Kategorie: Meinung

Trotzdem optimistisch!

Published on 2. November 2020

Unternehmenslenker im deutschsprachigen Raum beurteilen die aktuelle Geschäftslage und ihre Zukunftsaussichten trotz Corona-Krise überraschend optimistisch. Sie haben hohes Vertrauen in die eigenen Stärken und sind davon überzeugt, bei der Steuerung ihres Unternehmens überwiegend selbstbestimmt und nur wenig von externen Faktoren abhängig zu sein. Den Volatilitätsschock in Folge der Corona-Krise sehen sie eher als historische Ausnahme und weniger als Ausdruck immer unsicherer und volatiler werdender Märkte. Ihren Strategieprozess passen sie in der Folge nur marginal an und verlieren dadurch möglicherweise wertvolle Zeit, um sich für künftige Krisen zu rüsten.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von PwC in Kooperation mit Kantar und der Technischen Universität Darmstadt, für die 157 Entscheider, darunter 29 aus Österreich, aus Vorstand, Strategie und M&A in der DACH-Region befragt wurden. 

Gerald Eibisberger, Partner und Leiter des Bereichs Deals bei PwC Österreich.

Großer Optimismus trotz volatiler Märkte

„Österreichische Manager sehen der Geschäftsentwicklung in den kommenden fünf Jahren, ähnlich wie Befragte in den Nachbarländern Deutschland und Schweiz, relativ optimistisch entgegen“, erklärt Gerald Eibisberger, Partner und Leiter des Bereichs Deals bei PwC Österreich. „Trotz der erheblichen Marktturbulenzen der vergangenen Monate lässt sich eine starke Zuversicht beobachten. So gehen die Befragten davon aus, dass die negativen Auswirkungen der Pandemie gemessen an einem Fünf-Jahres-Horizont relativ gering und damit eher eine temporäre Ausnahmeerscheinung sind.“

Auch die künftige Marktattraktivität und die Wachstumschancen in ihrem Geschäftsumfeld bewerten befragte Manager mit Zuversicht. Der große Optimismus der Entscheider zeigt sich auch daran, dass sie sich als überwiegend selbstbestimmt sehen: Sie gehen tendenziell davon aus, dass sie ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren frei steuern können und nicht allzu stark von externen Faktoren und Einflüssen abhängen.

Markt-Experte Gerald Eibisberger warnt jedoch vor zu großer Zuversicht: „Aktuell könnten die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise durch den Rettungsschirm aus Unterstützungsmaßnahmen, wie z.B. Kurzarbeitsgeldern, Abgabenstundungen und Garantien für Kredite oder Zuschüsse, noch etwas verzerrt und damit abgemildert wahrgenommen werden. Auf Unternehmensseite besteht derzeit die akute Gefahr, die Chancen zur Selbstreflektion und zur Vorbereitung des Business auf künftige Unsicherheiten zu versäumen.“ 

Wirtschaftsabschwung gilt als größte Bedrohung

Denn Risiken gibt es natürlich zahlreiche, das sehen die Befragten auch so. Nach den größten Bedrohungen für die Positionierung im Wettbewerb befragt, nennen die Studienteilnehmer vor allem einen Wirtschaftsabschwung (80 Prozent), Umweltrisiken und Pandemien (61), den sich verstärkenden Wettbewerb (60) und regulatorische Risiken (55 Prozent).

Finanzierungsrisiken sieht nur jeder Vierte als Bedrohung. Doch die Studie zeigt auch, dass Unternehmen dennoch Anpassungen an ihrem strategischen Kurs vornehmen: So stellen Verantwortliche ihre Strategie daher aktuell in leicht verkürzten Zeitabständen auf den Prüfstand. Je pessimistischer die Befragten die Marktattraktivität und die Zukunftsaussichten einschätzen, desto eher verkürzen sie den Zeithorizont für die Überprüfung ihrer Strategie. 

Österreichische Entscheidungsträger ergreifen ähnlich wie deutsche und Schweizer Manager in erster Linie organische Maßnahmen.

Kundenpräferenzen als ausschlaggebender Faktor

91 Prozent der befragten Manager sehen in den Veränderungen der Verbraucherpräferenzen den wichtigsten Anlass, die Unternehmensstrategie anzupassen. Drei Viertel führen die Veränderungen im Wettbewerbsumfeld an. Gefragt nach den strategischen Maßnahmen, auf die sich die Entscheider aktuell fokussieren, nennen die Befragten die Optimierung der Effizienz, die Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Entwicklung neuer Technologien. Die Neuausrichtung des Portfolios gilt als weitaus weniger wichtig.

Österreichische Entscheidungsträger ergreifen ähnlich wie deutsche und Schweizer Manager in erster Linie organische Maßnahmen, um ihr Geschäft zu stabilisieren und zu optimieren: Als wichtige Strategien der kommenden fünf Jahre nennen rund zwei Drittel der österreichischen Teilnehmer Wachstumsprogramme (69 Prozent) und Restrukturierungen (66 Prozent). Insbesondere Wachstums-Maßnahmen haben im Ländervergleich zu Deutschland (75) und der Schweiz (83 Prozent) hierzulande weniger Stellenwert. Große Priorität haben in Österreich dafür strategische Maßnahmen im Bereich Forschung und Entwicklung (72 Prozent) – und damit deutlich mehr Gewicht als für deutsche (60) und Schweizer Teilnehmer (62 Prozent).

Anorganische Maßnahmen wie Transaktionen zur Anpassung des Unternehmensportfolios stehen in allen drei Ländern deutlich seltener auf der Agenda: Nur 14 Prozent aller Befragten ziehen Carve-outs als mögliche Maßnahme in Erwägung, bei österreichischen Managern sind sie sogar nur für rund 4 Prozent eine Option. 

„Österreichische Entscheider fokussieren sich aktuell auf ihr Kerngeschäft sowie die Produkt- und Innovationspipeline. Nur ein geringer Anteil zieht Transaktionen in Betracht, um diese Ziele zu erreichen“, beobachtet Gerald Eibisberger. „Anorganische Entwicklungsmaßnahmen wie Akquisitionen oder Veräußerungen werden aber mittelfristig an Bedeutung gewinnen. Denn im Vergleich mit organischen Maßnahmen bieten Transaktionen zahlreiche Vorteile in Bezug auf Geschwindigkeit und Wirkung.“

Ganz starke Themen: Mercosur, China und Indien

Published on 31. Oktober 2020

Mercosur

Für viele Mitglieder der Europäischen Wirtschaftskammer EUROCHAMBRES ist ein Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit Lateinamerika von sehr großem Interesse. Sachlichkeit sollte daher in die oftmals emotionale Diskussion eingebracht werden. Schon bisher sind im geplanten Abkommen europäische Lebensmittelstandards ebenso vorgesehen wie eine Verpflichtung für die Klimaziele von Paris. Wer daher das Klima schützen will, wer den Amazonas retten will, kann dies im Rahmen eines Abkommens mit der Europäischen Union viel besser verwirklichen als ohne ein solches Abkommen. Wir dürfen nicht müde werden, immer wieder darauf hinzuweisen.

Die Wirtschaftsdaten zwischen Mercosur und Europäischer Union (in Euro):
Exporte nach Lateinamerika 41 Milliarden, Importe 36 Milliarden;
Services Exporte 21 Milliarden, Importe 10 Milliarden;
Investitionen von Europa in Lateinamerika 365 Milliarden,
von Lateinamerika in Europa 52 Milliarden.

Das zeigt, dass wir in diesen Ländern (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) eine starke wirtschaftliche Stellung haben, als Partner willkommen sind und Chancen haben, die Partnerschaft mit dem Mercosur-Abkommen noch auszubauen.

Wirtschaftsabkommen mit China

Die EU arbeitet intensiv an einem Wirtschaftsabkommen mit China. Dies ist für viele EUROCHAMBRES-Mitglieder sowohl im Export als auch im Zuliefer- und Servicebereich von besonderer Bedeutung. Investitionen und geistiges Eigentum sollen dabei geschützt werden. Europa liefert jährlich 200 Milliarden an Waren nach China, ein Volumen von 360 Milliarden wird nach Europa importiert.

Mit 16 Prozent ist China weltweit im Export führend, vor EU-27 mit 15 Prozent, den USA mit zehn, Japan mit fünf und Südkorea mit vier Prozent. Die Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa sind rückläufig und verlagern sich schwerpunktmäßig von Deutschland und Frankreich in Richtung Nordeuropa.

China tritt jedoch als überaus starker Vergeber von Loans auf: In 150 Ländern der Welt hat China 1,5 Trillionen Dollar investiert. Dass mit diesen Investitionen auch Einflussnahmen einhergehen, haben wir bei politischen Entscheidungen innerhalb der EU bereits gesehen.

Businessplattform mit Indien

Vor 13 Jahren begannen Verhandlungen zwischen der EU und Indien betreffend Freihandelsabkommen. Vor sechs Jahren wurden diese Verhandlungen unterbrochen. Die europäische Wirtschaft fordert, diese jetzt wiederaufzunehmen. Zu diesem Zweck soll zuerst einmal eine Plattform gegründet werden, an der die European Business and Technology Centre (ebtc), die indische Gesellschaft INVEST INDIA und die Europäische Wirtschaftskammer teilnehmen.

