Kategorie: Health

Schutz gegen Corona – es gibt ihn bereits!

Published on 3. Oktober 2020

Die reinigende Wirkung von Ozon ist schon lange bekannt. Das Gas aus drei Sauerstoffatomen (O3) oxidiert bzw. desinfiziert ohne Zusatzstoffe und tötet Keime in der Luft sowie auf Oberflächen mit einer rund 3000mal intensiveren Wirkung als Chlor.

Durch Studien mehrfach abgesichert steht fest, dass schon nach kurzer Behandlungszeit mit hoher Ozon-Konzentration praktisch 100 Prozent sämtlicher umhüllter Viren definitiv eliminiert werden. Das dritte Sauerstoffatom von O3 trennt sich leicht von den anderen beiden und verbindet sich mit anderen Substanzen. Dadurch zerfällt das Partnermolekül und O2 bleibt als normaler Luftsauerstoff übrig. Ozon reagiert mit den Eiweißen in der Außenhaut von Viren und Sporen (Keimen, Bakterien, Pilzen, Hausstaub, Tierhaare etc.) und zerstört diese.

Qubozone ist das Gerät dafür.

Realisiert wird diese Technologie mit dem Ozongenerator „Qubozone“, der Büros, Schulen, Wohnungen, Privaträume, öffentliche Bereiche etc. in fünf bis 60 Minuten bis maximal 1440 m³ (je nach Modellgröße) effizient, rasch und sicher reinigt. Dies geschieht trocken und ohne jedwede chemische Substanzen. Vor allem Flächen und schwer zugängliche Bereiche können damit außerordentlich gründlich gesäubert werden.

Die Ozongeneratoren Qubozone 10/20/40 sind ISO- und CE-zertifiziert und bestechen durch geringes Gewicht (6,2 kg) und komfortable Bedienung. Jede Fläche bzw. jeder Raum wird in vier einfachen Schritten desinfiziert:

  1. Gerät aufstellen,
  2. gewünschte Zeit (je nach Kubatur) einstellen,
  3. Raum verlassen,
  4. Raum fertig desinfiziert und gereinigt.

Hochwertige Bauteile und Komponenten garantieren einwandfreie Laufleistung, das Gerät ist mittels Fernbedienung steuerbar, wartungsfrei und verfügt über eine Garantie von zwei Jahren. Für größere Flächen gibt es Qubozone 20 und Qubozone 40.

Ab 1.990,00 Euro Netto können Sie sich damit sicher gegen Corona schützen!

Atos Wellness GmbH

Medizintechnik & Beauty

Schlumbergerstraße 28

2540 Bad Vöslau

www.qubozone.at

office@atos-wellness.com

Tel.: 0676/3153160

COVID-19: Sechs Impfstoff-Entwicklungen machen Hoffnung

Published on 20. September 2020

Die Aufregung war groß. Als der russische Präsident Wladimir Putin Mitte August in einem virtuellen Regierungstreffen berichtet, dass in seinem Land weltweit der erste Impfstoff gegen den Corona-Virus registriert wurde gehen die Wellen hoch. Vor allem im Westen echauffiert man sich über die “verantwortungslose Vorgangsweise” in Moskau. Was folgt ist ein propagandistischer Schlagabtausch, der fast an die Zeit des Kalten Krieges erinnert. In Wahrheit war das Ganze wohl eher ein Sturm im Wasserglas. Wie die Rechercheplattform correctiv.org recherchiert hat, handelte es sich schlichtweg um einen Übersetzungsfehler. Putin sprach von einer Registrierung und nicht von einer Zulassung, wie in zahlreichen Medien berichtet wurde (Details zu den Quellen im Bericht des Börse Express – Link zum entsprechenden PDF am Ende des Artikels.)

Run auf Impfstoffe

Tatsächlich soll der russische Impfstoff, der in Anlehnung an den Sputnik-Schock auch als “Sputnik V” bezeichnet wird und derzeit klinische Prüfungsphasen durchläuft, auch schon in größeren Dosen produziert werden. Ab Jänner 2021 soll er dann zur Verfügung stehen. Erste Länder sollen sich, noch vor dem Feststehen der endgültigen Testresultate, bereits Impfdosen gesichert haben. Das ist allerdings nichts Ungewöhnliches, denn der Run auf die – noch gar nicht verfügbaren – Impfstoffe hat längst eingesetzt. Verschiedene – auch europäische Länder schließen bereits Vorverträge über die Lieferungen von Impfstoffkontingenten ab, noch bevor die Impfstoffe offiziell zugelassen sind. In einer Stellungnahme der EU-Kommission heißt es dazu etwa: „Die EU-Kommission hat heute (Mittwoch) die Vorgespräche mit BioNTech-Pfizer über den Kauf eines möglichen Impfstoffs gegen COVID-19 abgeschlossen. BioNTech-Pfizer ist das sechste Unternehmen, mit dem die Kommission Gespräche zum Abschluss geführt hat. Zuvor war dies bereits mit Sanofi-GSK am 31. Juli, mit Johnson & Johnson am 13. August sowie mit CureVac am 18. August und Moderna am 24. August der Fall. Ein erster Vertrag, der mit AstraZeneca geschlossen wurde, ist am 27. August in Kraft getreten.“

Das börsennotierte deutsche Biotech-Unternehmen BioNTech, das gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer an einem Impfstoff forscht, meldete zudem bereits am 20. Juli, dass es mit Großbritannien einen Vorvertrag über die Lieferung von 30 Millionen Impfstoffdosen eines möglichen Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 abgeschlossen habe (siehe Link im PDF).

211 Impfstoffkandidaten

Zwei Tage später folgte die Ankündigung, dass auch die US-Regierung einen Vertrag über die Lieferung von 100 Millionen Impfdosen unterzeichnet hat. 1,95 Milliarden US-Dollar will die Trump-Administration dafür springen lassen. Außerdem sicherte sich die amerikanische Regierung durch den Vertrag weitere 500 Millionen Impfdosen (siehe dazu Linksammlung im PDF – Downloadmöglichkeit unten). In der gleichen Aussendung kündigten Pfizer und BioNTech an, dass man auf gutem Weg sei die klinischen Testphasen 2b/3 noch im Juli 2020 zu starten, um im Oktober eine behördliche Überprüfung beantragen zu können. Man rechne damit bis Ende 2020 an die 100 Millionen Impfstoffdosen produzieren zu können, bis Ende 2021 sollen dann mehr als 1,3 Milliarden Impfstoffdosen produziert werden. Knapp einen Monat später veröffentlichte Pfizer erste positive Ergebnisse der Phase 1 Studie. Derzeit wird der Impfstoff in der dritten klinischen Phase an tausenden Freiwilligen getestet. Detail am Rande: Am 17. September wurde außerdem bekannt, das BioNTech von Novartis eine Produktionsanlage für COVID-19-Impfstoffe erworben hat. Das deutsche Unternehmen dürfte sich seiner Sache also ziemlich sicher sein.

Der von BioNTech und Pfizer entwickelte Impfstoff ist aber bei weitem nicht das einzige Produkt, welches dem Corona-Virus zu Leibe rücken soll. Das amerikanische Milken Institute zählt aktuell 211 Impfstoffkandidaten, von denen sechs bereits in der dritten, der letzten vor einer behördlichen Zulassung, klinischen Phase getestet werden. Es könnte also durchaus sein, dass bereits im kommenden Winter ein Impfstoff verfügbar ist. Ein mehr als bemerkenswerter Umstand, denn normalerweise dauert die Entwicklung bis zur Marktreife an die zehn Jahre.

Doch nicht nur bei der Impfstoffentwicklung hat ein, in der Medizingeschichte beispielloses Rennen eingesetzt. Auch was die Behandlung der COVID-19 Erkrankung betrifft wird rund um den Globus geforscht und getestet. Das Milken Institute verzeichnet am 10.09. insgesamt 315 Therapien, deren Testung mehr oder weniger weit fortgeschritten ist. Bei zahlreichen Therapeutika, die jetzt auf ihre Wirksamkeit getestet werden, handelt es sich um Wirkstoffe bzw. Medikamente, die schon gegen andere Erkrankungen eingesetzt wurden und werden.

