoffensive für Europa. Dabei arbeiten die EIB und die Europäische Kommission als strategische Partner zusammen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu steigern.

„Österreich verfolgt mit Nachdruck den Wechsel zu einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und sicheren Energieversorgung“, sagt der für das Geschäft der EIB hierzulande zuständige Vize-Präsident Andrew McDowell. „Dem Ausbau der Windkraft kommt bei dieser Energiewende eine wichtige Rolle zu. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Püspök Gruppe und den Bau eines neuen Windparks im Burgenland, das unter den Bundesländern in der Windkraft eine Vorreiterrolle innehat. Der Wechsel hin zu erneuerbaren Energieträgern zählt für uns als EU-Klimabank zu unseren absoluten politischen Kernzielen und ist ein vorrangiger Finanzierungsbereich.“

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind …

„Die Europäische Union bestätigt mit der Transaktion erneut ihr Engagement zur Förderung erneuerbarer Energien in Österreich sowie ihre Unterstützung zur Erreichung der Dekarbonisierungsziele des Landes“, meint der für Wirtschaft zuständige EU-Kommissar Paolo Gentiloni. „Mit Projekten wie diesem werden wir die Ziele des Europäischen Green Deal umsetzen und bis 2050 Klimaneutralität erreichen.“

Summa summarum zeigt das aktuelle Repowering-Projekt durch die Verdreifachung der Stromproduktion auf der gleichen Fläche, welche technologischen und wirtschaftlichen Fortschritte die letzten zwei Jahrzehnte in der Windkraftnutzung gebracht haben. „Es stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Erreichung der österreichischen Klimaziele dar“, meint Geschäftsführer Lukas Püspök. „Für die Bewältigung der Klimakrise braucht es auch weiterhin große Anstrengungen. Langfristig positive Rahmenbedingungen für den Ausbau der ‚Erneuerbaren‘ müssen endlich Realität werden.“

Hinter den Kulissen

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten der EU. Sie vergibt langfristige Mittel für solide Projekte, die den Zielen der EU entsprechen. Die Investitionsoffensive für Europa ist eine der wichtigsten Maßnahmen der EU zur Stärkung der Investitionen für mehr Wachstum und Beschäftigung. Dazu werden neue und vorhandene Finanzierungsmittel intelligenter genutzt. Die EIB-Gruppe spielt eine zentrale Rolle in der Investitionsoffensive. Dank Garantien aus dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) sind die EIB und der Europäische Investitionsfonds in der Lage, einen größeren Teil des Projektrisikos zu übernehmen. Das erleichtert es privaten Geldgebern, sich ebenfalls an den Projekten zu beteiligen. Ziel der EIB-Gruppe war es, bis Ende 2020 zusätzliche Investitionen von 500 Milliarden Euro anzustoßen. Dieses Ziel hat sie bereits im Juli erreicht und übertroffen (!) Die im Rahmen des EFSI bisher genehmigten Projekte und Vereinbarungen dürften Investitionen von rund 524 Milliarden Euro mobilisieren und rund 1,4 Millionen kleinen und mittelständischen Unternehmen in der gesamten Europäischen Union zugutekommen.

Die Püspök Gruppe beschäftigt sich seit 1997 mit der Entwicklung, der Errichtung und dem Betrieb von Windparks. Nach Umsetzung des aktuellen Ausbaus betreibt das familiengeführte Unternehmen Windkraftanlagen mit einer Leistung von in Summe rd. 400 Megawatt. Damit werden rund 260.000 österreichische Haushalte mit sauberem Strom versorgt. Die aktuellen Repowering Projekte (die Erneuerung von Kraftwerken), der WindparkPannonia-Gols sowie der Windpark Mönchhof, bei denen in Summe 25 Altanlagen zur Gänze abgebaut wurden und 30 Neuanlagen aufgebaut werden, liegen in den nordburgenländischen Gemeinden Gols und Mönchhof und sollen bis Ende 2021 fertiggestellt sein.

Für die Beratung der kompletten Finanzierung, Due Diligence und die Finanzdokumentation zeichnet Wolf Theiss verantwortlich. „Nachhaltige Energieversorgung, digitale und soziale Infrastruktur sowie Umwelttechnologien sind Standortfaktoren, die für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Region unerlässlich sind“, fordert der federführende Wolf Theiss Partner Andreas Schmid.

