Kategorie: Interviews

Magenta-Chef Andreas Bierwirth erwartet Digitalisierungsschub

Published on 2. November 2020

Magenta Telekom-CEO Andreas Bierwirth erwartet für die Wirtschaft in Österreich einen massiven Digitalisierungsschub nach Corona. Auch wenn die Telekommunikation vielleicht zu den Profiteuren zählt, sind von der Pandemie alle betroffen. Da braucht es Verantwortung und Mut, die richtigen Schritte zu gehen. Voraussetzung sind totales Commitment zum Team und das gemeinsame Verständnis einer Vision der Zukunft.

„Im Spitzensport arbeitet man mit Stäben, Psychologen und Taktikern. Das sollte im Management nicht anders sein. Wir wollen ja Spitzenleistungen erbringen.“ Über die Rolle einer Ländergesellschaft in einem internationalen Konzern: „Da darf man nicht auf die Chance der Zukunft warten, dass irgendwer von oben sagt, du musst aber das und das machen, sondern wir sollten mehr Ideen haben als umsetzbar sind und dann schauen, wie weit wir kommen.“

„Das Rebranding war ein absolut logischer Schritt“, erklärt Andreas Bierwirth.

Markenwechsel notwendig

Den Kauf des Kabel-TV-Anbieters UPC 2015 nennt Bierwirth einen Glücksfall. Dieser wäre sechs Monate später aufgrund von US-Aktivitäten des Konzerns gar nicht mehr möglich gewesen. Der Umstieg von T-Mobile auf Magenta im Vorjahr war „pure Notwendigkeit“: „Wir haben für das Wachstum der Firma einen eigenen Markt geschaffen, dadurch konnten wir uns eine Spur weit von den dynamischen Entwicklungen auf dem Mobilfunkmarkt entkoppeln. Außerdem wäre die Verbreiterung mit der Marke T-Mobile nicht zu bewältigen gewesen. Sie steht ja nicht für Fernsehen oder Breitband.“

Bierwirth: „Das Rebranding war ein absolut logischer Schritt. Das Einmalinvestment in die Marke, die jetzt schon viel bunter und vielfältiger wahrgenommen wird als T-Mobile jemals wahrgenommen wurde, war eine wichtige Operation – aber nicht die einzige. Wir haben auch die Zweitmarke Telering aus dem Markt herausgenommen und zu Magenta migriert. Gerade für die Telering-Kunden war es deutlich einfacher, eine Marke Magenta zu akzeptieren als in die Parallelmarke T-Mobile reinzugehen.“

Was vielleicht nicht so gut funktioniert hat dabei, waren die Prozesse im Detail. „Das haben wir unterschätzt. Wir sind durch die Übernahme von UPC ein technologischeres Unternehmen geworden.“ Die Art und Weise sowie Geschwindigkeit der Transformation in eine völlig neue Firma hätten ihn selbst überrascht. Und das nicht nur im Team, sondern auch innerhalb der Geschäftsführung. „Es ist nur noch eine Kollegin von T-Mobile dabei, alle anderen sind neu. Da gibt es andere Bedürfnisse, eine andere Generation. Ich bin plötzlich der Älteste, das macht auch etwas mit uns.“

„Im Rahmen des fünfjährigen Mergerplans hätten wir jedes Jahr Kostensynergien“, sagt Magenta Telekom-CEO Andreas Bierwirth.

Covid-19 und die Folgen

Hinsichtlich der Corona-Folgen meint Bierwirth, dass die Telekomwirtschaft zwar nicht zu den Verlierern zählt, aber ebenso schwer darunter leidet. Durch den Wegfall von Geschäftsreisen und Tourismus etwa haben sich auch die Roamingumsätze quasi über Nacht pulverisiert, das hat Auswirkungen auf die Ergebnisse. Umgekehrt fordert der Kapitalmarkt durch die zunehmende Digitalisierung, dem Trend zu Home-Office und Video-Conferencing steigende, zumindest aber stabile Gewinne. „Das heißt, wir müssen das, was wir durch Roaming verloren haben, aus uns selber wieder rausschnitzen, durch Kurzarbeit und Kostensenkungsprograme, um durch die nächsten 12 bis 24 Monate zu kommen.“

Hinzu kommt, dass sich das Thema Kostensenkung bei Magenta durch die noch laufende Integration von UPC potenziert. „Im Rahmen des fünfjährigen Mergerplans hätten wir jedes Jahr Kostensynergien“, sagt Bierwirth. „Jetzt müssen wir zusätzlich Kosten senken aufgrund der Corona-Situation. Das macht es für viele Mitarbeiter unverständlich. Wir sind ja stabil, bauen aber trotzdem Mitarbeiter ab. Das hat aber nichts mit Corona zu tun, sondern ist eine Folge des Mergers. Gleichzeitig müssen wir noch Kurzarbeit und andere Einsparungen machen, um den negativen Corona-Effekt wegzuarbeiten.“

Nicht zu vergessen: „Das Wichtigste ist natürlich, dass unsere Kunden im Businessbereich auch noch unsere Kunden bleiben, und nicht sozusagen die Krise zwar uns nicht betrifft, aber wir am Ende keine Kunden mehr haben, weil im Frühjahr die große Insolvenzwelle rollt. Das betrachten wir mit Sorge.“

Bierwirth zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Was uns sehr gutgetan hat, ist, dass die Systemrelevanz der Telkos für das Land klarer wurde. Wir sind ja ein sehr stark regulierter Bereich – siehe Telekommunikationsgesetz, Konsumentenschutz, Auktionen. Hier wird man uns künftig mit sehr viel mehr Augenmaß regulieren. Die Firmen müssen ja weiterhin fähig bleiben, in die Infrastruktur zu investieren.“

Fahren auf Sicht – mit Gefühl und Augenmaß

Published on 19. Oktober 2020

Im September drehte sich der österreichische Pkw-Markt erstmals, seit Ausbruch der Corona-Krise wieder ins Plus und verzeichnete 22.250 Neuzulassungen und damit ein Plus von 5,3 Prozent.

Gemessen an der Steigerungsrate ist die Sportwagenmarke Porsche die erfolgreichste Marke auf dem österreichischen Automarkt. Mit einem Plus von knapp 35 Prozent konnte sie ihre Neuzulassungen per Ende September auf 1.163 Stück erhöhen und ihren Marktanteil auf 0,6 Prozent verdoppeln. Annähernd die Hälfte des Markenvolumens in diesem Jahr ist bereits elektrifiziert, entweder als Plug-in-Hybrid (Cayenne bzw. Panamera) oder als reines Elektrofahrzeug (Taycan).

Herr Schützinger, wie laufen Ihre Geschäfte aktuell?

Die Neuwagenmärkte erholen sich langsam. In Österreich liegen wir mit unseren Marken kumuliert rund 27 Prozent unter dem Vorjahr.

Besser entwickeln sich der Verkauf von Gebrauchtwagen und das Servicegeschäft, sowie auch die Finanzdienstleistungen der Porsche Bank.

Bis zum Jahresende rechnen wir weiterhin mit einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld. Besonders wieder deutlich steigende Infektionsraten mit Covid-19 erfordern weiterhin ein „Fahren auf Sicht“.

Wie gehen Sie denn mit der Krise um?

Hier waren wir stark gefordert, weil innerhalb nur weniger Wochen in all unseren 29 Märkten, in denen wir im Autohandel tätig sind, das Geschäft praktisch zum Erliegen kam. Wir mussten kostenseitig daher rasch gegensteuern und haben einerseits u.a. die Lagerbestände nach unten gefahren und andererseits, dort wo es möglich war, Kurzarbeit eingeführt.

Uns war es wichtig, während des Lockdowns die Kommunikation zu unseren Mitarbeitern aufrecht zu erhalten, erklärt Schützinger.
Stichwort Mitarbeiter: Wie sind Sie mit Ihren Leuten umgegangen?

Uns war es wichtig, während des Lockdowns die Kommunikation zu unseren Mitarbeitern aufrecht zu erhalten und sie über die aktuelle Lage in regelmäßigen Abständen zu informieren. Dies geschah in Form von schriftlichen Informationen, aber auch virtuell, über Microsoft TEAMS, über die wir unsere Mitarbeiter auf dem Laufenden hielten.

Unser Krisenstab tagt weiterhin in regelmäßigen Abständen: Wir haben klare Verhaltensregeln definiert, die wir auch konsequent umsetzen. Die Mitarbeiter arbeiten zum Teil weiterhin noch in einem Rotationsprinzip von zu Hause aus und können auch über unser Intranet alle aktuellen Covid-Informationen abrufen.

Welche Modelle stehen jetzt in den Schaufenstern?

Nach dem Lockdown – während dem auch die Werke über mehrere Wochen schließen mussten – ist die Produktion zwischenzeitig wieder voll angelaufen. Zahlreiche neue Modelle wurden seither eingeführt wie z.B. das Volkswagen T-Roc Cabrio, der neue Tiguan, der neue A3 und Q5, der Seat Leon und Ateca, der CUPRA Formentor. Bei Skoda gibt es den neuen Octavia und bei Porsche den neuen 911 Targa.

Der neue Volkswagen ID.3

Absolutes Highlight ist der neue ID.3, das erste rein elektrische Modell auf der neuen MEB-Plattform (Modularer-Elektrifizierungs-Baukasten), von dem im September bereits 250 Fahrzeuge in Österreich zugelassen wurden. Der ID.3 läutet die neue Generation an E-Fahrzeugen ein. Weitere Modelle aus dem Volkswagen Konzern werden in Kürze folgen!

