Schlagwort: Arbeitswelten

Das Virus verändert den Führungsstil: „Es gibt kein Zurück!“

Published on 5. September 2020

Corona hat den Berufsalltag grundlegend verändert und damit auch die Führungstätigkeiten, Prioritäten und Herausforderungen österreichischer CEOs. „Die Krise hat gezeigt, welche alternativen Arbeitsweisen möglich sein können: eine Arbeitswelt, die vorwiegend remote funktioniert. Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass es ein Zurück zu einer prä-Covid-19 Arbeitswelt nicht geben kann und die Lösung eine neue Normalität sein muss“, kommentiert Olivia Stiedl, Leiterin des Bereichs People and Organisation bei PwC Österreich.

Laut aktueller Umfrage „Digitale Führung post Covid-19“ haben 87 Prozent der befragten Führungskräfte angegeben, dass sich ihre Führungstätigkeit bereits verändert hat. 93 Prozent sind sicher, dass eine digitale Führung in Zukunft bedacht werden muss. Die nun erprobte Umstellung auf Home-Office birgt viele neue Chancen zur Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung, die Führungskräfte künftig nutzen möchten. 70 Prozent der befragten CEOs möchten fortan flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten und mehr digitale Coworking-Tools einsetzen. Home-Office soll auch nach der Krise um 22 Prozent häufiger genutzt werden. Auch Video Calls gehören im „New Normal“ dazu: Über 80 Prozent der Befragten sehen in ihnen das Potenzial, Meetings und Geschäftsreisen auch in Zukunft zu reduzieren, so die Erkenntnisse der Umfrage.

Herausforderung für den Team Spirit

Während technische Hürden bei der Bereitstellung von Home-Office bei den meisten Unternehmen nur punktuelle Probleme darstellten, bleiben Herausforderungen wie der Erhalt des Team Spirits und der informellen Kommunikation im Home Office auch auf lange Sicht bestehen. „Für Teams, welche die tägliche Zusammenarbeit im Büro gewohnt waren, braucht es neue Wege für den informellen Austausch“, empfiehlt Stiedl. „Eine Möglichkeit ist beispielsweise, regelmäßige digitale Kaffeepausen fest im Teamkalender einzuplanen.“

Allerdings konstatierten nur zehn Prozent der befragten Führungskräfte, dass in ihrem Unternehmen zu Zeiten der Covid-19-Krise regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durchgeführt wurden. Bei 21 Prozent gab es zumindest eine, bei 69 Prozent allerdings gar keine Mitarbeiterbefragung. „Insbesondere in Zeiten von hoher Unsicherheit ist es wichtig, als Arbeitgeber die notwendige Stabilität, Authentizität und Verantwortungsübernahme zu vermitteln“, rät Stiedl. „Die Bedenken, Ängste, Anliegen und Wünsche des eigenen Teams können durch die räumliche Trennung des Home-Office noch schwerer adressiert werden als zuvor. Eine Mitarbeiterbefragung ist daher ein einfaches, aber geeignetes Tool, um Mitarbeiter in künftige Führungsentscheidungen einzubeziehen. Zudem bietet es gute Einsicht in die aktuelle Stimmung des Teams sowie mögliche Problemherde.“ Conclusio: „Um den Mitarbeiterbedürfnissen im New normal gerecht zu werden, müssen Führungskräfte agiler werden und stärker auf adaptive und partizipative Führungstechniken vertrauen.“

Die PwC-Umfrage zeigt auch, dass die Hälfte der befragten Führungskräfte ihre eigenen digitalen Skills ausbauen möchte. Weitere 53 Prozent erkannten die Notwendigkeit, auch Mitarbeiter hinsichtlich neuer technischer Lösungen zu schulen, um so digitale Fähigkeiten weiterzuentwickeln. „63 Prozent der befragten CEOs sprechen sich außerdem für mehr eigenverantwortliches Arbeiten ihrer Mitarbeiter aus“, erklärt Stiedl. „Auch eine solche Haltung muss erkannt, entwickelt, geschult und gelebt werden. Die nie dagewesenen Herausforderungen der Krise bedürfen gezielten Upskillings auf allen Ebenen, damit gemeinsam geeignete Lösungen der Zusammenarbeit entwickelt werden können.“