Ein Blick übers Land

Selbstverständlich weht der Wind nicht nur im Burgenland. So hat beispielsweise die Windkraft Simonsfeld in Ernstbrunn im niederösterreichischen Weinviertel mit einer Öko-Stromproduktion von 577 Gigawattstunden für rund 144.000 Haushalte 2019 ihre bisher größte Elektrizitätsmenge erzeugt – mehr als in jedem anderen Jahr ihrer Firmengeschichte seit 1996. Zurückzuführen ist das Rekordergebnis zum einen auf das außergewöhnlich gute Wind Jahr 2019, zum anderen auf den Vollbetrieb von 13 im Jahr 2018 neu errichteten Windkraftwerken. Diese Propeller haben erstmals ein volles Betriebsjahr zur Gesamtproduktion an elektrischer Energie beigesteuert.

Nach der Energie Burgenland Windkraft und der EVN Naturkraft ist die Windkraft Simonsfeld der drittgrößte Windenergieerzeuger in Österreich. Die Firma, die 1996 als GmbH gegründet worden war und 2009 in eine AG umgewandelt wurde, betreibt im Inland 84 Windkraftanlagen und zwei weitere in Bulgarien. Im Geschäftsjahr 2019 hat die Windkraft Simonsfeld einen Umsatz von 42,9 Millionen Euro erwirtschaftet – ein Anstieg um 22 Prozent gegenüber 2018 und der bisher höchste Erlös der Firmengeschichte. Das Privatunternehmen steht im Eigentum von mehr als 2.000 Aktionären, viele von ihnen kommen aus dem Weinviertel.

Relevant ist das „himmlische Kind“ u.a. auch für die börsennotierte Vienna Insurance Group (VIG), die seit 2007 ununterbrochen im internationalen Nachhaltigkeitsindex FTSE4Good gelistet ist. Der FTSE4Good wurde vom globalen Indexanbieter FTSE Russell ins Leben gerufen, um die Leistung von Unternehmen zu messen, die starke Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken (ESG) aufweisen. Die FTSE4Good-Indizes werden von einer Vielzahl von Marktteilnehmern verwendet, um verantwortungsvolle Investmentfonds und andere Produkte zu schaffen und zu bewerten. „Als börsennotiertes Unternehmen eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, bildet eine wichtige Bewertungsbasis, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im FTSE4Good-Index kontinuierlich vertreten zu sein, der zu den größten und bedeutsamsten Nachhaltigkeitsindizes weltweit zählt, ist für uns sehr wertvoll. Wir intensivieren bewusst unsere Maßnahmen im ESG-Bereich“, erklärt Elisabeth Stadler, Generaldirektorin der Vienna Insurance Group.

Im Umweltbereich sieht beispielsweise die von der VIG im Vorjahr veröffentlichte Klimawandelstrategie einen schrittweisen Rückzug aus Investitionen im Kohlesektor und den sofortigen Stopp von neuen Versicherungsverträgen für Kohlekraftwerke bzw. -minen vor. Die VIG hat zudem beschlossen, den Anteil an umweltfreundlichen Investitionen zu erhöhen. „Allein 2019 haben wir deutlich mehr als 150 Mio. Euro in Green Bonds investiert und das Volumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Damit unterstützen wir gezielt Projekte wie Windparks“, so Stadler.

Auf dem Weg zur CO2-Neutralität

Published on 27. Juli 2020

Eine Zukunft mit deutlich reduziertem CO2-Ausstoß und Unabhängigkeit vom Import fossiler Rohstoffe scheint zum Greifen nahe. Grund dafür ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) und der AVL List Gmbh mit dem Ziel, Europas innovativste Power-to-Liquid-Anlage zu errichten. Diese soll es ermöglichen, Wasserstoff in Verbindung mit Kohlendioxid in klimafreundliche, synthetische Brenn- und Kraftstoffe umzuwandeln.

Der große Vorteil synthetischer Brenn- und Kraftstoffe liegt darin, dass die energetische Nutzung im Gegensatz zu fossilen Energieträgern CO2-neutral erfolgt. Somit würde damit eine massive Reduktion von Treibhausgasemissionen erreicht, ohne dabei auf Autos, Flugzeuge oder herkömmliche Heizungen verzichten zu müssen, denn: Eine Umrüstung bestehender Infrastruktur ist für die Verwendung nicht nötig. Auch die wirtschaftliche Rentabilität steht im Fokus: „Mit der von uns geplanten Anlage wird der Wirkungsgrad für die Erzeugung des synthetischen Brenn- und Kraftstoffes signifikant verbessert und so der Energieeinsatz an erneuerbarem Strom erheblich gesenkt“, erklärt Prof. Helmut List, CEO der AVL List GmbH. „Dadurch erzielt man auch deutlich niedrigere Herstellungskosten. Auf diesem Weg kann erneuerbare Energie kostengünstig, praxistauglich und effizient speicherbar gemacht werden.“