Stichwort E-Mobility und neue Technologien: Wie geht’s da weiter?

Der Volkswagen Konzern bekennt sich zum Pariser Klimaschutzabkommen und hat das Ziel, bis 2050 ein bilanziell CO2-neutrales Unternehmen zu werden. Dazu plant der Konzern bis 2029 75 reine E- Modelle weltweit auf den Markt zu bringen und dazu weitere 60 Hybridmodelle. Sie sehen also: an der Elektromobilität führt kein Weg vorbei und als weltweit agierende Vertriebstochter werden wir unseren Beitrag leisten, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

Weitere Zukunftsthemen, die der Volkswagen Konzern konsequent vorantreibt, sind die Digitalisierung und das autonome Fahren: beides Schlüsselthemen für die Transformation unseres Kerngeschäfts! Volkswagen wird damit vom Automobilhersteller zum Tech-Konzern und integrierten Mobilitätsanbieter.

Zu Beginn unseres Gesprächs haben Sie die Porsche Bank angesprochen …

Als Finanzdienstleister trägt sie sehr wesentlich zu unserem Erfolg bei. 2019 kam die Porsche Bank Gruppe, die neben Österreich in den CEE-Märkten sowie in Chile und Kolumbien tätig ist, mit mehr als 1,8 Millionen Verträgen im Bestand auf ein neues Rekordergebnis.

Darüber hinaus ist die Porsche Bank die klare Nummer 1 auf dem österreichischen Kfz-Leasing-Markt. Der Bestand der Finanzierungsverträge (Leasing und Kredit) lag 2019 bei über 225.000.

OMV Dr. Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der OMV, und Dr. Hans Peter Schützinger, Porsche Holding Salzburg.
Außerdem haben Sie jetzt ein wahres Megaprojekt finalisiert?

Mit der Eröffnung des Volkswagen Kompetenzzentrums Anfang November stellt Porsche Wien-Liesing ein weiteres Highlight seines Megabauprojektes fertig. Damit steht das größte Einzelhandelsinvestitionsprojekt in der Geschichte der Porsche Holding Salzburg kurz vor dem Abschluss.

In knapp vier Jahren wurden bei laufendem Betrieb alle Markenschauräume nach modernster Werksarchitektur neu errichtet, ebenso, wie der gesamte Servicebereich, komplett erneuert bzw. umgestaltet und modernisiert wurde.

Also insgesamt doch ganz gute Aussichten – dem Virus zum Trotz?

In jenen Märkten, in denen wir als Importeur tätig sind, haben wir während dem Lockdown und auch danach die gesamte Vertriebsorganisation unserer Marken mit unterschiedlichen (finanziellen) Maßnahmen unterstützt und damit gut durch die Corona-Wirren geführt.

Wir konnten in diesem Jahr in allen Ländern Marktanteile steigern und unsere Marktperformance verbessern und gehen somit gestärkt aus der Krise hervor!

Spotlights aus Brüssel

Published on 16. Oktober 2020

Digitale Bildung und Forschung

Das sind die Erfolgsfaktoren Nr. 1, damit Europa im globalen Wettbewerb bestehen kann. Daher müssen diese Themen auch im europäischen Wiederaufbauplan entsprechend berücksichtigt werden.

Die EU-Kommission hat kürzlich drei Initiativen im Bereich Bildung und Forschung präsentiert: den Aktionsplan für digitale Bildung, eine Initiative zum Europäischen Bildungsraum sowie eine zum Europäischen Forschungsraum.

Starker Einsatz für die „de minimis-Erhöhung“

Es steht zu befürchten, dass das Europäische Parlament in seinen Verhandlungen mit dem Rat die von Kommission und Parlament vorgeschlagene Hilfe für existenzgefährdete Betriebe (Solvency Aid) nicht erhalten wird.

Umso wichtiger wäre es, wenn die Kommission unbürokratisch rasche Hilfe ermöglicht: Die Erhöhung von staatlichen Beihilfen von derzeit max. 200.000 auf 500.000 Euro ohne europäische Prüfung und Genehmigung sollte zumindest während der Corona-Krise eine wirksame Unterstützung europäischer Betriebe sein. Eurochambres-Mitglieder treten auf der nationalen Ebene und auch in den Medien dafür verstärkt ein.

Einheitliche Kriterien für Reiseverkehr

Wer heute in Europa eine Reise unternehmen will, stößt auf eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Ein- und Ausreiseregelungen, verschärft natürlich durch die sich täglich ändernde Covid-19-Situation. Dies beeinträchtigt massiv den Geschäfts- und Freizeittourismus. Unklare und unverständliche Vorgaben werden oft mehr von Willkür als von Sachverstand geleitet.

Meine Forderung: Einheitliche und klare Kriterien für ganz Europa, zumindest als Empfehlung der EU.

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, hält die Erholung der europäischen Wirtschaft für „unvollständig, unsicher und holprig“.

EZB zweifelt an rascher Erholung

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, hält die Erholung der europäischen Wirtschaft für „unvollständig, unsicher und holprig“.

Falls erforderlich, werde die EZB daher ihre Instrumente anpassen. Eurochambres wird diese Überlegungen begleiten und konkrete Vorschläge dazu einbringen.

Starker Euro erschwert Exporte

Der hohe Wechselkurs des Euro zum Dollar kommt gerade für exportierende Unternehmen zur falschen Zeit. Exporte werden dadurch erschwert, Importe aus dem Dollar-Raum zwar verbilligt, was jedoch bei der derzeit sehr niedrigen Inflation kein starkes Argument ist.

Immerhin jedoch ist es ein gutes Zeichen, dass man der europäischen Wirtschaft in hohem Maße vertraut.

Europa fehlt ein Gesamtplan einer Kooperation mit Afrika!

EU – Afrika

Die geplante Konferenz für eine verstärkte Kooperation zwischen der Europäischen Union und Afrika wurde auf das kommende Jahr verschoben. Es findet derzeit auch keine virtuelle Konferenz dazu statt. Dies ist aus meiner Sicht bedauernswert, weil es auf elektronischem Weg genug Möglichkeiten gibt, Ideen, Anregungen, Erfahrungen und Potentiale aufzuzeigen, daran zu arbeiten und sie als Vorbereitung für eine Konferenz einzubringen.

Europa fehlt ein Gesamtplan einer Kooperation mit Afrika! Viele einzelne Beispiele sind in höchstem Maße anerkennenswert, aber eine koordinierte Strategie, die dringend notwendig wäre und die auch unseren Betrieben viele Chancen eröffnen würde, fehlt.

„Man wird bescheiden“

Published on 16. Oktober 2020

Mit 409.000 Arbeitslosen Ende September bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Stehen wir vor einer zweiten Welle?

Mit diesen Zahlen kann man natürlich nicht zufrieden sein. Aber mit wir sind jetzt doch deutlich unter dem Höchstwert von 530.000 Personen, die Mitte April arbeitslos gemeldet oder in Schulungen waren. Ende September lagen wir um 22 Prozent über dem Wert des Vorjahres, das ist immer noch viel zu hoch, aber besser als in den Vormonaten – man wird ja bescheiden. Von einer „zweiten Welle“ am Arbeitsmarkt kann erfreulicherweise nicht gesprochen werden, trotzt strengerer Gesundheitsmaßnahmen. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit hat sich reduziert. Und auch die Sommersaison im Tourismus ist in vielen Regionen besser gelaufen als befürchtet.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung, was kommt da auf uns zu?

In den Wintermonaten kommen erfahrungsgemäß rund 100.000 Saisonarbeitslose auf den Arbeitsmarkt, vor allem aus den Branchen Bau und Tourismus. Diese mit eingerechnet, erwarte ich für Jänner mit rund einer halbe Million Personen, die arbeitslos gemeldet oder in Schulungen sind.

Die Bundesregierung will 700 Millionen in Umschulung und Weiterbildung von Arbeitslosen investieren. Ist das der richtige Ansatz?

Diese zusätzlichen Mittel – und das ist wirklich ein großes Paket – sind absolut sinnvoll. Denn in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt stark belastet ist, ist es am besten, in Qualifizierung und Weiterbildung zu investieren. Sobald die Konjunktur wieder anzieht, werden genau diese ausgebildeten Fachkräfte benötigt. Deshalb war es auch wichtig, dass wir die Zahl der angebotenen Lehrstellen von 10.000 auf 13.000 erhöhen konnten.

Es gibt mehr Arbeitslose als sonst, trotzdem fehlt es in manchen Branchen an Fachkräften. Ist Corona ein Anlass, mal wieder über eine Verschärfung von Zumutbarkeitsregelungen nachzudenken?

Ich sehe dieses Thema derzeit nicht. Das ist eher relevant, wenn das Angebot an Arbeitskräften gering ist. Aber natürlich gilt auch jetzt: Wer mobil ist, hat bessere Chancen auf einen neuen Job.

Droht uns eine höhere Sockelarbeitslosigkeit von Menschen, die dauerhaft arbeitslos sind?

Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass solche Krisen auf die Langzeitarbeitslosigkeit einen negativen Effekt haben. Das ist auch dieses Mal zu befürchten. Denn jetzt werden bevorzugt Personen eingestellt, die aus der Kurzarbeit kommen – mit dem Effekt, dass die „mittleren“ Arbeitslosen in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen. Auch da hilft nur Qualifikation.