COVID-Forschung in Österreich

Geforscht wird auch in Österreich. Allein in Wien laufen laut einer interaktiven Karte der PHARMIG (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs) zwölf Unternehmensprojekte, eines läuft in Graz. Ein Beispiel ist das biopharmazeutische Unternehmen Marinomed, dessen CEO Andreas Grassauer kürzlich erklärte: „Wir konnten nun mit ersten Tests zeigen, dass Carragelose® auch gegen SARS-CoV-2 ein wirksamer Virus-Blocker ist. Diese Ergebnisse werden inzwischen von unabhängigen Studien in den USA und Argentinien bestätigt.“

Das Wiener Biotech-Unternehmen APEIRON Biologics wiederum sicherte sich im Juni dieses Jahres 17,5 Millionen Euro, die unter anderem in die weitere Entwicklung ihres Medikamentenkandidaten APN01 zur Behandlung schwer erkrankter COVID-19-Patienten fließen sollen. APN01 gehört laut APEIRON zu den am weitesten entwickelten Medikamentenkandidaten zur Behandlung von COVID-19 und zu den wenigen spezifisch gegen das Corona Virus gerichteten Therapieansätzen. In einer Aussendung vom Juni heißt es: „Bei positivem Verlauf der laufenden Phase II-Studie könnte nach Ansicht von Experten voraussichtlich eine beschleunigte Marktzulassung erfolgen.“

Das französische Biotech-Unternehmen Valneva, welches 2013 aus einer Fusion der österreichischen Intercell mit der französischen Vivalis, hervorging und einen Sitz in Wien hat, forscht ebenfalls an einem Impfstoff.

Digitale Lösungen

Im Kampf gegen das Virus tun sich aber nicht nur Biotech- und Pharmaunternehmen hervor. Auch digitale Mittel sollen dazu beitragen die Pandemie einzudämmen. Wie diese digitalen Lösungen dazu beitragen können dem Virus Herr zu werden hat schon früh das in Graz beheimatete Bioinformatik-Unternehmen Innophore aufgezeigt. Ende Jänner, als das Virus vor allem in China auftrat, sorgte Innophore für internationale Schlagzeilen. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich die Beunruhigung hierzulande noch in Grenzen, bis Mitte März der Lockdown verfügt wurde.

Innophore ist ein 2017 gegründeten Unternehmen, das eine Art Suchmaschine für Enzyme entwickelt hat, die mittels eigener Algorithmen Wirkstoffe rasch identifizieren soll. Im Zusammenhang mit COVID-19 wurde aus einem Testdurchlauf schnell eine Zusammenarbeit mit einem pharmazeutischen Unternehmen in Peking und dem „Chinese Center for Disease Control and Prevention“. Auf der ersten Liste der vielversprechendsten Stoffe, die gegen COVID-19 helfen könnten fand sich der Wirkstoff Lopinavir, der in der Behandlung von HIV reüssieren könnte.

FASTCURE. Aus diesen ersten Anfängen entstand das Projekt FASTCURE, das weltweit größte computerbasierte Screening-Projekt. In einem internationalen Konsortium haben sich Innophore, das acib (Austrian Centre of Industrial Biotechnology), die Universität Graz, die Universität Innsbruck und internationale Partner wie die Harvard Universität, Google und die ShanghaiTech University zusammengeschlossen. Mehr als zwei Milliarden Wirkstoffe sollen im Rahmen des Projektes auf ihre Einsatzmöglichkeit gegen COVID-19 getestet werden.

Der Kampf gegen den Virus ist noch nicht vorüber. Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass weltweit enorme Geldmittel in den Life Science Sektor fließen, von denen auch österreichische Life Science Unternehmen profitieren.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der digitalen Ausgabe des Börse Express publiziert. Er bildet den Auftakt zu einer neuen Serie über die Life Science Industrie weltweit und in Österreich. Die digitale Ausgabe des Börse Express mit zusätzlichen Tabellen, Grafiken und weiterführenden Links können Sie hier downloaden: https://bit.ly/bex_life_science_1

Autor/in: Mag. Harald Fercher

Roter Alarm!

Published on 18. September 2020

Man kann es gar nicht eindringlich genug formulieren: Laut dem neuen Living Planet Report der Naturschutzorganisation WWF wurden die weltweit untersuchten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen im Schnitt um über zwei Drittel reduziert. In den am stärksten betroffenen Süßwasser-Lebensräumen haben die untersuchten Bestände sogar einen Verlust von im Schnitt 84 Prozent erlitten. Insgesamt fällt das Barometer des Living-Planet-Berichts in seiner 13. Auflage auf einen neuen Tiefstand.

 „Unsere Natur wird rücksichtslos ausgebeutet und zerstört, obwohl sie absolut systemrelevant ist“, warnt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich. „Das schadet nicht nur unzähligen Tieren, sondern auch unseren eigenen Lebensgrundlagen. Denn die Ernährungssicherheit und Gesundheit von Milliarden Menschen hängt direkt von intakten Ökosystemen ab. Werden sie weiter vernichtet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit künftiger Pandemien!“

Zu den wesentlichen Treibern des Negativtrends zählen laut WWF-Report die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen, die Entwaldung, der illegale Wildtierhandel und die Wilderei. Dazu kommen die negativen Folgen der menschgemachten Erderhitzung. Der WWF fordert daher einen grundlegenden Systemwechsel, um den systematischen Raubbau zu stoppen und innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften. „Wäre der Living-Planet-Index an der Börse, würde die größte Panik aller Zeiten ausbrechen“, bringt es Scattolin auf den Punkt. „Sofort-Hilfe-Pakete der Politik wären die Folge. Genau das brauchen wir auch zum Schutz der biologischen Vielfalt!“

Flächenfraß zerstört Lebensräume in Österreich

Die Wildtierbestände gehen nicht „nur“ in Regenwäldern und Meeren zurück, sondern auch vor unseren eigenen vier Wänden, wo es im Langzeit-Vergleich sogar besonders massive Einbrüche gibt. Neben der Übernutzung durch intensive Landwirtschaft ist vor allem der hohe Bodenverbrauch ein wachsendes Problem. Von fossilen Großprojekten im Straßenbau über Skigebietsverbauungen bis zu immer neuen Supermärkten am Ortsrand verliert Österreich tagtäglich im Schnitt 13 Hektar Boden. „Österreich ist schon lange kein Umweltmusterland mehr“, kritisiert WWF-Bodenschutz-Sprecherin Maria Schachinger. „Der Flächenfraß zerschneidet und zerstört wertvolle Lebensräume für Wildtiere und beraubt sie damit ihrer Lebensgrundlage.“

Besonders schlecht ist es um die Flüsse bestellt, die vor allem durch den extremen Ausbau der Wasserkraft immer stärker belastet werden. Nur noch 15 Prozent der Flüsse sind ökologisch intakt. Laut einer BOKU-Studie gelten rund 60 Prozent der heimischen Fischarten als gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. „Wir haben beim Bodenverbrauch jedes naturverträgliche Maß überschnitten – daher braucht es auch hier einen Systemwechsel“, fordert Schachinger.

Ernährungswende muss her!

 „Einerseits gehören Arten und ihre Lebensräume überall besser geschützt, andererseits müssen wir an den Wurzeln der Probleme ansetzen und eine Ernährungswende einleiten“, fordert Georg Scattolin. „Das heißt: Lebensmittel sehr viel umweltfreundlicher erzeugen und konsumieren. Parallel dazu muss der extrem hohe Bodenverbrauch gestoppt werden.“ Vor allem der Amazonas wird rücksichtslos abgeholzt, um neue Flächen für die Agrarindustrie und die Produktion von Futtermitteln zu gewinnen, die wiederum für die Tierhaltung nach Europa exportiert werden. Auch deswegen sind die untersuchten Wildtier-Bestände in Süd- und Zentralamerika noch stärker geschrumpft als anderswo.

Gewässer und Feuchtgebiete sind am stärksten betroffen, weil diese Lebensräume massiv unter übermäßiger Wasser-Verschmutzung, Wasser-Entnahme und Verbauung leiden. Darüber hinaus zeigen Beobachtungen und Langzeitstudien in Westeuropa und Nordamerika einen Rückgang der Insektenzahlen und ihrer Biomasse. In zwei Worten: Roter Alarm!

Tipps und Tricks gegen das Virus

Published on 11. August 2020

Wie können Arbeitgeber Covid-19 Infektionen ihrer Beschäftigten vermeiden?