Ziel sollte sein, die enormen Möglichkeiten des bilateralen Handels, der Dienstleistungen und der Investitionsmöglichkeiten auf einer fairen Grundlage zu sichern, Bürokratie und nicht-tarifäre Handelshemmnisse zu vermeiden sowie Zölle abzubauen.

Indien soll nach PricewaterhouseCoopers im Jahr 2050 nach China das wirtschaftlich stärkste Land der Welt sein. Grund genug, an einer Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zu arbeiten, Investitionen durch ein Investitionsschutzabkommen zu sichern und schließlich auch auf dem Sektor Innovationen durch gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu arbeiten.

Indien ist einwohnermäßig das größte Land der Erde, das größte demokratische Land, es sprechen dort mehr Menschen Englisch als in den USA, es hat über seine Commonwealth-Geschichte Zugang zu globalen Netzwerken und vor allem begabte, talentierte und erfolgshungrige junge Menschen. All das sind beste Voraussetzungen, auch Indien ins Auge zu fassen, wenn man von Asien spricht!

Recruiting-Falle

Published on 17. Oktober 2020

Unter dem Motto »Chancengleichheit schaffen« veranstaltete das TU Career Center Anfang Oktober ein Recruiting-Event der anderen Art. Objektivität im Auswahlprozess zu fördern, steht im Vordergrund. Der »Unconcious Bias« (= unbewusste Diskriminierungsprozesse) sollen so weit als möglich ausgehebelt und Entscheidungen nur anhand fachlicher Kompetenzen getroffen werden. In der Praxis werden häufig Kandidaten aufgrund ihres Namens, der Herkunft, der Religion und besonders Kandidatinnen wegen ihres Geschlechts schlechter bewertet und in weiterer Folge abgelehnt. So entsteht kein homogenes Team, wobei die Vielfalt im Unternehmen für den Erfolg nachweisbar hoch relevant ist. Bekanntlich entstehen Innovationen vor allem dann, wenn unterschiedliche Herangehensweisen, Erfahrungen und Persönlichkeiten zusammenarbeiten.

Unter dem Begriff »Unconscious Bias« werden Phänomene zusammengefasst, die aufgrund der Struktur unseres Gehirns bei Begegnungen mit Menschen auftreten. Dabei haben wir die Eigenschaft, andere Menschen binnen Sekunden einzuschätzen und in bestimmte Schubladen einzuordnen. Oft lassen wir uns dabei von einzelnen Details blenden und übersehen dabei hoch qualifizierte Talente.

Der erste Eindruck entsteht nicht nur schnell, sondern auch zum großen Teil unbewusst.

Wir trauen großen Menschen mehr Kompetenz zu, haben bei bestimmten Namen Assoziationen zur sozialen Herkunft, dies kann dann mitunter negative Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess haben.

Um dem entgegen zu wirken, gab und gibt es immer wieder neue Ansätze, die sich nur sehr langsam etablieren. Beispiele sind anonymisierte Lebensläufe, in denen Fotos, Name, Geschlecht oder Alter geschwärzt werden, bevor Personalisten aktiv werden.

Das innovative Team des TU Career Center hat nun eine Veranstaltung für Studierende und Unternehmen ins Leben gerufen. »Voice of Diversity« ist der Titel des neuen Karriereevents.

Michaela Unger: »Mit ›Voice of Diversity‹ entwickelten wir eine Möglichkeit zur anonymen Abwicklung und Bewertung von Recruiting-Gesprächen. Wir freuen uns über die Kooperation mit dem Center for Informatics & Society (Fakultät für Informatik der TU Wien), die uns mit der sozio-technologischen Lösung und der wissenschaftlichen Begleitung dieses Projekt erst ermöglicht haben. Mit dem DEBIAS Chat (Digitally Eliminating Bias in Application Selection) sind den Experten, die an der Fakultät für Informatik forschen, ein IT-Support-Tool und ein Pilotprojekt gelungen, welche die Mechanismen von Unconscious Biases in einem Recruiting-Prozess minimieren können. Somit wird Chancengleichheit erhöht.«

Ist uns eine Person ähnlich, ist sie uns meist gleich sympathisch. Das ist ein Bias, der häufig passiert, wenn gleichen Interessen vorherrschen. Das steigert die Sympathie, und manche Menschen bekommen eher eine Stelle als andere. Das ist in der Recruiting-Praxis gang und gäbe.

Natürlich führt das zu Problemen, besonders wenn man sich eben doch nicht gleich ist. »Wir haben viele Studierende, die tolle Kompetenzen haben, die aber keinen Job bekommen. Für genau dieses Problem haben wir eine Lösung gesucht. So sind wir auf die Idee für diese Veranstaltung gekommen«, erzählt die Geschäftsführerin des TU Career Center.

Der Ablauf

Im Festsaal der TU Wien treffen Studierende auf Unternehmen. Mit Vertretern der Unternehmen BOC GROUP und WIEN ENERGIE finden die Gespräche vor Ort im Festsaal statt (wegen Corona in Übersetzerkabinen mit Trennwand). TAKEDA, TTTECh, ERSTE GROUP und POST stehen im virtuellen Raum via JITSI bereit. 36 Studierende finden innovative Unternehmen, denen Diversität am Herzen liegt.

Bevor die Studierenden, die sich für unterschiedliche Positionen in den Unternehmen interessieren, mit den Unternehmensvertretungen sprechen, passiert vieles: Die teilnehmenden Unternehmen werden befragt und beide Parteien vorbereitet. Die Studierenden beantworten bereits am Vortag sechs Unternehmensspezifische Fragen schriftlich, in denen sowohl fachliche als auch persönliche Fakten kurz beantwortet werden – ohne private Details zur Person.

Im 2. Schritt gibt es den Debias-Chat, in dem Unternehmensvertretungen – meist HR und Fachbereichsleitungen – auf die Antworten der Studierenden eingehen und nachfragen. Dabei haben sie pro Frage 5 Minuten Zeit und bewerten im Anschluss direkt die Antworten der Person anhand einer Punkteskala. Die Bewertung kann später nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Florian Cech (Center for Informations and Society): »Drei Aspekte waren in diesem Kontext für uns von besonderer Bedeutung. Das Prinzip der Anonymisierung ist notwendige Grundvoraussetzung, besonders den Bias Geschlecht, Alter und Aussehen, aber auch Sekundärmerkmalen wie ethische Herkunft und Migrationshintergrund, die sich teilweise aus dem Namen ablesen lassen, entgegen zu wirken. Die Unternehmen haben daher im Vorfeld keinerlei Lebenslauf oder sonstige Informationen der Studierenden erhalten. Eine vordefinierte, klare Struktur des Gespräches hat sich in wissenschaftlichen Experimenten als besonders wirkungsvoll erwiesen. Das Debias-Tool gibt daher vor, die Fragen für alle gleich zu gestalten und diese in derselben Reihenfolge erfolgen zu lassen. Dies erlaubt auch eine bessere und vergleichende Bewertung der Personen. Die Fragen werden im Vorhinein von den Unternehmen zusätzlich relativ gewichtet, um auch der Tatsache gerecht zu wer- den, dass in einem Interview manchen Fragen eine höhere Relevanz zukommt.«

Unmittelbar nach dem schriftlichen Chat (ohne Ton und Bild) geht es in ein 15-minütiges persönliches (oder virtuelles Live-)Gespräch. Der Vorhang fällt für beide Seiten. Im virtuellen Raum wird das Fenster zum Videochat geöffnet. Hier beginnt die Selbstreflexion und gegebenenfalls auch die Erkenntnis. Auch dieses Gespräch wird sofort im Anschluss von den Unternehmen standardisiert bewertet und den Kandidaten entsprechende Punkte zugeordnet.

Ein Fachbereichsleiter von WIEN ENERGIE erzählt nach einem Live-Gespräch: »Es ist interessant, welches Bild uns durch den Chat im Kopf entsteht und wer uns dann tatsächlich gegenübersitzt. Wir haben uns hier mehrfach getäuscht, besonders beim Geschlecht.«

Im Anschluss geht es um die Bewertung und die Evaluation. Michaela Unger:  »Alle Daten und Interviews aus dem Projekt werden vom Team um Florian Cech wissenschaftlich ausgewertet. Die Fragestellung, die in diesem Fokus steht, ist nun wie sich ›Unconscious Biases‹ in Recruiting Prozessen tatsächlich auswirkt und welche Techniken der Gegensteuerung vor dem nun entstehenden Kenntnisstand für die Zukunft denk- und machbar erscheinen. Wir planen eine Wiederholung dieser Veranstaltung für den 4. Mai 2021.«

Andrea König (Personalmanagement bei WIEN ENERGIE) fasst ihre Erfahrungen des Tages zusammen: »Durch das Event ist uns vieles bewusst geworden und wir möchten in Zukunft unser Recruiting neu denken, um mögliche Verzerrungen so weit wie möglich auszuschießen.«

Es ist schön zu sehen, dass sich manche Menschen dieses Themas so professionell annehmen. Der TU Wien ist ein tolles Pilotprojekt zum Thema Diversity-Management gelungen.

TU Career Center GmbH
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COVID-19: Was tun, wenn der Chef ausfällt?