Der Chef des Instituts für Höhere Studien, Martin Kocher, erwartet, das wir erst 2024 wieder auf das Vor-Krisen-Niveau bei der Arbeitslosigkeit herunter kommen. Sehen Sie das auch so pessimistisch?

Es ist schwer, das so genau zu prognostizieren. Aber ich erwarte auch, dass uns die Probleme, die wir jetzt aufbauen, die nächsten zwei bis drei Jahre beschäftigen werden. Es hängt alles davon ab, wie schnell wir aus der Talsohle wieder herauskommen. Und natürlich auch davon, wie lange die finanziellen Ressourcen der Unternehmen noch reichen, diese kritische Phase durch zu tauchen. Nach der Finanzkrise 2009 ist es recht schnell wieder nach oben gegangen. Ich wünsche mir, dass das jetzt auch wieder gelingt.

Autor/in: Mag. Arne Johannsen

„Wir können ein Milliarden-Unternehmen werden“

Published on 5. Oktober 2020

Herr Jäger, man erschrickt beinahe über die faszinierende Vielfalt Ihrer Unternehmensgruppe …

Mich beschäftigen und interessieren verschiedenste Bereiche – es sind ausschließlich Geschäftsfelder, die mich auch emotional berühren. Weiters hatte ich einen kleinen Startvorteil, da ich aus einer Unternehmerfamilie stamme – mein Großvater hat sein „Start-up“ 1933 initiiert.

Angefangen habe ich übrigens in „Ihrer“ Branche, nämlich im Medien-Business. Mit Büros in Hamburg, Leipzig, München und Stockelsdorf (bei Lübeck) sind wir vor allem in Deutschland als bestens etablierter Vertriebspartner aktiv und erfolgreich. Dieses Geschäft sorgt für kontinuierliche, sichere Erträge bzw. Umsätze und wird sich durchaus auch in Zukunft gut behaupten.

Und dann?

Dann ist das eine oder andere dazugekommen … (lacht)

Mit der börsennotierten Preos Real Estate AG entwickeln wir Gewerbeimmobilien – vor allem in deutschen Ballungsräumen. Weiters agiere ich als Venture Capitalist und Startup-Financier vor allem im Fitness- und MedTech-Bereich. Ein Beispiel für ersteres ist Quanta mit kompakten und multifunktionalen Hämodialyse-Systemen. Bei EasyMotionSkin bin ich vor einigen Jahren als Investor eingestiegen. Mittlerweile gehört mir das Unternehmen zur Gänze und bildet eine eigene, international tätige, Unternehmensgruppe in der Jäger Firmengruppe.

Christian Jäger hat zu den verschiedensten Themen eine ganze Menge zu sagen …

Sportmanager sind Sie auch … Weltmeisterin Christina Hammer oder Weltmeister Manuel Charr findet man auf Ihrer Liste.

Ja, das kommt mit meinem Engagement im Sport- und Fitnessbereich. Es geht mir eben keinesfalls ausschließlich um die Optimierung von Cashflow, Rendite oder Umsatz. Mir liegt die Gesundheit am Herzen – natürlich meine eigene und das Wohl meiner Familie, ebenso das Wohlbefinden der Mitmenschen. Fitness und Wellness sind wesentliche Bestandteile eines erfüllten Lebens – und auch Grundvoraussetzung für jeden langfristigen unternehmerischen Erfolg.

Mens sana in corpore sano: Ohne gesunden Körper und gesunden Geist kann es kein gesundes Unternehmen geben.

Trotzdem noch einmal zurück zu den harten Fakten: Wie übersteht Ihre Gruppe die Corona-Pandemie?

Wir sind unverändert stolz auf permanentes Wachstum in allen Unternehmen und haben praktisch kaum oder keine Einbrüche zu verzeichnen. Das führe ich auf die strategische Ausrichtung der Unternehmen zurück und liegt zudem am Umstand, dass Gesundheit und Fitness auch und gerade in schwierigen Zeiten unverzichtbar sind.

Meine Mitarbeiter und Partner in der Unternehmensgruppe ziehen mit mir an einem Strang, sie bilden die Basis für alle unsere Erfolge und verkörpern unseren erfolgreichen Team-Geist nach außen.

Ihre besondere Liebe gehört jenem Projekt, auf das wir uns in der Headline beziehen …

Definitiv. Soeben haben wir dafür einen Neubau – den EasyMotionSkin DOME – in Seefeld (Tirol) um mehrere Millionen € als Leuchtturmprojekt für die Branche realisiert! EasyMotionSkin ist das „kleinste Fitnessstudio der Welt“, mit überragend positiven Aspekten in allen Bereichen.

Dieses Produkt verkörpert sozusagen 1:1 meine Lebens- und Unternehmerphilosophie: Es gibt keine Grenzen, jeder kann über sich hinauswachsen und mental und physisch erfahren, zu welchen Riesenerfolgen sie oder er fähig ist. EasyMotionSkin inspiriert, verändert, formt und fördert die Gesundheit und führt jeden Menschen – nicht nur Unternehmer – „gesund zum Erfolg“.

So weit die hymnische Vision … was dürfen sich unsere Leser konkret darunter vorstellen?

EasyMotionSkin ist ein Trainingsanzug oder besser – ein Trainingssystem –mit hochentwickelter Elektromuskelstimulation (EMS). Das „World’s Smallest Gym“, wie wir gerne sagen, trainiert und regeneriert den Körper mit der innovativsten Form von Elektromuskelstimulation. Dabei pushen patentierte Trockenelektroden mit niederfrequenten elektrischen Impulsen bis zu 90 Prozent der Körpermuskulatur und sorgen dadurch für erhöhte Sauerstoffaufnahme und die Steigerung von Muskelkraft und Leistung – kurz für optimale Trainingseffekte. EMS-Workouts verbrauchen dreimal mehr Kalorien und sind bis zu 18mal effizienter als klassische Trainings.

Unser besonderer Vorteil: EasyMotionSkin ist kabellos und damit grenzenlos frei in der Wahl der Trainings. Ob in den eigenen vier Wänden, im Fitness-Studio, beim Golfen oder draußen im Wald, beispielsweise beim Spaziergang mit dem Hund. Mittels App steuert man die zahlreichen Anwenderprogramme auf dem Phone. Die medizinisch entwickelte Regenerationsprogramme sind übrigens der perfekte Abschluss nach einem intensiven Training oder harten Arbeitstag.

Das klingt gut – aber gerade in diesem Bereich muss doch auch wissenschaftlich alles hieb- und stichfest geprüft und bewiesen sein …

Selbstverständlich. EasyMotionSkin fußt auf den Erkenntnissen und Forschungen des führenden Herzmediziners und Chefarztes Prof. Dr. Dirk Fritzsche. Er hat das erste kabellose EMS-System entwickelt und die erste Trockenelektrode patentiert, nach mehr als 2.000 Trainingseinheiten an Patienten. Zu den Schlüsselergebnissen zählen die geleistete Kraft sowie die Absenkung von Blutdruck und -zucker.

Österreichs Pioniergolfer Markus Brier.

Also ein Produkt mit einer Vision weit über den D-A-CH-Raum hinaus …

Völlig richtig! EasyMotionSkin gibt es natürlich in Europa und auch bereits in China, Iran, Japan, Mexiko, Russland und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wir können auf jede Menge absolut überzeugte „Testimonials“ wie Rodelweltmeister Wolfgang Kindl, den österreichischen Pioniergolfer Markus Brier, Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier, SKY Sport – Moderatorin Sylvia Walker, Schauspieler Ralf Moeller und viele andere verweisen.

Selbstverständlich wird EasyMotionSkin ständig weiterentwickelt und nach höchsten Qualitätsstandards in Deutschland produziert. Unser neuester Deal hat mit der Raumfahrt zu tun, ich bin sehr zuversichtlich, dass EasyMotionSkin schon bald auch das Weltall erobert!

Christian Jäger vor dem Alpenchalet Wildmoos.
Verraten Sie uns zum Abschluss auch noch ein wenig aus Ihrer Privatsphäre und können Sie unseren Lesern etwas Nachhaltiges „mitgeben“?

Ich habe eine wundervolle Frau und drei großartige Kinder und selbstverständlich arbeite ich in ihren Augen (noch) immer viel zu viel … Bin aber sehr um weiter voranschreitende Strukturierung meiner selbst bemüht. (Lächelt.)

Und wenn Sie gestatten, darf ich hier meine sechs „Erfolgsregeln“ publizieren?

Sehr gerne und vielen Dank für das Gespräch!

Die sechs Erfolgsregeln
des Christian Jäger

Regel 1)
Glaube an Dich. Erfolg beginnt im Kopf.

Wenn Du nicht an Dich glaubst, glaubt auch kein anderer an Dich und Deine Ideen. Heute bin ich als Investor in der Situation, zusammen mit Gründern und Geschäftspartnern ihre Ideen nach vorne zu bringen. Wir glauben gemeinsam als Team daran, dass wir etwas Großes schaffen können. Dieser Glaube ist das, was Dich antreibt, wann immer Du in Dir selbst die Kraft suchst, weiterzumachen.