Dazu sieben prägnante Hinweise:

Vertrauensbasis schaffen und umfangreich unterweisen

Neben den Führungskräften kommt Sicherheitsfachkräften oder Arbeitsmedizinern eine hohe Bedeutung zu. An ihnen liegt es, eine vertrauensvolle Arbeitsbasis zu schaffen. Da derzeit viele falsche bzw. eine unübersichtliche Flut an Informationen in den Medien kursieren, können diese Personen mit klaren und präzisen Informationen und Unterweisungen einer Verunsicherung auf Seiten der Beschäftigten entgegenwirken. Dabei ist es allerdings wichtig, keine Ängste zu schüren, sondern Vertrauen in die Schutzmaßnahmen aufzubauen.

Gefahren evaluieren und Maßnahmen ableiten

Die im Moment wichtigste Aufgabe ist die Evaluierung der Risiken und Gefahren, mit denen die Mitarbeiter im Arbeitsalltag konfrontiert sind. Sind diese identifiziert, können daraus Maßnahmen und Handlungsanleitungen entwickelt werden, um den Schutz der Beschäftigten und somit auch die Leistungsfähigkeit des Betriebes sicherzustellen. Managementsysteme wie die ISO 45001 (Arbeitssicherheit und Gesundheit) oder die ISO 22301 (Vermeidung von Betriebsunterbrechungen) können die Verantwortlichen in den Unternehmen dabei stark unterstützen.

Wo möglich: Kontakte vermeiden!

Der wichtigste Übertragungsweg ist jener durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch. Daher gilt an erster Stelle, den (direkten) Kontakt mit anderen Menschen so gut wie möglich zu vermeiden bzw. auf jene Zeit zu verschieben, wo dies ohne Infektionsgefahr möglich sein wird. Auch alternative Möglichkeiten für Meetings sind denkbar – hier haben sich statt Besprechungen in großen Gruppen oder persönlichen Kundenterminen zahlreiche Tools wie bspw. Videokonferenzen etabliert, die einen guten Ersatz darstellen.

Technische Maßnahmen zum Arbeitnehmerschutz

Wo persönlicher Kontakt nicht vermeidbar ist, kann die Technik helfen, die Übertragung von Covid-19 zu verhindern. So kann man Abgrenzungen wie z.B. Trennscheiben errichten bzw. Absperrungen oder mechanische Barrieren aufbauen, um mehr Abstand zwischen den Personen zu schaffen. Auch die Trennung von Arbeitsbereichen durch Nutzen anderer Räumlichkeiten oder das Auseinanderrücken von Tischen ist hilfreich.

Gute Organisation wirkt Wunder

Ebenso sind bei organisatorischen Maßnahmen der Kreativität keine Grenzen gesetzt. So kann man z.B. eine zeitliche Staffelung der Arbeiten durchführen und gleichzeitiges Arbeiten nur dann, wenn technisch unbedingt notwendig, erforderlich machen. Bei Meetings, Schulungen oder Arbeitsübergaben, die nicht durch Video- oder Telefonkonferenzen ersetzt werden können, ist ein möglichst großer Abstand zwischen den Teilnehmern zu schaffen. Durch häufiges Lüften von Räumen kann ein Übertragungsrisiko zusätzlich minimiert werden.

Auf persönliche Schutzmaßnahmen setzen

Was sich in den letzten Wochen auch in unserem Kulturkreis bereits etabliert hat, ist das Vermeiden von Handkontakten, das unbedingt auch weiterhin beibehalten werden sollte. Der Mindestabstand zu anderen Personen im Unternehmen sollte einen Meter betragen. Kann dieser nicht sichergestellt werden, sind Mund-Nasen-Schutz, Gesichtsschild oder – wo erforderlich – eine FFP-Schutzmaske verpflichtend. Masken, Brillen oder Handschuhe sind laut WHO im Allgemeinen nicht erforderlich, allerdings ist auf regelmäßige Handhygiene durch Händewaschen oder Verwendung eines Desinfektionsmittels zu achten.

Auf Vorbildwirkung setzen

Die beste Unterweisung, die kreativsten Informationsaushänge und coolsten Anleitungen via E-Mail können niemals das erreichen, was von Führungs- und Präventivkräften durch konsequentes Vorleben der Schutzvorgaben erzielt werden kann. Auch wenn ein Mund-Nasen-Schutz unbequem ist, dient dieser dem Schutz aller – daher sollten jene Personen, die vorgeschriebene Schutzmaßnahmen ignorieren, ebenso konsequent auf deren Einhaltung hingewiesen werden.

Weitere Praxistipps im Rahmen von BCM

Das neue Fachbuch „Business Continuity − Ihre Krisenstrategie: Betriebsunterbrechungen meistern mit ÖNORM EN ISO 22301:2020“ gibt einen kompakten Überblick darüber, wie sich Unternehmen auf Notlagen vorbereiten können. Denn jeder Betrieb kann – auch unverschuldet – in eine Situation geraten, in der einfach nichts mehr geht. Die Produktion steht still, Webseiten sind nicht mehr verfügbar, Schlüsselmitarbeiter sind ausgefallen, Lieferketten wurden unterbrochen. Die Liste der möglichen Störfälle, die zu einer Betriebsunterbrechung führen können, ist lang und unüberblickbar: Naturkatastrophen, Ausfälle in der Energie- oder Telekommunikationsversorgung, Cyber-Attacken, Unfälle oder Epidemien und Pandemien, wie es zahlreiche Unternehmen und Organisationen aufgrund von Covid-19 erleben mussten. Ein vorausschauendes, aktualisiertes und umfassendes Business Continuity Management (BCM) kann bei der Auswahl von angemessenen Lösungen für – auch länger andauernde – Krisensituationen helfen.

Wolfgang H. Mahr gibt im Fachbuch „Business Continuity − Ihre Krisenstrategie: Betriebsunterbrechungen meistern mit ÖNORM EN ISO 22301:2020“, das soeben im Verlag von Austrian Standards erschienen ist, einen kompakten Einblick in die Grundlagen von BCM. Er erläutert, warum sich Organisationen aller Größen mit diesem Thema auseinandersetzen und ein entsprechendes Vorgehen planen, umsetzen und pflegen sollten. „Um in der Lage zu sein, auch größere Ereignisse zu bewältigen, ist es wichtig, ein standardisiertes BC-Vorgehen zu wählen. Dadurch können für das Unternehmen Vorteile erreicht werden, wie Verbesserung von Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit.“

Mahr teilt seine profunde Expertise zu BCM zu den internationalen Standards der Familie 223xx und zu weiteren Regelwerken, ergänzt durch Praxistipps, -beispiele und einer Fallstudie zur Covid-19-Pandemie. Diese hat gezeigt, wie schnell flächendeckende Betriebsunterbrechungen, ausgelöst von äußeren Ereignissen, auftreten können. Das Business Continuity Institute hat dazu im April und Mai 2020 eine Umfrage unter rund 300 Unternehmen in 50 Ländern durchgeführt, die im vorliegenden Buch ebenfalls vorgestellt wird.

Die Publikation richtet sich an vorausblickende Entscheider in Unternehmen, Business- und IT-Manager, die das Unternehmen und die Mitarbeitenden verantwortungsvoll vor Schaden bewahren wollen und damit nachhaltig die Sicherheit und Resilienz ihrer Organisation stärken.

Ganzheitlich und methodisch

BCM ist ein methodischer Managementansatz, der die Abläufe und Geschäftsbereiche in einem Unternehmen oder einer Organisation ganzheitlich betrachtet, mögliche Gefahren identifiziert und proaktiv einen umfassenden Plan zur Wiederherstellung des Betriebs bzw. zur Minimierung einer plötzlichen Störung des Betriebes bereitstellt. Eine verbindliche Anforderungsliste für eine Vorgangsweise für Unternehmen auf hohem Niveau (Zertifizierung) stellt die aktualisierte ÖNORM EN ISO 22301:2020. „Bestehen interne oder externe Gründe, eine ,große‘ Lösung anzustreben, empfiehlt sich die Implementierung des Standards ÖNORM EN ISO 22301:2020. Diese Lösung ist für mittlere bis große Unternehmen die bevorzugte Entscheidung“, lautet Mahrs Empfehlung.