Published on 16. Oktober 2020

Das Coronavirus kann – trotz Schutzmaßnahmen – jeden treffen. Wenn es unvorbereitet den Geschäftsführer oder Eigentümer eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens (KMU) erwischt, können zusätzlich auch Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. „Neun von zehn österreichischen Unternehmen sind solche KMU“, sagt Stefan Szauer, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Mazars Austria: „Egal ob Akquise, Personalia oder Kundenkontakt – die Chefs haben in solchen Betrieben eine zentrale Position in allen Belangen. Sie sind für vieles zuständig und wissen viel, aber oft ist ihre Arbeit nicht dokumentiert. Das kann ein Unternehmen im Ernstfall in Turbulenzen bringen.“ Fünf konkrete Maßnahmen können dabei helfen die Geschäftskontinuität gerade von KMU auch in Krisensituationen zu sichern.

Bereiten Sie Ihr Unternehmen auf Krisen vor

In vielen Unternehmen ist der Eigentümer oder Geschäftsführer der Flaschenhals. Sein Ziel sollte es aber sein, sich ersetzbar zu machen. Es gilt, eine agile Organisation aufzubauen, in welcher die Prozesse funktionieren, und eine zweite Ebene zu organisieren, die sicherstellt, dass der Betrieb weiterläuft. Unternehmen sollten die Krise auch als Chance nutzen und sich organisatorisch und personell zukunftsfähig aufstellen.

Treiben Sie die Digitalisierung von Geschäftsprozessen voran

Quarantäne aufgrund von Corona bedeutet, dass der Geschäftsführer oder Eigentümer von zu Hause aus arbeiten muss. Dafür müssen die Prozesse im Unternehmen digital laufen. Ein „Remote“-Einstieg in die IT-Systeme muss von überall sicher möglich sein, alle Unterlagen und Dokumente müssen sofort eingescannt und digital verarbeitet werden. Die Notwendigkeit, Abläufe zu digitalisieren, gilt sowohl für große Konzerne als auch für einen kleinen, regionalen Malereibetrieb.

Verteilen und regeln Sie die Entscheidungskompetenz

Es muss rechtzeitig gesichert werden, operative Entscheidungen auch ohne den Eigentümer oder Geschäftsführer des Unternehmens zu treffen – entweder über einen zweiten Geschäftsführer oder einen Prokuristen, der das Unternehmen dann rechtlich vertreten darf. Diese Personen müssen auch bei der Bank legitimiert werden. Es sollte präzise und schriftlich festgelegt werden, wer welche Entscheidungen alleine treffen kann – ebenso, welche nicht. Auch Geschäftspartnern sollte die Vertretung für Krisen vorgestellt werden.

„Dass die Arbeit von Geschäftsführern in KMU oft nicht dokumentiert wird, kann die Unternehmen in Turbulenzen bringen“, meint Stefan Szauer, Geschäftsführer von Mazars.

Dokumentieren und kommunizieren Sie

Gerade bei Auftragsanbahnungen oder Personalfragen bleibt die Arbeit des Eigentümers, vor allem kleinerer Unternehmen, meist nicht dokumentiert. Die Folge: Im Ernstfall herrscht großes Rätselraten. Ein regelmäßiger Jour-fixe (auch über Videokonferenz) kann für einen gleichen Wissensstand sorgen. So können Vertreter oder Bevollmächtigte rasch anknüpfen und weiterarbeiten. Fällt der Geschäftsführer oder Eigentümer etwa wegen Corona plötzlich aus, sollten auch die Kunden informiert werden.

Testen Sie Ihren Notfallplan

Jeder Notfallplan und die darin vorgesehenen Vertretungen und Prozesse müssen getestet werden, zum Beispiel, wenn der Chef einmal länger auf Urlaub ist. Nur so ist gesichert, dass der Plan auch in der Realität funktioniert.

https://www.mazars.at/

Ersterscheinung: www.die-wirtschaft.at

Spotlights aus Brüssel

Published on 16. Oktober 2020

Digitale Bildung und Forschung

Das sind die Erfolgsfaktoren Nr. 1, damit Europa im globalen Wettbewerb bestehen kann. Daher müssen diese Themen auch im europäischen Wiederaufbauplan entsprechend berücksichtigt werden.

Die EU-Kommission hat kürzlich drei Initiativen im Bereich Bildung und Forschung präsentiert: den Aktionsplan für digitale Bildung, eine Initiative zum Europäischen Bildungsraum sowie eine zum Europäischen Forschungsraum.

Starker Einsatz für die „de minimis-Erhöhung“

Es steht zu befürchten, dass das Europäische Parlament in seinen Verhandlungen mit dem Rat die von Kommission und Parlament vorgeschlagene Hilfe für existenzgefährdete Betriebe (Solvency Aid) nicht erhalten wird.

Umso wichtiger wäre es, wenn die Kommission unbürokratisch rasche Hilfe ermöglicht: Die Erhöhung von staatlichen Beihilfen von derzeit max. 200.000 auf 500.000 Euro ohne europäische Prüfung und Genehmigung sollte zumindest während der Corona-Krise eine wirksame Unterstützung europäischer Betriebe sein. Eurochambres-Mitglieder treten auf der nationalen Ebene und auch in den Medien dafür verstärkt ein.

Einheitliche Kriterien für Reiseverkehr

Wer heute in Europa eine Reise unternehmen will, stößt auf eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Ein- und Ausreiseregelungen, verschärft natürlich durch die sich täglich ändernde Covid-19-Situation. Dies beeinträchtigt massiv den Geschäfts- und Freizeittourismus. Unklare und unverständliche Vorgaben werden oft mehr von Willkür als von Sachverstand geleitet.

Meine Forderung: Einheitliche und klare Kriterien für ganz Europa, zumindest als Empfehlung der EU.

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, hält die Erholung der europäischen Wirtschaft für „unvollständig, unsicher und holprig“.

EZB zweifelt an rascher Erholung

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, hält die Erholung der europäischen Wirtschaft für „unvollständig, unsicher und holprig“.

Falls erforderlich, werde die EZB daher ihre Instrumente anpassen. Eurochambres wird diese Überlegungen begleiten und konkrete Vorschläge dazu einbringen.

Starker Euro erschwert Exporte

Der hohe Wechselkurs des Euro zum Dollar kommt gerade für exportierende Unternehmen zur falschen Zeit. Exporte werden dadurch erschwert, Importe aus dem Dollar-Raum zwar verbilligt, was jedoch bei der derzeit sehr niedrigen Inflation kein starkes Argument ist.

Immerhin jedoch ist es ein gutes Zeichen, dass man der europäischen Wirtschaft in hohem Maße vertraut.

Europa fehlt ein Gesamtplan einer Kooperation mit Afrika!

EU – Afrika

Die geplante Konferenz für eine verstärkte Kooperation zwischen der Europäischen Union und Afrika wurde auf das kommende Jahr verschoben. Es findet derzeit auch keine virtuelle Konferenz dazu statt. Dies ist aus meiner Sicht bedauernswert, weil es auf elektronischem Weg genug Möglichkeiten gibt, Ideen, Anregungen, Erfahrungen und Potentiale aufzuzeigen, daran zu arbeiten und sie als Vorbereitung für eine Konferenz einzubringen.

Europa fehlt ein Gesamtplan einer Kooperation mit Afrika! Viele einzelne Beispiele sind in höchstem Maße anerkennenswert, aber eine koordinierte Strategie, die dringend notwendig wäre und die auch unseren Betrieben viele Chancen eröffnen würde, fehlt.

Wie können (Öko-) Wünsche zur Realität werden?

Published on 3. Oktober 2020

Ursula von der Leyen hat in ihrer vielbeachteten Rede zur Lage der Europäischen Union ein Ziel vorgegeben: Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 55 statt 40 Prozent in der bisherigen Planung. Klingt ambitioniert, entspricht sicht- und spürbar Notwendigkeiten, hat daher auch Zustimmung in der Europäischen Kommission und im Europäischen Parlament. Das Problem an der Sache: Es ist ein schöner Wunsch, der jedoch nicht realistisch ist. Wishful thinking.

Um nicht missverstanden zu werden: Das bedeutet nun keinesfalls, dass sich die Wirtschaft nicht zum Ziel der CO2-Neutralität bekennt. Dieses Ziel wird nicht nur mitgetragen, sondern sogar erweitert: Mit der Circular Economy, der Kreislaufwirtschaft. Denn Kreislaufwirtschaft als Rückführung aller Ressourcen nach deren Gebrauch ist ganz entschieden weitgehender als eine bloße CO2-Reduktion. Hier wird die Wirtschaft mit ihrer Kreativität, Innovationskraft, aber auch mit den erforderlichen Rahmenbedingungen gefordert sein, entscheidende Beiträge zur Erfüllung dieser neuen, einem weltweiten Trend entsprechenden Wirtschaftsphilosophie zu leisten.

Sowohl beim CO2-Reduktionsziel wie auch bei der Kreislaufwirtschaft bedarf es jedoch nicht nur politisch plakativer Zielsetzungen, die – wie die europäische Erfahrung leider zeigt – meist auf dem Papier stehen bleiben, aber in der Realität nicht umgesetzt werden.

Um in der Realität anzukommen und die wichtigen und richtigen Zielsetzungen auch tatsächlich umzusetzen, bedarf es einer anderen Strategie. Ich möchte eine solche im Folgenden skizzieren.

Das Bewusstsein der Konsumenten für ökologisch richtiges Verhalten muss daher entsprechend entwickelt werden.