Und genau mit diesem Glauben hat auch die Erfolgsgeschichte von EasyMotionSkin begonnen – sie ist sozusagen das Produkt zu dieser Regel: Du musst glauben, dass Du besser sein kannst, Du musst aus Dir selbst heraus Grenzen überwinden wollen, wenn Du den blauen Anzug anlegst. Genau dann wirst Du es schaffen. Für alle die, die kein Limit akzeptieren – für die ist EasyMotionSkin.

Regel 2)
Arbeite hart und trainiere deinen Körper.

Jeden Morgen, wenn es noch dunkel ist, stehe ich auf, ziehe meinen blauen Anzug an und trainiere. Es ist ein festes Ritual, bei dem ich mit jedem Schritt und jeder Wiederholung dem inneren Schweinhund zurufe, dass er keine Macht über mich hat. Ja, Erfolg ist kein Glück, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Es braucht Fleiß, Schweiß und Disziplin, um seine Ziele zu erreichen.

Dabei ist unser Körper mehr als nur ein Werkzeug. Ihm wohnt die Kraft inne, auch in kritischen Situationen gelassen zu agieren und in Extremsituationen unternehmerisch die richtigen Entscheidungen zu treffen – auch nach 18-Stunden-Tagen. Deshalb braucht ein gesundes Unternehmen einen Unternehmer an der Spitze mit einem gesunden Körper. Diese Regel ist so einfach und doch so schwer täglich umzusetzen.

Regel 3)
Erst Widerstände formen den Charakter.

Widerstände sind das, woran wir wachsen. Es ist das, was uns stärker macht. Bei ruhigem Seegang auf der Brücke zu stehen und Kapitän zu spielen, ist das Einfachste der Welt. Erst wenn die See rauer wird, wenn Dir das Wasser von allen Seiten ins Gesicht peitscht, erst dann zeigt sich, aus welchem Holz Du geschnitzt bist.

Das zeichnet den Unternehmer aus: Auf der Brücke zu stehen und das Schiff zu steuern, wenn der Sturm am heftigsten tobt. Wenn dann die Stille eintritt, hast Du eine weitere wichtige Lektion in Deinem Leben gelernt. Du bist stärker geworden. Und der nächste Sturm wird Dir weniger anhaben können. Auch bei EasyMotionSkin arbeiten wir bewusst gegen Widerstände. Sie sind elektrisch und oftmals so stark, dass wir im ersten Moment nicht glauben, sie überwinden zu können. Und dann bewegst Du Dich und merkst: Du schaffst das.

Regel 4)
Ignoriere die Nein-Sager.

 „Nein.“ „Das geht nicht.“ „Das schaffst Du niemals.“ Stell Dir vor, wenn Steve Jobs oder Michael Jordan auf die Nörgler und Zweifler gehört und aufgegeben hätten? Es gäbe keine Flugzeuge, keine Autos und wir wären auch niemals zum Mond geflogen. Vor jeder großen Revolution stand immer ein großes: NEIN! Auch Du solltest die Stimmen nicht beachten, die Dich klein machen wollen.

Ich liebe Nein-Sager – Sie sind für mich Ansporn und Motivation, weil ich weiß, dass ich jetzt einen Weg gehe, den die meisten niemals gehen würden, den sie für unmöglich halten und der ihnen Angst bereitet. Genau auf diesem Weg will ich sein. Ich will dorthin, wo noch nie ein anderer gewesen ist. Ich will den Nein-Sagern jeden Tag mein „Ja!“ zurufen. „Ja, ich schaffe das!“ Das ist es, was auch Du Dir jeden Tag sagen musst.

Regel 5)
Verkaufe nur das, von dem du selbst überzeugt bist.

EasyMotionSkin ist mein Baby. Ich glaube fest an die Idee, dass man Menschen GESUND ZUM ERFOLG bringen kann. Dass in Menschen viel, viel mehr steckt, als sie selbst für möglich halten. Der blaue Anzug ist für mich wie eine Art Superman- oder Superwoman-Anzug, den man überstreift, um über die eigenen Grenzen zu gehen, um Großartiges zu schaffen.

Ich trage diesen Anzug jeden Tag. Ich trainiere hart, diszipliniert und befolge meine sechs Regeln. Jeden Tag. Für etwas anderes könnte ich niemals stehen. Etwas, was ich nicht selbst lebe, könnte ich niemals verkaufen. Deshalb: Brenne lichterloh, sei authentisch, sei selbst Dein glühendster und begeistertster Kunde und Du wirst auch andere mit Deiner Idee anzünden.

Regel 6)
Sei dankbar und gib etwas zurück.

Jeden Tag stehe ich morgens auf, blicke mich um und bin voller Dankbarkeit für das, was mir das Leben gegeben hat. Ich bin dankbar für die Menschen, die an mich glauben, die mich inspiriert haben und die zu mir stehen. Auch wenn ich dann in aller Frühe in meinem blauen Anzug durch den Wald laufe und tief die klare Morgenluft einatme, bin ich erfüllt von einem tiefen positiven Gefühl der Dankbarkeit: Für die Natur und dafür, dass ich gesund bin.

Gesund sein ist nicht selbstverständlich. Es ist ein hohes Gut und ohne Gesundheit ist alles nichts. Deshalb ist es so wichtig, die eigene Gesundheit zu schützen und anderen dabei zu helfen, selbst ein erfülltes, erfolgreiches und gesundes Leben zu führen. Nichts macht glücklicher und erfüllt mit mehr Zufriedenheit, als der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.
Nichts!

Netze statt Ketten

Published on 19. September 2020

Die Corona-Pandemie dauert mittlerweile ein halbes Jahr. Wie geht es aktuell der heimischen Exportwirtschaft?

2019 war mit 154 Mrd. Euro an österreichischen Warenexporten ein Rekordjahr, die Landung in der Corona-Realität war umso härter. Gerade für unsere international eng verflochtene Wirtschaft ist das eine ziemliche Herausforderung. Natürlich haben viele Unternehmen besonders mit der gesunkenen Nachfrage zu kämpfen, aber Rückmeldungen unserer Exportfirmen und aktuelle internationale Wirtschaftsindikatoren geben Anlass zur Hoffnung. Da niemand genau absehen kann, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, sind das Vertrauen und die Investitionsbereitschaft sehr gering. Sehr deutlich wird das auch anhand der aktuellen Zahlen. Die Konsumenten kaufen weniger Autos, sie fliegen weniger auf Urlaub, und sie schieben allgemein größere Investitionen lieber auf. Das schlägt sich natürlich auch auf den B2B-Bereich durch.

Gibt es auch Lichtblicke?

Die letzten Exportzahlen geben Hoffnung. Die OeNB hat das prognostizierte Minus beim BIP von –7,2 % auf minus sechs reduziert. Im Mai gab es bei den Exporten noch ein Minus von 25 %, im Juli hat sich das Minus auf 7 % reduziert. Auch viele Einkaufsmanagerindizes in ganz Europa sind aktuell wieder über der Wachstumsschwelle. Positives kommt aus der für uns wegen enger Zulieferverflechtungen so wichtigen deutschen Industrie: Sie verzeichnete im Juli einen Anstieg der Auftragseingänge um 27,9 %. Diese positiven Tendenzen sind sicher auch auf die Erfolge beim Zurückdrängen des Virus zurückzuführen. Es sind also positive Signale erkennbar. Nun lautet die große Frage, wie es weitergeht; Ob der Tanz zwischen Öffnung und Achtsamkeit gelingt und die Konsumenten wieder Vertrauen schöpfen. Wenn das klappt, können wir die Phase durchstehen. Eine wesentliche Rolle für die Stabilisierung werden auch weitere öffentliche Investitionen spielen. 

Welche Branchen leiden besonders, welche weniger?

Über alle Bereiche hinweg verzeichnen wir in den ersten fünf Monaten 2020 einen Rückgang bei den Warenexporten von 12,9 %. Besonders schwer hat es manche Kernbereiche Österreichs getroffen. Etwa die Maschinen- und Fahrzeugproduktion, die ein Minus von 23 % im Export verzeichnet. Auch bearbeitete Waren und Rohstoffe haben ein Minus von 15 % hinnehmen müssen. Positiv hat sich dagegen der Bereich der Nahrungsmittel und Getränke entwickelt und auch die chemische Industrie. Manche Branchen konnten sich also bislang gut halten. Aber Fakt ist: Im klassischen Exportgeschäft braucht man neue Aufträge. 

Trauen Sie sich eine Prognose zu, was das restliche Jahr bringen wird?

Wir glauben daran, dass sich der positive Trend fortsetzt. Die Devise lautet jetzt, auf Sicht fahren, denn aktuell weiß niemand wirklich, was um die Ecke kommt. Ich würde allerdings meinen, dass es in die richtige Richtung geht. Nur kann sich das leider sehr schnell wieder ändern. Wenn im September und Oktober die Nachfrage wieder einbricht, sind alle positiven Entwicklungen dahin. Das ist aus Sicht des einzelnen Unternehmens so, das gilt aber auch global. Darum müssen wir versuchen, Nachfrage zu schaffen, um das finanzielle Risiko abzufedern.

Wie kann das gelingen?