Mahr unterstreicht aber − wie in allen Regelwerken festgehalten − auch, dass Business Continuity Management ein fortlaufender Prozess ist, der immer wieder adaptiert werden muss: „Im Idealfall sollte ein entsprechendes Schutzkonzept bereits bei der Gründung und Konzeption eines Unternehmens berücksichtigt bzw. erstellt werden. Eine frühe Berücksichtigung ist ebenfalls bei der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen von Vorteil, da eine spätere ,Rucksack‘-Lösung in der Regel viel teurer wird und die Realisierung meist enorme Schwierigkeiten mit sich bringt.“

Wolfgang H. Mahr, Business Continuity − Ihre Krisenstrategie

Betriebsunterbrechungen meistern mit ÖNORM EN ISO 22301:2020

ISBN Buch: 978-3-85402-405-7, 42,90 Euro

ISBN E-Book ePub: 978-3-85402-406-4, 33,99 Euro

Das TOP-Forschungsprojekt „Fit im Job“

Published on 27. Juli 2020

Der Fachkräftebedarf in Österreich besteht auch in Zeiten einer Corona-bedingten höheren Arbeitslosigkeit weiter und wird mit zunehmender Erholung der Wirtschaft noch weiter zunehmen. Es gibt hier mehrere Punkte, um gegenzusteuern. Einer davon besteht darin, ältere Menschen länger in Beschäftigung zu halten, um auch ihr Know-how und ihre Erfahrung für die Unternehmen möglichst lange nutzen können. Eine zukunftsweisende Möglichkeit dazu ist der Einsatz von hochtechnisierten Hilfsmitteln wie Exoskeletten. Davon profitieren Mitarbeiter und Wirtschaft gleichermaßen, weil diese Hilfsmittel zum Erhalt und zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit von älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen beitragen.

Exoskelette kamen bisher als hochtechnisierte Hilfsmittel für Querschnittsgelähmte, in der Raumfahrt oder im Behindertensport zum Einsatz. Jetzt sollen sie auch Menschen in der Arbeitswelt helfen, gesund zu bleiben. Dass Exoskelette eine geeignete Technologie darstellen können, zeigt das vom Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) an der Johannes Kepler Universität Linz initiierte Forschungsprojekt „EnableMe 50+“, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Arbeitsplätze in Hinblick auf ihre Altersgerechtigkeit bewertet und unter Einbezug der Faktoren Mensch, Technologie und Organisation konkret ausgestaltet werden können. Das Projekt liefert Hinweise darauf, wie altersgerecht einzelne Arbeitsplätze gestaltet sind. Mitarbeiter der Handelsfirma REWE (BILLA und MERKUR) und des Feuerwehrausstatters Rosenbauer haben Exoskelette im Praxiseinsatz erprobt – mit unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der praktischen Anwendbarkeit. „Im Forschungsprojekt arbeiteten bis Ende Juni das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik der JKU Linz, das Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz und die beiden Konzerne zusammen. Ziel war es, eine praktikable Option für altersgerechte Arbeitsgestaltung zu entwickeln, für die physische Assistenzsysteme eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Tanja Spennlingwimmer, Geschäftsführerin des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA).

Bei der „Fit-im-Job“-PK: (v.l.n.r) Tanja Spennlingwimmer, Markus Achleitner, Daniel Tomaschko, Veronika Rabl.

Es konnte gezeigt werden, dass bei harter manueller Arbeit körperliche Beschwerden und Muskel-Skelett Erkrankungen – trotz Einhaltung ergonomischer Standards – im Altersverlauf auf das etwa Zehnfache ansteigen. Basierend auf der in der Studie festgestellten Entlastungswirkungen lässt sich abschätzen, dass durch den Einsatz passender Exoskelette das ergonomische Risiko zur Entwicklung von Muskel-Skelett-Erkrankungen für 62 Prozent der Arbeitsplätze auf ergonomisch unbedenkliche Werte reduziert werden kann. „Die Ergebnisse liefern erste Hinweise für die zielgerichtete Implementierung von Exoskeletten zur Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze, es braucht aber noch weitere Forschung und Langzeitstudien, um belastbare Aussagen zur nachhaltigen Entlastungswirkung treffen zu können“, betont Spennlingwimmer.

„Bei einer flächendeckenden Umsetzung von Exoskeletten in der österreichischen Industrie besteht die Chance, rund zwei Millionen Krankenstandstage durch Muskel-Skeletterkrankungen präventiv zu vermeiden und damit Kosten für Unternehmen und Staat von etwa einer Milliarde Euro zu reduzieren“, sagt Univ.-Prof. Christian Ramsauer, Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz. Die Bereitstellung unterschiedlicher Exoskelette erfolgte im Projekt durch die Firmen awb Schraubtechnik- und Industriebedarf GmbH und Exomys Augmented Humanity GmbH. Vor allem die von awb zur Verfügung gestellten Exoskelette wiesen dabei eine hohe Praxistauglichkeit auf.

Nachhaltige, altersgerechte Arbeitsplätze

Exoskelette sind bereits in einigen Branchen erfolgreich im Einsatz. Diese technischen Stützapparate stellen ein gutes Werkzeug dar, um körperliche Arbeit komfortabler und vor allem gesundheitsschonender verrichten zu können. Das Muskel-Skelett-System wird entlastet und Folgekrankheiten vorgebeugt. Bei Rosenbauer kamen sie nun erstmals im Rahmen des Forschungsprojektes EnableMe 50+ zum Testeinsatz. „Wir sind aus Tradition neugierig und probieren gerne Neues aus. Die Chance, Exoskelette direkt in unseren Produktionswerken zu testen, haben wir gerne wahrgenommen“, sagt Daniel Tomaschko, Technikvorstand der Rosenbauer International AG.

Rosenbauer ist Weltmarktführer bei Feuerwehrtechnik sowie -ausrüstung und zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Wirtschaftsregion Oberösterreich. In Österreich beschäftigt das Unternehmen knapp 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeder Vierte davon ist über 50 Jahre, Tendenz steigend. Zwei Drittel des Rosenbauer-Teams arbeiten in Produktion und Logistik. Gerade in diesen Unternehmensbereichen findet man die meisten alterskritischen Arbeitsplätze, denn hier werden viele Beuge- und Hebearbeiten durchgeführt. Daniel Tomaschko sieht die Aufgabe des Unternehmens ganz klar: „Als verantwortungsvoller Arbeitgeber haben wir den Anspruch, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neben einer ausgewogenen Work-Life-Balance auch eine moderne und sichere Arbeitsumgebung zu bieten. Dabei legen wir großen Wert darauf, ein altersgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen, das Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig bewahrt.“

Bei der Erhaltung der Mitarbeitergesundheit setzt Rosenbauer stark auf präventive Maßnahmen. Innerbetriebliche Lösungen, wie etwa das Bereitstellen alternativer Arbeitsplätze im Krankheitsfall und das Angebot entsprechender Weiterqualifizierungen gehören zwar zum Standardrepertoire der Mitarbeiterfürsorge, sind aber zu wenig weit gegriffen. Die Beteiligung am dreijährigen Forschungsprojekt EnableMe 50+ hat gute Impulse geliefert. 45 Mitarbeiter in Produktion und Logistik wurden mit unterschiedlichen Exoskelett-Typen ausgestattet und im Zeitraum von insgesamt 37 Stunden in ihrer Arbeit unterstützt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz dieser Stützapparate, vor allem in diesen Arbeitsbereichen ideal ist, um Mitarbeiter bei Beuge- und Hebearbeiten im unteren Rücken zu entlasten. Das persönliche Belastungsempfinden wurde um fast ein Drittel reduziert und über die Hälfte der Testpersonen bestätigt, dass die Exoskelette gut zu ihrem Arbeitsplatz passen. „Die hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern motiviert uns, weitere Tests durchzuführen. Den jetzigen Probelauf sehen wir als Standortbestimmung. In weiterer Folge wird es darum gehen, den Komfort und die praktische Anwendung in weiteren, potenziellen Einsatzbereichen des Unternehmens auszutesten“, so Tomaschko. Für Rosenbauer ist es jedenfalls ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigen, altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung für das Team.

(v.l.n.r) Rosenbauer-Technikvorstand Daniel Tomaschko, Tanja Spennlingwimmer, GF Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA), Rosenbauer-Mitarbeiter Elias Rashid, Veronika Rabl, Leiterin Human Resources REWE Group Österreich, IAA-Präsident und Landesrat Markus Achleitner.