Der Öko-Masterplan

Um ein gewünschtes Ziel umzusetzen, braucht man einen strategischen Plan. Einen Masterplan, der sehr konkret sagt, wer bis wann welche Maßnahmen zu setzen hat und dessen Einhaltung kontrolliert, gegebenenfalls auch sanktioniert wird. Dies setzt allerdings wiederum die Zustimmung der Beteiligten voraus. Die Beteiligten wären in diesem Fall einerseits die Politik mit ihrer Zielsetzung und der Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen in den Bereichen Legistik, Forschung und Entwicklung, Aus- und Weiterbildung, Bereitstellung finanzieller Ressourcen etc. 

Der zweite Faktor wäre das Bewusstsein der Konsumenten. Dieser erscheint mir ein ganz entscheidend für das Gelingen des gesamten Plans zu sein. Jeder Konsument ist für eine heile Umwelt, wenn es aber um persönliche Beiträge dazu geht, lässt die Begeisterung dafür rasch nach. Das Bewusstsein der Konsumenten für ökologisch richtiges Verhalten muss daher entsprechend entwickelt werden.

Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun, das nur global gelöst werden kann.

Darauf aufbauend sind es die Betriebe, die in ihrem Angebot den Zielvorgaben der Politik sowie den Wünschen der Konsumenten mit ihren Produkten und Dienstleistungen entsprechen müssen. In einem solchen Masterplan müssten auch Zuständigkeiten auf der europäischen, nationalen und regionalen Ebene definiert und darüber hinaus Sektorpläne für Branchen erstellt werden, die sich dann wie ein Puzzle in den großen Masterplan einfügen. Einzubeziehen ist aber jedenfalls auch die internationale Dimension. Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun, das nur global gelöst werden kann. Denn was hätte man davon, wenn wir die zehn Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes, für den Europa verantwortlich ist, reduzieren, gleichzeitig aber andere Teile der Welt in kürzester Zeit kompensieren? Europa hat eine Gesamtverantwortung für die Klimaentwicklung der gesamten Welt mitzutragen. Auch dieser Aspekt müsste in einem Masterplan berücksichtigt sein.

Wenn das alles in einem 30-Stufenplan bis 2050 festgelegt wird und dabei jedes Jahr einer Stufe mit Teilzielsetzungen und entsprechenden Maßnahmen entspricht, dann ist ein realistischer Pfad zum Ziel gegeben. Und dann könnte Europa nicht nur die technologische und ökonomische Führerschaft in einem überlebenswichtigen Megatrend übernehmen, sondern die Chancen, die in allen Innovationen liegen, auch vorteilhaft nützen.

Ich bin optimistisch, dass großartige Ziele, die mir sinnvoll und notwendig erscheinen, mit einer professionellen und konsequenten Vorgangsweise unter Einbindung aller Beteiligten auch tatsächlich gelingen können.

Und so kommen wir vom Wunsch zur Realität!

Keep Calm

Published on 21. September 2020

THEORIE: Es mag nicht salonfähig sein, weil wir gelernt haben, selbst in schwierigen Situationen stark zu sein, aber derzeit haben viele Menschen Angst. Manche haben Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, andere, ihren Job zu verlieren. Unternehmer, die massive Verluste eingefahren haben, fürchten, Mitarbeiter nicht halten zu können – oder sie mussten sich schon von ihnen trennen und sehen ihr Lebenswerk in Schutt und Asche. Wenn die Pro­gnosen der Wirtschaftsforscher stimmen, dürften zumindest manche Ängste berechtigt sein.

Der Autor und Vortragende Gerhard Scheucher hat sich intensiv mit Niederlagen beschäftigt und kennt diverse Unternehmer, die gerade nicht wissen, ob sie ihre Mitarbeiter halten können: „Viele stehen vor dem Nichts, obwohl sie jeden Tag alles gegeben haben.“ Scheucher hat 2008, wenige Monate vor Ausbruch der Finanzkrise, mit Christine Steindorfer das Buch „Die Kraft des Scheiterns“ veröffentlicht und damit den Nerv der Zeit getroffen. 2011 haben die beiden „Die Aufwärtsspirale – Wie man mit Erfolg Niederlagen meistert“ nachgelegt. Ihre Erkenntnisse können auch jetzt nützlich sein, wo viele Menschen – oft unverschuldet – scheitern.

Autorin, PR-Beraterin und Schreibtrainerin Steindorfer schickt voraus: „Angst kann man nicht wegzwingen. Wenn sie da ist, ist sie da.“ Sich seine Angst nicht einzugestehen, hat Steindorfer oft bei Männern beobachtet, Frauen seien eher bereit, sich Ängste einzugestehen – und das sei gut: „Je klarer man etwas benennt, desto besser kann man damit arbeiten. Dann weiß ich, dass ich vorsichtig sein muss.“ Was Angst verstärke, sei das Gefühl, der Spielball anderer zu sein – eines Virus oder der Regierung. Natürlich habe der Einzelne immer Spielräume, „aber sie zu erkennen, ist schwierig“.

Mit dem Worst Case rechnen

Kann man Scheitern vorbeugen? Steindorfer: „Eine Strategie, um Scheitern zu vermeiden, ist, es von Anfang an einzuplanen.“ In Businessplänen finde man keine Szenarien für den Ernstfall. Steindorfer hat selbst Bekannte, die Scheiter-Szenarien einkalkuliert haben: „Das hat sie flexibler gemacht. Auch sie haben verloren, aber es geht ihnen bis jetzt relativ gut.“ Meist ignoriere und verdränge man lieber, aus Angst vor den Konsequenzen.
Auch Gerhard Scheucher ist überzeugt: „Der Umgang mit dem Thema Misserfolg ist die Voraussetzung, um Erfolg zu haben.“ Beispiele hat er viele gefunden. Dazu gehören Thomas Edison, der fast 9500 Kohlefäden ausprobiert hat, bis er die erste elektrische Glühlampe erfand, oder James Dyson, der 4126 Prototypen seines Staubsaugers anfertigte, bis Nummer 4127 die Marktreife erreichte. ­Scheucher: „Wir machen in unseren Breiten den Fehler, die Vorgeschichte auszublenden, wenn wir Erfolgsgeschichten erzählen.“ Zudem sei der richtige Umgang mit dem Scheitern eine Schlüsselqualifikation im 21. Jahrhundert.

Wenn die Angst blind macht

Aber wie sieht es aus, wenn eine Niederlage durch äußere Umstände droht? Was machen die düsteren Wirtschaftsprognosen mit uns? Kann es zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden, wenn wir einander ständig erzählen, wie schlimm alles wird? Schließlich wissen wir aus der Behavioral Finance, wie sehr sich Stimmungen auf das wirtschaftliche Verhalten auswirken können – ob Corona-Hamsterkäufe oder Börsenkurse. Scheucher: „Es ist furchtbar, wenn wir permanent davon reden, was alles passieren und wie alles den Bach runtergehen könnte.“ Stattdessen sollten wir einander Mut machen, etwas auszuprobieren: „Eine der größten Hemmschwellen, etwas nicht zu tun, ist die Angst vor dem Scheitern. Manche Menschen beklagen ein Leben lang, etwas nicht getan zu haben.“ Wer eine Idee hat, solle sie durchziehen. Scheitern sei besser, als es nie versucht zu haben: „Dann ist es wenigstens abgeschlossen.“ Die „Vollkaskomentalität“, unser Wunsch, uns gegen alles im Leben abzusichern, und die Angst vor Risiken hält Scheucher für oft kontraproduktiv. Beispiele wie die Pleite der Commerzialbank Mattersburg würden zeigen, dass auch Regelwahn und Kon­trollzwang keine Garantien für Erfolg seien.

Und was, wenn die Zukunftsangst alles verdunkelt? ­Christine Steindorfer rät, darüber zu reden – auch wenn man sich schämt. Das hat auch sie zu Beginn des Lockdowns gemacht, als sie sich ausgeliefert fühlte, in ihren persönlichen Freiheiten eingeschränkt war und erst einmal nicht wusste, ob Kunden abspringen würden: „Man wundert sich, wie viele Leute bereit sind, einem Hilfestellungen zu geben.“ Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe, „können einem andere aufzeigen, dass es Wege gibt“.

PRAXIS:

„Um eine Erfahrung reicher“

Andreas Fill, Geschäftsführer des oberösterreichischen Maschinen- und Anlagenbauers Fill mit 920 Mitarbeitern, setzt auf Optimismus und Mut anstatt auf Angst, die einen daran hindert, etwas aufzubauen. 