Nachfrage schaffen wir konkret durch recht hemdsärmelige Arbeit mit den Firmen. Alle unsere Büros sind weltweit besetzt, und die Mitarbeiter vor Ort vernetzen lokale Betriebe mit potenziellen Lieferanten aus Österreich. Wir arbeiten aktuell natürlich vermehrt mit digitalen Formaten, anstatt mit Wirtschaftsmissionen. Virtuelle Treffen sind gut, um die Kundenbindung aufrechtzuerhalten, sie sind aber kein vollwertiger Ersatz für persönliche Treffen mit Neukunden. Da wir vor Ort sind und Neukunden persönlich vorselektieren und dann die Unternehmen vorstellen können, klappt es aber durchaus gut. Im Herbst planen wir auch wieder Wirtschaftsmissionen und Messepräsenzen in der Nachbarschaft. Wir möchten möglichst früh wieder draußen sein – wenn es die Lage zulässt.

Sie vernetzen nicht nur Unternehmen, Sie sorgen auch für Wissenstransfer und präsentieren heimischen Betrieben spannende Innovationen aus aller Welt. Wie gut hat sich dieser Ansatz etabliert?

Dass wir nicht nur den Export unterstützen wollen, sondern auch neue Ideen vermitteln, kommt sehr gut an. Denn wir müssen von den weltbesten Betrieben lernen und uns austauschen. Die Zukunftsreisen haben wir nun auch durch digitale Workshops und interaktive Formate ersetzt. Wenn wir das Format nicht schon vor Jahren erfunden hätten, müssten wir es heute tun. 

Welche Regionen entwickeln sich denn besonders dynamisch?

An erster Stelle ist Südostasien zu nennen. Die Region entwickelt immer mehr Produktionspower, es gibt dort tolle Start-ups und Geschäftsideen. Die Nähe zu etablierten Ländern wie Japan, Südkorea und Singapur, aber auch zu China beschleunigt die Entwicklung. Sehr spannend ist aber auch der Südkaukasus, wo wir gerade einen Stützpunkt planen. Natürlich ist auch weiterhin die Dynamik in Afrika sehr hoch – vor allem im Osten und Westen. Da bringen wir uns schon jetzt in Stellung, weil es schnell gehen kann, wenn sich erst der Nebel lichtet.

Welche Unterstützungsleistungen können Exporteure gerade anzapfen?

Wir helfen natürlich bei Problemen aller Art vor Ort. Finanzielle Förderungen bietet das Exportförderprogramm „go-international“ der WKÖ gemeinsam mit dem BMDW. Dabei handelt es sich um Direktschecks. Mit dem Betriebsmittelfinanzierungsfonds der OeKB stehen darüber hinaus drei Milliarden bereit.

Die Krise hat Abhängigkeiten deutlich gemacht, weswegen die Politik laut über Lieferketten und die Rückverlagerung von Produktion nach Europa nachzudenken begonnen hat. Ein sinnvoller Ansatz?

Reshoring wird planwirtschaftlich sicher nicht funktionieren. Aber ich bin dafür, dass man die Produktion gewisser Schlüsselsektoren wie etwa Pharmazeutika in Europa hält. Ein Bild, das mir besser gefällt, zeichnet sich bei den Wertschöpfungsketten ab. Ketten haben ja viele Glieder, und wenn eines ausfällt, ist sie unterbrochen. Darum brauchen wir Wertschöpfungsnetze. Wenn ein Knotenpunkt in einem Netz zerreißt, kann man ausweichen. Staaten und Unternehmen sollten jetzt also vom Singlesourcing zum Multiplesourcing übergehen.

Passiert das bereits?

Das Bewusstsein ist sicher da. Allerdings muss man immer genau prüfen, ob es sich wirklich auszahlt. Risikostreuung ist aufgrund der Erfahrungen in der Krise für viele Betriebe ein großes Thema. Sie kostet aber mehr, und oft ist sie gar nicht möglich. 

Wieso?

Manche Hidden Champions haben zum Beispiel sehr spezielle Anforderungen und finden überhaupt keinen zweiten Lieferanten, der in der benötigten Qualität liefern kann. Insgesamt wird die Beschaffung digitaler, auch dieser Umstand spricht für Netze. Denn unser System wird komplexer. Deswegen brauchen wir noch mehr Handelsabkommen. Wenn das gelingt, erhalten wir in neuen Netzwerken die Chance, unsere Stärken auszuspielen. Wenn wir uns auf unsere Stärken fokussieren, dann können wir ein innovatives Kompetenzzentrum werden.

Autor/in: Mag. Stephan Strzyzowski

Ersterscheinung: https: //www.die-wirtschaft.at

Das Allerneueste aus Europa

Published on 18. September 2020

Es war die erste Rede und es war eine umfassende Rede. Situationsgemäß hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Corona begonnen und die schnelle Einigung beim Wiederaufbaupaket hervorgehoben. Es ist in der Tat beachtlich, was hier in der Europäischen Union auf den Weg gebracht worden ist.

Zugleich gilt es aber, konsequent weiterzudenken und zu handeln: einen koordinierten Ansatz bei allen Corona Maßnahmen, sowohl im Gesundheitsbereich als auch im Reiseverkehr. Binnenmarkt und Schengen müssen wiederhergestellt werden, nachhaltige Zukunftsinvestitionen angegangen, Fokus auf Digitalisierung und Ausbau der Infrastruktur sowie den Aufbau einer Datenwirtschaft und einen Rahmen für Künstliche Intelligenz gelegt werden.

Ganz entscheidende Prioritäten

Daneben wird der Fokus auf den sozialen Bereich (europäischer Mindestlohn) gelegt, wobei erfreulicherweise das nationale Kollektivvertragsrecht ausdrücklich erwähnt worden ist.

Der Ausbau eines voll funktionierenden Binnenmarktes mit Abbau von Bürokratie und Erweiterung dieses Binnenmarktes im Bereich der Digitalisierung, der Energie und auch des Kapitalmarktes wurden genannt und sind tatsächlich auch aus meiner Sicht ganz entscheidende Prioritäten.

Einen großen Stellenwert nimmt auch der sogenannte „Green Deal“ ein. Ich bin allerdings sehr skeptisch, dass das angestrebte Ziel im Jahr 2030 an Stelle einer Reduktion von CO² von 40 Prozent eine solche von 55 Prozent zu erreichen realistisch ist. Ehrlich gesagt: Ich glaube es nicht und ich halte auch die Vorgangsweise dazu nicht für optimal. Politik kann natürlich Ziele formulieren, aber ohne die Einbindung aller Stakeholders wird die Umsetzung kaum gelingen.

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission.

Ein Plädoyer für Circular Economy

Wenn die Europäische Union dieses Reduktionsziel von 50 Prozent bis 2050 tatsächlich erreichen will, ist dazu ein Masterplan mit 30 konkreten Jahresteilzielen erforderlich, der zwischen Politik, Wirtschaft und den Konsumentenvertretungen abgestimmt ist. Ohne das Bewusstsein der Konsumenten kein entsprechendes Handeln der Betriebe, die Politik muss legistische Rahmenbedingungen und Anreize dafür setzen. Auf diese Weise kann man sich zu diesem Ziel bekennen, ja es sogar noch erweitern: Die Kreislaufwirtschaft „Circular Economy“ geht weit über das CO²-Reduktionsziel hinaus und eröffnet eine völlig neue Philosophie des Wirtschaftens: Ressourcen, die gebraucht werden, sollen nach dem Gebrauch wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eine solche Strategie hätte auch eine gewaltige Innovationskraft und könnte Europa an die Spitze einer weltweiten Entwicklung setzen.

Ähnliches gilt auch für Digitalisierung. Von der Leyen hat eine „Digital Decade“ ausgerufen, verbunden mit einer echten Datenwirtschaft, einer europäischen Cloud, künstlicher Intelligenz und einem Breitbandausbau.

Diese Digitalisierung sollte ebenfalls von den Praktikern mitbegleitet werden. Dazu gibt es den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, der neben dem Europäischen Rat, der Kommission und dem Parlament der vierte Stützpfeiler der EU-Verfassung ist. Dort vertreten sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beide von der digitalen Entwicklung massiv betroffen, beide könnten in Kooperation konkrete Konzepte entwickeln, wie Digitalisierung eine Chance wird und keine Bedrohung darstellt. Insbesondere geht es auch darum, kleinere und mittlere Betriebe nicht aus Wertschöpfungsketten herausfallen zu lassen, aber auch jedem einzelnen Mitarbeitenden in den Unternehmungen das Gefühl zu geben, dass er weiß, welche Anforderungen in der Zukunft an ihn gestellt werden und was er tun muss, um diese Anforderungen auch tatsächlich erfüllen zu können.

Mit China sind intensive Verhandlungen, mit dem Ziel eines Investitionsabkommen im Laufen.

Brexit – und China!

Von der Leyen ist schließlich auf die Partnerschaften mit anderen Teilen der Welt eingegangen und hat sich insbesondere skeptisch bezüglich eines Abkommens mit Großbritannien geäußert. Tatsächlich sieht es so aus, als ob entgegen jeglicher Vernunft Großbritannien ein Abkommen grundsätzlich ablehnt. Ob das nur ein Pokerspiel ist oder ob damit Ernsthaftigkeit verbunden ist, werden schon die nächsten Tage zeigen.

Interessant ist, dass mit China intensive Verhandlungen mit dem Ziel eines Investitionsabkommens im Laufen sind und dass dies die Auseinandersetzung zwischen China und den USA durch einen europäischen Mitspieler nicht unwesentlich beeinflussen könnte. Aber auch innerhalb Europas wird die europäische Kommission aktiv, insbesondere am Westbalkan soll die Abhängigkeit von Dritten durch eigene europäische Initiativen vermindert werden.