Mitarbeiter als wichtigster Erfolgsfaktor

Als einer der größten Arbeitgeber und größter Lehrlingsausbildner Österreichs steht die REWE International AG auch in der Verantwortung, durch gesellschaftliches Engagement und nachhaltiges Handeln Arbeitszufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Produktivität aktiv zu fördern und zu erhalten.

„So bereitwillig wir alle durch immer neue Assistenzsysteme in unseren Autos oder unseren Mobiltelefonen eine Mensch-Maschine-Interaktion eingehen, so selbstverständlich wird man möglicherweise schon in einigen Jahren Exoskelette für körperlich anstrengende Arbeiten verwenden, um präventiv vorzeitiger Überlastung entgegenzuwirken“, meint Veronika Rabl, Leiterin Human Resources bei der REWE Group Österreich. „Die Chance, diese Unterstützungsapparate direkt im Einsatz zu sehen, haben wir sehr gerne wahrgenommen. Wir hoffen, so auch Forschung und Weiterentwicklung im Bereich Exoskelette zu unterstützen. Wir sehen dieses Projekt als eine zukunftsträchtige Initiative zur Gesundheitsprävention. Denn Gesundheit ist unser wichtigstes Gut, trägt wesentlich zur Lebensqualität bei und ist nicht zuletzt entscheidend für ein glückliches Berufsleben.“

Fakten zu Covid-19

Published on 3. Juni 2020

Die Parallelen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen sind frappant: Dutzende, wenn nicht Hunderte Milliarden Euro (bzw. Dollar) geistern derzeit tagtäglich wahlweise als Verluste oder mögliche Zuschüsse durch die globale Öffentlichkeit. Wenn das Virus selbst „berechnet“ wird, kommt es zu ähnlichen Erscheinungen: Schon die nackten Zahlen können verwirren – und deren Interpretationen dann noch deutlich mehr.

Es kommt eben (allzu) oft auf die wissenschaftliche Integrität und gelegentlich – denkt man an die Politik – wohl auch auf den guten Willen bzw. wahlweise auf den vielzitierten gesunden Menschenverstand an. Dazu zwei Beispiele, das erste kommt von der ETH Zürich. Dort haben Wissenschaftler eine mögliche zweite Pandemiewelle in der Schweiz berechnet. Eine solche dürfte deutlich langsamer anrollen als die erste, schliessen Dirk Mohr, Professor für Numerische Materialmodellierung am Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik, sowie Fadoua Balabdaoui, Senior Scientist am Seminar für Statistik, aus ihrem neuen mathematischen Modell. „Die Behörden werden daher im Vergleich zur ersten Welle mehr Zeit haben um zu handeln und um Massnahmen laufend anzupassen“, sagt Mohr. Die Gesellschaft habe einen Lernprozess durchgemacht und verhalte sich heute vorsichtiger als zu Beginn der Pandemie. Selbst wenn die Reproduktionszahl in den nächsten Wochen und Monaten wieder über 1 steigen sollte, werde sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr so hoch sein wie zu Beginn der ersten Infektionswelle Anfang März.

In einer zweiten Welle wird es in der Schweiz daher auch kaum zu einem Engpass im Gesundheitswesen kommen. „Das ist einerseits eine gute Nachricht, andererseits aber auch trügerisch“, warnt Mohr. „Besonders heimtückisch wäre eine sehr langsam ansteigende zweite Welle mit einer Reproduktionszahl nur knapp über 1“. Auch eine solche könnte zu einer sehr grossen Zahl an zusätzlichen Todesfällen führen. „Um möglichst viele davon zu verhindern, müssen Behörden zu einem Zeitpunkt Massnahmen beschliessen, an dem die Spitäler nicht in der Nähe eines Kollapses stehen. Ohne einen Kapazitätsengpass vor Augen nimmt die Bevölkerung die Bedrohung möglicherweise nicht wahr oder ihr fehlt das Verständnis für einschränkende Massnahmen.“

Massnahmen in allen Bereichen sinnvoll

Um die Zukunftsszenarien berechnen zu können, kalibrierten die Wissenschaftler ihr Modell mit den von den Kantonen veröffentlichten offiziellen Zahlen der Vergangenheit. Wie beim Erstellen einer Wetterprognose berechnete das Modell die Zukunft – Modell und Berechnungen haben die Wissenschaftler auf der Plattform Medrxiv veröffentlicht. Nach ihrem Wissen handelt es sich bei ihren Modellrechnungen um die ersten, die für die Schweiz sehr detailliert auch die Demografie und die altersspezifischen Kontaktmuster berücksichtigen. So gelang es ihnen, für die erste Pandemiewelle die Reproduktionszahl für jede Altersgruppe gesondert zu berechnen. Dabei zeigte sich, dass in der Schweiz die 10- bis 20-​Jährigen sehr stark und die 35- bis 45-​Jährigen ebenfalls überdurchschnittlich zur Verbreitung des Virus beitragen. Die Senioren hingegen tragen stark unterdurchschnittlich dazu bei.

Die Zahl der zu erwartenden Todesopfer bei einer allfälligen zweiten Welle hängt stark von ihrem Ausmass und ihrer Dauer ab, wie die Berechnungen zeigen. Ein Szenario der Wissenschaftler geht während einer zweiten Welle von folgenden Annahmen aus: Im öffentlichen Leben gelten dieselben Abstandsregeln wie jetzt, 30 Prozent der Arbeitskräfte würden im Homeoffice arbeiten, alle Schulen wären normal geöffnet, ohne dass dort besondere Massnahmen gelten würden (= Verhalten der Schüler wie vor der Pandemie). In diesem Szenario ist in einer zweiten Welle in der Schweiz mit 5000 weiteren Covid-​19-Toten zu rechnen – zusätzlich zu den Opfern der ersten Welle, deren Zahl derzeit bei mehr als 1600 liegt. Wegen der längeren Dauer der zweiten Welle würde der maximale tägliche Bedarf an Intensivbetten immer noch unter dem der ersten Welle liegen.

Die Modellrechnungen machen jedoch deutlich, dass alle Massnahmen, welche die Übertragungswahrscheinlichkeit reduzieren, die Zahl der Todesfälle in der Bevölkerung stark verringern würden. Dies gilt für Massnahmen bei allen Altersstufen, insbesondere bei der erwerbstätigen Bevölkerung und den 10- bis 20-​jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Wissenschaftler legten in ihrer Studie einen besonderen Fokus auf diese letzte Altersgruppe: Würde sich die Übertragungswahrscheinlichkeit in den Schulen durch konsequent eingehaltene Abstandsregelungen und Hygienemassnahmen halbieren, sänke die erwartete Anzahl zusätzlicher Todesfälle in der Gesamtbevölkerung von 5000 auf unter 1000. ETH-​Professor Mohr: „Wir müssen uns bewusst sein: Wenn die Reproduktionszahl über 1 liegt, lohnen sich Massnahmen in den Schulen, bei der Arbeit und im öffentlichen Leben. Sie mögen im Einzelfall übertrieben erscheinen, doch sie retten immer Menschenleben!“

Sicher kein Glücksspiel: Ein „Lock-down“ eine Woche später hätte die CoV-Zahl vervierfacht.

„Lock-down“ eine Woche später hätte CoV-Zahl vervierfacht

Auch hierzulande gibt es spannende Berechnungen. Bekanntlich wurde in Österreich am 16. März der „Lock-down“ zur Eindämmung der Pandemie verfügt. Hätte man nur sieben Tage später reagiert, wäre es in etwa zu einer Vervierfachung der positiv getesteten Fälle gekommen (40.000 statt rund 10.000) und mehr als tausend (statt 250) Intensivbetten wären belegt gewesen, meint der Simulationsexperte Niki Popper von der Technischen Universität Wien. Diese Modellrechnung fokussiere sich „ausschließlich auf die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen“.

Österreich habe nicht zu viele Kapazitäten freigehalten, bestätigt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). „Hätten wir nicht frühzeitig reagiert, hätte es dazu geführt, dass wir bis an die Grenzen der Möglichkeiten gegangen wären.“ Zum Höhepunkt der Pandemie hatten die Österreicher ihre Kontakte um rund 90 Prozent reduziert. „Das gemeinsame Reduzieren von Freizeitkontakten war enorm wichtig“, erläutert Popper. Ein Rückgang von 50 Prozent hätte die Kurve wiederum weiter steigen lassen.