Als ich Fill mit 200 Mitarbeitern übernommen und schnell viele weitere eingestellt habe, wurde ich gefragt, ob ich nicht Angst habe, zu schnell zu wachsen. Aber vor lauter Angst nichts aufzubauen, wäre nicht gut. Du brauchst einen gewissen Optimismus und Mut, sonst kannst du kein Unternehmen entwickeln. Natürlich gab es auch bei Fill Aufs und Abs. Die Finanzkrise 2009 war eines der Abs. Doch sie war für uns nach ein paar Monaten beendet. Wir sind danach stärker gewachsen denn je. Wir sind so gut durchgekommen, weil wir schon vorher Szenarien erstellt haben, zum Beispiel: Was heißt es für Fill, wenn der Automotive-Bereich um 20 Prozent einbricht? So mussten wir in der Krise nicht bei null beginnen. 
Wir haben auch einen Belastungstest gemacht, wo wir gefragt haben: Wie viele Jahre kann die Wirtschaft schlecht laufen, ohne Fill zu stark zu treffen? Eine Krise des aktuellen Ausmaßes haben wir aber nie durchgespielt. Jetzt sind wir wieder um eine Erfahrung reicher. Trotzdem ist die Stimmung nicht schlecht, denn wir hatten 2020 ohnehin mit Rückgängen in Einzelsegmenten gerechnet. Die Automobilindustrie hätte auch ohne Corona geschwächelt, auch die Flugzeugindustrie hatte Investitionen gestoppt. Ich hatte keine Angst wegen dieser Krise, aber es war ein gewisser Stress und eine unwirkliche Situation. Wir haben zwei Wochen Betriebsurlaub eingelegt. Ich war so sehr auf die Kommunikation fokussiert, dass ich gar keine Zeit hatte, über eine Rezession nachzudenken. Ich war teilweise verärgert, weil manche Kunden und Mitarbeiter die Krise nicht erkannt haben. 
Ich bin ein eher positiver Mensch. Wir haben viele Vorteile gegenüber Wettbewerbern – zum Beispiel unsere große Fertigungstiefe und dass wir aus eigener Kraft wachsen. Wir haben immer in Mitarbeiter und Innovationen investiert und gerade einen großen Bauabschnitt fertiggestellt. Außerdem fallen jetzt auch Kosten für Reisen und Messen weg. Eine Krise ist ein guter Zeitpunkt, um über Strukturen und Märkte nachzudenken. Der Markt orientiert sich jetzt neu, und wir haben in den letzten Wochen sehr gute neue Kunden gewonnen. Unsere Vision „We are one“ heißt: Wir sind nur im Team erfolgreich, und auch durch diese Krise muss das ganze Team gehen.

„Gehen wir’s gemeinsam an!“ 

Hannes Freudenthaler ist Gründer und Geschäftsführer des Anbieters von Kaltwachs-Enthaarungsstreifen ­andmetics. Das 2014 gegründete Unternehmen vertreibt mit elf Mitarbeitern seine Produkte vor allem in Drogeriemärkten und bei Friseuren. 

Negative Schlagzeilen machen mir keine Angst, aber sie machen mich wachsam. Ich frage mich: Wo betrifft uns das? Wo muss ich aufpassen? In einem Unternehmen wie unserem, das noch keinen Speck angefressen hat, ist man laufend mit schwierigen Situationen konfrontiert. Es reicht, einen Großkunden zu verlieren und der halbe Umsatz ist womöglich weg. Dass es jetzt eine Krise gibt, macht uns nur noch wachsamer, als wir es ohnehin sind.
Ich habe keine Angst, aber Respekt vor Rückschlägen. Ich bin vielleicht einen Tag niedergeschlagen, aber dann konzentriere ich mich wieder auf die Lösung. In Krisensituationen ist es wichtig, der Wahrheit ins Auge zu blicken und nichts schönzureden. Dann kann man zusammenhelfen und schauen, wie man wieder herauskommt. Und als kleines und junges Unternehmen sind wir ja ­extrem schnell darin, das Geschäftsmodell zu ändern. 
Jedes Unternehmen braucht Voraussicht und Risikobereitschaft, aber kleine Organisationen können schneller Entscheidungen treffen. So hat uns eine frühe Entscheidung bisher gut durch die Krise geholfen: Wir haben noch vor den Lockdowns Masken importiert und waren damit einer der ersten. Wir haben sie an unsere Partner im Handel, an Flughäfen, Transport- und Logistikunternehmen verkauft. So können wir schon jetzt sagen, dass 2020 für andmetics, trotz Umsatzeinbußen im Friseur-Geschäft, positiv wird.
Es braucht Unternehmen, die sich trauen, in einer Zeit wie dieser weiterzumachen. Dazu wäre ein stärkeres Wir-Gefühl wichtig, das es kurz während des Lockdowns gab. Jetzt wird meiner Meinung nach nicht erkannt, dass wir der Staat sind: Irgendwer muss die Hilfsgelder, die jetzt ausbezahlt werden, wieder einnehmen. Und irgendwer ist der Staat. Und der Staat sind wir. Wenn wir gemeinsam positiv in die Zukunft schauen und aufhören zu jammern, müssen wir keine Angst vor der Zukunft haben. Gehen wir’s gemeinsam an, wir schaffen das!

„Angst macht krank“ 

Katharina Schneider ist Geschäftsführerin des Handelsunternehmens Mediashop mit 300 Mitarbeitern und sieben Standorten weltweit. Sie ist aus der Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ als Start-up-Investorin bekannt.

Angst ist der größte Hemmschuh von uns Menschen. Angst lähmt uns. Je mehr Angst man hat, umso mehr steckt man in seinem Leid fest. Ich weiß das, weil Angst eine Zeit lang mein Leben bestimmt hat. Ich habe sogar erfahren, wie sich Angstzustände auf die Gesundheit auswirken. Mittlerweile habe ich gelernt, Krisen als Chance zu sehen. 
Als ich 2007, kurz vor der Finanzkrise, die Geschäftsführung von Mediashop übernommen habe, stand das Unternehmen mehrmals vor dem Konkurs. Wir hatten große Schulden, und es ging immer ums Überleben. Außerdem wurde 2006 mein Sohn geboren. Ich habe gelernt, auf die Probleme zu schauen und mich dann auf meine Stärken zu konzentrieren. Eine meiner Hauptaufgaben als Geschäftsführerin ist, in die Zukunft zu schauen und mich zu fragen: In welche Richtung gehen wir? Was gibt es Neues? Was können wir noch machen? Von der Denke her sind wir eigentlich ein Start-up. Es ist wichtig, welche Geschichten man sich anhört und sich selbst erzählt. Je öfter man etwas hört oder sieht, umso eher glaubt man daran – so arbeitet auch die Werbung. Wenn ich ständig mit dem Schlimmsten rechne, bin ich im Überlebensmodus. Aber das Leben sollte im Gestaltungsmodus gelebt werden. Wir sollten uns fragen: Welche Wege kann ich gehen? Auch im Unternehmen fokussiere ich nicht auf die negativen Prognosen, sondern sage: Wenn wir dies und jenes machen und zusammenhalten, schaffen wir das. Bei Mediashop machen wir zwei Drittel unseres Umsatzes im Distanzhandel und ein Drittel im stationären Handel. Daher waren wir vom Lockdown betroffen. Wir wussten zuerst nicht, was mit den Logistikcentern passiert. Wir haben früh auf Homeoffice umgestellt und die Shopmitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Wir haben eine Taskforce gebildet, die sich online getroffen und darüber beraten hat, wie wir den Warenfluss gewährleisten können. Das hat sich bewährt. Wir haben ein krisenfestes Top-Team.
Ich habe für mich gelernt, achtsam und bewusst zu leben. Ich meditiere regelmäßig, liebe Yoga, mache Sport und ernähre mich gesund. Ich mache Dinge, die mir gut tun. Es ist wichtig zu schätzen, was man hat – und das können auch Kleinigkeiten sein.

„Mut, aber mit Behutsamkeit“ 

Der Schokoladen-Unternehmer Josef Zotter ging pleite und wirtschaftet seither behutsamer. Das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern setzt auf Bio-Zutaten, innovative Schoko-Ideen und fairen Handel und ist damit auch in der Krise erfolgreich.

Wer per se Angst hat, darf kein Unternehmer werden, weil im Unternehmen gibt es immer wieder unberechenbare Situationen. Ein Unternehmer braucht Mut, aber auch Behutsamkeit und Achtsamkeit. Es gibt Leute, die sind mutig und springen über eine Felsklippe – und kommen unten tot an. Bis zu einem gewissen Grad ist Angst also gut: Wenn ich Angst habe, muss ich nachdenken. Aber wenn man zu viel Angst hat, will man nichts mehr. Und wir müssen wieder einen Biss kriegen in Europa. Im Moment nimmt man den Leuten die Angst, indem man ihnen sagt: Es ist Corona, ihr könnt nichts dafür. Aber gäbe es Corona nicht, wären wir jetzt sicher trotzdem in einer Wirtschaftskrise, weil die Wirtschaft schon vorher am Abgrund war. Es gab in bestimmten Branchen wie der Hotellerie und der Gastronomie in den letzten Jahren zu wenig Innovationen. Außerdem haben die Leute zu viel Geld rausgeschmissen, weil sie eh keine Zinsen bekommen haben. Es wurde auch in wenig überlegte Technologien investiert. Früher hatte man ein Sparbuch für Notzeiten, dafür steigen jetzt die Börsenkurse. Es müssen wieder Zinsen her.
Gesunde Unternehmen sollten eine Eigenkapitalquote zwischen 50 und 70 Prozent haben. Dann kannst du auch so eine Krise besser übertauchen. Ich hab selbst gelernt, dass man auch ohne Kredite wirtschaften kann, nachdem ich in den 90ern mit Konditoreien in Graz pleite gegangen bin. Mir hat die Bank damals sehr gern Kredite gegeben, weil ich mit dem Unternehmen schnell sehr erfolgreich war. Wir haben Konkurs eingereicht und haben innerhalb von zwei Jahren von 50 auf zwei Mitarbeiter reduziert. Ich kämpfe sehr dafür, dass wir in Österreich eine Kultur des Scheiterns einführen. Mir war früher gar nicht bewusst, dass man hier automatisch ein Verlierer ist, wenn man mit einem Unternehmen scheitert. Wenn jetzt die Insolvenzwellen kommen sollten, dann kommen sie eben. Wichtig ist, dass man etwas daraus lernt. Wo es gebrannt hat, ist Asche, und auf Asche wächst’s meistens besonders gut.

