CO2-Reduktion durch optimierte Pendlerströme

Die Linzer Startups Carployee und Triply haben ein Analyse-Tool entwickelt, um das Pendlerverhalten der Mitarbeiter von Unternehmen, Universitäten und Businessparks nachhaltig zu verbessern.

Lesezeit: ca. 3 min

© Carployee

Fahrgemeinschaften als umweltschonende und preissparwende Alternative auf dem Weg in die Arbeit.

Auf Basis realer Pendlerströme visualisiert Upscore Mobility Audit das Mobilitätsverhalten der An- und Abreisenden. So lässt sich der Ist-Stand einfach mit dem bestmöglichen Szenario vergleichen, um darauf basierend ein Maßnahmenpaket im Sinne von Umwelt, Gesundheit und finanziellen Einsparungen zu evaluieren. Dafür werden – neben Fahrgemeinschaften – auch öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Fußwege berücksichtigt. Mercedes Benz Manufacturing Polen setzt bereits darauf. Ikea und Ringana zeigen sich interessiert.

Carployee ist Pionier bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsservices. Das Linzer Startup hat 2018 eine Car-Pooling Lösung auf den Markt gebracht, die Mitarbeiter auf dem Arbeitsweg zu Fahrgemeinschaften zusammenschließt. Damit hat das junge Team rund um CEO Albert Vogl-Bader allein 2020 fast 100.000 kg CO2 eingespart. Um das Potenzial greifbarer zu machen, haben Carployee und Triply gemeinsam ein Analyse-Tool entwickelt. Es veranschaulicht anhand eines umfassenden Mobilitätskonzeptes, wie Unternehmen die gesamte betriebliche Mobilität und insbesondere den Pendelverkehr optimieren können: „Der Pendlerverkehr spielt eine tragende Rolle“, sagt Vogl-Bader. „Wir haben es uns daher zum Ziel gesetzt, Großunternehmen, Universitäten und Businessparks zu veranschaulichen, wie sie zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen können.“

Der Upscore Mobility Audit optimiert die Pendler- bzw. Besucherströme und berechnet die Einsparungen.

© Placeit

Mobilität in Zeiten von Corona

Auch bzw. gerade in Zeiten wie diesen, erhält der Pendelverkehr einen besonderen Stellenwert. Wenngleich derzeit wieder vermehrt aus dem Home Office gearbeitet wird, bleibt anderen der Weg in die Arbeit nicht erspart. Hier gilt es besonders umsichtig zu sein. Upscore Mobility Audit berücksichtigt neben der Wahl des Fortbewegungsmittels daher auch sämtliche organisatorische Parameter. So kann die Lösung in neuen Arbeitszeitmodellen, der Einrichtung eines Job-Rades oder besserer Infrastruktur münden. Neben Home Office könnte das Infektionsrisiko z.B. auch über die Steuerung der Arbeitsplatzauslastung an einem oder an mehreren Standorten gesenkt werden. Um Gruppen aus derselben Region die Anreise zu erleichtern, werden daher Maßnahmen wie Co-Working Spaces für Mitarbeiter aus bestimmten Anreisegebieten evaluiert. Damit wird ganz nebenbei auch das Contact Tracing leichter nachvollziehbar.

Aktive Mobilität wirkt sich positiv auf die psychische und physische Gesundheit aus und hat damit auch einen direkten Einfluss auf die Krankenstandstage. Nicht zuletzt deswegen zieht Upscore Mobility Audit für die Berechnung der optimalen Pendler- und Besucherströme sämtliche Verkehrsmittel in Betracht. „Es geht darum ein Gesamtbild zu erstellen und alle Eventualitäten zur Berechnung der optimalen Lösung heranzuziehen“, erklärt Triply-CEO Sebastian Tanzer. „Darum konzentrieren wir uns nicht nur auf Fahrgemeinschaften, sondern integrieren sämtliche Fortbewegungsmittel in unser Mobilitätskonzept.“ Ziel ist es, Unternehmen darin zu unterstützen, Verhaltensmaßnahmen langfristig zu verbessern. Darum präsentiert Upscore Mobility Audit konkrete Handlungsschritte, die Mitarbeiter dazu motivieren ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig zu ändern.