Insgesamt kann diese Erklärung von Ursula von der Leyen als ermutigend empfunden werden, wenn auch die einzelnen Ziele, die von ihr genannt worden sind, noch viel professionelle Arbeit unter Einbindung aller Beteiligten erforderlich machen.

Hinweis der Redaktion:

Apropos China: Mit großer Freude hat TOP LEADER die freudige Nachricht aufgenommen, dass das spektakuläre Buch unseres Co-Herausgebers Christoph Leitl, „China am Ziel – Europa am Ende?“ schon nach wenigen Wochen bereits IN ZWEITER AUFLAGE erschienen ist. Klare Leseempfehlung! Verlag ecowin, ISBN: 978-3-7110-0256-3, € 20.-

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Der große PON (Premium Online News) Report

Published on 18. September 2020

Nach dem starken Einbruch infolge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie im Frühjahr setzt die österreichische Wirtschaft die zur Jahresmitte begonnene Erholung zu Herbstbeginn fort. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im August um 0,8 auf minus 1,4 Punkte gestiegen“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Das neuerlich deutliche Plus signalisiert das hohe Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft. Allerdings nimmt die Dynamik schrittweise ab. Erstmals seit dem Ende des Lockdowns verbesserte sich der Indikator um weniger als einen Punkt gegenüber dem Vormonat. Es zeichnet sich klar ab, dass die Wachstumszuwächse, die sich aus der Wiedereröffnung der Wirtschaft ergeben haben, mittlerweile weitgehend aufgebraucht worden sind und für die weitere Erholung der Wirtschaft einiger Gegenwind besteht. Dies wird sich in den kommenden Monaten in einem geringeren Tempo der Erholung niederschlagen.“

Die Detaildaten des aktuellen UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators zeigen die ersten Anzeichen einer Ermüdung der Erholung gegen Ende des dritten Quartals bereits an. Nach der raschen Verbesserung nach der Wiederöffnung der Wirtschaft hat die Stimmung der Verbraucher mittlerweile den zweiten Monat in Folge einen Rückschlag erlitten. Steigende Infektionszahlen erhöhen die Verunsicherung hinsichtlich einer Normalisierung des Wirtschaftslebens und die ungebrochen angespannte Lage am Arbeitsmarkt verfestigt die Zurückhaltung insbesondere bei der Anschaffung langlebiger Konsumgüter. Nachdem die Bauwirtschaft früh und sehr rasch hochgefahren wurde, hat sich hier die beinahe überschießende Hochstimmung wieder gelegt. Nach dem zweiten Dämpfer in Folge herrscht am Bau im August jedoch weiterhin eine optimistische Grundstimmung vor.

„Während sich die Stimmung am Bau und der Konsumenten im August wieder verschlechtert hat, verstärkten sich jüngst die Signale einer Belebung der internationalen Konjunktur mit einer deutlichen Verbesserung des österreichischen Exportumfelds“, berichtet Bruckbauer. „Von diesem Rückenwind profitiert die heimische Industriestimmung bislang allerdings nur in kleinen Aufwärtsschritten. Dagegen hat die Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie in einigen Dienstleistungsbranchen im August zunehmend für Hoffnung gesorgt.“

BIP-Prognose für 2020 angehoben

Mit der raschen Öffnung der Geschäfte und der Lockerung der sozialen Distanzierungsmaßnahmen erholte sich die Konsumnachfrage nach dem Tief im April spürbar, da durch Kurzarbeit und umfangreiche soziale Transfers die Einkommenseinbußen in Grenzen gehalten werden konnten. Zudem sorgte der bestehende Nachholbedarf für viel Schwung, gestützt auf die während des Lockdowns angesammelten Ersparnisse. Im Schlepptau der Nachfrageerholung verbesserte sich auch die Lage in Industrie und Gewerbe zumal staatliche Garantien und eine sehr unterstützende Geldpolitik die Bereitstellung von Bankkrediten gefördert und sehr günstige Finanzierungsbedingungen erhalten haben.

„Durch den relativ kurzen Lockdown und die darauffolgende rasche Öffnung der Wirtschaft fiel der Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 in Österreich geringer aus als erwartet. „Die fiskal- und geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen haben erwartungsgemäß die Grundlage für eine starke Belebung der Wirtschaft im dritten Quartal geschaffen – wir haben daher unsere BIP-Prognose für 2020 von –8 auf –6,3 Prozent angehoben“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Damit wird der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2020 deutlich höher ausfallen als während der Finanzkrise. 2009 sank das BIP in Österreich um real 3,8 Prozent.

Der leichte Teil der Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke ist weitgehend erledigt. Die jüngsten Stimmungsindikatoren und realwirtschaftliche Daten weisen auf Gegenwind hin. „Wir sind hinsichtlich des Tempos der Erholung zum Jahreswechsel vorsichtiger geworden“, kommentiert Pudschedl. „Zum einen besteht wegen des schwächeren Wirtschaftseinbruchs weniger Spielraum beim Aufschwung und zum anderen ist die Zahl der Neuinfektionen früher als erwartet wieder gestiegen. Wir haben unsere Wachstumsprognose für 2021 von fast 7 auf 5 Prozent gesenkt.“ Die Prognose basiert auf der Annahme, dass es zwar zu keinem nationalen Lockdown kommt, jedoch zumindest bis zum Frühjahr mit lokalen Beschränkungen zu rechnen sein wird. Jedenfalls werden die Folgen der Pandemie weiterhin spürbar sein und Ende 2021 wird die österreichische Wirtschaft das Auslastungsniveau von vor der Coronakrise noch nicht erreichen.

Arbeitslosenquote Ende 2020 noch bei 9,5 Prozent

Die Entspannung der Lage am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich mittlerweile verlangsamt. Der weitere Rückgang der Arbeitslosenquote wird sich schwieriger gestalten, zumal vielen Branchen durch die Pandemiemaßnahmen wirtschaftlich belastet sind. Bei einigen Unternehmen wird das Kurzarbeitsprogramm als Überbrückungshilfe der Coronakrise nicht ausreichen, sodass mit Betriebsschließungen und Personalabbau gerechnet werden muss.

„Der laufende Verbesserungstrend am österreichischen Arbeitsmarkt wird sich in den kommenden Monaten weiter verlangsamen. Nach durchschnittlich 10 Prozent im Jahr 2020 erwarten wir für das kommende Jahr eine Arbeitslosenquote von zumindest 8 Prozent“, meint Pudschedl. Damit wird die Arbeitslosenquote 2021 noch deutlich höher sein als vor dem Ausbruch der Coronakrise. Zu Jahresbeginn 2020 war die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf fast 7 Prozent gefallen.

Mit Beginn des zweiten Halbjahres 2020 stieg die Teuerung in Österreich spürbar an. Trotz des gesamtwirtschaftlichen Nachfrageausfalls bedingt durch die Pandemie kam es vor allem in von der Krise besonders betroffenen Bereichen, wie dem Handel, den Bewirtungsdienstleistungen und der Freizeitwirtschaft kaum zu der erwarteten Inflationsdämpfung. Stattdessen wurden zusätzliche Kosten etwa durch Hygienemaßnahmen auf die Preise überwälzt. „In den kommenden Monaten wird die Inflation im Spannungsfeld zwischen einerseits niedrigem Ölpreis und Nachfrageausfall sowie andererseits den höheren Kosten durch die „Coronakrise“ bestimmt werden“, erklärt Stefan Bruckbauer. „Wir gehen davon aus, dass sich die Teuerung bis zum Jahresende relativ stabil um 1,5 Prozent bewegen wird und haben unsere Erwartung für den Jahresdurchschnitt 2020 von 1,1 auf 1,4 Prozent angehoben.“

Die Prognose für die nächsten Monate

Da von keiner wesentlichen Veränderung des aktuell niedrigen Erdölpreises auszugehen ist, wird bis knapp über den Jahreswechsel 2020/21 von diesem ein dämpfender Effekt auf die Inflation ausgehen. Ab dem Frühjahr 2021 wird der dämpfende Effekt jedoch voraussichtlich auslaufen. Zudem dürfte die seit 1. Juli 2020 geltende Reduktion der Umsatzsteuer auf vor Ort verzehrte Speisen und Getränke bzw. kulturelle Veranstaltungen auf fünf Prozent nicht verlängert werden, was zusätzlichen Preisauftrieb verursachen könnte.

Wenn auch die Zulassung eines Impfstoffs im ersten Halbjahr 2021 schrittweise zur Normalisierung des öffentlichen Lebens führen könnte, wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Konsumnachfrage wieder voll entfalten können wird. Auch wird die wirtschaftliche Unsicherheit sowie die nur langsame Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt die Nachfrage noch längere Zeit beschränken. Daher wird von der Nachfrageseite zwar 2021 im Vergleich zu 2020 ein stärkerer Druck auf höhere Preise ausgehen, dennoch ist für 2021 nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria nur eine moderate Aufwärtsentwicklung der Teuerung auf durchschnittlich 1,6 Prozent zu erwarten.