Österreich als Green Innovation Leader

Ein Umstand, durch den laut Jürgen Roth, Fachverbandsobmann Energiehandel WKO und Vorstandsvorsitzender des Instituts für Wärme und Öltechnik, nicht „nur“ die Umwelt profitiert, sondern auch viele Bürger: „Österreich = Green Innovation Leader. Die Vision eines leistbaren, CO2-neutralen, flüssigen und genormten Brenn- und Kraftstoffes, 100 Prozent Made in Austria, wird mit unserer Pilotanlage Realität. Dadurch leisten wir unseren Beitrag zum Umweltschutz und sorgen gleichzeitig dafür, dass bewährte Technik weiterhin verwendet werden kann.“

Konzept der 1-MW-Pilotanlage.

Österreich möchte bis 2030 Strom bilanziell zu 100 Prozent erneuerbar produzieren. Der im Sommer durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen entstehende Energieüberschuss muss für den Winter gespeichert werden. Konkret wird beim PtL-Verfahren (Power-to-Liquid) dieser überschüssige Strom aus Solar- und Windenergie verwendet, um Wasserstoff herzustellen. Dieser wird zusammen mit Kohlendioxid mittels des Fischer-Tropsch-Verfahrens chemisch verflüssigt. Dadurch entstehen synthetische Brenn- und Kraftstoffe, welche wie Diesel und Heizöl sofort verwendbar sind oder weiterverarbeitet werden können, zum Beispiel zu Kraftstoff für Flugzeugturbinen.

Mehr Unabhängigkeit vom internationalen Rohstoffmarkt

Der Bau der PtL-Anlage ist vollständig ausfinanziert und soll bereits in 24 Monaten die Produktion von flüssigen, CO2-neutralen Energieträgern zu leistbaren Preisen ermöglichen. Auch Magnus Brunner, Staatssekretär im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, sieht gewaltiges Potenzial bei diesem Projekt: „Mein Zugang ist, dass unsere ambitionierten Klimaschutzziele durch Technologieoffenheit und Innovation am effektivsten erreicht werden können. Durch neue Lösungsansätze ebnen wir den Weg in eine nachhaltige Zukunft und schaffen damit gleichzeitig einen entscheidenden Vorteil für den Wirtschaftsstandort. Österreich wird durch den Ausbau erneuerbarer Energieträger sowie durch solche innovativen Ansätze unabhängiger vom Import fossiler Rohstoffe.“

IWO und AVL planen den Aufbau einer 1-MW-PtL-Demoanlage, die über eine elektrische Anschlussleistung von 1 MW erneuerbaren Strom verfügt und zweistufig ausgeführt wird. In der ersten Stufe wird Wasserstoff auf Basis des innovativen SOEC-Prozesses mit mehr als 80 Prozent Wirkungsgrad erzeugt. Parallel dazu wird CO2 aus einem Industrieabgas bzw. aus einer Biogas/Biomasse Anlage abgeschieden. In der zweiten Stufe werden Wasserstoff und CO2 einer Fischer-Tropsch-Syntheseanlage zugeführt, in der synthetischer Kraftstoff in drei unterschiedlichen Fraktionen erzeugt wird. In Summe wird die 1-MW-Anlage ungefähr 500.000 L Dieseläquivalent pro Jahr produzieren. Aufgrund des hocheffizienten SOECProzesses und weiterer Optimierungen werden dafür um 20 bis 30 Prozent weniger erneuerbarer Energieinput benötigt.

Die Hochtemperaturelektrolyse wird dabei komplett von AVL entwickelt, während die Fischer-Tropsch-Synthese gemeinsam mit einem Partner realisiert wird. Der Aufbau der Gesamtanlage wird von einem österreichischen Anlagenbauer unterstützt. Die genaue Detailauslegung erfolgt aktuell in einer Konzeptphase, die kürzlich gestartet wurde. Diese Anlage wird im europäischen Kontext eine der ersten Versuchsanlagen für die industrielle Erzeugung von synthetischen Kraftstoffen darstellen und einen neuen Benchmark bezüglich der Energieeffizienz definieren. Die Anlage soll in ungefähr zwei Jahren den Testbetrieb aufnehmen. Der Standort wird aktuell in der Konzeptphase untersucht und festgelegt.

