Nachhaltig bleibt nachhaltig erfolgreich

Nachhaltige Geldanlage knackt die 30 Milliarde Euro-Marke.

Lesezeit: ca. 4 min

Herr und Frau Österreicher haben ihr Engagement in Sachen Nachhaltige Geldanlagen deutlich gesteigert.

Die Privatanleger in Österreich haben ihre Investments in Nachhaltige Geldanlagen 2019 von 3,8 auf rund 6,8 Milliarden Euro gesteigert und tragen damit zu knapp 36 Prozent zum Gesamtwachstum Nachhaltiger Geldanlagen bei. Insgesamt wurden per Ende des Vorjahres 30,1 Milliarden Euro in Anlageprodukte investiert, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien explizit in den Anlagebedingungen festschreiben. Das sind rund 38 Prozent mehr als im Vorjahr. BerĂŒcksichtigt man außerdem die Kapitalanlagen, fĂŒr die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich per Ende 2019 eine Gesamtsumme von rund 107 Milliarden Euro fĂŒr die verantwortlichen Investments in Österreich. Dies sind die Kernergebnisse des Marktberichts 2020 des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Privatanleger in Österreich haben ihr Engagement im Bereich der Nachhaltigen Geldanlage 2019 deutlich gesteigert: Rund 3 Milliarden Euro privater Investoren flossen 2019 in nachhaltige Fonds und Mandate, was einem Wachstum von 77 (!) Prozent entspricht. Mit ihren rund 6,8 Milliarden Euro halten Privatanleger rund 25 Prozent der Nachhaltigen Geldanlagen in Österreich, 75 Prozent der Gesamtsumme Nachhaltigen Geldanlagen in Höhe von rund 30,1 Milliarden Euro entfallen auf institutionelle Investoren.

Die Ursache fĂŒr das deutlich gestiegene Interesse privater Anleger liegt nach EinschĂ€tzung des FNG insbesondere in der deutlich intensivierten Berichterstattung ĂŒber Nachhaltige Geldanlagen im Zuge der verschiedenen europĂ€ischen Maßnahmen zur Förderung dieser Anlageform und der damit gestiegen Bekanntheit entsprechender Anlagen. Zudem tragen Fridays for Future, die Diskussionen zum Kohleausstieg, zur CO2-Steuer und weiteren Initiativen zu einem gesteigerten gesellschaftlichen Klima- und Umweltbewusstsein bei. „Mit einem Anteil von 15,9 Prozent sind nachhaltige Fonds und Mandate ein fester Bestandteil des österreichischen Finanzmarktes – Tendenz wachsend“, stellt Wolfgang Pinner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des FNG und Leiter fĂŒr Österreich fest. „Denn mit der verpflichtenden Abfrage der NachhaltigkeitsprĂ€ferenz in der Anlageberatung werden sich auch immer mehr Privatanleger dem Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage zuwenden.“

Wienerberger CEO Heimo Scheuch: „Die hohe Beteiligung ist ein klares Signal der StĂ€rke – gerade in diesen schwierigen Zeiten“.

© Wienerberger

Neue Rekorde

Die 30,1 Milliarden Euro markieren einen neuen Rekordwert fĂŒr die Nachhaltige Geldanlagen in Österreich. GegenĂŒber dem Vorjahr ist ihr Volumen um 38 Prozent gestiegen. 14,6 Milliarden Euro (+31 Prozent) entfielen dabei auf nachhaltige Mandate, 14,7 Milliarden (+49 Prozent) auf nachhaltige Investmentfonds. Bei den Fonds und Mandaten erreichten die nachhaltigen Produkte nach Berechnungen des FNG einen Marktanteil von knapp 16 Prozent.

Die Nutzung von Ausschlusskriterien ist bei der Gestaltung nachhaltiger Fonds und Mandate nach wie vor von besonderer Bedeutung. 98 Prozent dieser im Marktbericht erfassten Anlageprodukte nutzen sie, um kontroverse  Emittenten vom Investment auszuschließen. Bei den Unternehmen werden dabei besonders hĂ€ufig die Ausschlusskriterien Waffen und RĂŒstung, Kohle, Kernenergie, Menschen- sowie Arbeitsrechtsverletzungen aktiviert. Besonders stark gestiegen ist im Berichtsjahr auch die Nutzung des normenbasierten Screenings, bei dem die KonformitĂ€t der Anlagen mit internationalen Normen und Standards, z.B. mit dem UN Global Compact, ĂŒberprĂŒft wird. Das unter Nutzung dieser nachhaltigen Anlagestrategie verwaltete Vermögen legte um 81 Prozent zu und erreichte per Ende 2019 ein Volumen von rund 27 Milliarden Euro. Vergleichsweise hohe Wachstumsraten verzeichneten auch die StimmrechtsausĂŒbung (+47 Prozent auf 12 Milliarden Euro) sowie die nachhaltigen Themenfonds, die um 50 Prozent auf 1 Milliarde Euro zulegte.