Zum Höhepunkt der Pandemie hatten die Österreicher ihre Kontakte um rund 90 Prozent reduziert.

In den vergangenen Wochen ist hierzulande immer wieder die Wichtigkeit von Containment und Tracing betont worden – und auch das hat Popper simuliert. Eine Reaktionszeit von 3,8 Tagen, bis Infizierte aus dem Kontaktnetzwerk herausgenommen werden und niemanden mehr anstecken können, bedeute ein langsames Wachstum der Zahlen. „Wenn wir länger brauchen, um Menschen rauszunehmen, bei 5,7 Tagen etwa, geht die Kurve sehr schnell wieder nach oben“, plädiert Popper dafür, die Reaktionszeit zu verkürzen.

Und es kann auch psychisch krank machen!

In einem aktuellen „Lancet“-Beitrag beschreiben Forscher, dass eine Covid-19-Infektion auch zu Angststörungen, Schlaflosigkeit oder Gedächtnisproblemen führen kann. Die Wissenschaftler durchsuchten verschiedene Datenbanken und schlossen 65 Studien und sieben vorveröffentlichte Studien (Preprints) in die Auswertungen ein. Insgesamt umfassten die Auswertungen 3559 Infektionsfälle mit den drei Coronaviren SARS-CoV, MERS-CoV und eben SARS-CoV-2. Das Alter der Infizierten reichte dabei von 12,2 bis 68, die Patienten wurden zwischen 60 Tagen und 12 Jahren beobachtet.

In ihrem Review konnten die Wissenschaftler während einer akuten Erkrankung häufig folgende Symptome ausmachen: Verwirrtheit (36 von 129), depressive Verstimmung (42 von 129), Angststörungen (46 von 129), Gedächtnisstörungen (44 von 129) und Schlaflosigkeit (54 von 129 Patienten). Bei 13 von 1744 Patienten mit SARS kam es zu Steroid-induzierten Manien und Psychosen.

In der Phase nach der akuten Erkrankung kam es zu depressiven Verstimmungen (35 von 332), Schlaflosigkeit (34 von 280), Angststörungen (21 von 171), Reizbarkeit (28 von 218), Gedächtnisstörungen (44 von 233) und Fatigue (61 von 316 Patienten). In einer Studie litten 55 von 181 Patienten an traumatischen Erinnerungen und 14 von 14 an Schlafstörungen. In der Meta-Analyse werteten die Wissenschaftler die Prävalenz zu einem Zeitpunkt aus: für post-traumatische Stresserkrankungen lag die Prävalenz bei 32,2, für Depressionen bei 14,9 und für Angststörungen bei 14,8 Prozent. 446 von 580 Patienten aus sechs Studien konnten nach durchschnittlich 35,5 Monaten wieder zu Arbeit gehen.

Daten einer Studie zu Patienten mit Covid-19 zeigten Anzeichen für häufiges Auftreten von Delirium. Verwirrung zeigte sich bei 26 von 40 Patienten auf der Intensivstation, Unruhe bei 40 von 58. Eine andere Studie zeigte Bewusstseinsveränderungen bei 17 von 82 Patienten. Andere Daten zeigten wiederum bei 33 Prozent von 45 Patienten nach der Entlassung ein dysexekutives Syndrom (Frontalhirnsyndrom). Es gab außerdem zwei Berichte von hypoxischer Enzephalopathie und einen Bericht über Enzephalitis.

Ohne Kommentar: Nackte Zahlen – rund um die Welt

Stand: 22. 5. 2020

Land: Einwohnerzahl/Infizierte/Todesfälle

  • Österreich: 8,9 Mio./16.343/633
  • USA: 327,2 Mio./1.582.466/94.327
  • Russland: 144,5 Mio./308.705/2.972
  • Spanien: 46,7 Mio./279.524/27.888
  • Großbritannien: 66,4 Mio./248.293/35.704
  • Italien: 60,5 Mio./227.364/32.330
  • Frankreich: 57 Mio./181.575/28.132
  • Deutschland: 82,8 Mio./178.443/8.259
  • Türkei: 83,2 Mio./152.587/4.222
  • Iran: 81,8 Mio./126.949/7.183
  • Belgien: 11,5 Mio./55.983/9.150
  • Niederlande: 17,3 Mio./44.447/5.748
  • Schweden: 10,2 Mio./31.523/3.831
  • Schweiz: 8,6 Mio./30.658/1.892
  • Tschechien: 10,7 Mio./8.698/304
  • Ungarn: 9,8 Mio./3.598/470
  • Griechenland: 10,7 Mio./2.850/166
  • Kroatien: 4,1 Mio./2.234/96
  • Slowenien: 2,1 Mio./1.468/105

Die Bahn und die Masken

Published on 2. Juni 2020

Mit Corona sind MNS-Masken zu täglichen Begleitern geworden. Das Tragen ist in Geschäften, Zügen und am Bahnhof Pflicht. Um den neuen Alltag ein Stück weit besser meistern zu können, sind die Snackautomaten am Wiener Hauptbahnhof in Kooperation mit arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich mit MNS-Masken bestückt. Die Schutzbehelfe wurden von unterschiedlichen Sozialen Unternehmen angefertigt.

Die ÖBB haben dabei rund 1.100 MNS-Masken von sozialökonomischen Betrieben angekauft. Diese sind in allen 23 Snackautomaten an den Bahnsteigen und im Gebäude des Wiener Hauptbahnhofs erhältlich. Die Masken sind aus Stoff und können damit gewaschen und wiederverwertet werden – ein sehr umweltfreundlicher Aspekt. Ein Stück kostet 7 Euro – die Einnahmen kommen den Sozialen Unternehmen zugute.

„Im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel haben wir in der Regierung Regelungen getroffen, die einen sicheren Betrieb ermöglichen, wozu das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehört“, kommentiert Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Die Kooperation mit arbeit plus habe doppelten Mehrwert, erklärt ÖBB-CEO Andreas Matthä. „Einerseits bieten wir unseren Fahrgästen einen hochwertigen MNS direkt am Bahnhof. Andererseits unterstützen wir arbeit plus dabei, neue Wege zur Gestaltung und Verteilung von Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft aufzeigen zu können.“ Denn neben dem gesellschaftlich sinnvollen Produkt geht es auch darum, Arbeitsplätze im sozialen Bereich und für ohnehin schon Benachteiligte zu erhalten.

„Die arbeit plus #maskforce steht für den Schutz der Gesundheit und bringt mit ihren nachhaltig produzierten MNS-Masken auch Vorteile für die Umwelt und den Erhalt von Arbeitsplätzen von Menschen mit sich“, erklärt arbeit plus-Geschäftsführerin Schifteh Hashemi . Die rund 200 Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus, deren gemeinsame Zielsetzung die Reintegration von Menschen in den Arbeitsmarkt ist, haben ihre Arbeitsweisen sehr rasch und innovativ auf die Krisensituation angepasst und neue Dienstleistungen und Produkte entwickelt. Etwa 30 Unternehmen österreichweit, die an ihren Standorten auch über Nähereien verfügen, haben flexibel und spontan auf die Produktion von Schutzbehelfen umgesattelt. So konnten Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen, die in ebendiesen Unternehmen wieder Fuß im Arbeitsmarkt fassen, bestehen bleiben und zum Teil sogar ausgeweitet werden.

Die Snackautomaten am Wiener Hauptbahnhof sind jetzt auch mit MNS-Masken bestückt.