Erzielbare Herstellkosten von synthetischen Kraftstoffen.

Wirtschaftlichkeit und Potenzial

Entscheidend für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen sind die erzielbaren Herstellkosten. Der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor auf die Herstellkosten ist der Strompreis, gefolgt von den erzielbaren Betriebsstunden. Dank des in diesem Projekt verfolgten innovativen Technologieansatzes liegen die erzielbaren Herstellkosten um 25 bis 35 Prozent unter denen von konventionellen Verfahren, primär bedingt durch den geringeren Stromverbrauch des Hochtemperaturelektrolyse-Verfahrens. Unter der Annahme eines niedrigen, jedoch realistischen Strompreises zeigt sich, dass Herstellkosten im Bereich von 1€/l bzw. knapp darüber möglich sind. In einem österreichischen Kontext sind wahrscheinlich dezentrale Anlagen in einer Größenordnung von 30 bis 100 MW vorteilhaft, die an bestehende CO2-Quellen (idealerweise Biomasse- bzw. Biogasanlagen) gekoppelt werden. Für zentrale, große Anlagen sind enorme Mengen an CO2 notwendig, die schwierig lokal bereitgestellt werden können.

Das Potential zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen ist erheblich: Im Jahr 2030, unter Annahme des Zieles der Bundesregierung einer bilanziell zu 100 Prozent regenerativen Stromerzeugung, könnten allein durch Ausnutzung von Überschussstrom 240 Mio. l synthetischer Kraftstoff erzeugt werden. Dies entspricht Energie, die sonst verloren wäre und nicht genutzt werden könnte. Bezieht man dann auch noch das verbleibende Potenzial von erneuerbaren Energieressourcen (PV, Wind, Wasserkraft) in Österreich mit ein, könnten 1,7 Mrd l synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. Dies würde bei Weitem den Bedarf der Luftfahrt, den heutigen Heizölverbrauch oder etwa 20 Prozent des gesamten heutigen Benzin- und Dieselverbrauchs abdecken.

Hinter den Kulissen: die beiden Partner

AVL ist das weltweit größte, unabhängige Unternehmen für die Entwicklung, Simulation und das Testen von Antriebssystemen (Hybrid, Verbrennungsmotoren, Getriebe, Elektromotoren, Batterien, Brennstoffzellen und Software) für Pkw und Nutzfahrzeuge, deren Integration in das Fahrzeug, stationäre Hochleistungs-Anwendungen sowie ADAS/Autonomes Fahren. AVL beschäftigt weltweit mehr als 11.500 Mitarbeiter. 2019 betrug der Umsatz 1,97 Milliarden Euro.

Das IWO ist die Interessensvertretung der Mineralölwirtschaft am Raumwärmemarkt. Zu den Aufgaben des Instituts für Wärme und Öltechnik zählen die Erforschung und Entwicklung von klimafreundlichen, flüssigen Brennstoffen aus erneuerbaren Quellen und die Mitgestaltung des Transitionsprozesses von fossilen Brenn- und Kraftstoffen zu Flüssig-Brennstoffen aus erneuerbaren Quellen.

Wolfgang Anzengruber

Published on 24. Januar 2020

Mann mit vielen Eigenschaften

Privat
Wolfgang Anzengruber, 1956 in Steyr geboren, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Lebt in Wien und Salzburg. Anzengruber ist sportlich aktiv, leidenschaftlicher Leser (aber keine Fachliteratur) und geht gerne ins Kaffeehaus.

Karriere
Studium Maschinenbau und Betriebswissenschaften an der TU Wien, ab 1993 Mitglied des Vorstands der ABB Energie AG, später Vorstand bei ABB Österreich, Salzburger Stadtwerke AG, Salzburg AG. Ab 2003 Vorstandsvorsitzen-der der Palfinger AG. Seit 2009 ist Anzengruber Vor-standschef der Verbund AG.