Auch die Verantwortlichen Investments erreichten Ende 2019 in Österreich mit knapp 107 Milliarden Euro einen neuen Höchststand und lagen damit um beachtliche 64 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert. In die Berechnung der Verantwortlichen Investments fließen neben den Nachhaltigen Geldanlagen auch solche Geldanlagen ein, bei denen Nachhaltigkeitskriterien nicht auf Produktebene fĂŒr einzelne Fonds oder Mandate definiert, sondern auf ĂŒbergeordneter Unternehmensebene fĂŒr alle Kapitalanlagen berĂŒcksichtigt werden.

Weiteres Wachstum erwartet

Auch fĂŒr das laufende Jahr erwartet die ĂŒberwiegende Mehrheit ein weiteres Wachstum der unter BerĂŒcksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien verwalteten Geldanlagen. Rund jeder vierte (23,8 Prozent) im Rahmen des Marktberichts befragte Experte prognostiziert ein Wachstum von bis zu 15 Prozent, 42,9 Prozent der Befragten ein Wachstum von 15 Prozent bis 30 Prozent. Jeder dritte (33,3 Prozent) Befragte erwartet sogar einen Anstieg um ĂŒber 30 Prozent.

Weiteren RĂŒckenwind dĂŒrfte die Nachhaltige Geldanlage erhalten, wenn sich die ersten Studien bestĂ€tigen, die nachhaltigen Fonds eine höhere Krisenfestigkeit attestieren als ihren konventionellen Pendants. So zeigt beispielsweise eine Analyse der Wertentwicklung von mehr als 2.000 Aktienfonds durch Scope Analysis, dass nachhaltige Aktienfonds im ersten Quartal 2020 in allen betrachteten Regionen – Global, Europa, Nordamerika und SchwellenlĂ€nder – weniger an Wert verloren als ihre konventionellen Wettbewerber.

Rendite-Argument wĂŒrde noch mehr Zuwachs bringen

Obwohl das Thema Nachhaltigkeit in den Medien viel Aufmerksamkeit erhĂ€lt und die Anleger die Wichtigkeit von ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten bei der Auswahl von Anlagen betonen, könnten nachhaltige Anlagen noch mehr genutzt werden, steht in einer von der LGT Bank Österreich beauftragten, aktuellen Studie ĂŒber das Anlegerverhalten im deutschsprachigen Raum.

Die HĂ€lfte der Befragten ist demnach der Meinung, dass nachhaltige Vermögensanlagen helfen wĂŒrden, ethische Standards in der Wirtschaft durchzusetzen, soziale Bedingungen zu verbessern und die Umwelt und das Klima zu schĂŒtzen. Ein Großteil zeigt sich „besorgt“ ĂŒber den Klimawandel (83) und die sich zunehmend öffnende Schere zwischen Armen und Reichen (75 Prozent). Ebenfalls signalisieren 43 Prozent großes Interesse an der Integration von ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) in Anlagen, nachhaltigen Fonds (48), Impact Investing und Microfinance (55 Prozent).

Zwischen diesen Aussagen und dem tatsĂ€chlichen Verhalten klafft allerdings eine große LĂŒcke: Immer noch sind erst fĂŒnf Prozent des Vermögens von österreichischen Anlegern auch wirklich nach nachhaltigen Kriterien investiert, so die Studie. Die Anleger gewichten in ihrer Wahrnehmung reine RenditeĂŒberlegungen klar höher als Umwelt- oder soziale Aspekte, heißt es. Ein Viertel der österreichischen Private-Banking-Kunden sind nĂ€mlich der Meinung, dass die Rendite von nachhaltigen Anlagen im Gegensatz zu traditionellen Anlagen generell niedriger sei.

„Es ist den Instituten nicht wirklich gelungen, den Anlegern eine fundierte Informationsbasis zu Nachhaltigkeit zu vermitteln“, erklĂ€rt der Studienleiter Univ.-Prof. Teodoro D. Cocca von der UniversitĂ€t Linz. „Es scheint, als ob sie das Thema gegenĂŒber außen stĂ€rker forcieren als in der Kundenberatung. Dadurch könnten auch hartnĂ€ckige Vorurteile gegenĂŒber nachhaltigen Anlagen, wie der vermeintliche Renditenachteil, abgebaut werden.“

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