Autor/in: Alexandra Rotter

Ersterscheinung: https: //www.die-wirtschaft.at

Netze statt Ketten

Published on 19. September 2020

Die Corona-Pandemie dauert mittlerweile ein halbes Jahr. Wie geht es aktuell der heimischen Exportwirtschaft?

2019 war mit 154 Mrd. Euro an österreichischen Warenexporten ein Rekordjahr, die Landung in der Corona-Realität war umso härter. Gerade für unsere international eng verflochtene Wirtschaft ist das eine ziemliche Herausforderung. Natürlich haben viele Unternehmen besonders mit der gesunkenen Nachfrage zu kämpfen, aber Rückmeldungen unserer Exportfirmen und aktuelle internationale Wirtschaftsindikatoren geben Anlass zur Hoffnung. Da niemand genau absehen kann, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, sind das Vertrauen und die Investitionsbereitschaft sehr gering. Sehr deutlich wird das auch anhand der aktuellen Zahlen. Die Konsumenten kaufen weniger Autos, sie fliegen weniger auf Urlaub, und sie schieben allgemein größere Investitionen lieber auf. Das schlägt sich natürlich auch auf den B2B-Bereich durch.

Gibt es auch Lichtblicke?

Die letzten Exportzahlen geben Hoffnung. Die OeNB hat das prognostizierte Minus beim BIP von –7,2 % auf minus sechs reduziert. Im Mai gab es bei den Exporten noch ein Minus von 25 %, im Juli hat sich das Minus auf 7 % reduziert. Auch viele Einkaufsmanagerindizes in ganz Europa sind aktuell wieder über der Wachstumsschwelle. Positives kommt aus der für uns wegen enger Zulieferverflechtungen so wichtigen deutschen Industrie: Sie verzeichnete im Juli einen Anstieg der Auftragseingänge um 27,9 %. Diese positiven Tendenzen sind sicher auch auf die Erfolge beim Zurückdrängen des Virus zurückzuführen. Es sind also positive Signale erkennbar. Nun lautet die große Frage, wie es weitergeht; Ob der Tanz zwischen Öffnung und Achtsamkeit gelingt und die Konsumenten wieder Vertrauen schöpfen. Wenn das klappt, können wir die Phase durchstehen. Eine wesentliche Rolle für die Stabilisierung werden auch weitere öffentliche Investitionen spielen. 

Welche Branchen leiden besonders, welche weniger?

Über alle Bereiche hinweg verzeichnen wir in den ersten fünf Monaten 2020 einen Rückgang bei den Warenexporten von 12,9 %. Besonders schwer hat es manche Kernbereiche Österreichs getroffen. Etwa die Maschinen- und Fahrzeugproduktion, die ein Minus von 23 % im Export verzeichnet. Auch bearbeitete Waren und Rohstoffe haben ein Minus von 15 % hinnehmen müssen. Positiv hat sich dagegen der Bereich der Nahrungsmittel und Getränke entwickelt und auch die chemische Industrie. Manche Branchen konnten sich also bislang gut halten. Aber Fakt ist: Im klassischen Exportgeschäft braucht man neue Aufträge. 

Trauen Sie sich eine Prognose zu, was das restliche Jahr bringen wird?

Wir glauben daran, dass sich der positive Trend fortsetzt. Die Devise lautet jetzt, auf Sicht fahren, denn aktuell weiß niemand wirklich, was um die Ecke kommt. Ich würde allerdings meinen, dass es in die richtige Richtung geht. Nur kann sich das leider sehr schnell wieder ändern. Wenn im September und Oktober die Nachfrage wieder einbricht, sind alle positiven Entwicklungen dahin. Das ist aus Sicht des einzelnen Unternehmens so, das gilt aber auch global. Darum müssen wir versuchen, Nachfrage zu schaffen, um das finanzielle Risiko abzufedern.

Wie kann das gelingen?

Nachfrage schaffen wir konkret durch recht hemdsärmelige Arbeit mit den Firmen. Alle unsere Büros sind weltweit besetzt, und die Mitarbeiter vor Ort vernetzen lokale Betriebe mit potenziellen Lieferanten aus Österreich. Wir arbeiten aktuell natürlich vermehrt mit digitalen Formaten, anstatt mit Wirtschaftsmissionen. Virtuelle Treffen sind gut, um die Kundenbindung aufrechtzuerhalten, sie sind aber kein vollwertiger Ersatz für persönliche Treffen mit Neukunden. Da wir vor Ort sind und Neukunden persönlich vorselektieren und dann die Unternehmen vorstellen können, klappt es aber durchaus gut. Im Herbst planen wir auch wieder Wirtschaftsmissionen und Messepräsenzen in der Nachbarschaft. Wir möchten möglichst früh wieder draußen sein – wenn es die Lage zulässt.

Sie vernetzen nicht nur Unternehmen, Sie sorgen auch für Wissenstransfer und präsentieren heimischen Betrieben spannende Innovationen aus aller Welt. Wie gut hat sich dieser Ansatz etabliert?

Dass wir nicht nur den Export unterstützen wollen, sondern auch neue Ideen vermitteln, kommt sehr gut an. Denn wir müssen von den weltbesten Betrieben lernen und uns austauschen. Die Zukunftsreisen haben wir nun auch durch digitale Workshops und interaktive Formate ersetzt. Wenn wir das Format nicht schon vor Jahren erfunden hätten, müssten wir es heute tun. 

Welche Regionen entwickeln sich denn besonders dynamisch?

An erster Stelle ist Südostasien zu nennen. Die Region entwickelt immer mehr Produktionspower, es gibt dort tolle Start-ups und Geschäftsideen. Die Nähe zu etablierten Ländern wie Japan, Südkorea und Singapur, aber auch zu China beschleunigt die Entwicklung. Sehr spannend ist aber auch der Südkaukasus, wo wir gerade einen Stützpunkt planen. Natürlich ist auch weiterhin die Dynamik in Afrika sehr hoch – vor allem im Osten und Westen. Da bringen wir uns schon jetzt in Stellung, weil es schnell gehen kann, wenn sich erst der Nebel lichtet.

Welche Unterstützungsleistungen können Exporteure gerade anzapfen?

Wir helfen natürlich bei Problemen aller Art vor Ort. Finanzielle Förderungen bietet das Exportförderprogramm „go-international“ der WKÖ gemeinsam mit dem BMDW. Dabei handelt es sich um Direktschecks. Mit dem Betriebsmittelfinanzierungsfonds der OeKB stehen darüber hinaus drei Milliarden bereit.

Die Krise hat Abhängigkeiten deutlich gemacht, weswegen die Politik laut über Lieferketten und die Rückverlagerung von Produktion nach Europa nachzudenken begonnen hat. Ein sinnvoller Ansatz?

Reshoring wird planwirtschaftlich sicher nicht funktionieren. Aber ich bin dafür, dass man die Produktion gewisser Schlüsselsektoren wie etwa Pharmazeutika in Europa hält. Ein Bild, das mir besser gefällt, zeichnet sich bei den Wertschöpfungsketten ab. Ketten haben ja viele Glieder, und wenn eines ausfällt, ist sie unterbrochen. Darum brauchen wir Wertschöpfungsnetze. Wenn ein Knotenpunkt in einem Netz zerreißt, kann man ausweichen. Staaten und Unternehmen sollten jetzt also vom Singlesourcing zum Multiplesourcing übergehen.

Passiert das bereits?

Das Bewusstsein ist sicher da. Allerdings muss man immer genau prüfen, ob es sich wirklich auszahlt. Risikostreuung ist aufgrund der Erfahrungen in der Krise für viele Betriebe ein großes Thema. Sie kostet aber mehr, und oft ist sie gar nicht möglich. 

Wieso?

Manche Hidden Champions haben zum Beispiel sehr spezielle Anforderungen und finden überhaupt keinen zweiten Lieferanten, der in der benötigten Qualität liefern kann. Insgesamt wird die Beschaffung digitaler, auch dieser Umstand spricht für Netze. Denn unser System wird komplexer. Deswegen brauchen wir noch mehr Handelsabkommen. Wenn das gelingt, erhalten wir in neuen Netzwerken die Chance, unsere Stärken auszuspielen. Wenn wir uns auf unsere Stärken fokussieren, dann können wir ein innovatives Kompetenzzentrum werden.

Autor/in: Mag. Stephan Strzyzowski

Ersterscheinung: https: //www.die-wirtschaft.at

Das Allerneueste aus Europa

Published on 18. September 2020

Es war die erste Rede und es war eine umfassende Rede. Situationsgemäß hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Corona begonnen und die schnelle Einigung beim Wiederaufbaupaket hervorgehoben. Es ist in der Tat beachtlich, was hier in der Europäischen Union auf den Weg gebracht worden ist.