Verbund
1947 als Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG gegründet, ist Verbund Österreichs führendes Stromunternehmen und einer der größten europäischen Erzeuger von Strom aus Wasserkraft. 2018 lag der Umsatz bei rund 2,9 Milliarden Euro. An die 3.000 Mitarbeiter sind für den Energiekonzern tätig. Am 6. 12. 1988 wurde die da- malige Verbundgesellschaft teilprivatisiert: 49 Prozent des Grundkapitals wurden zum Handel an der Wiener Börse zugelassen, 51 Prozent befinden sich im Eigentum der Republik Österreich. In der „geheimnisvollen Werkstatt Got-tes“, wie Goethe ehrfürchtig die Historie nennt (nachzulesen in Stefan Zweigs Sternstunden der Menschheit), sind es oft kleine Ereignisse am Rande, Blitze des Genialen oder Momente des Neuen, die Veränderungen bewirken. Mögen die „Fischaufstiegshilfen“ vielleicht nur eine Randnotiz sein, so stehen sie doch als Pars pro Toto für die große Transformation der Energiewirtschaft. „Vor zehn Jahren wurden wir gezwungen, Fischauf-stiegshilfen zu errichten“, erinnert sich Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber, „heute sind unsere Techniker stolz dar -auf. Wir wenden dafür in Summe über mehrere Jahre rund 280 Millionen Euro auf – weil es richtig, wichtig und gut ist.“ So können Fische und Kleinlebe-wesen nun ihre Wanderung entlang der Flüsse fortsetzen, während „nebenan“ Strom erzeugt wird. Kein epochales, aber doch sinnstiftendes Ergebnis der neuen Energiewelt, die schon vor 20 Jahren begann. „Wir hatten die Phase der Liberalisierung, das Ende der früheren Monopole und das Aufkommen von intensivem Wettbewerb. Auch die Wirtschaftskrisen sind nicht spurlos an uns vorübergegangen. Nun stehen Klimawandel, aber auch ganz neue Erzeugerstrukturen im Mittelpunkt: Jeder, der eine PV-Anlage auf seinem Dach hat, produziert Strom“, fasst Anzengruber stakkatoartig zusammen. Die Klimadebatte ist in der Gesellschaft angekommen. Der Chef eines Energieversorgungsunternehmens muss da mit ruhiger, aber bestimmter Hand steuern. „Die Probleme sind zu lösen, weil es Fakt ist, dass sich das Klima ver – ändert. Wir haben das Wissen, die Man -power, die Technologien also sollten wir es jetzt rasch umsetzen.“ Erneuer-bare Energien, Digitalisierung, Energieeffizienz, aber auch Verhaltensänderung werden da entscheidende Faktoren sein, fordert Anzengruber einen breiten Konsens ein.

Entscheidungen für Generationen

Ein Manager, der seine Karriere in der Industrie begann, befindet sich seit
2009, als er Verbund-Chef wurde, in einer ungleich exponierteren Position als in seinen jungen Management-Jahren. Wie fällt der Vergleich Industrie vs. Energiewirtschaft aus? „Die Industrie ist geprägt von Wettbewerbssituationen und Betriebswirtschaft, von Kennzahlen, oft von Branchenspezifika.“ Ein Unternehmen wie Verbund hat über diese Aspekte hinaus auch eine Funktion als größere Schnittstelle zu volkswirtschaftlichen Aspekten inne. „Kursrichtungen in der Energiewirtschaft sind schwieriger, weil wir zeitlich gesehen nachhaltigere Zyklen haben. Eine richtige Entscheidung in einem Industrieunternehmen ist oft recht rasch zu erkennen – ob eine Entscheidung in einem EVU richtig war, erkennt man erst nach Generationen“, sagt Anzengruber. Nicht zuletzt erfordert seine Aufgabe die Kunst des Vermittelns. Immerhin ist Verbund ein hochpolitisches Unternehmen – es berührt alle Bereiche der gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen, wirtschaftspolitischen, umweltpolitischen und natürlich auch energiepolitischen Sphäre. „Die Einbindung unterschiedlicher Stakeholder entscheidet darüber, ob man die richtigen oder falschen Ansätze wählt“, weiß Anzengruber.