Da sich die Inflation im Euroraum dagegen bis zum Jahresende 2020 um die Nulllinie herumbewegen dürfte, wird die Europäische Zentralbank ihren expansiven geldpolitischen Kurs fortsetzen. „Die niedrigen Inflationserwartungen und das Risiko einer weiteren Aufwertung des Euro dürfte zu einer Aufstockung des Notfallkaufprogramms PEPP der EZB führen“, erwartet Bruckbauer. „Wir gehen von einer Ausweitung um 500 Milliarden Euro bis Ende 2021 aus. Eine Zinssenkung erwarten wir aus heutiger Sicht jedoch nicht.“

Überwiegender Optimismus im eigenen Betrieb

Da die Corona-Pandemie den österreichischen Unternehmen in den letzten Monaten einiges abverlangt hat, schätzen diese laut einer aktuellen Studie von Deloitte und SORA die Stimmung am Markt doch entsprechend verhalten ein. Innerhalb des eigenen Betriebes überwiegt jedoch der Optimismus. Gleichzeitig gibt es einen großen Wunsch nach Veränderung: Die Unternehmen fordern nachhaltige Maßnahmen und wollen keine Rückkehr zu alten Mustern. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist die nachdrücklichste Forderung. Außerdem stehen die langfristige Flexibilisierung der Arbeitswelt und die Ökologisierung des Steuersystems im Fokus. Denn auch in der durch COVID-19 ausgelösten Krise ist der Klimawandel nicht aus den Köpfen der Führungskräfte verschwunden – ganz im Gegenteil.

Mehr als die Hälfte der 614 befragten Führungskräfte glaubt, dass es ihren Kunden und ihrer Branche aktuell eher schlecht geht. „Mitten in der Corona-Krise haben die österreichischen Unternehmen ihren Optimismus nicht verloren – das ist eine erfreuliche Überraschung“, erklärt dazu SORA-Geschäftsführer Christoph Hofinger. „Dennoch nimmt die Sorge um die Marktentwicklung spürbar zu. Die Unternehmen verengen in dieser Situation aber nicht ihren Horizont, sondern sind bereit für nachhaltige Veränderungen.“

Reformbedarf

In puncto regulatorisches Umfeld belegt die Studie: Am wichtigsten sind den österreichischen Unternehmen jetzt Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. Neun von zehn Befragten fordern eine Senkung der Lohnnebenkosten (95%), eine steuerliche Entlastung nicht entnommener Gewinne (92%) sowie Vereinfachungen bei Förderungen (90%). Im Gegenzug zu diesen Erleichterungen würde die Mehrheit dafür auch andere Abgaben akzeptieren – allen voran im Energiebereich.

„Akuthilfen machen Sinn und bringen kurzfristige Lösungen“, kommentiert Bernhard Gröhs, CEO von Deloitte Österreich. „Langfristig braucht es aber nachhaltige Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten und die nachhaltige Förderung von Investitionen. Diese Forderungen sind lange bekannt, brennen aber jetzt besonders unter den Nägeln.“ Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist laut Umfrage bereit, auch selbst zu investieren: In die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, in die Digitalisierung sowie in die Umsetzung von Umweltmaßnahmen.

Allerdings haben die Krisenmonate Spuren hinterlassen. Im Vorjahr waren nur 24% über die Umsatz- und Gewinnentwicklung besorgt, heuer sind es ganze 52%. Dennoch sehen 57% der generellen Entwicklung des eigenen Betriebes eher zuversichtlich entgegen. Hinsichtlich des internationalen Umfelds und der globalen Herausforderungen zeigen sich die Unternehmen dagegen sorgenvoll. Das meiste Kopfzerbrechen bereiten die sozialen Folgen der Covid-19-Krise (75%) und die mittelfristige Konjunkturschwäche (70%). Und auch wenn die Corona-Krise allgegenwärtig ist – der Klimawandel ist nicht aus den Köpfen verschwunden. Er stellt für mehr als zwei Drittel (68%) der Befragten eine Sorge dar. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Anstieg um 16 Prozentpunkte.

Die Wirtschaft wird (noch) flexibler

Viele Folgen der Corona-Krise werden die österreichische Wirtschaft laut den Befragten noch länger begleiten. So hat die Pandemie langfristige Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und die Unternehmenskultur: Home-Office, Online-Meetings und mehr Selbstverantwortung werden auch in Zukunft bleiben.

74% rechnen mit einer langfristigen Zunahme der Flexibilität in der Belegschaft hinsichtlich ihrer Arbeitsweisen und Aufgaben, 70% erwarten auch flexiblere betriebliche Strukturen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen rücken bei 69% in den Fokus.

Die investitionslustvollen Regions-Präger

Published on 5. September 2020

„Wir prägen die Region durch unsere Niederlassung hier“, sagt Geschäftsführer Timo Snoeren im Exklusivinterview mit TOP LEADERS. Zudem habe die Studie gezeigt, dass durch Worthington weit über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus die Wirtschaft aktiviert und diese damit in Krisenzeiten auch geschützt wird.

Herr Snoeren, Worthington Kienberg hat vor kurzem sehr viel Geld in die Hand genommen …

Es wurden zehn Millionen Euro in den Bau einer 1.700 m² großen neuen Produktionshalle investiert. Damit erweitert sich ab Herbst die Worthington-Produktpalette von Stahl-Hochdruckbehältern auf Hochdruck-Composite-Behälter. Diese bestehen je nach Typ aus einem Kunststoff- oder Aluminiummantel und werden mit gehärteten Kohlefasern vollumwickelt. Diese Composite-Druckbehälter halten noch höheren Drücken stand und werden daher für Wasserstoff und Erdgas als Tank in Autos, Bussen, LKWs, Zügen und Schiffen verwendet.

Warum setzen Sie so stark auf Wasserstoff?

Umfassende Marktstudien zeigten uns schnell: Der Zeitpunkt und der Ort sind günstig für unsere Investition. Wir sind überzeugt davon, dass Wasserstoff die Antriebstechnologie der Zukunft ist und das für fast alle Fahrzeuge – von Bussen, über LKWs und PKWs bis hin zu Müllabfuhr-Autos und Gabelstaplern! Unser Anspruch war es, in Österreich Pionier auf diesem Gebiet zu werden. Wir hoffen selbstverständlich, dass die österreichische Bundesregierung der Ankündigung ihrer Wasserstoffstrategie Taten folgen lässt.

Stichwort Facharbeitermangel: Können sie genug qualifiziertes Personal finden?

Trotz der Tatsache, dass unser Firmenstandort zwar idyllisch im Erlauftal gelegen ist, aber doch etwas weg vom Schuss, können wir uns ob der Bewerberzahlen glücklich schätzen. Die Auszeichnung „Bester Arbeitgeber Österreich“ hilft uns dabei, dass sich zahlreiche vielumworbene Fachkräfte für Worthington entscheiden. Natürlich kann die Auswahl nie groß genug sein, also ist bei uns selbstverständlich jede Initiativbewerbung an at-personalbuero@worthingtonindustries.com herzlich willkommen!

Worthington hat auch das große Glück, mit Dr. Christian Rasche einen der weltweit anerkanntesten Experten aus dem Composite-Bereich seit langer Zeit mit an Bord zu haben. In seiner mehr als 30-jährigen Karriere hat er schon mehrfach verschiedene Typen von Composite-Druckbehältern konzipiert, produziert und auf den Markt gebracht. Es sind sein umfassendes Wissen sowie sein weltweites Netzwerk, die uns zuversichtlich in die Wasserstoffzukunft blicken lassen.

Wie gehen Sie denn generell mit der Corona-Krise um?

Worthington Kienberg hat beide Seiten der Medaille erlebt – je nach Produkt: Wir spürten beispielsweise im Umsatz unserer Erdgastanks die europaweiten vorübergehenden Werksschließungen in der Automobilindustrie. Auf der anderen Seite aber ist der Bedarf an medizinischen Sauerstoffflaschen für Krankenhäuser in ganz Europa bedeutend gestiegen, was sich auf uns positiv auswirkte.

Trotz allem hat auch Worthington Kienberg Kurzarbeit angemeldet. Ziel ist es, mit dieser Unterstützung nach der Krise wieder rasch und zu 100 Prozent durchstarten zu können. Da wir kurz vor dem Produktionsstart in der zusätzlichen Halle stehen, blicken wir mit diesem zusätzlichen Produktzweig positiv in die Zukunft.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Da möchte ich an erster Stelle unseren langjährigen Betriebsleiter Günther Ehrgott nennen und ihm zugleich danken: Es war sein rasches und effizientes Handeln, das es uns erlaubt hat, die Produktion trotz des landesweiten Lockdowns ununterbrochen weiterzuführen. Ehrgott wird seine über 40-jährige Erfahrung im Stahlflaschenbereich mit der Herstellung der Composite-Flaschen in enger Zusammenarbeit mit Dr. Christian Rasche erweitern.

Für Worthington hat die Gesundheit aller Mitarbeiter oberste Priorität. Dementsprechend haben wir die Produktion für zwei Tage (16. und 17. 3. 2020) eingestellt, um in dieser Zeit einen soliden Covid-19-Aktionsplan zu entwickeln. Unsere Schutzmaßnahmen umfassten u.a. Home-Office für alle Mitarbeiter, bei denen dies möglich ist. Eine sichere Produktionsumgebung zu gewährleisten, ist ungemein komplizierter, aber dennoch haben wir es geschafft. Dazu gehörten versetzte Schichtbeginn-Zeiten, um ein Aufeinandertreffen beim Umkleiden zu vermeiden, zahlreiche Plexiglas-Scheiben, keine Fahrgemeinschaften zur Arbeit, MNS-Masken für alle Mitarbeiter sowie Desinfektionsspender, Verlegung von Besprechungen auf Video- oder Telefonkonferenzen, Entfernung der Hälfte der Bestuhlung in Besprechungszimmern etc.