Risiken und Prioritäten haben sich verändert

Dass sich die Agenda der Führungskräfte seit Beginn der Pandemie maßgeblich verändert hat, weiß man auch bei KPMG. Demnach haben die CEOs der einflussreichsten Unternehmen der Welt den Kampf um Talente für die erfolgreiche Unternehmensentwicklung, sowie den Purpose des Unternehmens, seinen gesellschaftlichen Beitrag, als größte Herausforderungen identifiziert. Dazu kommt, dass sich bestehende Trends wie die ESG-Faktoren (Environmental, Social and Governance), flexibles Arbeiten und digitale Transformation beschleunigt haben.

Wenn es um die Wachstumsaussichten für die nächsten drei Jahre geht, sind 32 Prozent der CEOs heute weniger zuversichtlich als noch zu Beginn des Jahres. Die CEOs sind jedoch optimistischer in Bezug auf ihr eigenes Land (45 Prozent zuversichtlich) und wieder zuversichtlicher in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit ihres Unternehmens in den kommenden drei Jahren. „Die signifikante Veränderung der Prioritäten der CEOs in den letzten sechs Monaten ist ein klares Indiz dafür, dass die Unternehmen sich anpassen mussten, um die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen“, erläutert KPMG Senior Partner Michael Schlenk. „Diese Krise hat die Strategien beschleunigt, die bereits im Zusammenhang mit der digitalen Transformation und der sozialen Verantwortung verfolgt wurden. In anderen Bereichen ist die Zukunftsplanung jedoch sehr viel schwieriger, insbesondere wenn es darum geht, über künftige Arbeitsweisen und Problemlösungen nachzudenken. So ist es vielleicht keine Überraschung, dass sich CEOs auf die Bedeutung von Talenten konzentrieren, um das zukünftige Wachstum aufrechtzuerhalten und zu steigern.“

Digitale Transformation als Schlüssel

21 Prozent der globalen CEOs geben an, dass die Suche nach geeigneten Talenten in den nächsten drei Jahren die größte Herausforderung darstellt. Diese Bedenken rund um das Recruiting sowie Mitarbeiterbindung stieg um elf Plätze. In weiterer Folge wurden funktionierende Lieferketten mit 18 Prozent und Umweltrisiken mit 12 Prozent angeführt. Investitionen in Technologien haben zugenommen und CEOs setzen verstärkt auf die Bedeutung der digitalen Transformation, um operativ widerstandsfähiger, agiler und kundenorientierter zu werden. 80 Prozent der Führungskräfte haben miterlebt, wie sich die digitale Transformation in ihrem Unternehmen beschleunigt hat. Die größten Fortschritte wurden bei der Digitalisierung der Betriebsabläufe erzielt und 30 Prozent gaben an, jetzt Jahre weiter zu sein als ursprünglich geplant.

Die Pandemie hat die Konzentration der globalen Führungskräfte auf ihre Rolle in der Gesellschaft beschleunigt: CEOs sind der Ansicht, dass die jüngsten Entwicklungen sie dazu veranlasst haben, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob ihr Unternehmenszweck dem Standard entspricht, der von ihren Stakeholdern erwartet wird. 79 Prozent der Befragten sagen, dass sie diesen als Folge der Covid-19-Krise neu bewerten mussten und dieselbe Anzahl gibt an, dass sie eine stärkere emotionale Verbindung zum Zweck ihrer Organisation seit der Krise aufgebaut haben.

Leben im Homeoffice

Published on 4. Mai 2020

Herr Stückler, welchen Stellenwert erfährt das Homeoffice aufgrund der Corona-Krise?