Zugleich gilt es aber, konsequent weiterzudenken und zu handeln: einen koordinierten Ansatz bei allen Corona Maßnahmen, sowohl im Gesundheitsbereich als auch im Reiseverkehr. Binnenmarkt und Schengen müssen wiederhergestellt werden, nachhaltige Zukunftsinvestitionen angegangen, Fokus auf Digitalisierung und Ausbau der Infrastruktur sowie den Aufbau einer Datenwirtschaft und einen Rahmen für Künstliche Intelligenz gelegt werden.

Ganz entscheidende Prioritäten

Daneben wird der Fokus auf den sozialen Bereich (europäischer Mindestlohn) gelegt, wobei erfreulicherweise das nationale Kollektivvertragsrecht ausdrücklich erwähnt worden ist.

Der Ausbau eines voll funktionierenden Binnenmarktes mit Abbau von Bürokratie und Erweiterung dieses Binnenmarktes im Bereich der Digitalisierung, der Energie und auch des Kapitalmarktes wurden genannt und sind tatsächlich auch aus meiner Sicht ganz entscheidende Prioritäten.

Einen großen Stellenwert nimmt auch der sogenannte „Green Deal“ ein. Ich bin allerdings sehr skeptisch, dass das angestrebte Ziel im Jahr 2030 an Stelle einer Reduktion von CO² von 40 Prozent eine solche von 55 Prozent zu erreichen realistisch ist. Ehrlich gesagt: Ich glaube es nicht und ich halte auch die Vorgangsweise dazu nicht für optimal. Politik kann natürlich Ziele formulieren, aber ohne die Einbindung aller Stakeholders wird die Umsetzung kaum gelingen.

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission.

Ein Plädoyer für Circular Economy

Wenn die Europäische Union dieses Reduktionsziel von 50 Prozent bis 2050 tatsächlich erreichen will, ist dazu ein Masterplan mit 30 konkreten Jahresteilzielen erforderlich, der zwischen Politik, Wirtschaft und den Konsumentenvertretungen abgestimmt ist. Ohne das Bewusstsein der Konsumenten kein entsprechendes Handeln der Betriebe, die Politik muss legistische Rahmenbedingungen und Anreize dafür setzen. Auf diese Weise kann man sich zu diesem Ziel bekennen, ja es sogar noch erweitern: Die Kreislaufwirtschaft „Circular Economy“ geht weit über das CO²-Reduktionsziel hinaus und eröffnet eine völlig neue Philosophie des Wirtschaftens: Ressourcen, die gebraucht werden, sollen nach dem Gebrauch wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eine solche Strategie hätte auch eine gewaltige Innovationskraft und könnte Europa an die Spitze einer weltweiten Entwicklung setzen.

Ähnliches gilt auch für Digitalisierung. Von der Leyen hat eine „Digital Decade“ ausgerufen, verbunden mit einer echten Datenwirtschaft, einer europäischen Cloud, künstlicher Intelligenz und einem Breitbandausbau.

Diese Digitalisierung sollte ebenfalls von den Praktikern mitbegleitet werden. Dazu gibt es den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, der neben dem Europäischen Rat, der Kommission und dem Parlament der vierte Stützpfeiler der EU-Verfassung ist. Dort vertreten sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beide von der digitalen Entwicklung massiv betroffen, beide könnten in Kooperation konkrete Konzepte entwickeln, wie Digitalisierung eine Chance wird und keine Bedrohung darstellt. Insbesondere geht es auch darum, kleinere und mittlere Betriebe nicht aus Wertschöpfungsketten herausfallen zu lassen, aber auch jedem einzelnen Mitarbeitenden in den Unternehmungen das Gefühl zu geben, dass er weiß, welche Anforderungen in der Zukunft an ihn gestellt werden und was er tun muss, um diese Anforderungen auch tatsächlich erfüllen zu können.

Mit China sind intensive Verhandlungen, mit dem Ziel eines Investitionsabkommen im Laufen.

Brexit – und China!

Von der Leyen ist schließlich auf die Partnerschaften mit anderen Teilen der Welt eingegangen und hat sich insbesondere skeptisch bezüglich eines Abkommens mit Großbritannien geäußert. Tatsächlich sieht es so aus, als ob entgegen jeglicher Vernunft Großbritannien ein Abkommen grundsätzlich ablehnt. Ob das nur ein Pokerspiel ist oder ob damit Ernsthaftigkeit verbunden ist, werden schon die nächsten Tage zeigen.

Interessant ist, dass mit China intensive Verhandlungen mit dem Ziel eines Investitionsabkommens im Laufen sind und dass dies die Auseinandersetzung zwischen China und den USA durch einen europäischen Mitspieler nicht unwesentlich beeinflussen könnte. Aber auch innerhalb Europas wird die europäische Kommission aktiv, insbesondere am Westbalkan soll die Abhängigkeit von Dritten durch eigene europäische Initiativen vermindert werden.

Insgesamt kann diese Erklärung von Ursula von der Leyen als ermutigend empfunden werden, wenn auch die einzelnen Ziele, die von ihr genannt worden sind, noch viel professionelle Arbeit unter Einbindung aller Beteiligten erforderlich machen.

Hinweis der Redaktion:

Apropos China: Mit großer Freude hat TOP LEADER die freudige Nachricht aufgenommen, dass das spektakuläre Buch unseres Co-Herausgebers Christoph Leitl, „China am Ziel – Europa am Ende?“ schon nach wenigen Wochen bereits IN ZWEITER AUFLAGE erschienen ist. Klare Leseempfehlung! Verlag ecowin, ISBN: 978-3-7110-0256-3, € 20.-

Hier dazu der Link zur Besprechung der Erstauflage in den PREMIUM ONLINE NEWS (hier klicken)

Bestellen Sie die 2. Auflage (Corona aktualisiert)

Der große PON (Premium Online News) Report

Published on 18. September 2020

Nach dem starken Einbruch infolge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie im Frühjahr setzt die österreichische Wirtschaft die zur Jahresmitte begonnene Erholung zu Herbstbeginn fort. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im August um 0,8 auf minus 1,4 Punkte gestiegen“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Das neuerlich deutliche Plus signalisiert das hohe Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft. Allerdings nimmt die Dynamik schrittweise ab. Erstmals seit dem Ende des Lockdowns verbesserte sich der Indikator um weniger als einen Punkt gegenüber dem Vormonat. Es zeichnet sich klar ab, dass die Wachstumszuwächse, die sich aus der Wiedereröffnung der Wirtschaft ergeben haben, mittlerweile weitgehend aufgebraucht worden sind und für die weitere Erholung der Wirtschaft einiger Gegenwind besteht. Dies wird sich in den kommenden Monaten in einem geringeren Tempo der Erholung niederschlagen.“

Die Detaildaten des aktuellen UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators zeigen die ersten Anzeichen einer Ermüdung der Erholung gegen Ende des dritten Quartals bereits an. Nach der raschen Verbesserung nach der Wiederöffnung der Wirtschaft hat die Stimmung der Verbraucher mittlerweile den zweiten Monat in Folge einen Rückschlag erlitten. Steigende Infektionszahlen erhöhen die Verunsicherung hinsichtlich einer Normalisierung des Wirtschaftslebens und die ungebrochen angespannte Lage am Arbeitsmarkt verfestigt die Zurückhaltung insbesondere bei der Anschaffung langlebiger Konsumgüter. Nachdem die Bauwirtschaft früh und sehr rasch hochgefahren wurde, hat sich hier die beinahe überschießende Hochstimmung wieder gelegt. Nach dem zweiten Dämpfer in Folge herrscht am Bau im August jedoch weiterhin eine optimistische Grundstimmung vor.

„Während sich die Stimmung am Bau und der Konsumenten im August wieder verschlechtert hat, verstärkten sich jüngst die Signale einer Belebung der internationalen Konjunktur mit einer deutlichen Verbesserung des österreichischen Exportumfelds“, berichtet Bruckbauer. „Von diesem Rückenwind profitiert die heimische Industriestimmung bislang allerdings nur in kleinen Aufwärtsschritten. Dagegen hat die Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie in einigen Dienstleistungsbranchen im August zunehmend für Hoffnung gesorgt.“

BIP-Prognose für 2020 angehoben

Mit der raschen Öffnung der Geschäfte und der Lockerung der sozialen Distanzierungsmaßnahmen erholte sich die Konsumnachfrage nach dem Tief im April spürbar, da durch Kurzarbeit und umfangreiche soziale Transfers die Einkommenseinbußen in Grenzen gehalten werden konnten. Zudem sorgte der bestehende Nachholbedarf für viel Schwung, gestützt auf die während des Lockdowns angesammelten Ersparnisse. Im Schlepptau der Nachfrageerholung verbesserte sich auch die Lage in Industrie und Gewerbe zumal staatliche Garantien und eine sehr unterstützende Geldpolitik die Bereitstellung von Bankkrediten gefördert und sehr günstige Finanzierungsbedingungen erhalten haben.

„Durch den relativ kurzen Lockdown und die darauffolgende rasche Öffnung der Wirtschaft fiel der Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 in Österreich geringer aus als erwartet. „Die fiskal- und geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen haben erwartungsgemäß die Grundlage für eine starke Belebung der Wirtschaft im dritten Quartal geschaffen – wir haben daher unsere BIP-Prognose für 2020 von –8 auf –6,3 Prozent angehoben“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Damit wird der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2020 deutlich höher ausfallen als während der Finanzkrise. 2009 sank das BIP in Österreich um real 3,8 Prozent.