„WER SCHNELLER AM MARKT AGIEREN WILL, MUSS DIE LEINE LOCKER LASSEN KÖNNEN. SONST DROHT STILLSTAND.“

Dipl.-Ing. Wolfgang Anzengruber

Empathie und Entscheidungen

Der Blick von Wolfgang Anzengru-bers Büro ist an diesem Tag uninspirie-rend, es regnet, die Wiener City schaut trostlos drein. Umso besser, dass der Job täglich Neues mit sich bringt, selbst für einen „alten Hasen“ wie Wolfgang Anzengruber. Wie beschreibt er seinen Führungsstil? „Ich bin davon überzeugt, dass Führung von Empathie geprägt sein muss. Wir arbeiten mit und für Menschen. Gleichzeitig muss klar sein, dass endlos geführte demokratische Prozesse einem Unternehmen nicht guttun. Am Ende des Tages muss eine Linie vorgegeben werden.“ Anzengruber sieht es als seine Auf-gabe, die Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter auf diesem Weg mitzunehmen: „Identifikation mit dem Unternehmen und den Herausforderungen, die man täglich erfüllt, ist sehr wichtig. Da kommt uns zugute, dass wir bei Verbund per se mit einem modernen und wichtigen Thema arbeiten, einer nachhaltigen Energieproduktion. Wir sind en vogue.“
Spannend ist auch die Entwicklung des Unternehmens selbst: Früher galt Verbund als hohes Amt der Energiewirtschaft. Die Chefs hielten Audienzen, die Mitarbeiter blieben von den ersten Berufs-tagen bis zur Pension. Heute vereint Verbund in sich mehrere Unternehmenstypologien. „Wir sind in manchen Bereichen so rasch unterwegs wie ein Start-up, ich denke da an die E-Mobilität. Und dann sind wir auch aus voller Überzeugung ein Unternehmen mit langfristigen Assets, mit Sicherheit und Verlässlichkeit. Man erwartet, dass der Strom aus der Steck-dose kommt. Dazu muss er sicher produziert und transportiert werden“, lächelt Anzengruber. Der im Übrigen auch mit Fehlern im Team so pragmatisch umgeht wie mit der Energiewende an sich. „Die Suche nach dem Schuldigen bringt nichts. Fehler passieren jedem Menschen. Ich gehe davon aus, dass niemand absichtlich einen Fehler begeht. Manchmal helfen uns Fehler auch, weiterzukommen – wer schneller am Markt agieren will, muss die Leine locker lassen können. Sonst droht Stillstand.“ Seit 2018 sitzt der Energiemanager im Uni-Rat der Universität Salzburg. Eine Herzens-angelegenheit? „Ich bin der siebente Zwerg von links. Ich wurde, nachdem jeweils drei Räte von der Universität Salzburg und drei Räte von der Politik bestellt wurden, gefragt, ob ich den letzten Rats-Posten übernehmen würde. Und ich habe das sehr gerne gemacht. Auch, weil ich von allen gewollt wurde und niemandem etwas schuldig bin. Ich kann offen und neugierig an die Themen der Universität herangehen, das macht auch großen Spaß. Universitäten sind oft sehr große Unternehmen, die einen klaren Bildungs- und Forschungsauftrag haben. Sie stellen die Lehre zu Recht über alles. Hier kann ich in den richtigen Situationen mein Wirtschaftswissen einbringen“, erzählt Anzengruber, dem der akademische Nach-wuchs ein Anliegen ist. Auch, weil er in gewisser Weise selbst an der Uni „sozialisiert“ wurde: Anzengruber ist überzeugtes Mitglied im Mittelschüler-Kartellverband. „Das Spannende dort war für mich, als junger Mensch früh Leistung einbringen zu können und Verantwortung zu über-nehmen und gleichzeitig Überzeugungsarbeit für die eigenen Ideen und An-sichten zu leisten. Ich möchte das nicht missen und habe daraus viel für meine spätere Karriere gewonnen“, blickt der Manager zurück.

Bloß keine Managementbücher

Vielleicht könnte dies auch dazu beitragen, in der zweiten Karriere, für die noch viel Zeit bleibt, Wissen und Erfahrung weiterzugeben, beispielsweise als Mentor. „Geranienzüchter werde ich sicher nicht“, meint Anzengruber lächelnd. Bis das Leben nach der Top-Karriere beginnt, wird Wolfgang Anzengruber der Energiewirtschaft noch einige Zeit treu bleiben. Und weiterhin täglich neue Erfahrungen machen. Learning by Doing ist für ihn immer noch „die beste Managementschule“. Deshalb liest Anzengruber – wiewohl leidenschaftlicher Konsument zeitgeschichtlicher Literatur auch keine Managementbücher. Bleibt die Frage, ob er selbst einmal eines schreiben möchte? Zu berichten gäbe es zweifellos genug. Wolfgang Anzengruber lächelt: „Ich halte es da mit Walter Fremuth, einem meiner Vorgänger als Verbund-CEO. Er meinte einmal: Lieber ein gutes Buch lesen, als ein schlechtes schreiben.“

LEARNING BY DOING IST FÜR IHN IMMER NOCH „DIE BESTE MANAGEMENTSCHULE“.

Dipl.-Ing. Wolfgang Anzengruber