Auf den ÖBB Bahnhöfen kommen Schutzbehelfe aus folgenden Sozialen Unternehmen zum Einsatz = „das hilfreiche Dutzend“:

  1. gabarage – Upcycling Design: Mit Upcycling-Masken steht das soziale Unternehmen aus Wien für soziales Engagement und ökologische Nachhaltigkeit.
  2. Kümmerei gute Arbeit powered by Job-TransFair in Wien verhilft am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen zu einer neuen Anstellung, die ihren Fähigkeiten und Lebensumständen gerecht wird – so auch bei der MNS-Produktion.
  3. Nachbarinnen: Mit den Masken aus der Nähwerkstatt der Nachbarinnen wird die Selbstermächtigung von Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund und der Gesellschaft als Ganzes unterstützt.
  4. lebmit&bunttex ist ein sozialökonomischer Betrieb im Textil- und Lebensmittelbereich in Gmünd und unterstützt Frauen beim (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt.
  5. Luna – Frauenbeschäftigungsprojekt Hollabrunn: Zielsetzung des gemeinnützigen Beschäftigungsprojekts Luna ist es, arbeitslosen Frauen aus der Region Hollabrunn den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
  6. S|B|S Social Business Service GmbH: Die „Produktion mit Weitblick“ in Purgstall an der Erlauf schafft u.a. mit der MNS-Maskenproduktion Zukunftsperspektiven für Mensch und Region.
  7. St:WUK Natur.Werk.Stadt: Vielfältig, nachhaltig, kreativ sind die Schlagworte, für die das Grazer Projekt steht – und so sind auch ihre Masken.
  8. St:WUK Die Manufaktur: Der Verein zur Förderung von Menschen mit besonders erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet u.a. in der Näherei in Graz neue Perspektiven.
  9. uniT: Im Rahmen des Beschäftigungsprojekts der Kulturinitiative uniT Graz werden im Theater am Lend Upcycling NMS-Masken genäht.
  10. Jugend am Werk Steiermark ist mit den Projekten/Standorten neuplanen und inservice Feldbach Teil der arbeit plus #maskforce und steht für Qualifizierung und Reintegration in den Arbeitsmarkt.
  11. Die Koryphäen: Der regional engagierte, sozial-ökonomisches Betrieb aus dem Burgenland setzt auf die Kraft der Talente und Fähigkeiten, die seine Mitarbeiter ins Unternehmen einbringen.
  12. 4everyoung: Das soziale Unternehmen aus Kärnten produziert im Rahmen des Beschäftigungsprojektes „Gute Dinge“, wie etwa MNS-Masken.

Kommunale Top-Leader treffen einander

Published on 18. Mai 2020

Öffentliche Räume erfüllen unverzichtbare integrative und kommunikative Aufgaben und sollen dabei ihrer Funktion als Ort der Begegnung, des Verweilens und des Kommunizierens gerecht werden. Wenn sich viele Nutzungsansprüche überlagern, geht es darum, eine Balance zwischen diesen Interessen zu finden und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Der öffentliche Raum bietet Platz für Interaktion und für das Verweilen – sowohl öffentliche als auch private und kommerzielle Interessen müssen berücksichtigt werden. „Die Bewohner wollen ihre Stadt wieder zurück“, bringt es ein hochrangiger Stadtentwickler präzise auf den Punkt. Je nach Lage kommen unterschiedliche Aufgabenstellungen zum Tragen, z. B. hoher Nutzungsdruck im dicht bebauten Gebiet oder die Sicherung größerer Freiräume am Stadtrand.

Begegnungszonen? „Sehr wichtig!“

Da sich viele Gemeinden zunehmend außer Stande sehen, die Flächen und Einrichtungen des öffentlichen Raumes zu unterhalten und selbst zu bewirtschaften, verstärken sich die Tendenzen zur Privatisierung öffentlich genutzter Einrichtungen bzw. die Übertragung von Rechten und Pflichten an privatrechtliche Unternehmen wie Flughäfen oder Bahnhöfe. Während der renommierte Architekt Rem Koolhaas meinte, dass der öffentliche Raum ohnehin nur mehr zum Shoppen benutzt werde, zeigt die tatsächliche Entwicklung in eine andere Richtung: In Österreich können Städte und Gemeinden seit 2013 Begegnungszonen realisieren. Jahrzehntelang hatte man den Autos die Straße überlassen, beinahe kampflos. Auf ihr verkümmerten Fußgänger und Fahrradfahrer zu Marginalien, zu Randerscheinungen, denen man maximal ein enges Streifchen rechts und links vom Herrschaftsgebiet des Autos zugestanden hatte. „Mangel an Fußgängerinfrastruktur spiegelt ungenügende Demokratie wider“, befand der Bürgermeister von Bogotá, Enrique Peñalosa. Unbestritten sind Begegnungszonen nach wie vor ein politischer Spaltpilz, wie in Wien vor Kurzem die teilweise sehr scharfe Diskussion rund um die Rotenturmstraße bewiesen hat. In der Inneren Stadt und in der Brigittenau wären laut einer Meinungsumfrage genau der Hälfte der Befragten weitere Begegnungszonen „sehr wichtig“, in allen anderen Wiener Bezirken sind es sogar mehr als 50 Prozent.

Begegnungszone in Graz: Sonnenfelsplatz, Blick von der Schubertstraße.

In Graz wurden eine Begegnungszone rund um das Klinikum sowie am Sonnenfelsplatz realisiert – letzterer in Vor- bzw. Nach-Corona-Zeiten immerhin täglicher Kreuzungspunkt mit ca. 4000 m² und mit ca. 15.000 KFZ/Tag, vier städtischen Buslinien, ca. 8000 Radfahrern und ca. 14000 Fußgängern. Zu Spitzenzeiten beweg(t)en sich hier 3.400 Fußgänger und 640 Radfahrer pro Stunde. Deshalb wurde der öffentliche Raum so gestaltet, dass er zu einem Ort der Begegnung, Kommunikation und des sozialen Umgangs wurde und dennoch seine Funktion als Verkehrsraum wahrt: Die Nivellierung der Bordsteine sowie der weitgehende Verzicht auf Beschilderung und Fahrbahnmarkierungen führen zu erhöhter Aufmerksamkeit und Wahrnehmung sowie zu verstärktem sozialen Verhalten. Bei der Gestaltung wurde insbesondere auf die Barrierefreiheit (Niveauunterschiede bei Bushaltestellen, Nivellierung der Bordsteinkanten, Umsetzung eines taktiles Blindensystem sowie gesicherte Überquerungsräume für Blinde und Sehbehinderte) geachtet. Im Zusammenhang mit Tastplänen für Sehbehinderte wurde auch ein begleitendes Mobilitätstraining angeboten.

Seit 2013 können Städte (hier: Salzburg) und Gemeinden hierzulande Begegnungszonen realisieren.

In Salzburg wurde im Sommer 2019 der Platz zwischen Stadtbibliothek und Interspar rechtlich als Begegnungszone verordnet. Der Vorplatz „Neue Mitte Lehen“ wurde bereits im Rahmen der Errichtung vor mehreren Jahren nach den Grundsätzen eines SharedSpace errichtet und soll durch Begrünung weiter attraktivert werden. Schon länger gibt es die Begegnungszone Lastenstraße, die als wesentlicher Bestandteil der Bahnhofsoffensive verwirklicht wurde. Hier ist die bauliche Gestaltung besonders bemerkenswert: Ein bepflanzter Mittelstreifen erleichtert die Querung für Fußgänger, neue Bäume sorgen für Mikroklima und Beschattung. Die Baumscheiben wurden mit Gläsern und bunten Pflanzen aufgewertet und gewährleisten hohe Aufenthaltsqualität, Poller in Form von Betonklötzen bieten u.a. Sitzgelegenheiten. Damit wir einander möglichst bald wieder entspannt begegnen können.

Austro-Start-Up forscht auf Weltniveau

Published on 18. Mai 2020

Das 2017 von Michael Lukesch gegründete Biotech-Unternehmen Valanx Biotech konnte sich eine sechsstellige Seed-Beteiligung eines Syndikats bestehend aus IST cube, tecnet equity und SOSV aus den USA sichern. Hinzu kommt eine Förderungsfinanzierung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in Höhe eines siebenstelligen Betrags. Valanx Biotech ist am – mit dem IST Austria verbundenen – Technologiepark IST Park angesiedelt und entwickelt auf Basis eines patentierten Ansatzes eine hochspezifische Technologieplattform. Diese ermöglicht eine schnelle und kostengünstige Herstellung von genau definierten Protein-Wirkstoffkonjugaten sowie Peptidkonjugaten. Die Technologie soll in der Arzneimittelentwicklung, Diagnostik und Biosensorik ihre Anwendung finden.