Der leichte Teil der Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke ist weitgehend erledigt. Die jüngsten Stimmungsindikatoren und realwirtschaftliche Daten weisen auf Gegenwind hin. „Wir sind hinsichtlich des Tempos der Erholung zum Jahreswechsel vorsichtiger geworden“, kommentiert Pudschedl. „Zum einen besteht wegen des schwächeren Wirtschaftseinbruchs weniger Spielraum beim Aufschwung und zum anderen ist die Zahl der Neuinfektionen früher als erwartet wieder gestiegen. Wir haben unsere Wachstumsprognose für 2021 von fast 7 auf 5 Prozent gesenkt.“ Die Prognose basiert auf der Annahme, dass es zwar zu keinem nationalen Lockdown kommt, jedoch zumindest bis zum Frühjahr mit lokalen Beschränkungen zu rechnen sein wird. Jedenfalls werden die Folgen der Pandemie weiterhin spürbar sein und Ende 2021 wird die österreichische Wirtschaft das Auslastungsniveau von vor der Coronakrise noch nicht erreichen.

Arbeitslosenquote Ende 2020 noch bei 9,5 Prozent

Die Entspannung der Lage am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich mittlerweile verlangsamt. Der weitere Rückgang der Arbeitslosenquote wird sich schwieriger gestalten, zumal vielen Branchen durch die Pandemiemaßnahmen wirtschaftlich belastet sind. Bei einigen Unternehmen wird das Kurzarbeitsprogramm als Überbrückungshilfe der Coronakrise nicht ausreichen, sodass mit Betriebsschließungen und Personalabbau gerechnet werden muss.

„Der laufende Verbesserungstrend am österreichischen Arbeitsmarkt wird sich in den kommenden Monaten weiter verlangsamen. Nach durchschnittlich 10 Prozent im Jahr 2020 erwarten wir für das kommende Jahr eine Arbeitslosenquote von zumindest 8 Prozent“, meint Pudschedl. Damit wird die Arbeitslosenquote 2021 noch deutlich höher sein als vor dem Ausbruch der Coronakrise. Zu Jahresbeginn 2020 war die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf fast 7 Prozent gefallen.

Mit Beginn des zweiten Halbjahres 2020 stieg die Teuerung in Österreich spürbar an. Trotz des gesamtwirtschaftlichen Nachfrageausfalls bedingt durch die Pandemie kam es vor allem in von der Krise besonders betroffenen Bereichen, wie dem Handel, den Bewirtungsdienstleistungen und der Freizeitwirtschaft kaum zu der erwarteten Inflationsdämpfung. Stattdessen wurden zusätzliche Kosten etwa durch Hygienemaßnahmen auf die Preise überwälzt. „In den kommenden Monaten wird die Inflation im Spannungsfeld zwischen einerseits niedrigem Ölpreis und Nachfrageausfall sowie andererseits den höheren Kosten durch die „Coronakrise“ bestimmt werden“, erklärt Stefan Bruckbauer. „Wir gehen davon aus, dass sich die Teuerung bis zum Jahresende relativ stabil um 1,5 Prozent bewegen wird und haben unsere Erwartung für den Jahresdurchschnitt 2020 von 1,1 auf 1,4 Prozent angehoben.“

Die Prognose für die nächsten Monate

Da von keiner wesentlichen Veränderung des aktuell niedrigen Erdölpreises auszugehen ist, wird bis knapp über den Jahreswechsel 2020/21 von diesem ein dämpfender Effekt auf die Inflation ausgehen. Ab dem Frühjahr 2021 wird der dämpfende Effekt jedoch voraussichtlich auslaufen. Zudem dürfte die seit 1. Juli 2020 geltende Reduktion der Umsatzsteuer auf vor Ort verzehrte Speisen und Getränke bzw. kulturelle Veranstaltungen auf fünf Prozent nicht verlängert werden, was zusätzlichen Preisauftrieb verursachen könnte.

Wenn auch die Zulassung eines Impfstoffs im ersten Halbjahr 2021 schrittweise zur Normalisierung des öffentlichen Lebens führen könnte, wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Konsumnachfrage wieder voll entfalten können wird. Auch wird die wirtschaftliche Unsicherheit sowie die nur langsame Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt die Nachfrage noch längere Zeit beschränken. Daher wird von der Nachfrageseite zwar 2021 im Vergleich zu 2020 ein stärkerer Druck auf höhere Preise ausgehen, dennoch ist für 2021 nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria nur eine moderate Aufwärtsentwicklung der Teuerung auf durchschnittlich 1,6 Prozent zu erwarten.

Da sich die Inflation im Euroraum dagegen bis zum Jahresende 2020 um die Nulllinie herumbewegen dürfte, wird die Europäische Zentralbank ihren expansiven geldpolitischen Kurs fortsetzen. „Die niedrigen Inflationserwartungen und das Risiko einer weiteren Aufwertung des Euro dürfte zu einer Aufstockung des Notfallkaufprogramms PEPP der EZB führen“, erwartet Bruckbauer. „Wir gehen von einer Ausweitung um 500 Milliarden Euro bis Ende 2021 aus. Eine Zinssenkung erwarten wir aus heutiger Sicht jedoch nicht.“

Überwiegender Optimismus im eigenen Betrieb

Da die Corona-Pandemie den österreichischen Unternehmen in den letzten Monaten einiges abverlangt hat, schätzen diese laut einer aktuellen Studie von Deloitte und SORA die Stimmung am Markt doch entsprechend verhalten ein. Innerhalb des eigenen Betriebes überwiegt jedoch der Optimismus. Gleichzeitig gibt es einen großen Wunsch nach Veränderung: Die Unternehmen fordern nachhaltige Maßnahmen und wollen keine Rückkehr zu alten Mustern. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist die nachdrücklichste Forderung. Außerdem stehen die langfristige Flexibilisierung der Arbeitswelt und die Ökologisierung des Steuersystems im Fokus. Denn auch in der durch COVID-19 ausgelösten Krise ist der Klimawandel nicht aus den Köpfen der Führungskräfte verschwunden – ganz im Gegenteil.

Mehr als die Hälfte der 614 befragten Führungskräfte glaubt, dass es ihren Kunden und ihrer Branche aktuell eher schlecht geht. „Mitten in der Corona-Krise haben die österreichischen Unternehmen ihren Optimismus nicht verloren – das ist eine erfreuliche Überraschung“, erklärt dazu SORA-Geschäftsführer Christoph Hofinger. „Dennoch nimmt die Sorge um die Marktentwicklung spürbar zu. Die Unternehmen verengen in dieser Situation aber nicht ihren Horizont, sondern sind bereit für nachhaltige Veränderungen.“

Reformbedarf

In puncto regulatorisches Umfeld belegt die Studie: Am wichtigsten sind den österreichischen Unternehmen jetzt Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. Neun von zehn Befragten fordern eine Senkung der Lohnnebenkosten (95%), eine steuerliche Entlastung nicht entnommener Gewinne (92%) sowie Vereinfachungen bei Förderungen (90%). Im Gegenzug zu diesen Erleichterungen würde die Mehrheit dafür auch andere Abgaben akzeptieren – allen voran im Energiebereich.

„Akuthilfen machen Sinn und bringen kurzfristige Lösungen“, kommentiert Bernhard Gröhs, CEO von Deloitte Österreich. „Langfristig braucht es aber nachhaltige Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten und die nachhaltige Förderung von Investitionen. Diese Forderungen sind lange bekannt, brennen aber jetzt besonders unter den Nägeln.“ Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist laut Umfrage bereit, auch selbst zu investieren: In die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, in die Digitalisierung sowie in die Umsetzung von Umweltmaßnahmen.

Allerdings haben die Krisenmonate Spuren hinterlassen. Im Vorjahr waren nur 24% über die Umsatz- und Gewinnentwicklung besorgt, heuer sind es ganze 52%. Dennoch sehen 57% der generellen Entwicklung des eigenen Betriebes eher zuversichtlich entgegen. Hinsichtlich des internationalen Umfelds und der globalen Herausforderungen zeigen sich die Unternehmen dagegen sorgenvoll. Das meiste Kopfzerbrechen bereiten die sozialen Folgen der Covid-19-Krise (75%) und die mittelfristige Konjunkturschwäche (70%). Und auch wenn die Corona-Krise allgegenwärtig ist – der Klimawandel ist nicht aus den Köpfen verschwunden. Er stellt für mehr als zwei Drittel (68%) der Befragten eine Sorge dar. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Anstieg um 16 Prozentpunkte.

Die Wirtschaft wird (noch) flexibler

Viele Folgen der Corona-Krise werden die österreichische Wirtschaft laut den Befragten noch länger begleiten. So hat die Pandemie langfristige Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und die Unternehmenskultur: Home-Office, Online-Meetings und mehr Selbstverantwortung werden auch in Zukunft bleiben.

74% rechnen mit einer langfristigen Zunahme der Flexibilität in der Belegschaft hinsichtlich ihrer Arbeitsweisen und Aufgaben, 70% erwarten auch flexiblere betriebliche Strukturen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen rücken bei 69% in den Fokus.