Apropos Mitarbeiterbetreuung: Worthington kam heuer zum vierten Mal in Folge auf den 1. Platz bei den „Besten Arbeitgebern Österreichs“ – wie kam diese Positionierung zustande?

Unsere Mitarbeiter haben durch ihre Bewertungen der Firma Worthington ein ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt. Das ist ein sehr gutes Zeichen für unsere Firmenkultur und unseren respektvollen und wertschätzenden Umgang. Wir sind sehr transparent. Die Mitarbeiter wissen quartalsweise durch sogenannte Infomeetings, wie es finanziell um die Firma steht. Jeder kann mit jedem über alles sprechen. Fairness und Konsequenz spielen da eine wichtige Rolle. Vor allem neue Mitarbeiter spüren diesen Unterschied sehr schnell. Es ist genau diese tolle Kultur des Miteinander, die uns zuversichtlich macht, dass wir auch den erforderlichen Kulturwandel hin zu einem digitalisierten und innovativen Unternehmen schaffen werden.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung für Worthington in Österreich in den kommenden Monaten bzw. Jahren?

Gut! Das Wasserstoffwerk macht uns ganz klar zukunftsfit, denn es erweitert unsere Produktpalette immens: Wir können nun nicht nur Industriegase-Kunden mit Hochdruckbehältern aus Stahl versorgen, sondern auch Auto-, Züge- Schiffs- und LKW-Hersteller mit Hochdruck-Tankbehältern aus Composite-Materialien. Wo die Reise hingehen soll, wird sich zeigen. Jetzt machen wir erst einmal Nägel mit Köpfen und starten im Herbst mit der Produktion im neuen Wasserstoffwerk.

Herr Snoeren, verraten Sie unseren Lesern auch Persönliches?

Vor mehr als 24 Jahren habe ich meine Frau, die Österreicherin ist, in England während des Studiums kennengelernt. Schnell war klar, dass wir uns – mit meinem internationalen Diplom und meinen für einen Holländer überdurchschnittlichen Deutschkenntnissen – im Mostviertel, der Heimat meiner Frau, niederlassen würden. Und ich habe die Entscheidung nie bereut (lächelt). Am 5. Mai 1999 habe ich dann als Verkäufer bei Worthington in Kienberg angefangen, wo man gerade auf der Suche nach internationalen Talenten war. Mit meinen niederländischen Wurzeln war mein Zuständigkeitsgebiet schnell klar: die BeNeLux-Länder. In den darauffolgenden Jahren hatte ich unterschiedliche Funktionen im Verkauf und habe das Unternehmen weltweit gut kennengelernt. 2015 bekam ich die Möglichkeit, bei einem unseren Joint Ventures (WAVE = Worthington-Armstrong Venture) als Vice President für das EMEA-Geschäft tätig zu werden. WAVE ist führender Hersteller für abgehängte akustische Deckenelemente. Es war eine harte, aber sehr lehrreiche Zeit. Als mir dann 2018 angeboten wurde, für Worthington als General Manager für das Hochdruckbehälter-Geschäft in Europa zurückzukehren, habe ich keine Sekunde überlegt!

Vielen Dank für das Gespräch!

TOP LEADER-Chancen für Europa

Published on 3. September 2020

Zugegeben – gefühlsmäßig ist so mancher von uns noch dem Sommer zugeneigt, der aufgrund oftmals alternativer Urlaubsplanung neue Möglichkeiten und Erfahrungen geboten hat. Wettermäßig haben wir in den letzten Tagen bereits einen kleinen Hinweis auf den herannahenden Herbst bekommen, der uns nicht nur im Hinblick auf die nach wie vor akute Corona-Pandemie auf wirtschaftlicher, sozialer, psychologischer und persönlicher Ebene mit Herausforderungen konfrontieren wird.

Herausforderungen darf man einen positiven Aspekt zugestehen und auch die Möglichkeiten sehen, die sie mit sich bringen. Als Präsident der europäischen Wirtschaftskammer EUROCHAMBRES freue ich mich, dass viele Anstrengungen unternommen worden sind, um diesen akuten Bedrohungen der Wirtschaft und unserer gesamten Gesellschaft bestmöglich entgegenzuwirken. Europa hat sich auf einen Rescue and Recovery Plan geeinigt – in schwierigen Zeiten steht man besser zusammen!

EUROCHAMBRES wird alle Anstrengungen unternehmen, um auf europäischer Ebene so wie bisher die Vorschläge unserer Mitglieder in dieses Rettungsprogramm einzubringen und bestmöglich umzusetzen.

Was sind also die Schwerpunkte von EUROCHAMBRES in diesem Herbst?

Abgestimmt mit Kommission und Parlament wollen wir an folgenden neun Punkten arbeiten:

  1. Rescue and Recovery-Programm: weitere Maßnahmen für unsere europäischen Betriebe setzen.
  2. Das mittelfristige Budget, das vom Rat beschlossen worden ist, vom Parlament jetzt noch nachverhandelt wird. Ich bemühe mich diesbezüglich vor allem auch darum, dass die De minimis-Regelung von 200.000 auf 500.000 Euro angehoben wird. Kein Nationalstaat ist verpflichtet, diese Möglichkeit auszunützen, es bedeutet allerdings ein wesentlich verringertes Maß an Bürokratie für diejenigen Länder, die ihren Unternehmungen, vor allem den kleinen und mittleren, konkret helfen wollen.
  3. Im Umweltbereich wird es zu einem Environmental law-Vorschlag kommen. Hier müssen wir nach dem Prinzip „Keine Strafen, sondern Belohnungen“ Anreize schaffen. Unser zentraler Punkt dabei ist die Circular Economy. Wir als Betriebe leisten damit gemeinsam mit der Politik und den Konsumenten einen ganz entscheidenden Beitrag zur Verbesserung unserer Umwelt.
  4. Future of Europe Conference. Die Diskussion über die Zukunft der Europäischen Union und die Stellung Europas in der Welt wird in diesem Herbst von der Kommission gestartet. Mir ist insbesondere die Einbindung junger Menschen in diese Diskussion wichtig, denn jetzt bietet sich die großartige Chance, gemeinsam entscheidende Zukunftsweichen zu stellen!
  5. Brexit. Es vermehren sich die Anzeichen, dass Großbritannien keine Lösungen will, sondern die EU ab 1. Jänner die WTO-Regeln den gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen zum United Kingdom zugrunde legen muss. Ich hoffe nach wie vor, dass Boris Johnson pokert, bin aber deswegen pessimistisch, weil er durch die Entfernung aller Pro-Europäer aus seiner Fraktion sehr viele Hardliner hat, die ihn nunmehr unter Druck setzen. EU-Betriebe müssen sich daher auf den worst case einstellen. Nachdem die WTO selbst derzeit gelähmt ist, wird das keine einfache Sache. UK ist in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Position, im zweiten Quartal war ein Wachstumseinbruch von 20 % zu verzeichnen (Europadurchschnitt 10 %).
  6. Digital Service Act. Eine der entscheidenden Forderungen der europäischen Wirtschaftskammer EUROCHAMBRES ist es, den gemeinsamen Markt zu stärken. In besonderer Weise trifft dies auch auf die Digitalisierung zu. Wir müssen stärker als andere Kontinente auf diesen Punkt setzen, Fördermöglichkeiten initiieren und unsere Betriebe in unseren nationalen und regionalen Vertretungen konkret mitbegleiten.
  7. Industrial Strategy. Welchen Weg nimmt die europäische Wirtschaft? (nicht nur Industrie!) Diese Strategie wird diskutiert und wir müssen ein wichtiger Teil dieser Diskussion sein. Was hat sich durch Corona verändert? Wie schauen die internationalen Lieferketten aus? Welchen Einfluss hat dies auf unsere geplanten Freihandelsabkommen?
  8. Migration. Die Europäische Kommission plant einen New Pact on Asylum and Migration. Ein Thema, das auch uns unmittelbar berührt, ist es doch nicht nur von großer Bedeutung für unseren Arbeitsmarkt, sondern auch für das Ziel einer gelingenden Integration. Ohne das Mitwirken der Betriebe wird eine solche Integration nicht gelingen.
  9. Kapitalmarkt. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig auch ein europäischer Kapitalmarkt als Teil des Binnenmarktes ist. Hier sind uns die USA und China weit voraus. Ohne eine gesunde Kapitalausstattung sind unsere Betriebe ständig in Gefahr. Neue Instrumente wie Unternehmensanleihen, Crowd Funding, usw., müssen rasch und unbürokratisch als Angebot für unsere Betriebe erarbeitet werden.

Mit diesem Ausblick auf die kommenden Prioritäten der europäischen Wirtschaftskammer möchte ich aufzeigen, auf welchen Schwerpunktfeldern gemeinsam agiert werden muss. Europa braucht die Erfahrungen und Vorschläge der unternehmerischen Praxis und wir als Unternehmerorganisation müssen diese liefern. Wir haben eine Verantwortung für unsere Betriebe, damit aber auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und schließlich die Stabilität der Gesellschaft in Europa. Europa hat die Chance, aus dieser Pandemie und ihren Herausforderungen gestärkt hervorzugehen. An dieser Chance müssen wir mitwirken. Eine große, herausfordernde, aber auch schöne Aufgabe!