CEO Michael Lukesch: „Mit unserer Technologie werden wir Pharma- und Biotechnologieunternehmen unterstützen, Proteinwirkstoffe rascher und zuverlässiger herzustellen. Durch unseren Prozess werden Proteinkonjugate in ihrer molekularen Zusammensetzung genau definiert, was in der Produktion und auch in der Wirkstoffsicherheit einen signifikanten Vorteil bietet. Viele Impfstoffe sind Proteinkonjugate. Die jüngsten pandemischen Ereignisse zeigen zweifellos das außerordentliche Potential unseres Zugangs auf.“

Synthetische Biologie

Mit den neuen Investoren hat Valanx ein umfangreiches (inter-)nationales Netzwerk an Bord geholt. „Zusammen mit der Erweiterung unseres Teams und der Besiedelung unseres neuen Labors im erst kürzlich eröffneten IST Park in Klosterneuburg leitet dieses Investment eine neue Phase in unserer Entwicklung ein“, sagt Lukesch. „Nun wollen wir unsere revolutionäre Technologie der Proteinkonjugation so schnell wie möglich zur Marktreife entwickeln und gezielt auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse hin anpassen.“

(v.l.n.r) Alexander Schwartz (IST cube), Markus Wanko (IST Austria Park), Michael Lukesch (Valanx), Dores Agneter (tecnet) und Christian Laurer (tecnet)

Der Schwerpunkt der nächsten Monate wird auf der Optimierung der Technologie sowie auf dem Ausbau der Kontakte zu Industriepartnern liegen.

Dazu der Lead Investor IST cube: „Valanx setzt innovative Techniken aus der Synthetischen Biologie ein, um kreative Lösungen für ein bislang ungelöstes Problem der Kunden in der Pharmaindustrie und darüber hinaus anzubieten. Mit unserem Investment unterstützen wir das hohe Potenzial der Valanx-Technologie und das starke Team unter der Leitung von Michael Lukesch. Gerade jetzt zeigt sich, dass wissenschaftsbasierte Startups dringend benötigte Lösungen bieten. IST cube setzt seine Arbeit mit Startups auch in der Krise mit vollem Engagement fort.“

Doris Agneter, CEO von tecnet equity: „VALANX verspricht, die Konjugate als Werkzeug für völlig neue Anwendungen der Industrie einsetzbar zu machen. Wir schaffen als Investor das Umfeld, dass diese disruptive Technologie ihr volles Potenzial entwickeln kann. Gemeinsam mit IST Cube und SOSV ermöglichen wir Entwicklungsarbeit auf Weltniveau“.

Hinter den kapitalen Kulissen

IST cube ist ein Investment Fund, der vom Institute of Science and Technology Austria gemeinsam mit weiteren Investoren ins Leben gerufen wurde. IST cube fokussiert auf Startups mit akademischem Hintergrund, sowie junge High-Tech-Unternehmen in Österreich, denen Finanzmittel in frühen Entwicklungsphasen, sowie Anschlussfinanzierungen zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus bringt IST cube internationales Know-how in der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen in seine Portfolio-Unternehmen ein.

tecnet equity ist mit einem Fondsvolumen von rund 50 Millionen Euro einer der führenden Eigenkapitalgeber für Frühphaseninvestments in Österreich. tecnet finanziert junge Technologieunternehmen und Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen durch Venture Capital. Die Unterstützung geht weit über das finanzielle Investment hinaus. Mit persönlichem Engagement, einem internationalen Netzwerk und langjähriger Erfahrung begleitet tecnet seine Portfolio-Unternehmen zum Erfolg. Als klassischer Early Stage Investor ist tecnet seit vielen Jahren ein aktiver Teil der österreichischen Startup-Szene.

Wie infiziert sind Österreichs Gemeinden?

Published on 11. Mai 2020

Sie sind für die Bevölkerung wichtige Ansprechpartner und halten mit großem persönlichen Einsatz den täglichen Betrieb und die Infrastruktur am Laufen. Durch den zu erwartenden Rückgang der Kommunalsteuer und der Ertragsanteile wird die Covid-19-Krise auch zur finanziellen Herausforderung für die Gemeinden. Ein gemeinsames und beherztes Vorgehen sowie eine gute Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen sind daher erforderlich. Prinzipiell ist der gute Wille auch so gut wie überall spür- bzw. erkennbar. Aber auch die Gemeinden werden es nicht leicht haben …

„Das Land Oberösterreich konnte den Bürgermeistern zusichern, dass die Bedarfszuweisungsmittel für aktuell in Umsetzung befindliche Projekte gesichert sind“, sagen der oö. Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger und der oö. Gemeindebund-Präsident Johann Hingsamer. Auch neue Projekte der Daseinsvorsorge können gestartet werden. „Zukunftsinvestitionen in den Bereichen Bildung oder Sicherheit sollen weiter geplant und durchgeführt werden“, kann sich Hiegelsberger einen kleinen Vergleich jedoch nicht verkneifen. „Das Land Oberösterreich handelt hier bewusst anders als beispielsweise Tirol, das einen generellen Stopp für neue Projekte verfügt hat.“

Generell müssen die öffentlichen Haushalte in der aktuellen Situation ihre Reserven nutzen, um den Wirtschaftskreislauf in Schwung zu halten. Die CoV-Pandemie strapaziert natürlich auch die Budgets der Gemeinden: Im Gegensatz zu Bund und Ländern ist es aber für viele Bürgermeister schwerer, an rettende Kredite zu kommen. Ohne Zusatzmaßnahmen könnten deshalb etliche österreichische Kommunen schon bald Zahlungsprobleme bekommen und die Bürgermeister müssen sich fragen, ob sie im Herbst noch alle Gehälter zahlen und ihren Verpflichtungen nachkommen können.

Bei den Kommunalsteuern wird es für die Gemeinden deutliche Einbußen geben.

(Viel) Weniger Steuereinnahmen

Dabei gibt es eine vordergründig gute Nachricht für die Gemeinden: Bei den indirekten Steuereinnahmen – „gelernter“ Begriff: „Finanzausgleich“ – leitet der Bund einen Teil seiner Einnahmen etwa aus Umsatz- oder Körperschaftssteuern an die Länder und eben an die Kommunen weiter. Der Prozentsatz dieser Anteile ist fix ausverhandelt, wodurch die überwiesenen Summen direkt von der Höhe der Steuereinnahmen abhängig sind. Die Verrechnung erfolgt allerdings erst zwei Monate später. Die Einbrüche, die der Bund schon im März gespürt hat, werden sich also erst jetzt im Mai in den Gemeindebudgets zeigen, der somit alles andere als ein „Wonnemonat“ sein wird.

Für ganz Österreich (exkl. Wien) rechnet der Gemeindebund für den Mai mit einem Minus von mehr als 13 Prozent. Und die Situation dürfte sich dann weiter verschlechtern, denn die Talsohle soll laut vorsichtigen Schätzungen erst im Juli erreicht werden. Der Gemeindebund geht von Einbußen in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro beim Finanzausgleich aus, dazu käme etwa das Doppelte – also weitere 100 Millionen Euro weniger als budgetiert – aus dem Bereich der Kommunalsteuer, die direkt von den Unternehmen an „ihre“ Kommunen zu entrichten sind. Beträchtliche Einbußen sind natürlich auch bei Tourismus- bzw. „Lustbarkeits“-Abgaben zu befürchten.

In Niederösterreich seien wenigstens die Zahlungen VOR der Krise relativ hoch ausgefallen. Außerdem wurden im Landtag bereits Kreditregeln für Gemeinden gelockert. Nicht jede Gemeinde kann allerdings gleich gut auf zusätzliche Kredite zurückgreifen, denn der Schuldenstand pro Kopf ist im größten Bundesland im Österreich-Vergleich sehr hoch. Im niederösterreichischen Durchschnitt lag der Schuldenstand zuletzt bei mehr als 2.000 Euro pro Einwohner, in einzelnen Kommunen bei fast 9.000 Euro. Dadurch kann es für Gemeinden im Unterschied zum Bund und auch den meisten Ländern sehr schwierig werden, neue Geldgeber zu finden. Der Präsident des Österreichischen Gemeindebunds Alfred Riedl wünscht sich jedenfalls ein Konjunkturpaket für die Kommunen. Nach der Bewältigung der Gesundheitskrise müsse es hier Gespräche mit Bund und Ländern geben: „Wir dürfen auf keinen Fall vergessen, dass die Gemeinden die lokalen Konjunkturmotoren sind.“