Im ersten Schritt geht es darum, die bestehenden Mobilitätsmuster zu verstehen. Dazu visualisiert Upscore Mobility Audit die komplette betriebliche Mobilität. Die Kennzahlen geben Aufschluss über Kosten, CO2-Ausstoß und Gesundheit. Dem stellt das Startup die Simulation des optimalen Szenarios gegenüber. Der Mobility Score gibt letztlich Aufschluss über das Verhältnis der zwischen Ist- und Sollzustand. Darauf basierend werden konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Mobilität berechnet. Während die ersten Schritte weitestgehend automatisiert sind und in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Mercer das Mobilitätsverhalten eruiert werden, liegt der Mehrwert des zweiten Teiles in umfassender Consulting-Leistung der Fachexperten.

Carployee und Triply optimieren die Pendlerströme von großen Unternehmen und Fuhrparks.

© Carployee

Effekte auf Kosten, Nachhaltigkeit und Gesundheit

  • Kosten sparen: Das Maßnahmenpaket spart nicht nur den Mitarbeitern bares Geld, sondern erzielt auch eine deutliche Kostenreduktion auf Seiten der Unternehmen. Sie können den betrieblichen Fuhrpark reduzieren, teure Parkflächen anderweitig nutzen und profitieren gleichzeitig von zufriedenen Mitarbeitern und einem ausgeprägteren Teamgeist.
  • Umwelt schonen: Im Sinne der CSR tragen optimierte Pendlerströme dazu bei, die betrieblichen CO2-Emissionen zu senken und gängige Umweltstandards wie ISO 14001 sowie die Global Reporting Initiative (GRI) einzuhalten. Damit investieren Unternehmen nicht nur in die Umwelt, sondern auch ins eigene Image.
  • Gesundheit steigern: Durch die Reduktion von Stress, die Steigerung des Wohlbefindens und die Verbesserung der Work-Life-Balance haben die Maßnahmen positive Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeiter. Dadurch steigt einerseits die Produktivität, während andererseits die Krankenstandstage abnehmen.

Hinter den Kulissen

Carployee ist eine Mitfahr-App für Unternehmen, Businessparks und Universitäten. Das zehnköpfige Team rund um CEO Albert Vogl-Bader ist seit 2018 aktiv und hat bereits Großkunden wie die Johannes-Kepler-Universität (JKU), LKW Walter, Stihl und die Schweizer AMAG gewonnen. Über die internationale Unternehmensberatung Mercer erhält Carployee in Österreich Zugang zu 450 Kunden. Das Linzer Mobility-Startup ist Partner von klimaaktiv, der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Nachdem Carployee im Frühjahr 2019 den Mobility-Schwerpunkt der „glaubandich-Challenge“ sowie die „Innovation to Company Challenge“ von Mercer gewonnen hat, wurde die App als eines von drei Projekten mit dem VCÖ-Mobilitätspreis ausgezeichnet und erhielt den HR-Award des HR-Inside Summits. 2019 sicherte sich das Startup eine Finanzierung in der Höhe von 100.000 Euro über den Lead-Investor Oskar Obereder und erhielt im Oktober 2020 eine Projektförderung in der Höhe von 650.000 Euro über den FFG.

www.carployee.com

triply aus Linz entwickelt Software, die aktuelle Mobilitätssituationen analysiert und basierend darauf, sinnvolle, sichere und nachhaltige Mobilitätslösungen errechnet. Im Sommer 2020 konnte sich das Startup in einer Seed Runde mit über einer Million Euro von Business Angels, FFG und AWS finanzieren. Neben den bestehenden Systemen arbeitet das elfköpfige Team unter der Leitung von Sebastian Tanzer, Christopher Stelzmüller und Gregor Petri mit Partnern wie Hutchison Drei und ÖBB an einem automatisierten On-Demand-Planungstool für öffentliche Mobilitätsangebote.

www.triply.at

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