Tecno Office Consult CEO Ewald Stückler: Durch die Krise einen unglaublich hohen Stellenwert! War vor der Covid-19-Krise das Homeoffice in einem Bereich von maximal fünf Prozent, angesiedelt, stehen wir jetzt bei einer Anwesenheitspräsenz im Homeoffice von mehr als 90 Prozent! Die Arbeitswelt wird nach der Covid-19-Krise definitiv nicht mehr dieselbe sein. Arbeitsweisen werden sich verändern, flexible Arbeitsmodelle, mit einem wesentlich höheren Anteil als vor der Covid-19-Krise müssen überdacht werden, der Homeoffice-Anteil wird massiv zunehmen, da man gesehen hat, dass es durch die aktuelle Schließung der Büros durch Homeoffice immer noch zu einem funktionierenden Bürobetrieb, wenn auch mit anderen Arbeitsabläufen gekommen ist.

Das Homeoffice erfreut sich schon länger an Beliebtheit – was kommt seit Corona noch dazu?

Stückler: Das Vertrauen der Unternehmen, dass im Homeoffice auch gearbeitet wird. Es gab durch die Krise eine massive Zunahme an Videokonferenzen mittels Skype oder anderen am Markt erhältlichen Systemen, da nicht alle Entscheidungen nur auf dem schriftlichen Weg möglich sind, sondern hier ein Face-to-Face Kontakt notwendig ist.

Wie sieht das ideale Homeoffice aus?

Stückler: Hier sollte man unterscheiden, in welchem Haushalt man lebt. In einem Ein- oder Zwei-Personenhaushalt ist es nicht unbedingt notwendig, dass dazu ein eigener Raum definiert werden muss, da hier die Ablenkung begrenzt ist. Wohnt man aber in einem Haushalt mit Kindern, ist es sinnvoll, einen eigenen Raum wenn möglich als echtes Homeoffice zu definieren, damit alle Familienmitglieder Bescheid wissen, dass zu Hause in diesem Bereich gearbeitet wird und man nicht gestört werden will.

Ein ideales Homeoffice braucht vor allem die technischen Betriebsmittel, wie Laptop, externer Bildschirm, Drucker, ausreichende Internetleitungen für Datentransfer, Arbeitstisch passend zur sonstigen Einrichtung, ergonomischen Arbeitssessel und ausreichend Stauraum für Ordner und Dokumente.

Welche Kriterien sind zu erfüllen?

Stückler: Es muss dazu auch innerhalb des Unternehmens eine klare Regelung der Homeoffice-Tätigkeiten in der Betriebsvereinbarung geklärt sein. Welche Betriebsmittel stellt das Unternehmen zur Verfügung, wie hoch soll der Anteil an Homeoffice vereinbart werden, welche Förderungen gibt es für Homeoffice, etc.

Hier bedarf es einer genaueren Beratung und Planung! Einfach zu sagen, man geht ins Homeoffice, oder erlaubt Homeoffice und das war’s, wird nicht funktionieren.

Gibt es No gos?

Stückler: Auch im Homeoffice müssen Regeln gelten. Feste Arbeitszeiten, in denen in Ruhe und konzentriert gearbeitet werden kann und der Rest der Familie weiß, dass in diesen Zeiten nicht gestört werden soll. Eine genaue Tagesplanung ist wichtig, sonst wird in der Regel sogar länger als im normalen Bürobetrieb gearbeitet.

Welche Räume sind für Homeoffice prädestiniert?

Stückler: Im Idealfall gibt es einen eigenen Raum, damit konzentriert gearbeitet werden kann. Schwierig ist es, wenn kein genauer Ort definiert ist, dann arbeitet man oft immer wieder zwischendurch, da der Arbeitsplatz immer im Blick ist und man nur schwer abschalten kann!

Welche Materialien werden beim Homeoffice bevorzugt?

Stückler: Wichtig ist, dass es für den Arbeitsplatz ausreichend Tageslicht und einen direkten Sichtbezug nach außen gibt. Es sollten hier auch Materialen eingesetzt werden, die sehr neutral sind und sich gut in das Gesamtbild der Einrichtung für den Wohnbereich einfügen und somit kein Fremdkörper der Stilrichtung sind. Ebenso ist es zu empfehlen, wenn es zu Videokonferenzen, respektive Telefon Konferenzen im Homeoffice kommen wird, akustische Maßnahmen vorzusehen!

Tecno Office Consult ist ein internationales Beratungsunternehmen und Architekturbüro und entwickelt neue Bürowelten und Bürogebäude  für Unternehmen und Investoren.

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